Rente als einziges Einkommen im Alter
Die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) trägt 53 Prozent aller Einkommen in Seniorenhaushalten, so steht es im Rentenversicherungsbericht 2025 des Bundesarbeitsministeriums. Das klingt zwar nach einer soliden Basis.
Was dieser Durchschnitt vaber erschleiert: Für einen erheblichen Teil der Rentnerinnen und Rentner ist die gesetzliche Rente nicht nur die Basis, sondern das einzige Einkommen. Wer alleinlebend ist und keine Betriebsrente, kein Riester-Guthaben, keine Mieteinnahmen oder sonstige Einkünfte hat, lebt von nur von dieser Basis; und das sind bei Frauen im Schnitt 955 Euro.
955 Euro für Frauen, 1.405 Euro für Männer: Die Lücke im Rentenzahlbetrag
Die Zahlen des Rentenversicherungsberichts 2025 zeigen eine klare Linie nach Geschlecht. Männer erhielten zum Stichtag 31. Dezember 2024 im Durchschnitt einen monatlichen Rentenzahlbetrag von 1.405 Euro. Bei Frauen lag dieser Betrag bei 955 Euro, das sind fast fast 450 Euro weniger.
Der Rentenzahlbetrag ist der Nettobetrag, der tatsächlich ausgezahlt wird: Die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sind bereits abgezogen.
Der Unterschied ist das Ergebnis von Teilzeitarbeit, Unterbrechungen wegen Kindererziehung und Pflege sowie niedrigeren Löhnen in Branchen mit hohem Frauenanteil. Wer 35 Jahre oder länger eingezahlt hat, liegt zwar höher, aber auch dann gilt: Frauen mit mindestens 35 Versicherungsjahren erhalten laut DRV-Statistik rund 1.036 Euro monatlich, Männer rund 1.532 Euro.
Die Lücke bleibt; und sie trifft am härtesten diejenigen, die ausschließlich auf die gesetzliche Rente angewiesen sind.
Die Hälfte der Alleinstehenden hat keine Zusatzeinkünfte
Hier liegt der Kern des Problems, das öffentliche Debatten oft übersehen. Der Alterssicherungsbericht 2024 belegt: Rund die Hälfte der Menschen ab 65 Jahren verfügt über zusätzliche Einkünfte neben Rente oder Pension wie Zinsen, Mieteinnahmen, Betriebsrente oder Erwerbseinkommen.
Für Paarhaushalte gilt das sogar für 62 Prozent. Aber nur 46 Prozent der Alleinstehenden haben solche Einkünfte.
Mehr als die Hälfte der alleinlebenden Seniorinnen und Senioren hat also nichts außer der gesetzlichen Rente. Für diese Gruppe ist der Durchschnittsbetrag von 955 Euro bei Frauen kein statistischer Wert, sondern die monatliche Haushaltskasse. Daraus müssen sie Miete, Strom, Lebensmittel, Medikamente und alles andere bezahlen.
Wer dagegen zur anderen Hälfte gehört, kann teilweise auf erhebliche Summen zurückgreifen. Alleinstehende mit Zusatzeinkünften verfügen laut Alterssicherungsbericht im Schnitt über monatlich 968 Euro zusätzlich zur Rente. Bei Paaren beträgt dieser Betrag sogar 2.101 Euro.
Zwischen denjenigen, die im Alter auf zusätzliche Quellen zurückgreifen können, und denen, die nur die Rente haben, klafft eine Lücke. Das gilt nicht nur finanziell, sondern auch bei der Frage, wer im Alter wirklich abgesichert ist.
Betriebsrente, Riester und Zinsen: Wer hat sie — und wer nicht
Die häufigsten Quellen zusätzlicher Einkünfte im Alter sind Zinsen und Kapitaleinkünfte, Mieteinnahmen sowie Betriebsrenten. Die durchschnittliche Bruttorente aus betrieblicher Altersversorgung lag 2023 bei rund 535 Euro monatlich, aber auch hier schlägt das Geschlechtsgefälle durch. Männer erhalten im Schnitt 696 Euro, Frauen 382 Euro.
Bei der Riester-Rente, die in den Regierungsprognosen zum Gesamtversorgungsniveau eine zentrale Rolle spielt, sieht die Realität ebenfalls lückenhafter aus als die Modellrechnungen. Ende 2024 gab es laut Bundesarbeitsministerium knapp 15 Millionen Riester-Verträge, aber in schätzungsweise 20 bis 25 Prozent davon wurde überhaupt kein Geld mehr eingezahlt.
Diese ruhenden Verträge bestehen formal weiter, bauen aber kein nennenswertes Guthaben mehr auf.
Wer einen aktiven Riester-Vertrag bespart, sollte jährlich prüfen, ob der eigene Beitrag für die volle staatliche Grundzulage von 175 Euro ausreicht. Dafür muss der sogenannte Mindesteigenbeitrag erreicht werden. Das sind vier Prozent des rentenversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens, abzüglich der zustehenden Zulagen.
Wer weniger einzahlt, erhält die Zulage nur anteilig. Ab Januar 2027 ersetzt das neue Altersvorsorge-Depot die Riester-Rente für neue Verträge; bestehende Verträge laufen mit Bestandsschutz weiter. Wie viel das tatsächlich ausmacht, zeigt ein Blick auf die Einkommenszahlen im Alter, und was hinter dem scheinbar beruhigenden Durchschnitt steckt.
Der Durchschnitt von 2.769 Euro täuscht: Wer allein lebt, hat oft weit weniger
Der Alterssicherungsbericht 2024 weist ein monatliches Haushaltsnettoeinkommen für die 65-Jährigen und Älteren von im Durchschnitt 2.769 Euro aus, und dieser Wert wird in der politischen Diskussion gern zitiert.
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Er klingt nach einer auskömmlichen Absicherung. Das Problem ist aber: Diese Summe erfasst alle Haushalte gemeinsam, also Paare mit Doppelpension und Vermögenseinkommen genauso wie alleinlebende Rentnerinnen mit kleiner gesetzlicher Rente.
Alleinstehende Frauen hatten laut Alterssicherungsbericht 2024 ein durchschnittliches Einkommen von 1.858 Euro, alleinstehende Männer von 2.213 Euro. Auch diese Werte sind noch Durchschnitte, und wer nur die gesetzliche Rente hat, liegt darunter.
Der Bundesregierung ist das bekannt: Im Rentenversicherungsbericht heißt es selbst, aus dem durchschnittlichen Rentenzahlbetrag könne „grundsätzlich nicht auf ein niedriges Alterseinkommen geschlossen werden, da u. a. weitere Alterseinkommen und vor allem der Haushaltskontext nicht berücksichtigt sind”. Wer das weiß, stellt andere Fragen an seine eigene Renteninformation.
Was das für Sie persönlich bedeutet — und welche Schritte jetzt helfen
Die Deutsche Rentenversicherung verschickt ab dem 27. Lebensjahr automatisch eine jährliche Renteninformation per Post — vorausgesetzt, es liegen mindestens fünf Jahre Beitragszeiten vor. Diese Mitteilung zeigt, welche Ansprüche bereits erworben wurden und wie sich die Rente bei weiterer Beitragszahlung entwickeln könnte.
Wer dort Lücken entdeckt (zum Beispiel nicht eingetragene Kindererziehungszeiten, Minijob-Phasen, fehlende Zeiten) kann bei der Deutschen Rentenversicherung einen Kontenklärungsantrag stellen. Dieser Antrag (ein kostenloser Überprüfungsantrag für das eigene Rentenkonto) kann die Rente deutlich erhöhen.
Wer feststellt, dass die gesetzliche Rente voraussichtlich die einzige Einkommensquelle im Alter bleiben wird, sollte außerdem prüfen, ob ein Anspruch auf Grundsicherung im Alter besteht. Diese Leistung soll das Existenzminimum sichern, wenn Rente und sonstiges Einkommen dafür nicht ausreichen. Sie muss beantragt werden.
Wer heute noch im Berufsleben steht und absieht, dass Kindererziehung, Pflege oder Teilzeit Rentenlücken hinterlassen werden, kann freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.
Die Konditionen und Fristen dafür lassen sich direkt bei der Deutschen Rentenversicherung erfragen. Auf Absicherung zu vertrauen, die statistisch für andere gilt, ist keine Altersvorsorge.
Wer nur eine Säule hat, stellt andere Fragen an die Rentenreform
Die Diskussion um die Rentenreform dreht sich seit Monaten um das Gesamtversorgungsniveau und die Frage, welche Säulen das Alter tragen sollen. Die Alterssicherungskommission soll nach bisherigen Angaben bis Ende Juni 2026 ihre Empfehlungen vorlegen.
Was dabei oft fehlt: der Blick auf die Menschen, für die die Frage nach drei Säulen rein theoretisch ist, weil sie in der Praxis nur eine haben.
Die gesetzliche Rentenversicherung macht laut Alterssicherungsbericht 2024 noch immer 69 Prozent aller Alterssicherungsleistungen an Personen ab 65 Jahren aus.
Wer das beim Lesen politischer Versprechungen über steigende Gesamtversorgungsniveaus im Kopf behält, merkt schnell: Diese Versprechen gelten für einen Modell-Rentner — nicht für die Hälfte der Alleinlebenden, die ausschließlich auf die gesetzliche Rente angewiesen sind.
Quellen
Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Rentenversicherungsbericht 2025
Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Alterssicherungsbericht 2024
Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Statistik Entwicklung der Riester-Verträge 2024
Deutsche Rentenversicherung: Rentenversicherung in Zahlen 2025




