Grundsicherung im Alter: Diese Rücklagen dürfen Rentner jetzt behalten vor 15 MinutenBundessozialgericht: Pflegekinder ab 15 Jahren dürfen keine Sozialhilfe mehr be... vor 41 MinutenGrundsicherung für EU-Bürger: Bulgare bekommt Bürgergeld-Leistungen trotz Arb... vor 49 MinutenSupermarkt Rewe lässt Rentner an der Kasse extra länger warten – Der Gru... vor 51 MinutenDas ändert sich nun für alle Mieter ab Anfang 2027 vor 2 StundenBürgergeld-Bezieher hat nur Anspruch auf Gutscheine – Urteil vor 2 StundenRundfunkbeitrag: Ohne eine neue GEZ-Rechnung können jetzt 8 Euro zusätzlich fÃ... vor 3 StundenAb 2027 bekommen alle Arbeitnehmer fast 200 Euro mehr vor 3 StundenGrundsicherung: Familie forderte 100.000 Euro vom Jobcenter für Renovierung ... vor 10 StundenRentenalter steigt: Drei Jahrgänge können noch vor 67 in die Altersrente gehen vor 10 StundenRente: Große Supermarktkette bietet neuen Rentenrabatt an vor 10 StundenRentenreform: Diese Jahrgänge müssen künftig länger arbeiten und später in... vor 10 StundenDein Finanzamt kennt seit Oktober deinen Kontostand vor 10 StundenBürgergeld: Für Vermieter ist die Grundsicherung mit viel mehr Risiken verbund... vor 10 StundenSparkassen-Kunden aufgepasst: Wer jetzt nicht umstellt, kann keine Überweisunge... vor 12 StundenRentenreform: Das soll sich bei der Rente dann für Bestandsrentner ändern vor 12 StundenDie Witwenrente soll abgeschafft werden – stattdessen empfiehlt Wirtschaft... vor 16 StundenTrotz 45 Jahren dann nur eine Rente auf Sozialhilfe-Niveau vor 16 StundenUrteil-Mietrecht: Das ist nun laut dem BGH für Mieter verboten vor 16 StundenRenovieren während Krankschreibung: Arbeitnehmer wird dann nach 17 Jahren frist... vor 16 StundenRente: Sohn muss für seinen Vater 70.000 Euro Rente wieder zurückzahlen vor 16 StundenNeue Härte in der Grundsicherung: “Es sollte Jobcenter-Pflicht sein, mind... vor 18 StundenDie Rentenkommission kippt Rente nach Beitragsjahren: Das soll dann stattdessen... vor 18 Stunden88jährige Rentnerin verweigert Vermieter Zutritt – Gericht bestätigt sog... vor 18 StundenAbschaffung der Rente nach 45 Jahren: Neue Rentenfrist ist dann schon geplant vor 18 StundenEinbruchschutz in der Wohnung: Vermieter müssen diese Pflicht einhalten vor 19 StundenRentner muss kein Wohngeld beantragen: Das Sozialamt darf Sozialhilfe nicht verw... vor 20 Stunden101-Jähriger Rentner bekommt Pflegegeld nicht mehr gezahlt trotz Pflegegrad 3 vor 20 StundenRente erst nach 47 Jahren: Neuer Kompromiss bahnt sich nun an: “Aber es wi... vor 20 StundenErwerbsminderungsrente: Merz-Regierung plant nun diese Änderungen vor 20 StundenDieses EU-Land ist für viele deutsche Rentner das neue Rentnerparadies vor 21 StundenMieter bestellte selbst den Handwerker und der Vermieter zahlt aber die Rechnung... vor 21 StundenKrankengeld Kürzung: Jetzt nur noch einmaliger Anspruch auf Krankengeld geplant vor 22 StundenJobcenter-Teamleiter soll Bürgergeld-Bezieher im großen Stil abgezockt haben &... vor 22 StundenDie Rente nach 45 Jahren arbeiten endet: Diese Jahrgänge sollten jetzt sehr gut... vor 22 StundenPflegeheim: In Dänemark ist die Pflege kostenfrei – in Deutschland muss man 3... vor 22 StundenNiedrige Rente und hohe Miete: Rentnerpaar lebt auf Campingplatz für monatlich... vor 23 StundenBürgergeld für EU-Ausländer: Arbeitnehmer-Zeiten lassen sich nicht mehr für... vor 23 StundenSozialhilfe: Das Sozialamt darf Schenkung an ihre eigene Tochter nicht mehr zurÃ... vor 24 StundenDie neue 42 Euro Pflegegeld Regelung soll jetzt kommen vor 1 TagFristlose Kündigung von Gericht bestätigt: Fehler bei Krankmeldung kostet Arbe... vor 1 TagGrundsicherung im Alter: Darf das Sozialamt die Miete kürzen, wenn Rentner bei... vor 1 TagKrankengeld 2027: Dann nur noch eine vier Wochen Frist für einen Reha-Antrag vor 1 TagMieterin verlangt 40.000 Euro Abfindung vom Vermieter nach Schlüsselübergabe &... vor 1 TagRückwirkend höhere Rente bei einer Schwerbehinderung erhalten vor 1 TagRentner aufgepasst: Alte Telefonanschlüsse bei der Telekom werden jetzt umgeste... vor 1 TagWitwenrente: Der Hochzeitstermin entscheidet über Höhe der Abfindung vor 1 TagMerz-Regierung will Rente mit 63 streichen: Diese Jahrgänge wären nach Reform... vor 1 TagDas Jobcenter macht aus Kontoauszügen versteckten Umzug und verweigert dann das... vor 2 TagenBis zu dieser Rente zahlen alle Rentner 0 Euro Steuern – Dr. Utz Anhalt: ̶... vor 2 TagenZwei-Jahres-Falle bei der Rente nach 45 Jahren Arbeit: “Es fehlen 108 Euro... vor 2 TagenSchwerbehinderung: Taxi-Fahrten auf Rezept – auch ohne Genehmigung der Kra... vor 2 TagenDas darf man beim Pflegegrad 2 alles nicht mehr können – Neue Tabelle 202... vor 2 TagenTochter übernimmt den Haushalt: Die Krankenkasse erstattet Fahrtkosten und Verd... vor 2 TagenArbeitslosengeld ab 50 Jahren soll nun gekürzt werden vor 2 TagenErbin muss ihre Witwenrente nach mehr als 23 Jahren wieder zurückzahlen –... vor 2 TagenNeben der Rente mit 63 soll jetzt auch die Altersrente mit 67 abgeschafft werden vor 2 TagenVermieter muss 1.066 Euro Wasserrechnung für seine Mieter zahlen vor 2 TagenNach Umzug in ein Pflegeheim: So viel Geld dürfen Rentner dann noch behalten vor 2 TagenEM-Rente: Die Rente zu spät gemeldet – Rentnerin muss jetzt 4.621 Euro zurüc... vor 2 Tagen8 Zuschüsse für Rentner 2026: Bis zu 7.719 Euro zusätzlich zur Rente möglich vor 2 TagenPflegegrad soll befristet werden: Pflegegeld und auch Pflegeleistungen sind davo... vor 2 TagenSchwerbehinderung ab GdB 50: Diese Vergünstigungen muss man immer selbst beantr... vor 2 TagenArbeitnehmer aufgepasst: Der Arbeitgeber darf das bei Minusstunden nicht vor 2 TagenSparkasse stellt um: Wer nichts macht, kann nicht mehr mit der Karte zahlen vor 2 TagenWitwenrente auf Null gekürzt: Zehntausende Witwen sind betroffen vor 2 TagenWohngeld und Heizkosten: Wichtige Unterstützungen sollen ab Anfang 2027 wegfall... vor 2 TagenGericht stoppt Klausel im Mietvertrag: Mieter können sich Stromkosten zurückho... vor 2 TagenEM-Rente auch nach über 16 Jahren gestrichen: Dauerrenten nicht sicher vor 2 TagenPflegegrad 2: Alleinstehenden Rentnern steht das an Pflegegeldern zu vor 2 TagenUnfallfreie Rentner müssen jetzt mehr für die KFZ-Versicherungen zahlen vor 2 TagenÄnderungen beim Schwerbehindertenausweis: Jetzt benötigen Menschen mit Schwerb... vor 2 TagenArbeitsrecht: Muss man als Arbeitnehmer den eigenen Urlaub für das ganze Jahr p... vor 2 TagenBürgergeld-Bezieher fordert vom Jobcenter 11.000 Euro für das Firmenauto ̵... vor 2 TagenRentenreform: Jahrgänge 1960 bis 1969 treffen bei der Rente auf einen empfindli... vor 2 Tagen
Aktuelle Urteile zum Bürgergeld, Grundsicherung, Sozialhilfe und Rente

Arbeitnehmerin beantragt Schwerbehinderung, danach bekommt sie die Kündigung nach 14 Jahren

Beitragsbild von: Arbeitnehmerin beantragt Schwerbehinderung, danach bekommt sie die Kündigung nach 14 Jahren

30. Oktober 2026

Schwerbehinderung beantragt: Arbeitnehmerin erhält nach Kündigung 38.300 Euro Mehr als 14 Jahre arbeitete eine Frau in einem Unternehmen in Österreich, dann erhielt sie während ihres laufenden Verfahrens zur Anerkennung als begünstigte Behinderte die Kündigung. Mit Unterstützung der Arbeiterkammer Kärnten erreichte sie schließlich eine außergerichtliche Zahlung von 38.300 Euro brutto. Der Fall lenkt den Blick auf eine Frage, die auch Beschäftigte in Deutschland betrifft: Was passiert, wenn der Arbeitgeber kündigt, bevor über einen Antrag auf Feststellung einer Schwerbehinderung entschieden wurde? Ein fehlender Bescheid bedeutet keineswegs immer, dass der besondere Kündigungsschutz fehlt. Erst abgelehnt, später rückwirkend anerkannt Nach der Mitteilung der Arbeiterkammer Kärnten vom 20. Oktober 2026 erhielt die Arbeitnehmerin ihre Kündigung im September 2025. Ein erster Bescheid über den beantragten Status war negativ ausgefallen, doch dagegen hatte sie Beschwerde eingelegt. Kurz vor Weihnachten 2025 wurde ein Grad der Behinderung von 70 Prozent festgestellt und die Zugehörigkeit zum Kreis der begünstigten Behinderten rückwirkend anerkannt. Weil beide Seiten das Arbeitsverhältnis beenden wollten, vereinbarten sie nach außergerichtlichen Verhandlungen eine Abgangsentschädigung von zehn Monatsentgelten. Die Zahlung beruhte damit auf einer Einigung. Ein Gerichtsurteil über einen allgemeinen Anspruch auf zehn Monatsgehälter beschreibt die Arbeiterkammer nicht. Was der Fall für Beschäftigte in Deutschland bedeutet Der österreichische Fall richtet sich nach österreichischem Recht. In Deutschland ergibt sich der besondere Kündigungsschutz aus dem Sozialgesetzbuch IX, das eigene Voraussetzungen und Ausnahmen vorsieht. Nach § 168 SGB IX benötigt der Arbeitgeber für die Kündigung eines schwerbehinderten Beschäftigten grundsätzlich die vorherige Zustimmung des Integrationsamts. In einigen Bundesländern heißt die Behörde Inklusionsamt. Als schwerbehindert gelten Menschen unter den weiteren gesetzlichen Voraussetzungen ab einem Grad der Behinderung von 50. Der besondere Kündigungsschutz greift allerdings grundsätzlich erst, wenn das Arbeitsverhältnis beim Zugang der Kündigung länger als sechs Monate ununterbrochen bestanden hat. Auch ein laufender Antrag kann vor einer Kündigung schützen Ein Arbeitgeber kann nicht allein darauf vertrauen, dass noch kein Feststellungsbescheid vorliegt. Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts, Urteil vom 2. Juni 2022, 8 AZR 191/21, kann der besondere Schutz bereits während des Antragsverfahrens bestehen. Dafür muss der Antrag grundsätzlich mindestens drei Wochen vor Zugang der Kündigung gestellt worden sein. Bei einem noch offenen Feststellungsverfahren muss später eine Schwerbehinderung anerkannt werden, die bereits zum Kündigungszeitpunkt vorlag. Auch die Mitwirkung zählt: Konnte die Behörde wegen fehlender Mitwirkung des Antragstellers nicht rechtzeitig entscheiden, kann der besondere Schutz entfallen. Die Einzelheiten erläutert unser Beitrag zur Kündigung trotz laufenden Antrags auf Schwerbehinderung. Ein zunächst ablehnender Bescheid beendet die Angelegenheit ebenfalls nicht zwangsläufig. Wird er fristgerecht angefochten, kann das weitere Verfahren für den Kündigungsschutz relevant bleiben; ob der Schutz tatsächlich greift, hängt von den Voraussetzungen im Einzelfall ab. GdB 30 oder 40: Ohne Gleichstellung fehlt dieser zusätzliche Schutz Ein GdB von 30 oder 40 allein verschafft Beschäftigten noch keinen besonderen Kündigungsschutz nach diesen Vorschriften. Dafür kommt eine Gleichstellung mit schwerbehinderten Menschen durch die Agentur für Arbeit infrage. Voraussetzung ist, dass die Betroffenen wegen ihrer Behinderung ohne Gleichstellung einen geeigneten Arbeitsplatz nicht bekommen oder nicht behalten können. Welche Umstände dafür sprechen können, zeigt unser Beitrag GdB 30: Dieser Antrag kann den Arbeitsplatz besser schützen. Auch beim noch offenen Gleichstellungsantrag ist für den besonderen Kündigungsschutz grundsätzlich die Antragstellung mindestens drei Wochen vor Zugang der Kündigung erforderlich. Eine spätere Bewilligung macht einen erst nach der Kündigung gestellten Antrag nicht rechtzeitig. Besonderer Kündigungsschutz in Deutschland im Überblick Situation bei Zugang der Kündigung Was grundsätzlich gilt Schwerbehinderung mit GdB ab 50 festgestellt Vorherige Zustimmung des Integrationsamts erforderlich, soweit keine gesetzliche Ausnahme greift. GdB 30 oder 40, Gleichstellung bewilligt Besonderer Kündigungsschutz grundsätzlich wie bei schwerbehinderten Beschäftigten. GdB 30 oder 40 ohne Gleichstellung Der GdB allein löst die Zustimmungspflicht nicht aus. Feststellungs- oder Gleichstellungsverfahren noch offen Schutz kann bestehen, insbesondere bei mindestens drei Wochen zuvor gestelltem Antrag und später positiver Entscheidung für den Kündigungszeitpunkt. Arbeitsverhältnis besteht höchstens sechs Monate Der besondere Zustimmungsschutz greift grundsätzlich noch nicht. Die Übersicht betrifft den zusätzlichen Schutz nach dem SGB IX. Ob die Kündigung aus anderen Gründen unwirksam ist, muss unabhängig davon geprüft werden. Nach der Kündigung laufen mehrere Fristen Wer eine Kündigung erhält, sollte unverzüglich klären lassen, ob eine Kündigungsschutzklage erforderlich ist. Nach § 4 Kündigungsschutzgesetz gilt dafür grundsätzlich eine Frist von drei Wochen ab Zugang der schriftlichen Kündigung. Bei einer Kündigung, die eine behördliche Zustimmung benötigt, enthält das Gesetz eine Sonderregel zum Fristbeginn. Wegen der Unterschiede zwischen den Fallgestaltungen sollten Beschäftigte vorsorglich innerhalb von drei Wochen nach Zugang der Kündigung handeln und den ausstehenden Bescheid nicht abwarten. War dem Arbeitgeber die Schwerbehinderung oder der Antrag unbekannt, sollte er außerdem unverzüglich und nachweisbar darüber informiert werden. Das Bundesarbeitsgericht orientiert sich hierfür grundsätzlich an einer Dreiwochenfrist; wer zu lange wartet, kann das Recht verlieren, sich auf den besonderen Schutz zu berufen. Die Information an den Arbeitgeber ersetzt keine Klage. Umgekehrt sollte man sich nicht darauf verlassen, dass eine beim Gericht eingereichte Klage den Arbeitgeber noch rechtzeitig über den Schutzstatus informiert. Auch eine Zustimmung macht nicht jede Kündigung wirksam Der besondere Schutz macht Beschäftigte nicht unkündbar, denn das Integrationsamt kann einer Kündigung zustimmen. Auch dann müssen die weiteren arbeitsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sein. Besteht eine Schwerbehindertenvertretung und muss sie beteiligt werden, ist ihre ordnungsgemäße Beteiligung vor der Kündigung erforderlich. § 178 Absatz 2 SGB IX erklärt eine Kündigung ohne die vorgeschriebene Beteiligung ausdrücklich für unwirksam. Warum die behördliche Entscheidung die arbeitsgerichtliche Prüfung nicht ersetzt, erläutert unser Beitrag Schwerbehinderung im Job: Eine genehmigte Kündigung kann trotzdem unwirksam sein. Eine Abfindung ist Verhandlungssache – und ein Aufhebungsvertrag hat Folgen In Deutschland entsteht durch eine Kündigung kein allgemeiner Anspruch auf eine Abfindung, wie auch die Bundesagentur für Arbeit erläutert. Ansprüche können sich beispielsweise aus besonderen gesetzlichen Regelungen, einem Sozialplan oder einer Vereinbarung ergeben. Fehler bei einer Kündigung können die Verhandlungsposition von Beschäftigten verbessern, weil der Arbeitgeber mit einer Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses rechnen muss. Welche Zahlung erreichbar ist, hängt deshalb auch vom Prozessrisiko und den Umständen des Beschäftigungsverhältnisses ab. Ein Aufhebungsvertrag benötigt dagegen keine Zustimmung des Integrationsamts und beendet das Arbeitsverhältnis im gegenseitigen Einvernehmen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen weist darauf hin, dass damit auf den besonderen Kündigungsschutz verzichtet wird und Nachteile beim Arbeitslosengeld drohen können. Sieben Fragen und Antworten Weshalb erhielt die Arbeitnehmerin 38.300 Euro? Die Arbeiterkammer Kärnten handelte nach der rückwirkenden Anerkennung ihres Status eine außergerichtliche Abgangsentschädigung von zehn Monatsentgelten aus. Beide Seiten wollten das Arbeitsverhältnis beenden. Schützt in Deutschland schon jeder Antrag vor einer Kündigung? Ein Antrag allein garantiert keinen besonderen Kündigungsschutz. Bei einem noch offenen Verfahren sind grundsätzlich die Antragstellung mindestens drei Wochen vor Zugang der Kündigung, die erforderliche Mitwirkung und eine spätere positive Entscheidung für den betreffenden Zeitpunkt nötig. Reicht ein GdB von 30 oder 40 aus? Für den besonderen Kündigungsschutz nach dem SGB IX reicht dieser GdB allein nicht aus. Eine Gleichstellung durch die Agentur für Arbeit kann den zusätzlichen Schutz eröffnen. Gilt der besondere Schutz schon am ersten Arbeitstag? Grundsätzlich greift die Pflicht zur vorherigen Zustimmung des Integrationsamts erst nach mehr als sechs Monaten ununterbrochenem Arbeitsverhältnis. Andere Schutzvorschriften können unabhängig davon gelten. Was gilt, wenn der Arbeitgeber den Antrag nicht kannte? Der besondere Schutz kann trotzdem bestehen. Beschäftigte sollten den Arbeitgeber nach der Kündigung unverzüglich und nachweisbar informieren und dabei grundsätzlich die Dreiwochenfrist im Blick behalten. Darf man mit der Klage bis zum Bescheid warten? Darauf sollten sich Beschäftigte nicht verlassen, weil für eine Kündigungsschutzklage grundsätzlich nur drei Wochen ab Zugang der schriftlichen Kündigung bleiben. Besonderheiten beim Fristbeginn müssen unverzüglich im konkreten Fall geprüft werden. Haben schwerbehinderte Beschäftigte Anspruch auf zehn Monatsgehälter Abfindung? Aus der Schwerbehinderung entsteht in Deutschland kein pauschaler Anspruch auf eine Abfindung in dieser Höhe. Ob eine Zahlung geschuldet oder vereinbart wird, hängt von der jeweiligen Rechtsgrundlage und dem Einzelfall ab.

Aktuelles

Beitragsbild von: Wohnungen nicht als Sozialwohnungen vermietet: Vermieter muss 1,8 Millionen Schadenersatz zahlen

30. Oktober 2026

215 Wohnungen nicht als Sozialwohnungen vermietet: Gericht verpflichtet Unternehmen zu 1,8 Millionen Euro Schadenersatz 215 Wohnungen waren für Menschen vorgesehen, die auf bezahlbare Mieten angewiesen sind, doch die vereinbarte Sozialvermietung blieb aus. Jetzt hat das Verwaltungsgericht Berlin zwei Immobiliengesellschaften zur Vermietung als Sozialwohnungen und zur Zahlung von rund 1,8 Millionen Euro zuzüglich Zinsen verpflichtet. Der Fall aus der Berliner Europacity zeigt, was eine Wohnraumzusage wert ist, wenn ihre Durchsetzung erst vor Gericht erkämpft werden muss. Die Übertragung des Grundstücks auf eine andere Gesellschaft beseitigte die Verpflichtung im entschiedenen Fall nicht. 20 Jahre Sozialbindung waren vereinbart Das Land Berlin hatte 2016 mit der damaligen Grundstückseigentümerin einen städtebaulichen Vertrag geschlossen. Danach sollten 215 Wohnungen im Gebäude „QH Spring“ an der Lisa-Fittko-Straße in Berlin-Moabit für 20 Jahre ab Bezugsfertigkeit mietpreis- und belegungsgebunden vermietet werden. 2021 wurde das Grundstück in eine andere Gesellschaft eingebracht, eine GmbH & Co. KG. Im August 2023 waren die Wohnungen bezugsfertig, die vereinbarte Vermietung als Sozialwohnungen erfolgte jedoch nicht. Berlin verklagte 2025 sowohl die frühere als auch die heutige Eigentümerin. Mit Urteil vom 9. Oktober 2026, Aktenzeichen VG 8 K 19/25, gab das Verwaltungsgericht der Klage statt. Warum der Eigentümerwechsel die Unternehmen nicht entlastete Die frühere Eigentümerin bleibt nach Auffassung des Gerichts an den wirksamen Vertrag gebunden. Dass sie gegenwärtig nicht selbst über die Wohnungen verfügt, befreit sie davon nicht. Die heutige Eigentümerin hatte den städtebaulichen Vertrag weder geschlossen noch übernommen. Ihre Verpflichtung begründete das Gericht mit einer sittenwidrigen schädigenden Handlung. Bei der Grundstücksübertragung wusste sie von der Sozialbindung, sicherte Berlins Anspruch auf deren Erfüllung aber nicht ab. Der damalige Geschäftsführer vertrat beide Gesellschaften; sein Verhalten rechnete das Gericht der heutigen Eigentümerin zu. Die Senatsverwaltung verweist dazu auf § 826 BGB, der Schadenersatz bei vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung vorsieht. Die Entscheidung beruht damit auf den besonderen Umständen dieser Grundstücksübertragung und lässt sich nicht pauschal auf jeden Eigentümerwechsel übertragen. 1,8 Millionen Euro Schadenersatz ersetzen keine Sozialwohnung Die Unternehmen haften gegenüber dem Land Berlin als Gesamtschuldner. Berlin kann die geschuldete Summe damit grundsätzlich von jedem der beiden verlangen, insgesamt aber nur einmal erhalten. Nach Angaben der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen betrifft die Entscheidung auch weiteren Schadenersatz für künftige Verstöße. Die Verpflichtung zur Sozialvermietung besteht neben der Zahlungspflicht fort. Für Wohnungssuchende entscheidet sich der praktische Wert des Urteils deshalb daran, ob die zugesagten Wohnungen tatsächlich zugänglich werden. Eine Millionenzahlung an den Landeshaushalt verschafft einer Familie noch keinen bezahlbaren Mietvertrag. Welche Miete zugesagt war Die für das Land Berlin tätige Kanzlei Gaßner, Groth, Siederer & Coll. nennt eine vereinbarte anfängliche Nettokaltmiete von höchstens 6,50 Euro je Quadratmeter. Ihren Angaben zufolge reicht die Bindung bis Mitte 2043. Die Angabe bezeichnet die vereinbarte Anfangsmiete für diese Wohnungen. Über konkrete aktuelle Mietangebote oder deren Verfügbarkeit sagt sie nichts aus. Gegenstand Ergebnis des Verfahrens 215 Wohnungen im Gebäude „QH Spring“ Vermietung mit Mietpreis- und Belegungsbindung Dauer der vereinbarten Bindung 20 Jahre ab Bezugsfertigkeit Schadenersatz für bisherige Verstöße Rund 1,8 Millionen Euro zuzüglich Zinsen an das Land Berlin Künftige Verstöße Weitere Schadenersatzpflicht nach Angaben der Senatsverwaltung Weiterer Rechtsweg Antrag auf Zulassung der Berufung möglich Die Wohnungen waren dem Sozialwohnungsangebot entzogen Aus der unterbliebenen Sozialvermietung lässt sich nicht schließen, dass sämtliche Wohnungen leer standen. Nach dem Bericht der für Berlin tätigen Kanzlei berief sich die heutige Eigentümerin im Prozess vielmehr darauf, die Wohnungen bereits langfristig vermietet zu haben. Damit ging es um die Frage, für wen der vorhandene Wohnraum verfügbar sein muss. Für einen Haushalt mit geringem Einkommen hilft ein fertiggestelltes Gebäude wenig, wenn die zugesagte günstige Wohnung darin unerreichbar bleibt. Was das Urteil für Wohnungssuchende bedeutet Wer eine Sozialwohnung sucht, sollte prüfen, ob ein Wohnberechtigungsschein infrage kommt. Die Voraussetzungen und das Verfahren erläutert unser Beitrag zum Wohnberechtigungsschein für eine Sozialwohnung. Nach den Berliner Behördeninformationen zum WBS hängt die Berechtigung vom Einkommen ab; der Schein ist in der Regel ein Jahr gültig. Er ermöglicht die Bewerbung um passende Sozialwohnungen, garantiert aber keinen Mietvertrag. Das Urteil regelt die Ansprüche des Landes gegen die Unternehmen. Einen persönlichen Anspruch jedes WBS-Inhabers auf eine der 215 Wohnungen oder auf einen Anteil am Schadenersatz spricht es damit nicht zu. Bezahlbarer Wohnraum muss tatsächlich verfügbar sein Für Menschen mit kleinen Einkommen ist die Einhaltung solcher Vereinbarungen eine Frage des Alltagsbudgets. Wer einen Teil seiner Miete aus dem Geld für den Lebensunterhalt bezahlen muss, spart anschließend bei Lebensmitteln, Kleidung oder anderen notwendigen Ausgaben. Welche Möglichkeiten Betroffene bei begrenzten Unterkunftsleistungen haben, erläutert unser Beitrag „Jobcenter zahlt nicht die volle Miete – das sollten Betroffene jetzt prüfen“. Gerade deshalb müssen Städte vereinbarte Sozialwohnungen auch nach der Fertigstellung eines Bauprojekts im Blick behalten. Der Rechtsstreit kann allerdings weitergehen: Die Unternehmen können beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg die Zulassung der Berufung beantragen. Das Urteil wurde als noch nicht rechtskräftige Entscheidung bekanntgegeben. Beispiel aus der Praxis Die folgende Situation ist fiktiv: Eine alleinerziehende Berlinerin sucht mit ihrem Kind eine günstigere Wohnung und besitzt bereits einen WBS. Sie liest von den 215 Wohnungen und erkundigt sich nach passenden Angeboten und den erforderlichen Berechtigungsnachweisen. Allein durch das Urteil erhält sie weder eine Wohnungszusage noch eine Auszahlung. Für sie entsteht der konkrete Nutzen, sobald eine passende Wohnung tatsächlich zu den vorgeschriebenen Bedingungen angeboten und an sie vermietet wird. Sieben Fragen und Antworten zum Urteil Was müssen die beiden Unternehmen nach dem Urteil tun? Sie müssen die 215 Wohnungen mietpreis- und belegungsgebunden vermieten und dem Land Berlin rund 1,8 Millionen Euro Schadenersatz zuzüglich Zinsen zahlen. Warum haftet auch die heutige Eigentümerin? Das Gericht sah in ihrem Vorgehen bei der Grundstücksübertragung eine sittenwidrige Schädigung. Sie kannte die Verpflichtung und hatte deren weitere Durchsetzbarkeit gegenüber Berlin nicht abgesichert. Wer bekommt die 1,8 Millionen Euro? Der zugesprochene Schadenersatz steht dem Land Berlin zu. Das Urteil sieht keine Verteilung dieser Summe an Wohnungssuchende vor. Standen die 215 Wohnungen leer? Festgestellt wurde die unterbliebene Vermietung als Sozialwohnungen. Nach Angaben der für Berlin tätigen Kanzlei verwies die heutige Eigentümerin auf bereits bestehende langfristige Vermietungen. Wie lange gilt die vereinbarte Sozialbindung? Vereinbart wurden 20 Jahre ab Bezugsfertigkeit. Die für Berlin tätige Kanzlei nennt als Ende der Bindung Mitte 2043. Kann ich mit einem WBS eine dieser Wohnungen verlangen? Ein WBS ermöglicht die Bewerbung auf entsprechend gebundene Wohnungen. Einen automatischen Anspruch auf eine bestimmte Wohnung begründet er nicht. Ist das Urteil bereits rechtskräftig? Die Entscheidung wurde als noch nicht rechtskräftig bekanntgegeben. Die Unternehmen können die Zulassung der Berufung beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg beantragen.

Beitragsbild von: EuGH kippt Drei-Jahres-Regel – Mieter können Rückzahlung bekommen

30. Oktober 2026

Jahrelang gezahlt, nie widersprochen – und deshalb trotz unwirksamer Preisformel kaum Aussicht auf Erstattung: Diese bisherige Begrenzung bei Fernwärmeverträgen hält vor dem Europäischen Gerichtshof nicht stand. Für betroffene Haushalte kann das finanziell viel verändern. Mit seinem Urteil vom 24. September 2026, Aktenzeichen C-900/24, hat der EuGH die sogenannte Dreijahreslösung des Bundesgerichtshofs verworfen. Verbraucher dürfen Einwendungen gegen missbräuchliche Preisänderungsklauseln nicht allein deshalb verlieren, weil sie eine darauf gestützte Erhöhung nicht innerhalb von drei Jahren beanstandet haben. Eine automatische Rückzahlung folgt daraus allerdings nicht. Entscheidend bleiben die konkrete Vertragsklausel, die richtige Vergleichsberechnung und mögliche Verjährungsfristen. Was die Drei-Jahres-Regel bisher bewirkte Die bisherige Rechtsprechung konnte selbst dann zum Problem werden, wenn eine Preisänderungsklausel unwirksam war. Beanstandete der Kunde eine Erhöhung nicht innerhalb von drei Jahren nach Zugang der Jahresabrechnung, in der sie erstmals auftauchte, konnte er sich nach der Dreijahreslösung später nicht mehr auf deren Unwirksamkeit berufen. Der so erreichte höhere Preis konnte dadurch an die Stelle des ursprünglich vereinbarten Preises treten. Für die Berechnung einer Rückforderung machte es deshalb einen erheblichen Unterschied, wann erstmals widersprochen worden war. Es ging also um mehr als die Frage, für welche vergangenen Rechnungen noch Geld verlangt werden konnte. Die Regel beeinflusste auch, welcher Preis als Ausgangspunkt für die Abrechnung angesetzt wurde. Warum der EuGH diese Begrenzung verwirft Der europäische Verbraucherschutz verlangt, dass missbräuchliche Vertragsklauseln Verbraucher nicht binden. Nach Auffassung des EuGH erhält die Dreijahreslösung jedoch gerade die nachteiligen Wirkungen solcher Klauseln teilweise aufrecht. Die Konsequenzen für den jeweiligen Vertrag müssen die deutschen Gerichte unter Beachtung dieser Vorgaben bestimmen. Der EuGH hat im Vorabentscheidungsverfahren keinen individuellen Erstattungsbetrag zugesprochen. Das Urteil im Volltext betrifft außerdem die einseitige Ersetzung einer missbräuchlichen Preisänderungsklausel für die Zukunft. Auch einer nationalen Praxis, die dem Versorger eine solche nachträgliche Änderung erlaubt oder vorschreibt, erteilt der Gerichtshof eine Absage. Eine teure Rechnung beweist noch keine unwirksame Preisformel Fernwärmepreise dürfen sich während eines laufenden Vertrags verändern, wenn dafür eine wirksame rechtliche Grundlage besteht. Eine kräftige Erhöhung allein genügt deshalb noch nicht, um eine Erstattung zu verlangen. Nach § 24 Absatz 4 AVBFernwärmeV müssen Preisänderungsklauseln sowohl die Kostenentwicklung des Unternehmens bei Erzeugung und Bereitstellung der Wärme als auch die Verhältnisse auf dem Wärmemarkt angemessen berücksichtigen. Die Berechnungsfaktoren müssen vollständig und allgemein verständlich ausgewiesen werden. Ob eine bestimmte Formel diese Anforderungen erfüllt, lässt sich meist erst anhand des Vertrags und der verwendeten Preisfaktoren beurteilen. Die bloße Gegenüberstellung zweier Jahresrechnungen reicht dafür häufig nicht aus. Welche Rückzahlungen jetzt infrage kommen Wer ohne rechtlichen Grund zu viel bezahlt hat, kann grundsätzlich einen Herausgabeanspruch nach § 812 BGB haben. Bei Fernwärme muss dafür berechnet werden, welcher Betrag tatsächlich geschuldet war und welcher Betrag gezahlt wurde. Der ursprünglich vereinbarte Preis kann nach dem Wegfall der Dreijahreslösung wieder erheblich wichtiger werden. Ob er im konkreten Zeitraum anzusetzen ist, hängt aber unter anderem von späteren wirksamen Vereinbarungen und den rechtlichen Folgen der unwirksamen Klausel ab. Außerdem sind Arbeitspreis, Grundpreis und weitere Preisbestandteile getrennt zu betrachten. Ist nur die Anpassung des Arbeitspreises unwirksam, folgt daraus keine vollständige Erstattung sämtlicher Wärmekosten. Die gesetzliche Verjährung bleibt eine eigene Frage Die verworfene Dreijahreslösung darf nicht mit der gesetzlichen Verjährung verwechselt werden. Für Rückzahlungsansprüche gilt regelmäßig die dreijährige Frist des § 195 BGB. Nach § 199 BGB beginnt diese grundsätzlich mit dem Jahresende, wenn der Anspruch entstanden ist und die erforderliche Kenntnis vorliegt oder grob fahrlässig fehlt. Wie dieser Beginn bei Ansprüchen wegen missbräuchlicher Verbrauchervertragsklauseln zu bestimmen ist, muss unter Beachtung des Unionsrechts geprüft werden. Bei einem regulären Fristbeginn zum Jahresende 2023 würde die dreijährige Frist beispielsweise am 31. Dezember 2026 enden. Daraus lässt sich jedoch keine pauschale Aussage ableiten, dass sämtliche Zahlungen aus 2023 genau dann verjähren oder ältere Forderungen bereits verloren sind. Ein bloßer Widerspruch oder eine Zahlungsaufforderung hemmt die Verjährung grundsätzlich nicht. Bei drohendem Fristablauf müssen geeignete Schritte geprüft werden, etwa eine Klage oder ein ordnungsgemäß betriebenes Mahnverfahren nach § 204 BGB. Mieter: Der Vertragspartner entscheidet über den Weg zur Erstattung Wer als privater Mieter selbst einen Fernwärmevertrag abgeschlossen hat, kann mögliche Ansprüche grundsätzlich gegenüber seinem Versorger verfolgen. Dass die Wohnung gemietet ist, steht dem nicht entgegen. Anders liegt es, wenn der Vermieter die Wärme einkauft und die Kosten über die Heizkostenabrechnung verteilt. Dann besteht der Liefervertrag regelmäßig zwischen Vermieter und Versorger; der einzelne Mieter hat daraus grundsätzlich keinen eigenen unmittelbaren Rückzahlungsanspruch. In dieser Konstellation müssen die Lieferkosten und ihre Umlage im Mietverhältnis geprüft werden. Hat ein gewerblich handelnder Vermieter den Liefervertrag abgeschlossen, ist zusätzlich zu klären, ob und in welchem Umfang die Aussagen des EuGH zum Verbraucherschutz auf diesen Vertrag übertragbar sind. Vertragssituation Ansprechpartner Was geprüft werden sollte Privater Haushalt mit eigenem Fernwärmevertrag, auch in einer Mietwohnung Fernwärmeversorger Preisänderungsklausel, Rechnungen, mögliche Überzahlungen und Verjährung Mieter zahlt Fernwärme über die Heizkostenabrechnung Vermieter oder Hausverwaltung Lieferbelege, Preisgrundlage, Umlage und fristgerechte Einwendungen gegen die Abrechnung Wohnungseigentümergemeinschaft hat den Liefervertrag geschlossen Gemeinschaft beziehungsweise Verwaltung Ansprüche aus dem gemeinschaftlichen Vertrag und weiteres Vorgehen der Gemeinschaft Für die Heizkostenabrechnung gelten weiterhin eigene Fristen Mieter sollten auffällige Wärmekosten konkret benennen und Einsicht in die zugrunde liegenden Belege verlangen. Dazu gehören für diese Prüfung insbesondere die Lieferrechnungen und die Vertragsunterlagen zur Preisberechnung. Einwendungen gegen die Betriebskostenabrechnung müssen dem Vermieter nach § 556 Absatz 3 BGB grundsätzlich innerhalb von zwölf Monaten nach deren Zugang mitgeteilt werden. Eine Ausnahme besteht, wenn der Mieter die verspätete Geltendmachung nicht zu vertreten hat. Das EuGH-Urteil beseitigt diese mietrechtliche Einwendungsfrist nicht. Wie sich die eigene Abrechnung überprüfen lässt, erläutert Gegen-Hartz auch im Beitrag über hohe Heizkosten trotz sparsamen Heizens. E.ON-Verfahren: Gericht beanstandet Preisformeln in drei Gebieten Zusätzliche Bewegung bringt ein weiteres Verfahren: Nach Angaben des Verbraucherzentrale Bundesverbands hat das Oberlandesgericht Hamm am 12. Oktober 2026 Preisänderungsklauseln der E.ON Energy Solutions GmbH für unwirksam erklärt. Das Urteil unter dem Aktenzeichen 2 VKl 1/23 betrifft zunächst Erkrath-Hochdahl, Hamburg-Lohbrügge-Nord und Schwalbach-Limes. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig; der Verbraucherzentrale Bundesverband hat eine Revision angekündigt, um auch weitere Versorgungsgebiete einzubeziehen. Eine unmittelbare Auszahlung an einzelne Kunden folgt aus dem Feststellungsurteil nicht. Gegen-Hartz hatte bereits über die damalige Anmeldefrist zur E.ON-Sammelklage berichtet. Diese endete am 14. September 2026, eine nachträgliche Anmeldung ist nach dem aktuellen Verfahrensstand nicht mehr möglich. Wer nicht angemeldet ist, sollte mögliche eigene Ansprüche gesondert prüfen lassen. Auf eine Absicherung durch die Teilnahme anderer Kunden sollte sich niemand verlassen. Welche Unterlagen Betroffene jetzt brauchen Für eine belastbare Prüfung werden der ursprüngliche Liefervertrag, spätere Vertragsänderungen, Preisblätter und Jahresabrechnungen benötigt. Auch Zahlungsnachweise sowie bisherige Beanstandungen sollten vorliegen. Eine Verbraucherzentrale, ein Mieterverein oder eine auf Energierecht spezialisierte Rechtsberatung kann daraus den passenden nächsten Schritt ableiten. Welche Stelle hilft, hängt davon ab, ob der Streit den eigenen Liefervertrag oder die Abrechnung des Vermieters betrifft. Laufende Zahlungen sollten wegen des Urteils nicht ohne Prüfung eingestellt oder gekürzt werden. Eine Zahlung unter ausdrücklichem Rückforderungsvorbehalt kann sinnvoll sein, ersetzt aber keine Sicherung gegen Verjährung. Praxisbeispiel: Warum der Ausgangspreis Hunderte Euro ausmachen kann Ein Beispiel zeigt die mögliche Größenordnung: Rentnerin Marianne hat einen eigenen Fernwärmevertrag mit ursprünglich 8 Cent je Kilowattstunde. Später verlangte der Anbieter zunächst 14 und für das betrachtete Abrechnungsjahr schließlich 17 Cent, jeweils als Bruttopreis. Für die Modellrechnung wird angenommen, dass alle betreffenden Erhöhungen unwirksam sind und rechtlich weiterhin 8 Cent angesetzt werden müssen. Bei 10.000 Kilowattstunden ergibt sich dann eine Differenz von 900 Euro; bei einem Vergleichspreis von 14 Cent wären es lediglich 300 Euro. Grund- und Messpreise bleiben in diesem vereinfachten Beispiel unverändert. Ob Marianne tatsächlich 900 Euro verlangen kann, hängt insbesondere von der Vertragsprüfung, ihren Zahlungen und der Verjährung ab. 7 Fragen und Antworten zum Fernwärme-Urteil Gilt das Urteil für jeden Fernwärmekunden? Es betrifft den Schutz vor missbräuchlichen Klauseln in Verbraucherverträgen und ist auch für vergleichbare Fälle anderer Anbieter relevant. Ob ein Haushalt daraus eine Rückforderung ableiten kann, muss anhand seines Vertrags geprüft werden. Kann ich auch ohne früheren Widerspruch Geld zurückverlangen? Ein fehlender Widerspruch innerhalb von drei Jahren darf nach dem Urteil nicht allein dazu führen, dass die Wirkungen einer missbräuchlichen Preisänderungsklausel bestehen bleiben. Eine Erstattung setzt dennoch einen konkreten, durchsetzbaren Anspruch voraus. Bekomme ich jetzt sämtliche Erhöhungen der letzten zehn Jahre zurück? Das lässt sich aus dem Urteil nicht ableiten, weil unter anderem Verjährung und spätere wirksame Preisvereinbarungen zu berücksichtigen sind. Ein lange zurückliegender Vertragspreis kann für die Berechnung jüngerer Forderungen trotzdem relevant sein. Kann ich als Mieter unmittelbar beim Versorger Geld verlangen? Grundsätzlich dann, wenn Sie selbst dessen Vertragspartner sind. Zahlen Sie dagegen über die Heizkostenabrechnung des Vermieters, führt der erste Weg zur Prüfung über Vermieter oder Hausverwaltung. Wie lange kann ich die Heizkostenabrechnung beanstanden? Im Mietverhältnis grundsätzlich bis zum Ablauf von zwölf Monaten nach Zugang der Abrechnung. Die Ausnahme für unverschuldet verspätete Einwendungen bleibt bestehen; die Frist ist kein allgemeiner Zahlungsaufschub. Kann ich mich der E.ON-Sammelklage noch anschließen? Nein, die Anmeldefrist endete am 14. September 2026. Das schließt eine gesonderte Prüfung eigener Rückzahlungsansprüche nicht aus. Reicht ein Schreiben an den Versorger, um die Verjährung zu stoppen? Ein bloßes Aufforderungsschreiben oder ein Widerspruch genügt dafür grundsätzlich nicht. Wer einen Fristablauf befürchten muss, sollte rechtzeitig eine wirksame Hemmung der Verjährung prüfen lassen.

Beitragsbild von: Bürgergeld: Wer den Ein-Euro-Job versäumt, bekommt Besuch vom Vollzugsdienst

30. Oktober 2026

30 Stunden gemeinnützige Arbeit pro Woche für nur einen Euro Aufwandsentschädigung je Stunde. Im Landkreis Nordhausen verschärft SPD-Landrat Matthias Jendricke den Druck auf Leistungsbeziehende und setzt bei Nichterscheinen sogar auf Besuche durch den Vollzugsdienst. Die bisherige Altersgrenze soll entfallen, nachweislich nicht arbeitsfähige Menschen bleiben ausgenommen. Jendricke will damit nach eigenen Angaben die Arbeitsbereitschaft überprüfen, doch sein Vorgehen wirft die Frage auf, wie weit Behörden gehen dürfen, um Menschen zur Arbeit zu verpflichten. Eine Fördermaßnahme wird zum Gehorsamstest Arbeitsgelegenheiten sollen nach § 16d SGB II die Beschäftigungsfähigkeit erhalten oder wiederherstellen und dadurch den Weg in Arbeit erleichtern. Ein Test, ob jemand unter Sanktionsdruck gehorcht, erfüllt diesen gesetzlichen Auftrag noch nicht. Gegen-Hartz hat bereits unter dem Titel „Das Ordnungsamt führt Bürgergeld-Bezieher zum Ein-Euro-Job ab“ die Nordhäuser Praxis kritisiert. Der entscheidende Einwand bleibt: Eine Behörde darf den Eingliederungszweck einer Maßnahme nicht durch ein gänzlich anderes Motiv ersetzen:  vermeintlich Unwillige zu disziplinieren. Ein Euro ist kein Arbeitslohn Die Zahlung bei einem Ein-Euro-Job ist rechtlich eine Entschädigung für Mehraufwendungen zusätzlich zur Grundsicherung, kein Stundenlohn. Die Tätigkeit begründet kein reguläres Arbeitsverhältnis und führt auch nicht aus der Hilfebedürftigkeit. Gerade deshalb wiegt die Kritik am Ein-Euro-Job als Strafe schwer: Wer eine existenzsichernde Beschäftigung braucht, erhält zunächst eine verpflichtende Tätigkeit ohne regulären Lohn. Politisch-populistisch täuscht mag das Aktivität nur vor: einen Arbeitsvertrag ersetzt es nämlich nicht. „Totalverweigerer“ ist ein Etikett, keine Diagnose Die Rede von angeblichen Totalverweigerern vermischt unterschiedliche Sachverhalte: versäumte Termine, abgebrochene Maßnahmen und die Ablehnung einer konkreten Arbeitsstelle. Aus keinem dieser Vorgänge lässt sich ohne Prüfung ableiten, dass jemand grundsätzlich jede Erwerbsarbeit verweigert. Gegen-Hartz hat diese politische Zuschreibung im Beitrag „Bürgergeld Totalverweigerer – Unwort des Jahres 2024“ angegriffen. Für eine sachliche Bewertung braucht es jedoch aktuelle, sauber getrennte Zahlen statt einer Wiederholung zugespitzter Behauptungen. Die Statistik trägt den Generalverdacht nicht Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit entfielen 2025 insgesamt 85,5 Prozent der Leistungsminderungen auf Meldeversäumnisse. Rund 31.000 Minderungen betrafen die verweigerte Aufnahme oder Fortführung von Arbeit, Ausbildung oder einer Eingliederungsmaßnahme – eine Sammelkategorie, keine Zählung von Menschen, die jede Arbeit ablehnen. Die Behörde weist ausdrücklich darauf hin, dass sich dabei einmalige und wiederholte Pflichtverletzungen einer Person statistisch nicht unterscheiden lassen. Auch die von Gegen-Hartz aufgegriffene Studienkritik am Bild der Totalverweigerer verlangt deshalb eine andere Debatte: über tatsächliche Beschäftigungshindernisse statt über einen angeblich verbreiteten Charakterfehler. Weniger Arbeitslose beweisen noch keinen Projekterfolg Jendricke verweist auf einen Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit um 13,5 Prozent im ersten Halbjahr 2026. Dabei ist völlig unklar, ob irgendein Anteil dieses Rückgangs auf das Projekt zurückgeht und wie viele Teilnehmer dauerhaft eine bezahlte Beschäftigung aufgenommen haben. Für eine überzeugende Erfolgsbilanz müsste der Landkreis Übergänge in Arbeit und Ausbildung offenlegen und deren Dauer untersuchen. Eine Abmeldung aus dem Leistungsbezug sagt weder etwas über einen Arbeitsvertrag noch über einen gesicherten Lebensunterhalt aus. Arbeitspflicht löst keine gesundheitlichen Probleme Auch Suchterkrankungen wurden in Nordhausen bei Hausbesuchen sichtbar. Das spricht für einen Bedarf an fachlicher Unterstützung und sorgfältiger Abklärung, und gerade nicht für die pauschale Annahme, hinter fehlender Mitwirkung stecke Bequemlichkeit. Die Gegen-Hartz-Kritik an politischen Forderungen nach Arbeitspflicht setzt genau hier an: Druck schafft weder eine abgeschlossene Ausbildung noch einen Therapieplatz. Wer Hilfe braucht, wird durch die Drohung mit weniger Geld nicht schon arbeitsfähig. Hausbesuche sind keine Erlaubnis zur Einschüchterung Behörden dürfen anspruchserhebliche Tatsachen prüfen, müssen dafür aber einen sachlichen Anlass und ein verhältnismäßiges Vorgehen haben. Die Begleitung durch einen kommunalen Vollzugsdienst verleiht einer sozialrechtlichen Kontrolle kein unbegrenztes Zutrittsrecht zur Wohnung. Für Sie als Betroffenen gilt deshalb: Lassen Sie sich Dienstausweise und den Anlass des Besuchs nennen und dokumentieren Sie den Ablauf. Der Gegen-Hartz-Ratgeber zu Hausbesuchen des Jobcenters erläutert, weshalb die freiwillige Zustimmung zum Betreten der Wohnung von Ihren sonstigen Nachweispflichten zu unterscheiden ist. Nicht jeder verweigerte Ein-Euro-Job erlaubt eine Totalsanktion Die geltende Fassung von § 31a SGB II sieht bei Pflichtverletzungen grundsätzlich eine Minderung um 30 Prozent des Regelbedarfs vor; wichtige Gründe und außergewöhnliche Härten begrenzen Sanktionen. Der vollständige Wegfall des Regelbedarfs nach Absatz 7 setzt dagegen voraus, dass eine zumutbare, tatsächlich und unmittelbar mögliche Arbeitsaufnahme willentlich verweigert wird. Eine Arbeitsgelegenheit ist eine Eingliederungsmaßnahme und kein reguläres Arbeitsverhältnis, weshalb ihr Nichtantritt diese besondere Rechtsfolge nicht ohne Weiteres trägt. Auch der Wegfall des Regelbedarfs ist rechtlich etwas anderes als die Streichung sämtlicher Leistungen einschließlich der Unterkunftskosten. Was die politische Härte-Rhetorik verdeckt Politische Darstellung Was tatsächlich geprüft werden muss Ein-Euro-Jobs zeigen, wer arbeiten will. Die Maßnahme muss zur Person passen und ihrer Eingliederung dienen. Gemeinnützige Arbeit nützt immer der Kommune. Die Tätigkeit muss zusätzlich sein und darf reguläre Beschäftigung weder verdrängen noch verhindern. Wer nicht erscheint, verweigert sich. Das Jobcenter muss wichtige Gründe und persönliche Hindernisse berücksichtigen. Weniger Leistungsbeziehende bedeuten mehr Beschäftigung. Erst nachvollziehbare Übergänge in bezahlte Arbeit belegen einen Vermittlungserfolg. Zwangsarbeit: Scharfe Kritik braucht rechtliche Genauigkeit Gegen-Hartz hat Ein-Euro-Jobs bereits im Beitrag „Hartz IV: Ein-Euro-Jobs sind Zwangsarbeit?“ grundsätzlich angegriffen. Der politische Vorwurf trifft ein reales Problem: Wer bei einer Ablehnung um seinen Lebensunterhalt fürchten muss, entscheidet unter erheblichem Druck. Juristisch folgt daraus jedoch nicht, dass jede Arbeitsgelegenheit verbotene Zwangsarbeit darstellt oder Beschäftigte des Jobcenters sich schon durch eine Zuweisung strafbar machen. Artikel 12 des Grundgesetzes schützt vor Arbeitszwang; zugleich hat das Bundesverfassungsgericht zumutbare Mitwirkungspflichten und Sanktionen unter strengen Voraussetzungen anerkannt. Auch ein Landrat muss die Grenzen des Sozialrechts beachten Unser Gegen-Hartz-Beitrag zur Verfassungswidrigkeit einer Arbeitspflicht muss am jeweiligen Modell geprüft werden. Für Nordhausen lässt sich weder jede einzelne Zuweisung für rechtswidrig erklären noch ein pauschaler Freibrief ableiten. Das Bundesverfassungsgericht hat im Urteil vom 5. November 2019 betont, dass auch vermeintlich unwürdiges Verhalten die Menschenwürde nicht beseitigt. Die von Gegen-Hartz behandelten Folgen verfassungswidriger Sanktionen erinnern daran, dass politische Zustimmung einen rechtswidrigen Bescheid nicht rechtmäßig macht. Reguläre Arbeit darf nicht durch Pflichtarbeit ersetzt werden Wenn eine Kommune Arbeiten dauerhaft benötigt, muss sie erklären können, weshalb dafür keine regulären Stellen entstehen. § 16d SGB II verbietet Arbeitsgelegenheiten, die Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt verdrängen oder ihre Entstehung verhindern. Dass rechtswidrige Einsätze finanzielle Folgen haben können, zeigt der ältere Gegen-Hartz-Bericht über einen Vergleich über 900 Euro für einen rechtswidrigen Ein-Euro-Job. Daraus folgt kein pauschaler Zahlungsanspruch, wohl aber ein guter Grund, die tatsächliche Tätigkeit und ihre Voraussetzungen prüfen zu lassen. Fiktives Beispiel: Fehlende Mitwirkung hat eine Vorgeschichte Der 24-jährige Jonas verpasst mehrere Termine und tritt eine zugewiesene Arbeitsgelegenheit nicht an, weil eine bislang unbehandelte Angststörung seinen Alltag bestimmt. Nach außen sieht die Akte nach Verweigerung aus, während Jonas selbst kaum noch Briefe öffnet und Hilfe benötigt. Mit Unterstützung einer Beratungsstelle legt er dem Jobcenter ärztliche Unterlagen vor und bittet um eine persönliche Anhörung sowie die Prüfung einer passenden Unterstützung. Ob seine Erkrankung den konkreten Nichtantritt entschuldigt, muss die Behörde prüfen – die Bezeichnung „Totalverweigerer“ beantwortet diese Frage nicht. Sechs Fragen und Antworten zur Arbeitspflicht in Nordhausen Müssen jetzt alle Leistungsbeziehenden in Nordhausen einen Ein-Euro-Job machen? Der Bericht beschreibt die Aufhebung der bisherigen Altersbegrenzung, keine gleichzeitige Zuweisung sämtlicher Leistungsbeziehender. Für jede Arbeitsgelegenheit gelten weiterhin die gesetzlichen Voraussetzungen und die Prüfung des Einzelfalls. Ist der eine Euro pro Stunde ein Lohn? Nein, es handelt sich um eine Mehraufwandsentschädigung zusätzlich zur Grundsicherung. Die Arbeitsgelegenheit schafft kein reguläres Arbeitsverhältnis. Darf das Jobcenter einen Ein-Euro-Job allein zur Bestrafung zuweisen? Eine Arbeitsgelegenheit muss dem gesetzlichen Eingliederungszweck dienen. Die Absicht, jemanden lediglich zu bestrafen oder gefügig zu machen, reicht als Begründung nicht aus. Darf der Vollzugsdienst wegen eines versäumten Ein-Euro-Jobs meine Wohnung betreten? Das Versäumen einer Arbeitsgelegenheit begründet für sich genommen kein Recht, gegen Ihren Willen Ihre Wohnung zu betreten. Lassen Sie sich den konkreten Auftrag und die behauptete Rechtsgrundlage erläutern. Kann das Jobcenter wegen der Ablehnung sämtliche Leistungen streichen? Die Ablehnung einer Arbeitsgelegenheit rechtfertigt für sich genommen keine vollständige Streichung einschließlich der Unterkunftskosten. Sanktionen, der besondere Wegfall des Regelbedarfs und ein fehlender Leistungsanspruch haben unterschiedliche Voraussetzungen. Was sollten Betroffene bei einer problematischen Zuweisung tun? Lassen Sie Tätigkeit, Arbeitszeiten, Zumutbarkeit und Begründung prüfen und reichen Sie Nachweise für gesundheitliche oder andere wichtige Hindernisse zeitnah ein. Ignorieren Sie Schreiben nicht, sondern holen Sie Unterstützung bei einer Sozialberatung oder einer auf Sozialrecht spezialisierten Kanzlei. Quellen Bundesagentur für Arbeit: „Arbeitsgelegenheit“, Informationen zu Voraussetzungen und Durchführung. Bundesagentur für Arbeit: „Zahl der Leistungsminderungen ist 2025 gegenüber dem Vorjahr gestiegen“, Pressemitteilung 2026. Bundesverfassungsgericht: Urteil vom 5. November 2019, Aktenzeichen 1 BvL 7/16. Grundgesetz: Artikel 12 und 13. Sozialgesetzbuch II: §§ 16d, 31 und 31a, geltende Fassung.

Beitragsbild von: Überstunden steuerfrei? Was der Merz-Plan für Arbeitnehmer bringen soll

30. Oktober 2026

Mehr arbeiten und mehr Geld behalten: Mit diesem Versprechen will die Bundesregierung zusätzliche Arbeitsstunden attraktiver machen. Doch hinter den Plänen für steuerfreie Überstundenzuschläge steckt eine deutlich kleinere Entlastung, als die Aussicht auf „steuerfreie Überstunden“ vermuten lässt. Die normale Bezahlung der zusätzlichen Stunden soll weiterhin steuerpflichtig bleiben. Begünstigt werden sollen lediglich Zuschläge, und auch diese Steuerbefreiung ist am 29. Oktober 2026 noch nicht in Kraft. Die Steuerfreiheit ist weiterhin ein politisches Versprechen Die Ankündigung steht im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD. Im geltenden § 3b Einkommensteuergesetz findet sich jedoch weiterhin keine allgemeine Steuerbefreiung für reguläre Überstundenzuschläge. Wie offen die Umsetzung geblieben ist, zeigt eine Antwort der Bundesregierung vom 6. Juli 2026 auf Frage 19. Darin erklärte sie ausdrücklich: „Einen konkreten Zeitplan gibt es nicht.“ Beschäftigte können deshalb derzeit weder eine entsprechende Steuerfreiheit vom Arbeitgeber verlangen noch sicher mit einem bestimmten Starttermin rechnen. Eine politische Ankündigung verändert die Lohnabrechnung noch nicht. Der Unterschied zwischen Überstundenlohn und Zuschlag entscheidet Die Vergütung einer zusätzlichen Arbeitsstunde und ein Aufschlag auf diese Vergütung sind zwei verschiedene Bestandteile des Arbeitsentgelts. Wer für eine Überstunde beispielsweise seinen üblichen Stundenlohn erhält, bekommt damit noch keinen Überstundenzuschlag. Nur ein zusätzlich gezahlter Aufschlag wäre Gegenstand der angekündigten Steuerbegünstigung. Der Stundenlohn selbst würde auch bei einer Umsetzung des Vorhabens grundsätzlich weiter besteuert. Welche Ansprüche Arbeitgeber bereits heute erfüllen müssen, erläutert unser Beitrag „Mehr Lohn für Überstunden – dann muss der Arbeitgeber zusätzlich zahlen“. Eine mögliche Steuerentlastung ersetzt keinen Anspruch auf Bezahlung. Ohne bezahlten Zuschlag gibt es nichts zu entlasten Einen allgemeinen gesetzlichen Anspruch auf einen Zuschlag für jede Überstunde an gewöhnlichen Arbeitstagen gibt es nicht. Ein solcher Anspruch kann sich insbesondere aus einem Tarifvertrag, einer Betriebsvereinbarung oder dem Arbeitsvertrag ergeben. Zahlt ein Betrieb zusätzliche Stunden lediglich zum normalen Stundenlohn aus, würde die angekündigte Befreiung von Zuschlägen daran zunächst nichts ändern. Wer Überstunden ausschließlich durch Freizeit ausgleicht, erhält ebenfalls keinen ausgezahlten Zuschlag, dessen Besteuerung entfallen könnte. Die Größenordnung unbezahlter Mehrarbeit zeigt die IAB-Arbeitszeitrechnung für 2025: Durchschnittlich entfielen auf Beschäftigte 11,6 bezahlte und 15,6 unbezahlte Überstunden. Daraus folgt für das Vorhaben ein erhebliches Problem: Eine Steuerbefreiung schafft für bislang unbezahlte Arbeit noch keine Vergütung. Teilzeitkräfte könnten trotz Mehrarbeit leer ausgehen Der Koalitionsvertrag knüpft die Begünstigung an zusätzliche Arbeit oberhalb der tariflichen beziehungsweise an Tarifverträgen orientierten Vollzeit. Als Untergrenze nennt er für tarifliche Regelungen 34 Wochenstunden, für nicht tariflich festgelegte oder vereinbarte Arbeitszeiten 40 Stunden. Das bedeutet keine pauschale Begünstigung ab der 35. Stunde für alle Tarifbeschäftigten. Entscheidend wäre nach diesem Modell die einschlägige Vollzeitarbeitszeit, die auch höher liegen kann. Eine Teilzeitkraft, die ihre Arbeitszeit von 25 auf 30 Stunden erhöht, bliebe bei einer solchen Ausgestaltung unterhalb der genannten Grenzen. Zusätzliche Arbeit würde damit steuerlich unterschiedlich behandelt, obwohl Beschäftigte dafür gleichermaßen Freizeit aufgeben. Allerdings ist der endgültige Kreis der Begünstigten weiterhin offen. Frühere Entwurfsdarstellungen enthalten auch einen Ansatz, der an die individuelle Normalarbeitszeit anknüpft und Teilzeitbeschäftigte unter weiteren Bedingungen einbeziehen könnte. Auch die häufig genannten 25 Prozent sind noch keine geltende Regel Eine vom Portal Sozialpolitik veröffentlichte Übersicht zu einem Entwurfsstand vom September 2025 beschreibt eine Steuerbefreiung für Zuschläge bis zu 25 Prozent des Grundlohns. Diese Angabe beschreibt einen damaligen Vorschlag und keinen heute nutzbaren Freibetrag. Die Bundesregierung erklärte am 2. Oktober 2025 in ihrer Antwort auf Frage 14 zudem, dass kein offizieller Referentenentwurf eines solchen Arbeitsmarktstärkungsgesetzes veröffentlicht worden sei. Die verschiedenen Darstellungen dürfen deshalb nicht zu einer vermeintlich bereits beschlossenen Regel zusammengesetzt werden. Teilzeitkräfte können schon heute Anspruch auf Zuschläge haben Vom offenen Steuerplan zu unterscheiden ist das Arbeitsrecht: Eine für Teilzeit- und Vollzeitkräfte identische Zuschlagsgrenze kann Teilzeitbeschäftigte unzulässig benachteiligen. Das hat das Bundesarbeitsgericht auch im Urteil vom 26. August 2026, 5 AZR 122/25, bestätigt. Im betreffenden Tarifmodell musste die Grenze entsprechend dem Beschäftigungsumfang abgesenkt werden. Daraus folgt allerdings weder ein allgemeiner Zuschlag ab der ersten zusätzlichen Stunde noch eine Steuerbefreiung. Die Einzelheiten erklärt unser Beitrag „Teilzeitkräfte dürfen bei Mehrarbeitszuschlägen nicht auf Vollzeit verwiesen werden“. Beschäftigte sollten mögliche Zahlungsansprüche deshalb unabhängig davon prüfen, wann die Bundesregierung ihre Steuerpläne umsetzt. Steuerfrei würde nicht automatisch abgabenfrei bedeuten Eine Befreiung von Sozialversicherungsbeiträgen ist nach den bisherigen Erläuterungen der Bundesregierung nicht vorgesehen. Darauf verweist die Antwort zur Steuerfreistellung von Überstundenzuschlägen ausdrücklich. Auch ein künftig steuerfreier Zuschlag könnte daher weiterhin beitragspflichtig sein. Wie viel zusätzlich auf dem Konto ankäme, hinge außerdem von der persönlichen Steuerbelastung und den Voraussetzungen des späteren Gesetzes ab. Wer auf einen bestimmten jährlichen Nettobetrag hofft, braucht mehr als die Zahl seiner Überstunden. Ob überhaupt ein Zuschlag gezahlt wird, wie hoch er ist und welche Stunden begünstigt würden, macht für die Rechnung einen erheblichen Unterschied. Für Nachtarbeit und Sonntagsarbeit gelten bereits andere Regeln Zuschläge für tatsächlich geleistete Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit können schon heute unter den Voraussetzungen des § 3b EStG steuerfrei sein. Das Bundesfinanzministerium stellt in seinen Lohnsteuer-Hinweisen 2026 zugleich klar, dass Zuschläge allein wegen Mehrarbeit nicht darunterfallen. Damit kann eine zusätzliche Sonntagsstunde einen steuerfreien Sonntagszuschlag auslösen, wenn die gesetzlichen Bedingungen erfüllt sind. Ein gewöhnlicher Überstundenzuschlag für dieselbe Stunde wird dadurch aber nicht automatisch ebenfalls steuerfrei. Was Beschäftigte schon jetzt prüfen können Ein Blick in Arbeitsvertrag, Tarifvertrag und Lohnabrechnung zeigt, ob zusätzliche Stunden bezahlt und Zuschläge gesondert ausgewiesen werden. Eigene Aufzeichnungen über Arbeitszeiten und die Veranlassung der Überstunden helfen, mögliche Ansprüche zu belegen. Außerdem können für Zahlungsansprüche kurze tarifliche oder vertragliche Ausschlussfristen gelten. Warum Abwarten Geld kosten kann, erläutert unser Beitrag „Mehrarbeit in Teilzeit: Wer Zuschläge zu spät einfordert, kann Geld verlieren“. Praxisbeispiel: Zehn Überstunden machen nicht 250 Euro steuerfrei Markus arbeitet in Vollzeit und verdient 20 Euro brutto je Stunde. Für zehn zusätzliche Stunden erhält er aufgrund der für ihn geltenden Vereinbarung einen Zuschlag von 25 Prozent. Frei gewähltes Rechenbeispiel zur geplanten Steuerbegünstigung Bestandteil Berechnung Betrag Grundvergütung der Überstunden 10 × 20 Euro 200 Euro brutto Zuschlag je Überstunde 25 Prozent von 20 Euro 5 Euro brutto Zuschläge insgesamt 10 × 5 Euro 50 Euro brutto Gesamte zusätzliche Vergütung 200 Euro + 50 Euro 250 Euro brutto Bei einer Umsetzung möglicherweise steuerfrei Nur die begünstigten Zuschläge 50 Euro Heute sind die gesamten 250 Euro grundsätzlich steuerpflichtiger Arbeitslohn, weil im Beispiel ausschließlich gewöhnliche Überstunden geleistet werden. Würde die angekündigte Begünstigung eingeführt und erfüllte Markus sämtliche Voraussetzungen, könnten die 50 Euro Zuschläge steuerfrei werden; die 200 Euro Grundvergütung blieben steuerpflichtig. Bei einer rein vereinfachten Steuerersparnis von 30 Prozent auf den Zuschlag wären das rechnerisch 15 Euro mehr netto. Das ist keine individuelle Lohnabrechnung und berücksichtigt keine Wechselwirkungen mit Sozialbeiträgen, Sonderausgaben, Kirchensteuer oder Solidaritätszuschlag. Sieben Fragen und Antworten zu Überstunden und Steuern Sind Überstunden 2026 bereits allgemein steuerfrei? Nein, am 29. Oktober 2026 besteht keine allgemeine Steuerbefreiung für reguläre Überstunden oder Überstundenzuschläge. Für Sonntags-, Feiertags- und Nachtzuschläge gelten eigene gesetzliche Begünstigungen. Was will die Bundesregierung steuerfrei stellen? Geplant ist eine Begünstigung zusätzlicher Überstundenzuschläge. Die normale Vergütung der zusätzlich geleisteten Stunden soll grundsätzlich steuerpflichtig bleiben. Ab wann soll die Steuerfreiheit gelten? Ein verbindlicher Beginn ergibt sich aus dem geltenden Recht bislang nicht. Die Bundesregierung hatte im Juli 2026 auf Nachfrage ausdrücklich keinen konkreten Zeitplan genannt. Bekomme ich dadurch automatisch einen Überstundenzuschlag? Nein, eine Steuerbefreiung würde für sich genommen keinen Zahlungsanspruch schaffen. Ob ein Zuschlag zusteht, richtet sich nach den geltenden arbeitsrechtlichen Grundlagen. Würden Teilzeitbeschäftigte profitieren? Das hängt von der endgültigen gesetzlichen Ausgestaltung ab. Das Modell des Koalitionsvertrags würde Mehrarbeit unterhalb der vorgesehenen Vollzeitgrenzen nicht begünstigen, während andere diskutierte Ansätze weiter reichen. Entfallen dann auch die Sozialversicherungsbeiträge? Nach den bisherigen Erläuterungen der Bundesregierung ist eine Beitragsbefreiung nicht vorgesehen. Eine mögliche Steuerfreiheit sollte deshalb nicht mit einer Auszahlung des gesamten Zuschlags ohne Abzüge gleichgesetzt werden. Kann ich ohne Zuschlag trotzdem eine Steuerentlastung für Überstunden bekommen? Aus dem angekündigten Vorhaben ergibt sich das nicht, denn es betrifft gerade die Zuschläge. Wer nur den normalen Stundenlohn oder einen Freizeitausgleich erhält, hätte daraus zunächst keinen Vorteil.

Beitragsbild von: Partner zieht ins Pflegeheim: Zweimal Wohngeld für Ehepaare möglich

30. Oktober 2026

Wenn ein Ehepartner dauerhaft ins Pflegeheim zieht, wird es für viele Paare finanziell eng. Die Miete der bisherigen Wohnung läuft weiter, gleichzeitig müssen die Heimkosten bezahlt werden. Was viele nicht wissen, ist, dass unter bestimmten Voraussetzungen für beide Ehepartner ein eigener Wohngeldanspruch bestehen kann. Das bedeutet allerdings nicht, dass zweimal Wohngeld gezahlt wird. Die Wohngeldstelle muss beide Wohnsituationen getrennt prüfen. Entscheidend sind vor allem die tatsächlichen Haushaltsverhältnisse, das Einkommen und bereits bezogene Sozialleistungen. Auch verheiratete Paare können zwei Wohngeldansprüche haben Zieht ein Ehepartner dauerhaft in ein Pflegeheim, können wohngeldrechtlich zwei getrennte Haushalte entstehen. Das gilt auch dann, wenn die Ehe weiterhin besteht und die Partner regelmäßig Kontakt haben. Nach § 5 Wohngeldgesetz kommt es darauf an, wer den jeweiligen Wohnraum gemeinsam bewohnt und wo sich der Mittelpunkt der Lebensbeziehungen befindet. Bei einem dauerhaften Heimaufenthalt kann das Pflegeheim zum Lebensmittelpunkt des pflegebedürftigen Partners werden. Der andere Ehepartner lebt dagegen weiterhin in der bisherigen Wohnung. Damit können zwei eigenständige Wohnsituationen vorliegen, für die jeweils ein Wohngeldanspruch geprüft werden muss. Die Stadt Hannover bestätigt diese Möglichkeit ausdrücklich in ihren Informationen zum Wohngeld für Senioren. Danach kann sowohl für den im Heim lebenden Ehepartner als auch für die zu Hause gebliebene Person ein Anspruch bestehen. Eine Scheidung ist dafür nicht erforderlich Ein häufiger Irrtum betrifft den Familienstand. Ehepartner müssen sich nicht scheiden lassen oder ihre eheliche Lebensgemeinschaft aufgeben, damit zwei getrennte Wohngeldhaushalte entstehen können. Entscheidend ist die dauerhafte räumliche Trennung der Wohnsituationen. Eine pflegebedingte Heimaufnahme bedeutet dabei nicht, dass die Ehepartner auch familienrechtlich als dauernd getrennt lebend gelten. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil bei anderen Sozialleistungen weiterhin die wirtschaftlichen Verhältnisse beider Ehepartner berücksichtigt werden können. Insbesondere bei der Hilfe zur Pflege kann das Sozialamt auch Einkommen und Vermögen des zu Hause lebenden Ehepartners prüfen. Welche Grenzen dabei gelten, erläutert unser Beitrag Ehepartner im Pflegeheim und wie viel Geld dem anderen bleiben muss. Auch der Partner im Pflegeheim kann Wohngeld bekommen Für dauerhaft aufgenommene Heimbewohner enthält § 3 Absatz 1 Wohngeldgesetz eine besondere Regelung. Danach können Menschen, die nicht nur vorübergehend in einem Heim leben, grundsätzlich einen Mietzuschuss erhalten. Ein gewöhnlicher Wohnungsmietvertrag ist dafür nicht erforderlich. Entscheidend ist die dauerhafte Aufnahme in einer entsprechenden Einrichtung. Ein vorübergehender Aufenthalt zur Kurzzeitpflege reicht dafür regelmäßig nicht aus. Auch ein bestimmter Pflegegrad ist keine eigenständige Voraussetzung für Wohngeld. Die Wohngeldstelle prüft vielmehr die gesetzlichen Voraussetzungen, insbesondere das anrechenbare Einkommen und mögliche Ausschlüsse durch andere Sozialleistungen. Die Heimrechnung wird nicht vollständig übernommen Wohngeld dient nicht dazu, sämtliche Pflegeheimkosten zu finanzieren. Eine Heimrechnung enthält neben den Wohnkosten auch Ausgaben für Pflege, Verpflegung und weitere Leistungen. Diese Kosten werden bei der Wohngeldberechnung nicht einfach zusammengerechnet. Nach § 9 Absatz 3 Wohngeldgesetz gilt für dauerhaft aufgenommene Heimbewohner ein besonderer Mietansatz. Berücksichtigt wird der gesetzliche Miethöchstbetrag zuzüglich der Klimakomponente. Nach § 11 Wohngeldgesetz kommt außerdem die gesetzliche Heizkostenkomponente hinzu. Wie hoch diese Beträge ausfallen, hängt unter anderem von der Mietenstufe am Standort des Heims und der maßgeblichen Haushaltsgröße ab. Eine besonders hohe Heimrechnung führt deshalb nicht automatisch zu einem entsprechend hohen Wohngeldanspruch. Für den Ehepartner zu Hause gelten andere Wohnkosten Der Partner in der bisherigen Wohnung kann ebenfalls einen eigenen Wohngeldanspruch haben. Bei einer Mietwohnung wird ein Mietzuschuss geprüft, bei selbst genutztem Wohneigentum kann ein Lastenzuschuss infrage kommen. Die Wohngeldstelle berücksichtigt dabei die für diesen Haushalt maßgeblichen Wohnkosten und Einkünfte. Wichtig ist, dass sich durch den Auszug des Ehepartners die Zahl der Haushaltsmitglieder verändern kann. Aus einem bisherigen Zweipersonenhaushalt wird möglicherweise ein Einpersonenhaushalt. Das kann Auswirkungen auf die Wohngeldberechnung haben. Zwar entfällt grundsätzlich das Einkommen des dauerhaft ausgezogenen Partners als eigenes Haushaltseinkommen, gleichzeitig gelten aber andere Höchstbeträge für die Wohnkosten. Ein bisheriger Wohngeldanspruch steigt deshalb nicht, nur weil künftig eine Person weniger in der Wohnung lebt. Grundsicherung kann einen Wohngeldanspruch ausschließen Besonders wichtig ist die Frage, welche Sozialleistungen die beiden Ehepartner bereits erhalten. Wer Grundsicherung im Alter oder Hilfe zum Lebensunterhalt bezieht, ist nach § 7 Wohngeldgesetz grundsätzlich vom Wohngeld ausgeschlossen, wenn bei diesen Leistungen Unterkunftskosten berücksichtigt werden. Damit soll verhindert werden, dass dieselben Wohnkosten doppelt durch staatliche Leistungen finanziert werden. Das Gesetz enthält allerdings Ausnahmen, etwa wenn die betreffende Sozialleistung ausschließlich als Darlehen gewährt wird. Von der Grundsicherung zu unterscheiden ist die Hilfe zur Pflege. Diese Leistung ist für sich genommen keine Ausschlussleistung nach § 7 Wohngeldgesetz. Wer Hilfe zur Pflege erhält, kann deshalb unter den weiteren Voraussetzungen weiterhin wohngeldberechtigt sein. Allerdings kann bewilligtes Wohngeld bei der Sozialhilfe als Einkommen berücksichtigt werden. Es bleibt dann möglicherweise kein zusätzlicher Betrag zur freien Verfügung. Die Unterschiede zwischen Wohngeld, Pflegewohngeld und Hilfe zur Pflege erklärt unser Beitrag Wohngeld-Zuschuss auch im Pflegeheim nutzen. Unterhaltszahlungen zwischen Ehepartnern müssen geprüft werden Auch gegenseitige finanzielle Unterstützung kann die Wohngeldberechnung verändern. Das gilt beispielsweise, wenn der zu Hause lebende Ehepartner einen Teil der Heimkosten aus seinem eigenen Einkommen bezahlt. Nach § 18 Wohngeldgesetz können bestimmte gesetzliche Unterhaltsleistungen vom wohngeldrechtlichen Einkommen abgezogen werden. Bei Ehepartnern, die nur wegen eines dauerhaften Heimaufenthalts räumlich getrennt leben, ist grundsätzlich die Regelung für Unterhaltsleistungen an sonstige Personen außerhalb des Haushalts relevant. Hier sieht das Gesetz regelmäßig einen Abzug von bis zu 3.000 Euro jährlich vor. Liegt eine entsprechende notarielle Unterhaltsvereinbarung, ein Unterhaltstitel oder ein Bescheid vor, können unter den gesetzlichen Voraussetzungen höhere Beträge berücksichtigt werden. Die Wohngeld-Verwaltungsvorschrift behandelt den besonderen Fall eines im Pflegeheim lebenden Ehepartners ausdrücklich. Auf der Empfängerseite können Unterhaltszahlungen wiederum als Einkommen zählen. Deshalb müssen die Zahlungen in beiden Anträgen zutreffend angegeben werden. Wichtig ist außerdem, aus wessen Einkommen die Heimkosten tatsächlich bezahlt werden. Die Rente eines Ehepartners wird nicht schon deshalb gemeinsames Einkommen, weil sie auf ein gemeinsames Konto überwiesen wird. Zwei Wohngeldansprüche werden getrennt berechnet Für beide Ehepartner gelten die allgemeinen Berechnungsgrundlagen des Wohngeldgesetzes. Dazu gehören die Zahl der berücksichtigungsfähigen Haushaltsmitglieder, die maßgeblichen Wohnkosten und das anrechenbare Einkommen. Die Voraussetzungen können deshalb bei beiden Partnern unterschiedlich ausfallen. Prüfpunkt Partner im Pflegeheim Partner zu Hause Wohnsituation Dauerhafte Aufnahme in einem Heim Bisherige Mietwohnung oder selbst genutztes Eigentum Wohngeldart Mietzuschuss Mietzuschuss oder Lastenzuschuss Wohnkosten Gesetzlicher Mietansatz mit Klima- und Heizkostenkomponente Berücksichtigungsfähige Miete oder Belastung nach den gesetzlichen Grenzen Einkommen Eigene Einkünfte und gegebenenfalls erhaltene Unterhaltsleistungen Eigene Einkünfte und gegebenenfalls abzugsfähige Unterhaltsleistungen Sozialleistungen Möglicher Ausschluss durch Grundsicherung oder Hilfe zum Lebensunterhalt Eigene Sozialleistungen und mögliche Wohngeldausschlüsse Ein Anspruch auf der einen Seite bedeutet nicht automatisch, dass auch die andere Person Wohngeld erhält. Ebenso kann es vorkommen, dass nur einer der beiden Ehepartner die Voraussetzungen erfüllt. Die jeweiligen Bescheide müssen deshalb getrennt geprüft werden. Bestehendes Wohngeld muss nach dem Auszug überprüft werden Erhält das Ehepaar bereits Wohngeld für seine gemeinsame Wohnung, sollte der dauerhafte Heimeinzug unverzüglich der Wohngeldstelle mitgeteilt werden. Nach § 27 Wohngeldgesetz besteht insbesondere bei einer nicht nur vorübergehenden Verringerung der Zahl der berücksichtigungsfähigen Haushaltsmitglieder eine Mitteilungspflicht. Die Behörde muss anschließend prüfen, wie sich die veränderten Verhältnisse auf die bisherige Bewilligung auswirken. Eine Neuberechnung kann zu einem höheren oder niedrigeren Wohngeldbetrag führen. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Haushaltsgröße, Einkommen und berücksichtigungsfähigen Wohnkosten. Wer eine solche Änderung verschweigt, riskiert unter Umständen eine spätere Rückforderung. Wohngeld wird grundsätzlich ab dem Antragsmonat gezahlt Für einen neuen Wohngeldanspruch ist der Zeitpunkt der Antragstellung besonders wichtig. Nach § 25 Wohngeldgesetz beginnt der Bewilligungszeitraum grundsätzlich am ersten Tag des Monats, in dem der Antrag gestellt wird. Zieht ein Ehepartner beispielsweise im Oktober dauerhaft ins Pflegeheim und stellt erst im November einen Wohngeldantrag, beginnt ein möglicher neuer Anspruch normalerweise erst am 1. November. Für den Oktober wird dann grundsätzlich kein Wohngeld nachgezahlt. Gesetzliche Ausnahmen können insbesondere bei der Ablehnung anderer Sozialleistungen gelten. Deshalb sollten beide Ehepartner ihre möglichen Ansprüche möglichst früh prüfen lassen. Liegen noch nicht sämtliche Unterlagen vor, kann zunächst ein eindeutig formulierter formloser Antrag helfen, den Antragsmonat zu sichern. Wohnen die Partner in unterschiedlichen Gemeinden, können auch unterschiedliche Wohngeldbehörden zuständig sein. Praxisbeispiel mit einer Wohnung und einem Pflegeheimplatz Ingrid und Peter sind verheiratet und beziehen beide eine gesetzliche Altersrente. Bisher leben sie gemeinsam in einer Mietwohnung. Im Oktober 2026 zieht Ingrid dauerhaft in ein Pflegeheim. Peter bleibt allein in der bisherigen Wohnung, deren Miete weiterhin bezahlt werden muss. Beide erhalten in diesem Beispiel weder Grundsicherung noch eine andere Sozialleistung, die sie wegen berücksichtigter Unterkunftskosten vom Wohngeld ausschließt. Peter beantragt deshalb Wohngeld für seinen Einpersonenhaushalt. Ingrid stellt einen eigenen Antrag für ihre dauerhafte Unterbringung im Pflegeheim. Die Wohngeldstellen prüfen die Einkünfte, die jeweiligen Wohnkosten und mögliche Unterhaltszahlungen. Ob beide, nur einer oder keiner der Ehepartner tatsächlich Wohngeld erhält, ergibt sich erst aus dieser Prüfung. Das Beispiel zeigt, weshalb eine doppelte Antragstellung sinnvoll sein kann, ohne dass daraus ein Anspruch auf zwei Zahlungen entsteht. Diese Unterlagen sollten Ehepartner bereithalten Für die Wohngeldanträge benötigen die Behörden insbesondere Nachweise über die aktuelle Wohnsituation und das Einkommen. Beim zu Hause lebenden Ehepartner sind beispielsweise der Mietvertrag, die aktuelle Miethöhe und die Rentenbescheide wichtig. Bei selbst genutztem Eigentum werden stattdessen die maßgeblichen Belastungen geprüft. Für die Person im Heim sind insbesondere Nachweise über die dauerhafte Aufnahme, Renteneinkünfte und vorhandene Sozialleistungen erforderlich. Wer gegenseitige Unterhaltszahlungen leistet, sollte außerdem deren Höhe und Zweck dokumentieren. Bei bereits laufenden Sozialhilfeleistungen sind die entsprechenden Bewilligungsbescheide wichtig. Nur so lässt sich zuverlässig feststellen, ob ein Wohngeldausschluss vorliegt oder Leistungen miteinander verrechnet werden müssen. Reichen Einkommen und Vermögen nicht aus, um die notwendige Pflege sicherzustellen, sollte zusätzlich frühzeitig das Sozialamt informiert werden. Ein Wohngeldantrag ersetzt die erforderliche Klärung eines möglichen Anspruchs auf Hilfe zur Pflege nicht. Häufige Fragen zum Wohngeld bei einem Umzug ins Pflegeheim Können Ehepartner nach einem dauerhaften Heimeinzug zweimal Wohngeld bekommen? Ja, unter bestimmten Voraussetzungen können zwei eigenständige Wohngeldansprüche entstehen. Dafür müssen die Ehepartner wohngeldrechtlich getrennte Wohnsituationen haben und jeweils die gesetzlichen Anspruchsvoraussetzungen erfüllen. Müssen Ehepartner dafür getrennt leben oder sich scheiden lassen? Nein, eine Scheidung ist nicht erforderlich. Ein dauerhafter pflegebedingter Umzug kann dazu führen, dass zwei Wohngeldhaushalte entstehen, obwohl die eheliche Gemeinschaft weiterhin besteht. Schließen Pflegeleistungen einen Wohngeldanspruch aus? Leistungen der Pflegeversicherung und Hilfe zur Pflege führen für sich genommen nicht automatisch zu einem Wohngeldausschluss. Wer zusätzlich Grundsicherung oder Hilfe zum Lebensunterhalt mit berücksichtigten Unterkunftskosten erhält, ist dagegen grundsätzlich ausgeschlossen. Auch ein bewilligtes Wohngeld deckt nicht die gesamte Heimrechnung ab. Quellen Landeshauptstadt Hannover, Wohngeld für Seniorinnen und Senioren, Informationsbroschüre Januar 2025, Abschnitt zum Partner im Pflegeheim Bundesgesundheitsministerium, Wohngeld für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen § 3 Wohngeldgesetz zur Wohngeldberechtigung von Mietern und dauerhaft aufgenommenen Heimbewohnern § 5 Wohngeldgesetz zur Haushaltszugehörigkeit und zum Mittelpunkt der Lebensbeziehungen § 7 Wohngeldgesetz zum Ausschluss bei Grundsicherung und anderen Sozialleistungen § 9 Wohngeldgesetz zur Miete und zum besonderen Mietansatz bei dauerhafter Heimaufnahme § 11 Wohngeldgesetz zur berücksichtigungsfähigen Miete einschließlich der gesetzlichen Heizkostenkomponente

Beitragsbild von: Rente im Weltvergleich: Deutschland hinter Mexiko und Kuwait angelangt

30. Oktober 2026

Deutschland erreicht im Marsh CFA Institute Global Pension Index 2026 nur Platz 25 von 55 untersuchten Alterssicherungssystemen. Mit 67,9 von 100 Punkten liegt die Bundesrepublik hinter Mexiko und Kuwait – ein ernüchterndes Ergebnis für ein Land, das seinen Sozialstaat gern als verlässliches Versprechen beschreibt. Die politische Brisanz steckt allerdings weniger in den Ländernamen als in der Frage, wie Deutschland seine Renten künftig finanzieren will. Wer aus der Rangfolge lediglich ableitet, deutsche Rentner bekämen weniger Geld als Menschen in Mexiko, liest aus der Untersuchung etwas heraus, das sie nicht belegt. Was der Weltvergleich tatsächlich bewertet Der Index von Marsh und dem CFA Institute untersucht die Leistungsfähigkeit ganzer Alterssicherungssysteme anhand von mehr als 50 Indikatoren. Die Angemessenheit der Leistungen fließt mit 40 Prozent ein, die Nachhaltigkeit mit 35 Prozent und die Integrität, etwa Regulierung und Schutz der Versicherten, mit 25 Prozent. Damit beeinflussen auch angesparte Vorsorgevermögen, die Bevölkerungsentwicklung und die staatliche Unterstützung das Ergebnis. Eine Rangliste der durchschnittlich ausgezahlten gesetzlichen Monatsrenten ist dieser Vergleich deshalb nicht. Deutschland liegt zurück – aber nicht bei jeder Kennzahl Die Niederlande führen die Gesamtwertung mit 85,8 Punkten an. Wie unterschiedlich die Ergebnisse innerhalb eines Systems ausfallen können, zeigt der Blick auf ausgewählte Länder. Alterssicherungssystem Gesamtwertung Angemessenheit Nachhaltigkeit Niederlande 85,8 87,7 82,6 Dänemark 84,1 84,2 84,8 Kuwait 72,9 88,3 60,1 Mexiko 71,2 77,2 64,0 Deutschland 67,9 79,8 47,2 Österreich 56,9 68,3 23,9 Alle Angaben sind Indexpunkte auf einer Skala von 0 bis 100 aus dem Global Pension Index 2026. Bemerkenswert ist der Vergleich mit Mexiko: Bei der Angemessenheit liegt Deutschland vorn, in der Gesamtwertung jedoch dahinter. Schon diese Gegenüberstellung zeigt, wie wenig die zugespitzte Länderreihenfolge allein über die finanzielle Lage einzelner Rentner aussagt. Die schlechteste Nachricht betrifft die langfristige Finanzierung Deutschland erhält insgesamt die Note B, bei der Nachhaltigkeit jedoch nur D. In diesem Teilvergleich reicht es mit 47,2 Punkten lediglich für Platz 41 von 55 – hier liegt die deutlichste Schwäche des deutschen Systems. Die gesetzliche Rentenversicherung arbeitet im Umlageverfahren: Laufende Einnahmen finanzieren die laufenden Renten. Wenn die Bevölkerung altert und sich das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Menschen im Ruhestand verschiebt, wächst der Druck auf diese Finanzierung. Daraus entstehen Verteilungsfragen, denen die Politik nicht dauerhaft ausweichen kann: Wie viel sollen Beschäftigte und Arbeitgeber zahlen, welchen Anteil übernimmt der Staat und wie entwickeln sich die Leistungen? Ein schlechter Nachhaltigkeitswert liefert Anlass für Reformen, aber keinen Beleg dafür, dass die nächste Rentenzahlung ausfällt. Die Niederlande verbinden Grundabsicherung mit breiter Betriebsrente Das niederländische System kombiniert die staatliche AOW-Grundrente mit einer weit verbreiteten zusätzlichen Altersversorgung über den Arbeitgeber. Nach Angaben der niederländischen Regierung verfügen rund 90 Prozent der Beschäftigten über eine solche ergänzende Absicherung. Die Arbeitgeber tragen dabei üblicherweise ungefähr zwei Drittel der Beiträge, die Beschäftigten ein Drittel. Die Versorgungsträger legen die Beiträge an und zahlen daraus später zusätzliche Renten. Für die deutsche Debatte lässt sich daraus eine konkrete Lehre ziehen: Eine ergänzende Altersversorgung muss viele Beschäftigte erreichen und verlässlich finanziert werden. Ein bloßer Appell zum privaten Sparen hilft Menschen wenig, deren Einkommen bereits für Miete und Lebensunterhalt aufgeht. Geringverdiener brauchen mehr als einen Sparappell Die Studienautoren empfehlen für Deutschland ausdrücklich auch eine bessere Mindestabsicherung für Menschen mit niedrigen Renten. Daneben nennen sie mehr kapitalgedeckte Vorsorge und einen breiteren Zugang zur betrieblichen Altersversorgung. Diese Verbindung verdient Aufmerksamkeit, denn eine tragfähige Finanzierung und ausreichende Leistungen müssen zusammen gedacht werden. Eine Reform, die lediglich Ausgaben begrenzt und dadurch mehr Menschen mit einer unzureichenden Rente zurücklässt, hätte ihren sozialen Zweck verfehlt. Auch die deutsche Debatte über das Rentenniveau von 48 Prozent braucht präzise Begriffe. Die Zahl beschreibt das Verhältnis einer Standardrente nach 45 Jahren mit Durchschnittsverdienst zum Durchschnittsentgelt, jeweils nach Sozialbeiträgen und vor Steuern; sie garantiert niemandem 48 Prozent seines letzten Gehalts. Mehr Kapital braucht günstige und verständliche Angebote Kapitalgedeckte Vorsorge kann die Alterssicherung ergänzen, doch ihre Qualität hängt auch von Kosten, Anlagegestaltung und Auszahlungsbedingungen ab. Ein zusätzlicher Vertrag schafft noch keine verlässliche Verbesserung, wenn Gebühren einen erheblichen Teil des Ertrags aufzehren. Bei der Betriebsrente durch Entgeltumwandlung kommt hinzu, dass eingesparte Rentenversicherungsbeiträge unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze die spätere gesetzliche Rente verringern können. Für eine Bewertung zählt deshalb die gesamte Versorgung nach Kosten und Abgaben, wie auch der Beitrag darüber erläutert, wie viel von der Betriebsrente 2026 netto übrig bleibt. Deutschland sollte den Weltvergleich deshalb als Auftrag verstehen, Finanzierung und Schutz vor Altersarmut gemeinsam zu verbessern. Der politische Erfolg einer Rentenreform bemisst sich schließlich auch daran, ob Menschen nach einem langen Arbeitsleben ihre Rechnungen bezahlen können. Kurzes Beispiel aus der Praxis Eine alleinstehende Verkäuferin erhält monatlich 1.150 Euro ausgezahlte Rente und zahlt 680 Euro Warmmiete. Ihr bleiben 470 Euro für Lebensmittel, Strom, Versicherungen und alle weiteren Ausgaben – eine internationale Gesamtnote B ändert an dieser Rechnung nichts. Für sie wäre die Prüfung eines Anspruchs auf Grundsicherung im Alter wesentlich hilfreicher als die nächste Rangliste. Hat sie mindestens 33 Jahre Grundrentenzeiten oder anerkannte vergleichbare Zeiten, kann bei der Einkommensanrechnung der besondere Freibetrag für die gesetzliche Rente greifen; ob Leistungen zustehen, hängt auch vom anerkannten Bedarf und den übrigen Einkommens- und Vermögensverhältnissen ab.

Beitragsbild von: Betriebsrente auf einen Schlag? Dann zahlen Sie 10 Jahre an die Krankenkasse

30. Oktober 2026

Betriebsrente auf einen Schlag? Krankenkasse kann zehn Jahre Beiträge verlangen Die Betriebsrente auf einmal auszahlen lassen, das Haus renovieren und schuldenfrei in den Ruhestand gehen: Das klingt nach einem sauberen Abschluss des Arbeitslebens. Doch während das Geld längst ausgegeben sein kann, verlangt die Krankenkasse unter Umständen noch jahrelang Beiträge. Bei einer beitragspflichtigen Kapitalauszahlung wird die Summe rechnerisch auf 120 Monate verteilt. Damit kann eine einzige Überweisung zehn Jahre lang zusätzliche Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge auslösen. Allerdings trifft diese Belastung nicht jeden gleichermaßen. Ob und wie viel zu zahlen ist, hängt unter anderem vom Versicherungsstatus, der Auszahlungshöhe und möglichen beitragsfreien Vertragsanteilen ab. Einmal überwiesen, 120 Monate angerechnet Die Grundlage steht in § 229 Absatz 1 SGB V: Bei einer entsprechenden Kapitalleistung gilt ein Hundertzwanzigstel als monatlicher Versorgungsbezug, längstens für 120 Monate. Aus einer Auszahlung von 72.000 Euro werden für die Beitragsberechnung deshalb monatlich 600 Euro. Diese 600 Euro erhält der Betroffene nicht zusätzlich auf sein Konto. Die Krankenkasse behandelt sie lediglich als rechnerische monatliche Einnahme aus der bereits ausgezahlten Betriebsrente. Wer das Kapital sofort für eine größere Anschaffung verwendet, muss die späteren Beiträge aus anderen Mitteln finanzieren. Der Verbrauch des Geldes beseitigt diese Berechnungsgrundlage grundsätzlich nicht. 2026 bleiben 197,75 Euro monatlich in der Krankenversicherung frei Für gesetzlich Pflichtversicherte gilt bei Betriebsrenten 2026 ein monatlicher Krankenversicherungsfreibetrag von 197,75 Euro. Nur der darüberliegende Teil wird mit Krankenversicherungsbeiträgen belastet, wie auch die Techniker Krankenkasse erläutert. Bei einem monatlichen Rechenbetrag von 600 Euro verbleiben somit 402,25 Euro als Grundlage für den Krankenversicherungsbeitrag. Bei mehreren Betriebsrenten steht der Freibetrag insgesamt nur einmal zur Verfügung. Eine alleinige Kapitalauszahlung von 23.730 Euro entspricht genau 197,75 Euro im Monat. Für Pflichtversicherte bleiben daraus nach den Werten für 2026 Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge aus, wenn keine weiteren bei der Grenzprüfung zu berücksichtigenden Einnahmen hinzukommen. Diese Summe ist keine allgemeine Freigrenze für jede Betriebsrentenauszahlung und kein Steuerfreibetrag. Weitere Versorgungsbezüge und beitragsrechtlich zu berücksichtigendes Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit können das Ergebnis verändern. Die Pflegeversicherung rechnet strenger In der Pflegeversicherung gilt für Pflichtversicherte eine Freigrenze statt eines Freibetrags. Wird die Grenze von 197,75 Euro monatlich überschritten, ist grundsätzlich der gesamte entsprechende Versorgungsbezug pflegeversicherungspflichtig. Bei den rechnerischen 600 Euro werden deshalb für die Pflegeversicherung nicht nur 402,25 Euro angesetzt, sondern die vollen 600 Euro. Die Knappschaft erklärt diese unterschiedliche Behandlung ausdrücklich. Wie deutlich der Unterschied ausfällt, zeigt bereits eine Auszahlung von 24.000 Euro. Ihr monatlicher Rechenbetrag beträgt 200 Euro: In der Krankenversicherung sind davon 2,25 Euro beitragspflichtig, in der Pflegeversicherung dagegen 200 Euro. Tabelle: Welche Beträge die Kasse 2026 berücksichtigt Die folgende Tabelle gilt für Pflichtversicherte mit einer vollständig als Betriebsrente einzuordnenden Kapitalleistung, ohne weitere für die Grenzprüfung relevante Einnahmen. Der Krankenversicherungsfreibetrag steht vollständig zur Verfügung; eine Begrenzung durch die Beitragsbemessungsgrenze wird nicht berücksichtigt. Kapitalauszahlung Monatlicher Rechenbetrag Beitragspflichtiger Betrag Krankenversicherung Beitragspflichtiger Betrag Pflegeversicherung 20.000 Euro 166,67 Euro 0 Euro 0 Euro 23.730 Euro 197,75 Euro 0 Euro 0 Euro 24.000 Euro 200,00 Euro 2,25 Euro 200,00 Euro 72.000 Euro 600,00 Euro 402,25 Euro 600,00 Euro 120.000 Euro 1.000,00 Euro 802,25 Euro 1.000,00 Euro Die Tabelle zeigt die Berechnungsgrundlagen, nicht die zu zahlenden Beiträge. Diese ergeben sich erst aus dem jeweiligen Krankenversicherungsbeitrag einschließlich Zusatzbeitrag und dem persönlichen Pflegeversicherungsbeitrag. Die Beiträge tragen Betriebsrentner grundsätzlich allein Auf beitragspflichtige Betriebsrenten entfällt der allgemeine Krankenversicherungsbeitrag von 14,6 Prozent zuzüglich des Zusatzbeitrags der jeweiligen Kasse. Anders als bei der gesetzlichen Rente tragen Betriebsrentner diese Beiträge grundsätzlich allein. In der Pflegeversicherung gilt derzeit beispielsweise für Eltern mit einem Kind ein Beitragssatz von 3,6 Prozent. Für Kinderlose beträgt er regelmäßig 4,2 Prozent; gesetzliche Ausnahmen und Abschläge für mehrere jüngere Kinder sind zu beachten, wie die Übersicht des Bundesgesundheitsministeriums zeigt. Die Beitragsbemessungsgrenze begrenzt die insgesamt berücksichtigten Einnahmen 2026 auf 5.812,50 Euro monatlich. Wer diese Grenze bereits mit anderen vorrangig zu berücksichtigenden Einnahmen erreicht, zahlt aus der Kapitalleistung gegebenenfalls keine zusätzlichen Beiträge. Außerdem können sich Freibeträge und Beitragssätze während der zehn Jahre ändern. Eine Rechnung mit den Werten von 2026 ist deshalb keine verbindliche Gesamtrechnung für den gesamten Zeitraum. Freiwillig Versicherte bekommen den Freibetrag nicht Wer freiwillig gesetzlich versichert ist, profitiert weder vom Betriebsrentenfreibetrag noch von der entsprechenden Freigrenze. Die Kapitalleistung wird grundsätzlich ebenfalls auf 120 Monate verteilt, aber ohne diese Entlastung berücksichtigt. Bei freiwillig Versicherten können zudem weitere Einnahmen die Beitragsberechnung beeinflussen. Weshalb der Versicherungsstatus im Ruhestand so viel ausmachen kann, erläutert unser Beitrag zur Krankenversicherung der Rentner und den Unterschieden zur freiwilligen Versicherung. Bei privat Krankenversicherten löst die Auszahlung dagegen keine einkommensabhängigen Beiträge nach dieser GKV-Regel aus. Ihre privaten Versicherungsbeiträge folgen anderen Berechnungsregeln. Privat weitergezahlte Vertragsanteile genau prüfen Bei Pflichtversicherten können Teile einer früheren betrieblichen Versicherung von der Beitragspflicht ausgenommen sein. Das betrifft insbesondere Leistungen aus Beiträgen, die nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses ohne Arbeitgeberfinanzierung gezahlt wurden, während der Versicherte selbst alleiniger Versicherungsnehmer war. Nur die Beiträge aus eigener Tasche zu bezahlen, genügt dafür nicht automatisch. Der Versicherer sollte nachvollziehbar aufschlüsseln, welcher Teil der Auszahlung auf die betriebliche und welcher auf die entsprechend privat fortgeführte Phase entfällt. Eine weitere gesetzliche Ausnahme betrifft Leistungen aus riestergefördertem Altersvorsorgevermögen. Gerade bei älteren oder zwischenzeitlich geänderten Verträgen lohnt sich daher eine Prüfung der tatsächlichen Vertragsgestaltung. Vor der Auszahlung zählt die Rechnung nach allen Abzügen Wer zwischen monatlicher Rente und Kapitalauszahlung wählen kann, sollte sich vor der Entscheidung eine Beitragsberechnung seiner Krankenkasse geben lassen. Eine laufende Betriebsrente kann ebenfalls beitragspflichtig sein und unterliegt nicht der auf die Kapitalleistung bezogenen Begrenzung auf 120 Monate. Auch mögliche Steuern gehören in den Vergleich, denn die Beitragsrechnung sagt noch nicht, wie viel von der Auszahlung tatsächlich verfügbar bleibt. Mehr dazu lesen Sie in unseren Beiträgen zum Auszahlungszeitpunkt der Betriebsrente und zur unterschiedlichen Besteuerung von Betriebsrenten. Liegt der Beitragsbescheid vor, sollten insbesondere der angesetzte Kapitalbetrag und mögliche private Vertragsanteile stimmen. Gegen einen fehlerhaften Bescheid ist grundsätzlich innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Widerspruch möglich; die Frist regelt § 84 SGG. Praxisbeispiel: Von 72.000 Euro bleiben monatliche Verpflichtungen Die fiktive Rentnerin Martina erhält 72.000 Euro aus ihrer betrieblichen Direktversicherung und möchte damit ihr Haus renovieren. Sie ist gesetzlich pflichtversichert, hat ein erwachsenes Kind und keine weiteren Versorgungsbezüge; ihre gesamten beitragspflichtigen Einnahmen bleiben unter der Beitragsbemessungsgrenze. Die Kasse setzt monatlich 600 Euro an, davon nach dem Freibetrag 402,25 Euro für die Krankenversicherung. Bei einem angenommenen Zusatzbeitrag von 3,0 Prozent ergeben sich zusammen mit dem allgemeinen Beitragssatz rund 70,80 Euro Krankenversicherungsbeitrag und bei 3,6 Prozent weitere 21,60 Euro Pflegeversicherungsbeitrag. Martina muss damit zunächst rund 92,40 Euro monatlich zusätzlich einplanen. Blieben alle Rechengrößen 120 Monate unverändert, wären das rund 11.088 Euro; mögliche Steuern sind darin nicht enthalten. Für die Renovierung kann sie deshalb nicht bedenkenlos die gesamte Auszahlung verplanen. Eine Reserve verhindert, dass die späteren Beiträge allein ihr laufendes Rentenbudget belasten. Sieben Fragen und Antworten zur Betriebsrente als Einmalzahlung Warum verlangt die Krankenkasse nach einer Einmalzahlung weiter Beiträge? Eine beitragspflichtige Kapitalleistung wird nach § 229 SGB V rechnerisch auf bis zu 120 Monate verteilt. Monatlich gilt ein Hundertzwanzigstel als Versorgungsbezug, obwohl das Geld bereits vollständig ausgezahlt wurde. Werden nur die Zinsen oder die gesamte Auszahlung berücksichtigt? Grundsätzlich zählt die gesamte als beitragspflichtige Betriebsrente einzuordnende Kapitalleistung. Nachgewiesene, gesetzlich ausgenommene Vertragsanteile dürfen dabei nicht einfach mitgerechnet werden. Bleiben Auszahlungen bis 23.730 Euro beitragsfrei? Nach den Werten für 2026 kann das für Pflichtversicherte zutreffen, wenn die Auszahlung allein zu berücksichtigen ist. Weitere Versorgungsbezüge oder entsprechendes selbstständiges Arbeitseinkommen können die Grenzprüfung verändern. Gilt der Freibetrag auch für die Pflegeversicherung? Nein, dort gilt für Pflichtversicherte eine Freigrenze. Wird sie überschritten, fallen grundsätzlich Beiträge auf den gesamten entsprechenden Betrag an. Bekomme ich bei mehreren Betriebsrenten mehrere Freibeträge? Nein, der Krankenversicherungsfreibetrag steht insgesamt nur einmal zur Verfügung. Die Krankenkasse muss laufende Betriebsrenten und rechnerische Monatsbeträge aus Kapitalleistungen gemeinsam berücksichtigen. Entfallen die Beiträge, sobald das ausgezahlte Geld verbraucht ist? Grundsätzlich nein, der Verbrauch des Kapitals beendet die gesetzliche Verteilung auf 120 Monate nicht. Deshalb sollten spätere Beiträge schon bei der Verwendung der Auszahlung eingeplant werden. Erhalten freiwillig gesetzlich Versicherte dieselbe Entlastung? Nein, für sie gelten weder der Betriebsrentenfreibetrag noch die entsprechende Freigrenze. Die konkrete Belastung richtet sich nach ihren beitragspflichtigen Einnahmen und der Beitragsbemessungsgrenze.

Beitragsbild von: Rente am 30. Oktober 2026 und wer jetzt schon die Novemberrente bekommt

30. Oktober 2026

Am Freitag, dem 30. Oktober 2026, überweist die Deutsche Rentenversicherung wieder die gesetzlichen Renten. Doch während die meisten Rentner ihre Zahlung für Oktober bekommen, landet bei anderen bereits die Novemberrente auf dem Konto. Entscheidend ist, wann der ursprüngliche Rentenanspruch begonnen hat. Wer am Freitagmorgen noch keinen Geldeingang sieht, muss allerdings nicht sofort von einer verspäteten Überweisung ausgehen. Die Bank hat bis zum Ende des Tages Zeit. Bei bestimmten Auslandsrentnern droht hingegen ein tatsächlicher Zahlungsstopp, wenn ein erforderlicher Lebensnachweis fehlt. Am 30. Oktober werden zwei verschiedene Rentenmonate ausgezahlt Der letzte Bankarbeitstag im Oktober fällt 2026 auf Freitag, den 30. Oktober. Weil der 31. Oktober ein Samstag ist, wird die Rentenzahlung bereits einen Tag vor dem kalendarischen Monatsende ausgeführt. Das Besondere daran ist die unterschiedliche Zuordnung. Rentner mit nachschüssiger Zahlung erhalten ihre Rente für Oktober, während bei vorschüssiger Zahlung schon das Geld für November eingeht. Der Hintergrund ist eine gesetzliche Änderung aus dem Jahr 2004. Seitdem werden neu beginnende Renten nicht mehr im Voraus ausgezahlt, sondern erst am Ende des betreffenden Monats. Für viele Menschen macht der Unterschied im Alltag kaum einen sichtbaren Unterschied, weil ihre Rente regelmäßig am Monatsende eingeht. Bei der Frage, welcher Monat damit bezahlt wird, ist die Unterscheidung allerdings entscheidend. Wer seit April 2004 Rente bekommt, erhält jetzt die Oktoberrente Für Renten, die ab dem 1. April 2004 begonnen haben, gilt grundsätzlich die nachschüssige Auszahlung. Die Rente für Oktober wird damit erst am letzten Bankarbeitstag im Oktober überwiesen. Ein Beispiel zeigt das Prinzip. Ein Rentner, der seit 2021 monatlich 1.400 Euro gesetzliche Altersrente erhält, bekommt seine reguläre Oktoberzahlung am 30. Oktober 2026. Mit diesem Geld wird also der zurückliegende Rentenmonat Oktober abgedeckt. Die Zahlung für November folgt erst am Montag, dem 30. November 2026. Diese Regelung betrifft grundsätzlich auch Menschen, die erst seit wenigen Jahren eine Erwerbsminderungsrente oder Altersrente beziehen. Maßgeblich bleibt aber, ob für ihre konkrete Rente besondere Übergangsregelungen gelten. Rentner mit früherem Rentenbeginn erhalten bereits Geld für November Anders ist die Situation bei Renten, die vor dem 1. April 2004 begonnen haben. Hier gilt grundsätzlich weiterhin die vorschüssige Auszahlung. Das bedeutet, dass die gesetzliche Rente bereits am letzten Bankarbeitstag des Vormonats überwiesen wird. Die Novemberrente kommt deshalb am 30. Oktober 2026. Die betreffende Person hat ihre Oktoberrente bereits am 30. September erhalten. Am 30. November folgt dann die Zahlung für Dezember. Es handelt sich also nicht um eine zusätzliche Rentenzahlung. Beide Gruppen erhalten ihre regulären Leistungen, allerdings für unterschiedliche Rentenmonate. Diese Auszahlungstermine gelten bis Ende November Die offizielle Übersicht der Deutschen Rentenversicherung zeigt, wie sich die beiden Zahlungsweisen unterscheiden. Auszahlungstag Vorschüssige Rente Nachschüssige Rente 30. September 2026 Rente für Oktober Rente für September 30. Oktober 2026 Rente für November Rente für Oktober 30. November 2026 Rente für Dezember Rente für November Der kommende Zahlungstermin im November fällt auf einen Montag. Eine Verschiebung wegen eines Wochenendes ist für den 30. November deshalb nicht erforderlich. Wer seine monatlichen Ausgaben plant, sollte den persönlichen Zahlungsrhythmus gut kennen. Gerade bei einer knappen Rente kann es sonst zu Missverständnissen kommen, wenn eine Überweisung dem falschen Monat zugeordnet wird. Weitere Termine und finanzielle Änderungen finden Sie in unserem Beitrag über die wichtigen Fristen für Rentner im November 2026. Auch Witwen und Witwer können ihre Rente im Voraus bekommen Bei Hinterbliebenenrenten gibt es eine Besonderheit, die häufig übersehen wird. Nicht allein das Beginnjahr der Witwenrente oder Witwerrente entscheidet über den Zahlungsrhythmus. Nach § 272a SGB VI kann die bisherige vorschüssige Zahlungsweise erhalten bleiben, wenn eine Hinterbliebenenrente unmittelbar an eine bereits vor April 2004 begonnene Rente der verstorbenen Person anschließt. Ein Beispiel verdeutlicht die Ausnahme. Ein Mann bezog seit 2001 seine gesetzliche Altersrente und verstarb 2024. Seine Ehefrau erhielt anschließend eine Witwenrente. Obwohl die Witwenrente erst 2024 begann, kann die vorschüssige Zahlungsweise fortbestehen. Voraussetzung ist, dass die gesetzlichen Bedingungen für den nahtlosen Anschluss erfüllt sind. Die Witwe könnte damit am 30. Oktober 2026 bereits ihre Novemberrente erhalten. Ein Rentenbeginn nach 2004 führt in solchen Fällen also nicht zwangsläufig zur nachschüssigen Auszahlung. Auch bei anderen unmittelbar aufeinanderfolgenden Renten können die Übergangsvorschriften eine Rolle spielen. Entscheidend sind der jeweilige Versicherungsverlauf und die gesetzlichen Voraussetzungen. Die Rente muss nicht schon am Freitagmorgen auf dem Konto sein Viele Rentner überprüfen ihren Kontostand bereits früh am Auszahlungstag. Fehlt das Geld zu diesem Zeitpunkt, entsteht schnell die Sorge, dass die Überweisung nicht funktioniert hat. Der Renten Service der Deutschen Post stellt jedoch ausdrücklich klar, dass die Gutschrift bis zum Ende des Auszahlungstags erfolgen muss. Maßgeblich ist deshalb am 30. Oktober 2026 grundsätzlich der Zeitpunkt bis 23.59 Uhr. Eine noch fehlende Buchung am Vormittag bedeutet somit nicht, dass die Rente verspätet ist. Je nach Bank kann die Überweisung erst später am Tag im Onlinebanking sichtbar werden. § 118 SGB VI enthält zudem Vorgaben zur Wertstellung der Rentenzahlung. Danach ist die Gutschrift bei einer Zahlung auf ein inländisches Konto mit dem Datum des Tages wertzustellen, an dem der Überweisungsbetrag dem Geldinstitut zur Verfügung gestellt wurde. Rentner sollten deshalb zwischen dem angezeigten Buchungszeitpunkt und dem für die Gutschrift maßgeblichen Wertstellungsdatum unterscheiden. Was tun, wenn die Rente am 30. Oktober nicht eingeht? Ist die Rentenzahlung bis zum Ende des vorgesehenen Auszahlungstags nicht gutgeschrieben worden, sollten Betroffene den Renten Service der Deutschen Post informieren. Die Deutsche Rentenversicherung verweist bei ausbleibenden laufenden Rentenzahlungen ausdrücklich an diesen Dienstleister. Der Renten Service ist für die technische Abwicklung der Überweisungen zuständig. Zusätzlich empfiehlt der Renten Service eine schriftliche Mitteilung. Darin sollten die Postrentennummer und der Monat angegeben werden, für den die Zahlung fehlt. Betroffene sollten außerdem prüfen, ob sich ihre Bankverbindung verändert hat. Insbesondere nach einem Kontowechsel kann eine fehlende oder nicht rechtzeitig verarbeitete Mitteilung zu Zahlungsproblemen führen. Bei einem Kontowechsel kann die nächste Rentenzahlung gefährdet sein Wer sein Girokonto wechselt, muss darauf achten, dass die neue Bankverbindung rechtzeitig beim Renten Service vorliegt. Die bloße Eröffnung eines neuen Kontos reicht dafür nicht aus. Nach Angaben des Renten Service sollte die bisherige Kontoverbindung möglichst noch mindestens acht Wochen bestehen bleiben. So lässt sich das Risiko verringern, dass eine Rentenzahlung während des Wechsels nicht zugestellt werden kann. Auch die Nutzung eines Kontowechselservices der neuen Bank ist möglich. Dabei muss jedoch sichergestellt sein, dass der Renten Service über die neue Bankverbindung informiert wird und die erforderlichen Zuordnungsdaten erhält. Gerade für Rentner, die von ihrer gesetzlichen Rente die laufenden Haushaltskosten bezahlen, kann eine fehlerhafte Kontoumstellung erhebliche Folgen haben. Wer bereits einen Kontowechsel vorgenommen hat und am Auszahlungstag kein Geld erhält, sollte deshalb nicht nur den Renten Service kontaktieren. Auch bei der bisherigen und der neuen Bank kann eine Nachfrage sinnvoll sein. Auslandsrentnern droht Ende Oktober ein tatsächlicher Zahlungsstopp Nicht jede ausbleibende Rentenzahlung hat mit einer verspäteten Banküberweisung zu tun. Bei bestimmten Rentnern mit Wohnsitz im Ausland kann ein fehlender Lebensnachweis die Ursache sein. Der Renten Service verlangt von einem Teil dieser Rentenbezieher jedes Jahr eine Bestätigung, dass sie noch leben. Für das Jahr 2026 endete die Einreichungsfrist bereits am 9. Oktober. Der Renten Service hat angekündigt, die Zahlungen bei fehlendem Nachweis ab Ende Oktober anzuhalten. Damit kann bereits die für den 30. Oktober vorgesehene Auszahlung betroffen sein. Ein solcher Zahlungsstopp bedeutet nicht automatisch, dass der gesetzliche Rentenanspruch endgültig verloren ist. Die Zahlungen bleiben nach den Angaben des Renten Service angehalten, bis der erforderliche Nachweis eingegangen ist. Betroffene sollten den Lebensnachweis deshalb unverzüglich nachreichen. Möglich sind das vorgesehene digitale Verfahren und die bestätigte Lebensbescheinigung. Eine einfache E-Mail oder ein Fax wird für die Einreichung nicht akzeptiert. Nicht alle Rentner im Ausland sind von der Nachweispflicht betroffen Ein Lebensnachweis wird nicht grundsätzlich von jedem Rentner verlangt, der außerhalb Deutschlands wohnt. In bestimmten Ländern können die zuständigen Stellen entsprechende Informationen bereits über einen Datenaustausch erhalten. Wer keine Aufforderung zum Lebensnachweis erhalten hat, muss deshalb nicht vorsorglich eine Bescheinigung einschicken. Anders ist es bei einer ausdrücklichen Aufforderung. Betroffene sollten dann prüfen, ob die Unterlagen fristgerecht eingereicht und ordnungsgemäß verarbeitet wurden. Gerade bei einer fehlenden Zahlung Ende Oktober sollte dieser Punkt berücksichtigt werden. Eine bloße Nachfrage bei der Hausbank kann das Problem nicht lösen, wenn die Zahlung bereits vom Renten Service angehalten wurde. Der Auszahlungstag sagt nichts über eine Rentenerhöhung aus Der 30. Oktober ist ein regulärer Auszahlungstermin und keine zusätzliche Rentenerhöhung. Auch der unterschiedliche Zahlungsrhythmus führt nicht dazu, dass eine der beiden Gruppen mehr Rente erhält. Die gesetzliche Rentenanpassung für 2026 wurde bereits zum 1. Juli wirksam. Seitdem gilt ein aktueller Rentenwert von 42,52 Euro je Entgeltpunkt. Wie viel Geld tatsächlich auf dem Konto eingeht, hängt allerdings nicht nur von der Bruttorente ab. Bei gesetzlich kranken- und pflegeversicherten Rentnern können insbesondere die entsprechenden Beitragsabzüge den Auszahlungsbetrag beeinflussen. Ändert eine Krankenkasse ihren Zusatzbeitrag, kann dies bei pflichtversicherten Rentnern zeitversetzt auf dem Konto sichtbar werden. Eine geringere Überweisung muss deshalb nicht bedeuten, dass die Rentenversicherung den eigentlichen Rentenanspruch gekürzt hat. Bei unerwarteten Abweichungen sollten Betroffene zunächst die Mitteilungen der Rentenversicherung und die geltenden Versicherungsbeiträge kontrollieren. Worauf Rentner vor dem Wochenende achten sollten Der 30. Oktober 2026 liegt unmittelbar vor einem Wochenende. Wer sein Geld für Miete, Lebensmittel oder andere laufende Ausgaben benötigt, sollte deshalb besonders auf den tatsächlichen Zahlungseingang achten. Bleibt die Überweisung am Vormittag aus, ist zunächst keine vorschnelle Schlussfolgerung erforderlich. Nach den Vorgaben des Renten Service kann die Gutschrift noch bis zum Ende des Freitags erfolgen. Fehlt das Geld anschließend weiterhin, sollte der Vorgang möglichst zeitnah beim Renten Service geklärt werden. Rentner sollten dafür ihre Postrentennummer und die Angaben zur ausgebliebenen Zahlung bereithalten. Wer die Rente vorschüssig erhält, sollte außerdem beachten, dass die Überweisung vom 30. Oktober bereits für November bestimmt ist. Am Monatsanfang folgt deshalb nicht noch eine weitere reguläre Rentenzahlung. Für die meisten Rentner bleibt der nächste Auszahlungstermin Montag, der 30. November 2026. Dann wird entweder die nachschüssige Novemberrente oder die vorschüssige Dezemberrente gezahlt. Häufige Fragen zur Rentenauszahlung am 30. Oktober 2026 Bekommen am 30. Oktober 2026 alle Rentner die Novemberrente? Nein. Wer seine gesetzliche Rente nachschüssig erhält, bekommt am 30. Oktober die Zahlung für Oktober. Bei vorschüssiger Auszahlung handelt es sich dagegen bereits um die Novemberrente. Muss meine Rente am 30. Oktober schon morgens auf dem Konto sein? Nein. Nach Angaben des Renten Service muss die Gutschrift grundsätzlich bis zum Ende des Auszahlungstags um 23.59 Uhr erfolgt sein. Eine fehlende Anzeige im Onlinebanking am Morgen ist deshalb noch kein Beleg für eine verspätete Zahlung. An wen muss ich mich wenden, wenn die Rente überhaupt nicht kommt? Bei einer ausgebliebenen laufenden Rentenzahlung ist der Renten Service der Deutschen Post zuständig. Für Rentner mit Wohnsitz in Deutschland ist er unter 0221 5692 444 erreichbar. Bei einer schriftlichen Mitteilung sollten die Postrentennummer und der betroffene Rentenmonat genannt werden. Quellen Deutsche Rentenversicherung, Alle Auszahlungstermine der gesetzlichen Rente für 2026, veröffentlicht am 22. Januar 2026 Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Rentenzahlung und Unterscheidung zwischen vorschüssiger und nachschüssiger Auszahlung § 118 SGB VI zur Fälligkeit, Auszahlung und Wertstellung gesetzlicher Renten § 272a SGB VI zu Renten mit Beginn vor April 2004 und unmittelbar anschließenden Folgerenten Deutsche Post Renten Service, Fragen und Antworten bei fehlender Rentenzahlung sowie zu Änderungen der Bankverbindung Deutsche Post Renten Service, Aktuelle Informationen zum Lebensnachweis 2026 und zum Zahlungsstopp ab Ende Oktober

Online Bürgergeld-Anspruch ausrechen

Um zu erfahren, wie hoch der Anspruch auf Bürgergeld ausfällt, kann unser neuer Bürgergeld-Rechner behilflich sein. Einfach alle wichtigen Daten eintragen und der Bürgergeld-Rechner rechnet den aktuellen Bedarf für 2026 aus! Bürgergeld Rechner

Wichtige Fragen und Antworten zum Bürgergeld

Täglich erreichen uns zahlreiche Emails mit wiederkehrenden. Noch immer herrscht eine große Verunsicherung gegenüber den zahlreichen Sozialgesetzen und deren Auswirkungen im Alltag. Wir haben einige dieser Fragen zusammengestellt und veröffentlichen hiermit unsere Antworten. Wichtige Fragen & Antworten

Forum zum Bürgergeld

Sie sind nicht allein!
"Ratschläge & Meinungen" austauschen ist das Motto unseres Forums. Hier hast Du die Möglichkeit Dich kostenlos anzumelden und mit über 20.000 Forenteilnehmer zu diskutieren sowie wichtige Fragen zum Bürgergeld zu stellen.

Hier geht es zum Bürgergeld-Forum!

Selbstverständnis

Von der Arbeitsmarktreform sind Millionen von Menschen betroffen. Vieles ist im SGB II unklar und auf die individuellen Bedarfe des Einzelnen zu pauschal ausgelegt. Laut einiger Erhebungen, sollen nur rund 50 Prozent aller Bescheide der Jobcenter mindestens teilweise falsch und rechtswidrig sein. Das bedeutet für die Menschen oft tatsächliche Beschneidungen in Grundrechten und Ansprüchen.



Diese Plattform will daher denen eine Stimme geben, die kein Gehör finden, weil sie keine gesellschaftliche Lobby besitzen. Bezieher von Bürgergeld (ehemals Hartz IV) werden nicht selten als "dumm" oder "faul" abgestempelt. Es reicht nicht, dass Leistungsberechtigte mit den täglichen Einschränkungen zu kämpfen haben, es sind auch die täglichen Anfeindungen in den Jobcentern, in der Schule, in der Familie oder auf der Straße. Neben aktuellen Informationen zur Rechtssprechung konzentrieren wir uns auch auf Einzelfälle, die zum Teil skandalös sind. Wir decken auf und helfen damit den Betroffenen. Denn wenn eine Öffentlichkeit hergestellt wurde, müssen die Jobcenter agieren. Sie bekommen dadurch Druck. Lesen Sie mehr darüber in unserem redaktionellem Leitfaden!

Weiteres

Regelleistungen 2026 auf einen Blick

Wir haben Ihnen eine detaillierte Liste mit allen Regelleistungen erstellt, um Ihnen einen Einblick in die Bürgergeld-Regelleistungen zu geben.

Forum zum ALG II

Sie sind nicht allein!
"Ratschläge & Meinungen" austauschen ist das Motto unseres Forums. Sie haben die Möglichkeit, sich kostenlos anzumelden und mit über 20.000 Forenteilnehmern zu diskutieren, sowei wichtige Fragen zum Arbeitslosengeld zu erörtern.

Wichtige Fragen & Antworten zum Bürgergeld

Täglich erreichen uns zahlreiche Emails mit wiederkehrenden Fragen. Noch immer herrscht eine große Verunsicherung gegenüber den zahlreichen Sozialgesetzen und deren Auswirkungen im Alltag. Wir haben einige dieser Fragen für Sie zusammengestellt und veröffentlichen hiermit unsere Antworten.

News

Überstunden steuerfrei? Was der Merz-Plan für Arbeitnehmer bringen soll

Beitragsbild von: Überstunden steuerfrei? Was der Merz-Plan für Arbeitnehmer bringen soll

30. Oktober 2026

Mehr arbeiten und mehr Geld behalten: Mit diesem Versprechen will die Bundesregierung zusätzliche Arbeitsstunden attraktiver machen. Doch hinter den Plänen für steuerfreie Überstundenzuschläge steckt eine deutlich kleinere Entlastung, als die Aussicht auf „steuerfreie Überstunden“ vermuten lässt. Die normale Bezahlung der zusätzlichen Stunden soll weiterhin steuerpflichtig bleiben. Begünstigt werden sollen lediglich Zuschläge, und auch diese Steuerbefreiung ist am 29. Oktober 2026 noch nicht in Kraft. Die Steuerfreiheit ist weiterhin ein politisches Versprechen Die Ankündigung steht im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD. Im geltenden § 3b Einkommensteuergesetz findet sich jedoch weiterhin keine allgemeine Steuerbefreiung für reguläre Überstundenzuschläge. Wie offen die Umsetzung geblieben ist, zeigt eine Antwort der Bundesregierung vom 6. Juli 2026 auf Frage 19. Darin erklärte sie ausdrücklich: „Einen konkreten Zeitplan gibt es nicht.“ Beschäftigte können deshalb derzeit weder eine entsprechende Steuerfreiheit vom Arbeitgeber verlangen noch sicher mit einem bestimmten Starttermin rechnen. Eine politische Ankündigung verändert die Lohnabrechnung noch nicht. Der Unterschied zwischen Überstundenlohn und Zuschlag entscheidet Die Vergütung einer zusätzlichen Arbeitsstunde und ein Aufschlag auf diese Vergütung sind zwei verschiedene Bestandteile des Arbeitsentgelts. Wer für eine Überstunde beispielsweise seinen üblichen Stundenlohn erhält, bekommt damit noch keinen Überstundenzuschlag. Nur ein zusätzlich gezahlter Aufschlag wäre Gegenstand der angekündigten Steuerbegünstigung. Der Stundenlohn selbst würde auch bei einer Umsetzung des Vorhabens grundsätzlich weiter besteuert. Welche Ansprüche Arbeitgeber bereits heute erfüllen müssen, erläutert unser Beitrag „Mehr Lohn für Überstunden – dann muss der Arbeitgeber zusätzlich zahlen“. Eine mögliche Steuerentlastung ersetzt keinen Anspruch auf Bezahlung. Ohne bezahlten Zuschlag gibt es nichts zu entlasten Einen allgemeinen gesetzlichen Anspruch auf einen Zuschlag für jede Überstunde an gewöhnlichen Arbeitstagen gibt es nicht. Ein solcher Anspruch kann sich insbesondere aus einem Tarifvertrag, einer Betriebsvereinbarung oder dem Arbeitsvertrag ergeben. Zahlt ein Betrieb zusätzliche Stunden lediglich zum normalen Stundenlohn aus, würde die angekündigte Befreiung von Zuschlägen daran zunächst nichts ändern. Wer Überstunden ausschließlich durch Freizeit ausgleicht, erhält ebenfalls keinen ausgezahlten Zuschlag, dessen Besteuerung entfallen könnte. Die Größenordnung unbezahlter Mehrarbeit zeigt die IAB-Arbeitszeitrechnung für 2025: Durchschnittlich entfielen auf Beschäftigte 11,6 bezahlte und 15,6 unbezahlte Überstunden. Daraus folgt für das Vorhaben ein erhebliches Problem: Eine Steuerbefreiung schafft für bislang unbezahlte Arbeit noch keine Vergütung. Teilzeitkräfte könnten trotz Mehrarbeit leer ausgehen Der Koalitionsvertrag knüpft die Begünstigung an zusätzliche Arbeit oberhalb der tariflichen beziehungsweise an Tarifverträgen orientierten Vollzeit. Als Untergrenze nennt er für tarifliche Regelungen 34 Wochenstunden, für nicht tariflich festgelegte oder vereinbarte Arbeitszeiten 40 Stunden. Das bedeutet keine pauschale Begünstigung ab der 35. Stunde für alle Tarifbeschäftigten. Entscheidend wäre nach diesem Modell die einschlägige Vollzeitarbeitszeit, die auch höher liegen kann. Eine Teilzeitkraft, die ihre Arbeitszeit von 25 auf 30 Stunden erhöht, bliebe bei einer solchen Ausgestaltung unterhalb der genannten Grenzen. Zusätzliche Arbeit würde damit steuerlich unterschiedlich behandelt, obwohl Beschäftigte dafür gleichermaßen Freizeit aufgeben. Allerdings ist der endgültige Kreis der Begünstigten weiterhin offen. Frühere Entwurfsdarstellungen enthalten auch einen Ansatz, der an die individuelle Normalarbeitszeit anknüpft und Teilzeitbeschäftigte unter weiteren Bedingungen einbeziehen könnte. Auch die häufig genannten 25 Prozent sind noch keine geltende Regel Eine vom Portal Sozialpolitik veröffentlichte Übersicht zu einem Entwurfsstand vom September 2025 beschreibt eine Steuerbefreiung für Zuschläge bis zu 25 Prozent des Grundlohns. Diese Angabe beschreibt einen damaligen Vorschlag und keinen heute nutzbaren Freibetrag. Die Bundesregierung erklärte am 2. Oktober 2025 in ihrer Antwort auf Frage 14 zudem, dass kein offizieller Referentenentwurf eines solchen Arbeitsmarktstärkungsgesetzes veröffentlicht worden sei. Die verschiedenen Darstellungen dürfen deshalb nicht zu einer vermeintlich bereits beschlossenen Regel zusammengesetzt werden. Teilzeitkräfte können schon heute Anspruch auf Zuschläge haben Vom offenen Steuerplan zu unterscheiden ist das Arbeitsrecht: Eine für Teilzeit- und Vollzeitkräfte identische Zuschlagsgrenze kann Teilzeitbeschäftigte unzulässig benachteiligen. Das hat das Bundesarbeitsgericht auch im Urteil vom 26. August 2026, 5 AZR 122/25, bestätigt. Im betreffenden Tarifmodell musste die Grenze entsprechend dem Beschäftigungsumfang abgesenkt werden. Daraus folgt allerdings weder ein allgemeiner Zuschlag ab der ersten zusätzlichen Stunde noch eine Steuerbefreiung. Die Einzelheiten erklärt unser Beitrag „Teilzeitkräfte dürfen bei Mehrarbeitszuschlägen nicht auf Vollzeit verwiesen werden“. Beschäftigte sollten mögliche Zahlungsansprüche deshalb unabhängig davon prüfen, wann die Bundesregierung ihre Steuerpläne umsetzt. Steuerfrei würde nicht automatisch abgabenfrei bedeuten Eine Befreiung von Sozialversicherungsbeiträgen ist nach den bisherigen Erläuterungen der Bundesregierung nicht vorgesehen. Darauf verweist die Antwort zur Steuerfreistellung von Überstundenzuschlägen ausdrücklich. Auch ein künftig steuerfreier Zuschlag könnte daher weiterhin beitragspflichtig sein. Wie viel zusätzlich auf dem Konto ankäme, hinge außerdem von der persönlichen Steuerbelastung und den Voraussetzungen des späteren Gesetzes ab. Wer auf einen bestimmten jährlichen Nettobetrag hofft, braucht mehr als die Zahl seiner Überstunden. Ob überhaupt ein Zuschlag gezahlt wird, wie hoch er ist und welche Stunden begünstigt würden, macht für die Rechnung einen erheblichen Unterschied. Für Nachtarbeit und Sonntagsarbeit gelten bereits andere Regeln Zuschläge für tatsächlich geleistete Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit können schon heute unter den Voraussetzungen des § 3b EStG steuerfrei sein. Das Bundesfinanzministerium stellt in seinen Lohnsteuer-Hinweisen 2026 zugleich klar, dass Zuschläge allein wegen Mehrarbeit nicht darunterfallen. Damit kann eine zusätzliche Sonntagsstunde einen steuerfreien Sonntagszuschlag auslösen, wenn die gesetzlichen Bedingungen erfüllt sind. Ein gewöhnlicher Überstundenzuschlag für dieselbe Stunde wird dadurch aber nicht automatisch ebenfalls steuerfrei. Was Beschäftigte schon jetzt prüfen können Ein Blick in Arbeitsvertrag, Tarifvertrag und Lohnabrechnung zeigt, ob zusätzliche Stunden bezahlt und Zuschläge gesondert ausgewiesen werden. Eigene Aufzeichnungen über Arbeitszeiten und die Veranlassung der Überstunden helfen, mögliche Ansprüche zu belegen. Außerdem können für Zahlungsansprüche kurze tarifliche oder vertragliche Ausschlussfristen gelten. Warum Abwarten Geld kosten kann, erläutert unser Beitrag „Mehrarbeit in Teilzeit: Wer Zuschläge zu spät einfordert, kann Geld verlieren“. Praxisbeispiel: Zehn Überstunden machen nicht 250 Euro steuerfrei Markus arbeitet in Vollzeit und verdient 20 Euro brutto je Stunde. Für zehn zusätzliche Stunden erhält er aufgrund der für ihn geltenden Vereinbarung einen Zuschlag von 25 Prozent. Frei gewähltes Rechenbeispiel zur geplanten Steuerbegünstigung Bestandteil Berechnung Betrag Grundvergütung der Überstunden 10 × 20 Euro 200 Euro brutto Zuschlag je Überstunde 25 Prozent von 20 Euro 5 Euro brutto Zuschläge insgesamt 10 × 5 Euro 50 Euro brutto Gesamte zusätzliche Vergütung 200 Euro + 50 Euro 250 Euro brutto Bei einer Umsetzung möglicherweise steuerfrei Nur die begünstigten Zuschläge 50 Euro Heute sind die gesamten 250 Euro grundsätzlich steuerpflichtiger Arbeitslohn, weil im Beispiel ausschließlich gewöhnliche Überstunden geleistet werden. Würde die angekündigte Begünstigung eingeführt und erfüllte Markus sämtliche Voraussetzungen, könnten die 50 Euro Zuschläge steuerfrei werden; die 200 Euro Grundvergütung blieben steuerpflichtig. Bei einer rein vereinfachten Steuerersparnis von 30 Prozent auf den Zuschlag wären das rechnerisch 15 Euro mehr netto. Das ist keine individuelle Lohnabrechnung und berücksichtigt keine Wechselwirkungen mit Sozialbeiträgen, Sonderausgaben, Kirchensteuer oder Solidaritätszuschlag. Sieben Fragen und Antworten zu Überstunden und Steuern Sind Überstunden 2026 bereits allgemein steuerfrei? Nein, am 29. Oktober 2026 besteht keine allgemeine Steuerbefreiung für reguläre Überstunden oder Überstundenzuschläge. Für Sonntags-, Feiertags- und Nachtzuschläge gelten eigene gesetzliche Begünstigungen. Was will die Bundesregierung steuerfrei stellen? Geplant ist eine Begünstigung zusätzlicher Überstundenzuschläge. Die normale Vergütung der zusätzlich geleisteten Stunden soll grundsätzlich steuerpflichtig bleiben. Ab wann soll die Steuerfreiheit gelten? Ein verbindlicher Beginn ergibt sich aus dem geltenden Recht bislang nicht. Die Bundesregierung hatte im Juli 2026 auf Nachfrage ausdrücklich keinen konkreten Zeitplan genannt. Bekomme ich dadurch automatisch einen Überstundenzuschlag? Nein, eine Steuerbefreiung würde für sich genommen keinen Zahlungsanspruch schaffen. Ob ein Zuschlag zusteht, richtet sich nach den geltenden arbeitsrechtlichen Grundlagen. Würden Teilzeitbeschäftigte profitieren? Das hängt von der endgültigen gesetzlichen Ausgestaltung ab. Das Modell des Koalitionsvertrags würde Mehrarbeit unterhalb der vorgesehenen Vollzeitgrenzen nicht begünstigen, während andere diskutierte Ansätze weiter reichen. Entfallen dann auch die Sozialversicherungsbeiträge? Nach den bisherigen Erläuterungen der Bundesregierung ist eine Beitragsbefreiung nicht vorgesehen. Eine mögliche Steuerfreiheit sollte deshalb nicht mit einer Auszahlung des gesamten Zuschlags ohne Abzüge gleichgesetzt werden. Kann ich ohne Zuschlag trotzdem eine Steuerentlastung für Überstunden bekommen? Aus dem angekündigten Vorhaben ergibt sich das nicht, denn es betrifft gerade die Zuschläge. Wer nur den normalen Stundenlohn oder einen Freizeitausgleich erhält, hätte daraus zunächst keinen Vorteil.

News

Partner zieht ins Pflegeheim: Zweimal Wohngeld für Ehepaare möglich

Beitragsbild von: Partner zieht ins Pflegeheim: Zweimal Wohngeld für Ehepaare möglich

30. Oktober 2026

Wenn ein Ehepartner dauerhaft ins Pflegeheim zieht, wird es für viele Paare finanziell eng. Die Miete der bisherigen Wohnung läuft weiter, gleichzeitig müssen die Heimkosten bezahlt werden. Was viele nicht wissen, ist, dass unter bestimmten Voraussetzungen für beide Ehepartner ein eigener Wohngeldanspruch bestehen kann. Das bedeutet allerdings nicht, dass zweimal Wohngeld gezahlt wird. Die Wohngeldstelle muss beide Wohnsituationen getrennt prüfen. Entscheidend sind vor allem die tatsächlichen Haushaltsverhältnisse, das Einkommen und bereits bezogene Sozialleistungen. Auch verheiratete Paare können zwei Wohngeldansprüche haben Zieht ein Ehepartner dauerhaft in ein Pflegeheim, können wohngeldrechtlich zwei getrennte Haushalte entstehen. Das gilt auch dann, wenn die Ehe weiterhin besteht und die Partner regelmäßig Kontakt haben. Nach § 5 Wohngeldgesetz kommt es darauf an, wer den jeweiligen Wohnraum gemeinsam bewohnt und wo sich der Mittelpunkt der Lebensbeziehungen befindet. Bei einem dauerhaften Heimaufenthalt kann das Pflegeheim zum Lebensmittelpunkt des pflegebedürftigen Partners werden. Der andere Ehepartner lebt dagegen weiterhin in der bisherigen Wohnung. Damit können zwei eigenständige Wohnsituationen vorliegen, für die jeweils ein Wohngeldanspruch geprüft werden muss. Die Stadt Hannover bestätigt diese Möglichkeit ausdrücklich in ihren Informationen zum Wohngeld für Senioren. Danach kann sowohl für den im Heim lebenden Ehepartner als auch für die zu Hause gebliebene Person ein Anspruch bestehen. Eine Scheidung ist dafür nicht erforderlich Ein häufiger Irrtum betrifft den Familienstand. Ehepartner müssen sich nicht scheiden lassen oder ihre eheliche Lebensgemeinschaft aufgeben, damit zwei getrennte Wohngeldhaushalte entstehen können. Entscheidend ist die dauerhafte räumliche Trennung der Wohnsituationen. Eine pflegebedingte Heimaufnahme bedeutet dabei nicht, dass die Ehepartner auch familienrechtlich als dauernd getrennt lebend gelten. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil bei anderen Sozialleistungen weiterhin die wirtschaftlichen Verhältnisse beider Ehepartner berücksichtigt werden können. Insbesondere bei der Hilfe zur Pflege kann das Sozialamt auch Einkommen und Vermögen des zu Hause lebenden Ehepartners prüfen. Welche Grenzen dabei gelten, erläutert unser Beitrag Ehepartner im Pflegeheim und wie viel Geld dem anderen bleiben muss. Auch der Partner im Pflegeheim kann Wohngeld bekommen Für dauerhaft aufgenommene Heimbewohner enthält § 3 Absatz 1 Wohngeldgesetz eine besondere Regelung. Danach können Menschen, die nicht nur vorübergehend in einem Heim leben, grundsätzlich einen Mietzuschuss erhalten. Ein gewöhnlicher Wohnungsmietvertrag ist dafür nicht erforderlich. Entscheidend ist die dauerhafte Aufnahme in einer entsprechenden Einrichtung. Ein vorübergehender Aufenthalt zur Kurzzeitpflege reicht dafür regelmäßig nicht aus. Auch ein bestimmter Pflegegrad ist keine eigenständige Voraussetzung für Wohngeld. Die Wohngeldstelle prüft vielmehr die gesetzlichen Voraussetzungen, insbesondere das anrechenbare Einkommen und mögliche Ausschlüsse durch andere Sozialleistungen. Die Heimrechnung wird nicht vollständig übernommen Wohngeld dient nicht dazu, sämtliche Pflegeheimkosten zu finanzieren. Eine Heimrechnung enthält neben den Wohnkosten auch Ausgaben für Pflege, Verpflegung und weitere Leistungen. Diese Kosten werden bei der Wohngeldberechnung nicht einfach zusammengerechnet. Nach § 9 Absatz 3 Wohngeldgesetz gilt für dauerhaft aufgenommene Heimbewohner ein besonderer Mietansatz. Berücksichtigt wird der gesetzliche Miethöchstbetrag zuzüglich der Klimakomponente. Nach § 11 Wohngeldgesetz kommt außerdem die gesetzliche Heizkostenkomponente hinzu. Wie hoch diese Beträge ausfallen, hängt unter anderem von der Mietenstufe am Standort des Heims und der maßgeblichen Haushaltsgröße ab. Eine besonders hohe Heimrechnung führt deshalb nicht automatisch zu einem entsprechend hohen Wohngeldanspruch. Für den Ehepartner zu Hause gelten andere Wohnkosten Der Partner in der bisherigen Wohnung kann ebenfalls einen eigenen Wohngeldanspruch haben. Bei einer Mietwohnung wird ein Mietzuschuss geprüft, bei selbst genutztem Wohneigentum kann ein Lastenzuschuss infrage kommen. Die Wohngeldstelle berücksichtigt dabei die für diesen Haushalt maßgeblichen Wohnkosten und Einkünfte. Wichtig ist, dass sich durch den Auszug des Ehepartners die Zahl der Haushaltsmitglieder verändern kann. Aus einem bisherigen Zweipersonenhaushalt wird möglicherweise ein Einpersonenhaushalt. Das kann Auswirkungen auf die Wohngeldberechnung haben. Zwar entfällt grundsätzlich das Einkommen des dauerhaft ausgezogenen Partners als eigenes Haushaltseinkommen, gleichzeitig gelten aber andere Höchstbeträge für die Wohnkosten. Ein bisheriger Wohngeldanspruch steigt deshalb nicht, nur weil künftig eine Person weniger in der Wohnung lebt. Grundsicherung kann einen Wohngeldanspruch ausschließen Besonders wichtig ist die Frage, welche Sozialleistungen die beiden Ehepartner bereits erhalten. Wer Grundsicherung im Alter oder Hilfe zum Lebensunterhalt bezieht, ist nach § 7 Wohngeldgesetz grundsätzlich vom Wohngeld ausgeschlossen, wenn bei diesen Leistungen Unterkunftskosten berücksichtigt werden. Damit soll verhindert werden, dass dieselben Wohnkosten doppelt durch staatliche Leistungen finanziert werden. Das Gesetz enthält allerdings Ausnahmen, etwa wenn die betreffende Sozialleistung ausschließlich als Darlehen gewährt wird. Von der Grundsicherung zu unterscheiden ist die Hilfe zur Pflege. Diese Leistung ist für sich genommen keine Ausschlussleistung nach § 7 Wohngeldgesetz. Wer Hilfe zur Pflege erhält, kann deshalb unter den weiteren Voraussetzungen weiterhin wohngeldberechtigt sein. Allerdings kann bewilligtes Wohngeld bei der Sozialhilfe als Einkommen berücksichtigt werden. Es bleibt dann möglicherweise kein zusätzlicher Betrag zur freien Verfügung. Die Unterschiede zwischen Wohngeld, Pflegewohngeld und Hilfe zur Pflege erklärt unser Beitrag Wohngeld-Zuschuss auch im Pflegeheim nutzen. Unterhaltszahlungen zwischen Ehepartnern müssen geprüft werden Auch gegenseitige finanzielle Unterstützung kann die Wohngeldberechnung verändern. Das gilt beispielsweise, wenn der zu Hause lebende Ehepartner einen Teil der Heimkosten aus seinem eigenen Einkommen bezahlt. Nach § 18 Wohngeldgesetz können bestimmte gesetzliche Unterhaltsleistungen vom wohngeldrechtlichen Einkommen abgezogen werden. Bei Ehepartnern, die nur wegen eines dauerhaften Heimaufenthalts räumlich getrennt leben, ist grundsätzlich die Regelung für Unterhaltsleistungen an sonstige Personen außerhalb des Haushalts relevant. Hier sieht das Gesetz regelmäßig einen Abzug von bis zu 3.000 Euro jährlich vor. Liegt eine entsprechende notarielle Unterhaltsvereinbarung, ein Unterhaltstitel oder ein Bescheid vor, können unter den gesetzlichen Voraussetzungen höhere Beträge berücksichtigt werden. Die Wohngeld-Verwaltungsvorschrift behandelt den besonderen Fall eines im Pflegeheim lebenden Ehepartners ausdrücklich. Auf der Empfängerseite können Unterhaltszahlungen wiederum als Einkommen zählen. Deshalb müssen die Zahlungen in beiden Anträgen zutreffend angegeben werden. Wichtig ist außerdem, aus wessen Einkommen die Heimkosten tatsächlich bezahlt werden. Die Rente eines Ehepartners wird nicht schon deshalb gemeinsames Einkommen, weil sie auf ein gemeinsames Konto überwiesen wird. Zwei Wohngeldansprüche werden getrennt berechnet Für beide Ehepartner gelten die allgemeinen Berechnungsgrundlagen des Wohngeldgesetzes. Dazu gehören die Zahl der berücksichtigungsfähigen Haushaltsmitglieder, die maßgeblichen Wohnkosten und das anrechenbare Einkommen. Die Voraussetzungen können deshalb bei beiden Partnern unterschiedlich ausfallen. Prüfpunkt Partner im Pflegeheim Partner zu Hause Wohnsituation Dauerhafte Aufnahme in einem Heim Bisherige Mietwohnung oder selbst genutztes Eigentum Wohngeldart Mietzuschuss Mietzuschuss oder Lastenzuschuss Wohnkosten Gesetzlicher Mietansatz mit Klima- und Heizkostenkomponente Berücksichtigungsfähige Miete oder Belastung nach den gesetzlichen Grenzen Einkommen Eigene Einkünfte und gegebenenfalls erhaltene Unterhaltsleistungen Eigene Einkünfte und gegebenenfalls abzugsfähige Unterhaltsleistungen Sozialleistungen Möglicher Ausschluss durch Grundsicherung oder Hilfe zum Lebensunterhalt Eigene Sozialleistungen und mögliche Wohngeldausschlüsse Ein Anspruch auf der einen Seite bedeutet nicht automatisch, dass auch die andere Person Wohngeld erhält. Ebenso kann es vorkommen, dass nur einer der beiden Ehepartner die Voraussetzungen erfüllt. Die jeweiligen Bescheide müssen deshalb getrennt geprüft werden. Bestehendes Wohngeld muss nach dem Auszug überprüft werden Erhält das Ehepaar bereits Wohngeld für seine gemeinsame Wohnung, sollte der dauerhafte Heimeinzug unverzüglich der Wohngeldstelle mitgeteilt werden. Nach § 27 Wohngeldgesetz besteht insbesondere bei einer nicht nur vorübergehenden Verringerung der Zahl der berücksichtigungsfähigen Haushaltsmitglieder eine Mitteilungspflicht. Die Behörde muss anschließend prüfen, wie sich die veränderten Verhältnisse auf die bisherige Bewilligung auswirken. Eine Neuberechnung kann zu einem höheren oder niedrigeren Wohngeldbetrag führen. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Haushaltsgröße, Einkommen und berücksichtigungsfähigen Wohnkosten. Wer eine solche Änderung verschweigt, riskiert unter Umständen eine spätere Rückforderung. Wohngeld wird grundsätzlich ab dem Antragsmonat gezahlt Für einen neuen Wohngeldanspruch ist der Zeitpunkt der Antragstellung besonders wichtig. Nach § 25 Wohngeldgesetz beginnt der Bewilligungszeitraum grundsätzlich am ersten Tag des Monats, in dem der Antrag gestellt wird. Zieht ein Ehepartner beispielsweise im Oktober dauerhaft ins Pflegeheim und stellt erst im November einen Wohngeldantrag, beginnt ein möglicher neuer Anspruch normalerweise erst am 1. November. Für den Oktober wird dann grundsätzlich kein Wohngeld nachgezahlt. Gesetzliche Ausnahmen können insbesondere bei der Ablehnung anderer Sozialleistungen gelten. Deshalb sollten beide Ehepartner ihre möglichen Ansprüche möglichst früh prüfen lassen. Liegen noch nicht sämtliche Unterlagen vor, kann zunächst ein eindeutig formulierter formloser Antrag helfen, den Antragsmonat zu sichern. Wohnen die Partner in unterschiedlichen Gemeinden, können auch unterschiedliche Wohngeldbehörden zuständig sein. Praxisbeispiel mit einer Wohnung und einem Pflegeheimplatz Ingrid und Peter sind verheiratet und beziehen beide eine gesetzliche Altersrente. Bisher leben sie gemeinsam in einer Mietwohnung. Im Oktober 2026 zieht Ingrid dauerhaft in ein Pflegeheim. Peter bleibt allein in der bisherigen Wohnung, deren Miete weiterhin bezahlt werden muss. Beide erhalten in diesem Beispiel weder Grundsicherung noch eine andere Sozialleistung, die sie wegen berücksichtigter Unterkunftskosten vom Wohngeld ausschließt. Peter beantragt deshalb Wohngeld für seinen Einpersonenhaushalt. Ingrid stellt einen eigenen Antrag für ihre dauerhafte Unterbringung im Pflegeheim. Die Wohngeldstellen prüfen die Einkünfte, die jeweiligen Wohnkosten und mögliche Unterhaltszahlungen. Ob beide, nur einer oder keiner der Ehepartner tatsächlich Wohngeld erhält, ergibt sich erst aus dieser Prüfung. Das Beispiel zeigt, weshalb eine doppelte Antragstellung sinnvoll sein kann, ohne dass daraus ein Anspruch auf zwei Zahlungen entsteht. Diese Unterlagen sollten Ehepartner bereithalten Für die Wohngeldanträge benötigen die Behörden insbesondere Nachweise über die aktuelle Wohnsituation und das Einkommen. Beim zu Hause lebenden Ehepartner sind beispielsweise der Mietvertrag, die aktuelle Miethöhe und die Rentenbescheide wichtig. Bei selbst genutztem Eigentum werden stattdessen die maßgeblichen Belastungen geprüft. Für die Person im Heim sind insbesondere Nachweise über die dauerhafte Aufnahme, Renteneinkünfte und vorhandene Sozialleistungen erforderlich. Wer gegenseitige Unterhaltszahlungen leistet, sollte außerdem deren Höhe und Zweck dokumentieren. Bei bereits laufenden Sozialhilfeleistungen sind die entsprechenden Bewilligungsbescheide wichtig. Nur so lässt sich zuverlässig feststellen, ob ein Wohngeldausschluss vorliegt oder Leistungen miteinander verrechnet werden müssen. Reichen Einkommen und Vermögen nicht aus, um die notwendige Pflege sicherzustellen, sollte zusätzlich frühzeitig das Sozialamt informiert werden. Ein Wohngeldantrag ersetzt die erforderliche Klärung eines möglichen Anspruchs auf Hilfe zur Pflege nicht. Häufige Fragen zum Wohngeld bei einem Umzug ins Pflegeheim Können Ehepartner nach einem dauerhaften Heimeinzug zweimal Wohngeld bekommen? Ja, unter bestimmten Voraussetzungen können zwei eigenständige Wohngeldansprüche entstehen. Dafür müssen die Ehepartner wohngeldrechtlich getrennte Wohnsituationen haben und jeweils die gesetzlichen Anspruchsvoraussetzungen erfüllen. Müssen Ehepartner dafür getrennt leben oder sich scheiden lassen? Nein, eine Scheidung ist nicht erforderlich. Ein dauerhafter pflegebedingter Umzug kann dazu führen, dass zwei Wohngeldhaushalte entstehen, obwohl die eheliche Gemeinschaft weiterhin besteht. Schließen Pflegeleistungen einen Wohngeldanspruch aus? Leistungen der Pflegeversicherung und Hilfe zur Pflege führen für sich genommen nicht automatisch zu einem Wohngeldausschluss. Wer zusätzlich Grundsicherung oder Hilfe zum Lebensunterhalt mit berücksichtigten Unterkunftskosten erhält, ist dagegen grundsätzlich ausgeschlossen. Auch ein bewilligtes Wohngeld deckt nicht die gesamte Heimrechnung ab. Quellen Landeshauptstadt Hannover, Wohngeld für Seniorinnen und Senioren, Informationsbroschüre Januar 2025, Abschnitt zum Partner im Pflegeheim Bundesgesundheitsministerium, Wohngeld für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen § 3 Wohngeldgesetz zur Wohngeldberechtigung von Mietern und dauerhaft aufgenommenen Heimbewohnern § 5 Wohngeldgesetz zur Haushaltszugehörigkeit und zum Mittelpunkt der Lebensbeziehungen § 7 Wohngeldgesetz zum Ausschluss bei Grundsicherung und anderen Sozialleistungen § 9 Wohngeldgesetz zur Miete und zum besonderen Mietansatz bei dauerhafter Heimaufnahme § 11 Wohngeldgesetz zur berücksichtigungsfähigen Miete einschließlich der gesetzlichen Heizkostenkomponente

News

Rente im Weltvergleich: Deutschland hinter Mexiko und Kuwait angelangt

Beitragsbild von: Rente im Weltvergleich: Deutschland hinter Mexiko und Kuwait angelangt

30. Oktober 2026

Deutschland erreicht im Marsh CFA Institute Global Pension Index 2026 nur Platz 25 von 55 untersuchten Alterssicherungssystemen. Mit 67,9 von 100 Punkten liegt die Bundesrepublik hinter Mexiko und Kuwait – ein ernüchterndes Ergebnis für ein Land, das seinen Sozialstaat gern als verlässliches Versprechen beschreibt. Die politische Brisanz steckt allerdings weniger in den Ländernamen als in der Frage, wie Deutschland seine Renten künftig finanzieren will. Wer aus der Rangfolge lediglich ableitet, deutsche Rentner bekämen weniger Geld als Menschen in Mexiko, liest aus der Untersuchung etwas heraus, das sie nicht belegt. Was der Weltvergleich tatsächlich bewertet Der Index von Marsh und dem CFA Institute untersucht die Leistungsfähigkeit ganzer Alterssicherungssysteme anhand von mehr als 50 Indikatoren. Die Angemessenheit der Leistungen fließt mit 40 Prozent ein, die Nachhaltigkeit mit 35 Prozent und die Integrität, etwa Regulierung und Schutz der Versicherten, mit 25 Prozent. Damit beeinflussen auch angesparte Vorsorgevermögen, die Bevölkerungsentwicklung und die staatliche Unterstützung das Ergebnis. Eine Rangliste der durchschnittlich ausgezahlten gesetzlichen Monatsrenten ist dieser Vergleich deshalb nicht. Deutschland liegt zurück – aber nicht bei jeder Kennzahl Die Niederlande führen die Gesamtwertung mit 85,8 Punkten an. Wie unterschiedlich die Ergebnisse innerhalb eines Systems ausfallen können, zeigt der Blick auf ausgewählte Länder. Alterssicherungssystem Gesamtwertung Angemessenheit Nachhaltigkeit Niederlande 85,8 87,7 82,6 Dänemark 84,1 84,2 84,8 Kuwait 72,9 88,3 60,1 Mexiko 71,2 77,2 64,0 Deutschland 67,9 79,8 47,2 Österreich 56,9 68,3 23,9 Alle Angaben sind Indexpunkte auf einer Skala von 0 bis 100 aus dem Global Pension Index 2026. Bemerkenswert ist der Vergleich mit Mexiko: Bei der Angemessenheit liegt Deutschland vorn, in der Gesamtwertung jedoch dahinter. Schon diese Gegenüberstellung zeigt, wie wenig die zugespitzte Länderreihenfolge allein über die finanzielle Lage einzelner Rentner aussagt. Die schlechteste Nachricht betrifft die langfristige Finanzierung Deutschland erhält insgesamt die Note B, bei der Nachhaltigkeit jedoch nur D. In diesem Teilvergleich reicht es mit 47,2 Punkten lediglich für Platz 41 von 55 – hier liegt die deutlichste Schwäche des deutschen Systems. Die gesetzliche Rentenversicherung arbeitet im Umlageverfahren: Laufende Einnahmen finanzieren die laufenden Renten. Wenn die Bevölkerung altert und sich das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Menschen im Ruhestand verschiebt, wächst der Druck auf diese Finanzierung. Daraus entstehen Verteilungsfragen, denen die Politik nicht dauerhaft ausweichen kann: Wie viel sollen Beschäftigte und Arbeitgeber zahlen, welchen Anteil übernimmt der Staat und wie entwickeln sich die Leistungen? Ein schlechter Nachhaltigkeitswert liefert Anlass für Reformen, aber keinen Beleg dafür, dass die nächste Rentenzahlung ausfällt. Die Niederlande verbinden Grundabsicherung mit breiter Betriebsrente Das niederländische System kombiniert die staatliche AOW-Grundrente mit einer weit verbreiteten zusätzlichen Altersversorgung über den Arbeitgeber. Nach Angaben der niederländischen Regierung verfügen rund 90 Prozent der Beschäftigten über eine solche ergänzende Absicherung. Die Arbeitgeber tragen dabei üblicherweise ungefähr zwei Drittel der Beiträge, die Beschäftigten ein Drittel. Die Versorgungsträger legen die Beiträge an und zahlen daraus später zusätzliche Renten. Für die deutsche Debatte lässt sich daraus eine konkrete Lehre ziehen: Eine ergänzende Altersversorgung muss viele Beschäftigte erreichen und verlässlich finanziert werden. Ein bloßer Appell zum privaten Sparen hilft Menschen wenig, deren Einkommen bereits für Miete und Lebensunterhalt aufgeht. Geringverdiener brauchen mehr als einen Sparappell Die Studienautoren empfehlen für Deutschland ausdrücklich auch eine bessere Mindestabsicherung für Menschen mit niedrigen Renten. Daneben nennen sie mehr kapitalgedeckte Vorsorge und einen breiteren Zugang zur betrieblichen Altersversorgung. Diese Verbindung verdient Aufmerksamkeit, denn eine tragfähige Finanzierung und ausreichende Leistungen müssen zusammen gedacht werden. Eine Reform, die lediglich Ausgaben begrenzt und dadurch mehr Menschen mit einer unzureichenden Rente zurücklässt, hätte ihren sozialen Zweck verfehlt. Auch die deutsche Debatte über das Rentenniveau von 48 Prozent braucht präzise Begriffe. Die Zahl beschreibt das Verhältnis einer Standardrente nach 45 Jahren mit Durchschnittsverdienst zum Durchschnittsentgelt, jeweils nach Sozialbeiträgen und vor Steuern; sie garantiert niemandem 48 Prozent seines letzten Gehalts. Mehr Kapital braucht günstige und verständliche Angebote Kapitalgedeckte Vorsorge kann die Alterssicherung ergänzen, doch ihre Qualität hängt auch von Kosten, Anlagegestaltung und Auszahlungsbedingungen ab. Ein zusätzlicher Vertrag schafft noch keine verlässliche Verbesserung, wenn Gebühren einen erheblichen Teil des Ertrags aufzehren. Bei der Betriebsrente durch Entgeltumwandlung kommt hinzu, dass eingesparte Rentenversicherungsbeiträge unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze die spätere gesetzliche Rente verringern können. Für eine Bewertung zählt deshalb die gesamte Versorgung nach Kosten und Abgaben, wie auch der Beitrag darüber erläutert, wie viel von der Betriebsrente 2026 netto übrig bleibt. Deutschland sollte den Weltvergleich deshalb als Auftrag verstehen, Finanzierung und Schutz vor Altersarmut gemeinsam zu verbessern. Der politische Erfolg einer Rentenreform bemisst sich schließlich auch daran, ob Menschen nach einem langen Arbeitsleben ihre Rechnungen bezahlen können. Kurzes Beispiel aus der Praxis Eine alleinstehende Verkäuferin erhält monatlich 1.150 Euro ausgezahlte Rente und zahlt 680 Euro Warmmiete. Ihr bleiben 470 Euro für Lebensmittel, Strom, Versicherungen und alle weiteren Ausgaben – eine internationale Gesamtnote B ändert an dieser Rechnung nichts. Für sie wäre die Prüfung eines Anspruchs auf Grundsicherung im Alter wesentlich hilfreicher als die nächste Rangliste. Hat sie mindestens 33 Jahre Grundrentenzeiten oder anerkannte vergleichbare Zeiten, kann bei der Einkommensanrechnung der besondere Freibetrag für die gesetzliche Rente greifen; ob Leistungen zustehen, hängt auch vom anerkannten Bedarf und den übrigen Einkommens- und Vermögensverhältnissen ab.

News

Rundfunkbeitrag: Ohne eine neue GEZ-Rechnung können jetzt 8 Euro zusätzlich fällig werden

Beitragsbild von: Rundfunkbeitrag: Ohne eine neue GEZ-Rechnung können jetzt 8 Euro zusätzlich fällig werden

30. Oktober 2026

Wer beim Rundfunkbeitrag auf den nächsten Brief wartet, kann eine teure Überraschung erleben: Die regelmäßige Zahlungsaufforderung entfällt nach der Umstellung, die Zahlungspflicht bleibt bestehen. Wird ein Rückstand per Festsetzungsbescheid eingefordert, kommen mindestens acht Euro Säumniszuschlag hinzu. Auch 2026 stellt der Beitragsservice weitere Konten auf die sogenannte Einmalzahlungsaufforderung um. Besonders aufpassen müssen Menschen, die bisher erst nach Eingang eines Schreibens selbst überwiesen haben. Ein Brief soll künftig für mehrere Jahre reichen Die Einmalzahlungsaufforderung enthält die persönlichen Zahlungstermine, die sich jedes Jahr wiederholen. Das Schreiben gilt auch in den Folgejahren; eine neue Aufforderung gibt es erst bei grundlegenden Änderungen, etwa einer Anpassung der Beitragshöhe. „Einmal“ bezieht sich damit auf die Mitteilung der Termine: Die Beiträge sind weiterhin regelmäßig zu zahlen. Wer den Brief nach der ersten Überweisung abheftet und auf weitere Post vertraut, kann die nächste Fälligkeit übersehen. Die Umstellung erfolgt schrittweise; bis zum Erhalt der Einmalzahlungsaufforderung bleibt das bisherige Verfahren bestehen. Weitere Hintergründe erläutert unser Beitrag zur Umstellung beim Rundfunkbeitrag für Selbstzahler. Warum fehlende Post nicht vor Zusatzkosten schützt Der Rundfunkbeitrag ist aufgrund der gesetzlichen Zahlungspflicht unaufgefordert zu entrichten. Eine neue Rechnung oder eine gesonderte Zahlungserinnerung ist dafür nicht erforderlich. Der Beitragsservice begründet die Umstellung mit einer kostengünstigeren und nachhaltigeren Verwaltung. Für die Betroffenen entfällt damit eine vertraute Erinnerungshilfe – und ein übersehener Termin kann zusätzliche Ausgaben verursachen. Wann der Säumniszuschlag von mindestens acht Euro entsteht Wer geschuldete Beiträge nicht innerhalb von vier Wochen nach der Fälligkeit vollständig bezahlt, muss mit einem Festsetzungsbescheid rechnen. Darin werden die rückständigen Beiträge und der Säumniszuschlag festgesetzt. Der Zuschlag beträgt ein Prozent der rückständigen Beitragsschuld, mindestens jedoch acht Euro. Bei einem offenen Dreimonatsbeitrag von 55,08 Euro werden deshalb acht Euro zusätzlich angesetzt, sodass insgesamt 63,08 Euro zu zahlen sind. Die Mindestgrenze macht kleine Rückstände vergleichsweise teuer: Acht Euro entsprechen bei 55,08 Euro Beitragsschuld einem Aufschlag von rund 14,5 Prozent. Der gesetzliche Prozentsatz von einem Prozent vermittelt für solche Beträge deshalb nur ein unvollständiges Bild. Offene Beiträge zum vollen Beitragssatz Beitragsschuld Säumniszuschlag Gesamtbetrag Für drei Monate 55,08 Euro 8,00 Euro 63,08 Euro Für sechs Monate 110,16 Euro 8,00 Euro 118,16 Euro Für zwölf Monate 220,32 Euro 8,00 Euro 228,32 Euro Die Tabelle zeigt Rechenbeispiele, bei denen der jeweilige Rückstand zusammen in einem Festsetzungsbescheid erfasst wird. Bei mehreren Bescheiden können weitere Säumniszuschläge hinzukommen; mögliche Mahn- und Vollstreckungskosten sind nicht eingerechnet. Die Zahlungstermine sind nicht für alle gleich Der volle Rundfunkbeitrag beträgt derzeit 18,36 Euro monatlich je Wohnung. Im gesetzlichen Zahlungsrhythmus werden jeweils 55,08 Euro für drei Monate in der Mitte dieses Dreimonatszeitraums fällig. Beginnt die Beitragspflicht im Januar, liegen die Termine am 15. Februar, 15. Mai, 15. August und 15. November. Bei einem anderen Beginn können sich die Termine verschieben; deshalb sollten Betroffene die Angaben für ihr eigenes Beitragskonto verwenden. Auch eine vereinbarte Vorauszahlung kann zu anderen Terminen führen. Einen Zahlungstag aus einem Zeitungsartikel oder aus dem Schreiben eines Bekannten ungeprüft zu übernehmen, ist deshalb keine verlässliche Lösung. Dauerauftrag und Lastschrift können Versäumnisse verhindern Wer weiterhin selbst überweisen möchte, kann einen Dauerauftrag passend zu den persönlichen Fälligkeiten einrichten. Ändern sich der Beitrag oder die Zahlungsdaten, muss der Auftrag entsprechend angepasst werden. Beim SEPA-Lastschriftverfahren zieht der Beitragsservice die fälligen Beträge ein und berücksichtigt Beitragsanpassungen automatisch. Eine Pflicht zur Lastschrift besteht nicht; auch wiederkehrende Kalendereinträge können an die Überweisung erinnern. Seit Ende September lässt sich das Beitragskonto online prüfen Seit dem 28. September 2026 bietet der Beitragsservice eine neue Möglichkeit, den Kontostand online abzufragen. Unter rundfunkbeitrag.de/kontostand lässt sich prüfen, ob ein Rückstand oder ein Guthaben besteht; außerdem werden die nächsten Zahlungstermine angezeigt. Für die kostenlose Abfrage sind die neunstellige Beitragsnummer und das Geburtsdatum der Person erforderlich, auf deren Namen das Konto geführt wird. Eine Registrierung ist nicht nötig. Das ist besonders hilfreich, wenn die Einmalzahlungsaufforderung nicht mehr auffindbar ist. Wer seinen Zahlungstermin nicht kennt, kann ihn damit gezielt nachsehen, statt auf einen weiteren Brief zu warten. Einen Festsetzungsbescheid prüfen und rechtzeitig reagieren Ein Festsetzungsbescheid sollte mit den eigenen Zahlungsbelegen und möglichen Befreiungsbescheiden abgeglichen werden. Wurde der geforderte Zeitraum bereits bezahlt oder bestand eine bewilligte Befreiung, sollten Betroffene dies mit Nachweisen geltend machen. Gegen den Bescheid kann grundsätzlich innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Widerspruch eingelegt werden. Die Rechtsbehelfsbelehrung sollte genau gelesen werden, denn ein Festsetzungsbescheid schafft die Grundlage für eine spätere Vollstreckung. Wer eine berechtigte Nachforderung nicht auf einmal bezahlen kann, sollte frühzeitig eine tragbare Zahlungsvereinbarung anfragen. Hinweise dazu enthält unser Beitrag Rundfunkbeitrag: Was bei einer Nachzahlung zu tun ist. Bei wenig Geld auch den Befreiungsanspruch prüfen Menschen mit Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung können eine Befreiung vom Rundfunkbeitrag beantragen. Sie wird nicht automatisch mit der Sozialleistung bewilligt, sondern muss beim Beitragsservice mit passenden Nachweisen beantragt werden. Eine niedrige Rente allein reicht dafür nicht aus; in bestimmten Fällen kommt jedoch eine Härtefallbefreiung infrage. Wann schon eine geringe Überschreitung der sozialrechtlichen Bedarfsgrenze dafür ausreichen kann, erläutert unser Beitrag zur Befreiung vom Rundfunkbeitrag bei knapp zu hohem Einkommen. Beispiel aus der Praxis: Aus 55,08 Euro werden 63,08 Euro Ein fiktives Beispiel: Rentnerin Renate M. erhält eine Einmalzahlungsaufforderung mit dem nächsten Zahlungstermin am 15. August. Sie wartet trotzdem auf den gewohnten Brief und überweist die fälligen 55,08 Euro nicht. Auch vier Wochen später ist der Betrag noch offen; anschließend erhält sie einen Festsetzungsbescheid über 63,08 Euro einschließlich acht Euro Säumniszuschlag. Ein rechtzeitig eingerichteter Dauerauftrag hätte dieses Versäumnis verhindern können. Sechs Fragen und Antworten zum Rundfunkbeitrag Muss ich ohne neue Zahlungsaufforderung weiterzahlen? Ja, sofern Beitragspflicht besteht. Die Fälligkeit hängt nicht davon ab, ob eine weitere Zahlungsaufforderung im Briefkasten liegt. Sind bereits alle Beitragskonten umgestellt? Nein, die Umstellung läuft schrittweise und wird auch 2026 fortgesetzt. Wer die Einmalzahlungsaufforderung erhalten hat, muss die darin genannten wiederkehrenden Termine selbst beachten. Beträgt der Säumniszuschlag immer acht Euro? Nein, acht Euro sind der Mindestbetrag. Bei höheren Rückständen kann der Zuschlag von einem Prozent der Beitragsschuld darüber liegen. Muss ich dem Beitragsservice eine Lastschrift erlauben? Nein, Überweisungen bleiben möglich. Wer selbst zahlt, muss Betrag und Termine zuverlässig einhalten. Wie lange kann ich gegen einen Festsetzungsbescheid vorgehen? Die Widerspruchsfrist beträgt grundsätzlich einen Monat ab Bekanntgabe. Angaben zum Vorgehen enthält die Rechtsbehelfsbelehrung des Bescheids. Bin ich mit einer kleinen Rente automatisch befreit? Nein, die Rentenhöhe allein bewirkt keine Befreiung. Wer etwa Grundsicherung im Alter bezieht oder die Voraussetzungen eines Härtefalls erfüllt, sollte eine Befreiung mit den erforderlichen Nachweisen beantragen.

News

Ab 2027 bekommen alle Arbeitnehmer fast 200 Euro mehr

Beitragsbild von: Ab 2027 bekommen alle Arbeitnehmer fast 200 Euro mehr

30. Oktober 2026

Arbeitnehmer bekommen 2027 mehr Netto: Pauschbetrag soll um 200 Euro steigen Für Millionen Beschäftigte soll sich ab 2027 steuerlich etwas ändern: Der Arbeitnehmer-Pauschbetrag soll von derzeit 1.230 Euro auf 1.430 Euro steigen. Gleichzeitig plant die Bundesregierung einen höheren Grundfreibetrag und einen günstigeren Einkommensteuertarif für kleine und mittlere Einkommen. Das Bundeskabinett hat den Entwurf des Einkommensteuerreformgesetzes 2027 am 2. September 2026 beschlossen. Die Bundesregierung beziffert das gesamte Entlastungsvolumen auf rund zehn Milliarden Euro, wobei die Reform 2027 beginnen und ab 2028 ihre volle Wirkung entfalten soll. Für Arbeitnehmer bedeutet das voraussichtlich mehr Netto vom Brutto. Allerdings darf die Erhöhung des Pauschbetrags um 200 Euro nicht mit einer Auszahlung von 200 Euro verwechselt werden. Arbeitnehmer-Pauschbetrag soll auf 1.430 Euro steigen Der Arbeitnehmer-Pauschbetrag beträgt derzeit 1.230 Euro im Jahr. Er wird bei Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit berücksichtigt, ohne dass Beschäftigte dafür einzelne berufliche Ausgaben nachweisen müssen. Ab 2027 sollen daraus 1.430 Euro werden. Damit werden rechnerisch weitere 200 Euro des Arbeitslohns bei der Ermittlung der steuerpflichtigen Einkünfte berücksichtigt, sofern nicht ohnehin höhere tatsächliche Werbungskosten geltend gemacht werden. Die geplante Änderung ist Teil eines größeren Steuerpakets. Einen Überblick über weitere geplante Änderungen gibt es auch im Gegen-Hartz-Beitrag „Klingbeils neues Paket: Mehr Kindergeld, höhere Minijob-Steuer – das alles ist ab 2027 geplant“. 200 Euro höherer Pauschbetrag bedeuten nicht 200 Euro mehr Netto Ein häufiger Irrtum besteht darin, die Erhöhung des Pauschbetrags unmittelbar mit der Steuerersparnis gleichzusetzen. Die zusätzlichen 200 Euro werden nicht vom Finanzamt ausgezahlt, sondern verringern lediglich die steuerlich berücksichtigten Einkünfte. Wie hoch die tatsächliche Ersparnis ausfällt, hängt daher vom persönlichen Einkommen und dem jeweiligen Steuersatz ab. Bei einem persönlichen Steuersatz von beispielsweise ungefähr 30 Prozent könnte die zusätzliche Entlastung durch die 200 Euro grob bei etwa 60 Euro Einkommensteuer im Jahr liegen. Bei einem angenommenen Steuersatz von 20 Prozent wären es etwa 40 Euro, bei 35 Prozent ungefähr 70 Euro. Diese vereinfachten Werte zeigen nur den Effekt des höheren Pauschbetrags und berücksichtigen die übrigen Änderungen des Steuertarifs noch nicht. Nicht jeder Arbeitnehmer profitiert mit den vollen 200 Euro Besonders interessant ist die Erhöhung für Beschäftigte, deren tatsächliche berufliche Ausgaben unterhalb des neuen Pauschbetrags von 1.430 Euro liegen. Sie erhalten die höhere steuerliche Berücksichtigung, ohne Rechnungen oder andere Nachweise für entsprechende Werbungskosten vorlegen zu müssen. Wer beispielsweise tatsächlich nur 600 Euro berufliche Kosten im Jahr hat, erhält derzeit trotzdem den Pauschbetrag von 1.230 Euro. Nach den Regierungsplänen würden künftig automatisch 1.430 Euro berücksichtigt. Anders sieht es aus, wenn die tatsächlichen Werbungskosten bereits heute über 1.430 Euro liegen. Wer zum Beispiel Fahrtkosten, Arbeitsmittel, Fortbildungen oder andere anerkannte Aufwendungen von insgesamt 2.000 Euro nachweisen kann, setzt ohnehin diese 2.000 Euro an und erhält durch die Erhöhung des Pauschbetrags selbst keinen zusätzlichen Vorteil. Berufliche Ausgaben Berücksichtigung 2026 Geplant ab 2027 800 Euro 1.230 Euro 1.430 Euro 1.300 Euro 1.300 Euro 1.430 Euro 1.700 Euro 1.700 Euro 1.700 Euro Die Tabelle zeigt, warum die Reform nicht bei jedem Beschäftigten denselben Effekt hat. Wer bereits hohe Werbungskosten geltend macht, profitiert eher von den weiteren Steueränderungen als von der Anhebung des Arbeitnehmer-Pauschbetrags. Der höhere Pauschbetrag kann sich bereits beim Monatsnetto bemerkbar machen Der Arbeitnehmer-Pauschbetrag wird grundsätzlich bereits bei der Berechnung der Lohnsteuer berücksichtigt. Beschäftigte müssen deshalb nicht erst zwingend eine Einkommensteuererklärung abgeben, um den normalen Pauschbetrag zu erhalten. Wird die geplante Erhöhung gesetzlich umgesetzt und in die Lohnsteuerberechnung eingearbeitet, kann sie sich damit auch über den laufenden Lohnsteuerabzug bemerkbar machen. Die Veränderung pro Monat bleibt beim Pauschbetrag allein allerdings überschaubar. Deutlich interessanter wird das Paket durch das Zusammenspiel mehrerer Änderungen. Neben dem höheren Arbeitnehmer-Pauschbetrag soll auch der Grundfreibetrag steigen und der Einkommensteuertarif verändert werden. Grundfreibetrag steigt 2027 auf 12.564 Euro Der steuerliche Grundfreibetrag beträgt 2026 insgesamt 12.348 Euro. Nach dem Regierungsentwurf soll er 2027 auf 12.564 Euro und 2028 nochmals auf 12.900 Euro steigen. Der Grundfreibetrag schützt das steuerliche Existenzminimum. Die geplante Erhöhung um 216 Euro gegenüber 2026 sorgt deshalb ebenfalls dafür, dass ein größerer Teil des Einkommens ohne Einkommensteuer bleibt. Warum insbesondere Menschen mit sehr niedrigen Einkommen von einem höheren Grundfreibetrag teilweise wenig haben, erläutert Gegen-Hartz ausführlicher im Beitrag „Grundfreibetrag soll 2027 deutlich steigen, viele bleiben außen vor“. Auch die Steuerprogression soll entschärft werden Für Beschäftigte mit kleinen und mittleren Einkommen dürfte neben den Freibeträgen vor allem die geplante Änderung des Einkommensteuertarifs interessant sein. Nach den Regierungsplänen soll die zweite Progressionszone bis zu einem Einkommen von 70.600 Euro abgeflacht werden. Damit soll verhindert werden, dass zusätzliche Einkommen in diesem Bereich zu schnell mit höheren Steuersätzen belastet werden. Die Bundesregierung erwartet deshalb insbesondere bei mittleren Einkommen eine spürbare Entlastung. Wie groß das Plus tatsächlich ausfällt, lässt sich nicht allein anhand des Bruttogehalts bestimmen. Familienstand, Kinder, Werbungskosten, Sonderausgaben und weitere steuerliche Faktoren können das Ergebnis verändern. Familien können stärker profitieren Bei Familien kommen weitere Änderungen hinzu. Das Kindergeld soll nach dem Regierungsentwurf von derzeit 259 Euro auf 267 Euro monatlich im Jahr 2027 steigen und 2028 nochmals auf 272 Euro erhöht werden. Auch die steuerlichen Freibeträge für Kinder sollen steigen. Für 2027 sind insgesamt 10.056 Euro und für 2028 insgesamt 10.236 Euro je Kind vorgesehen. Die Bundesregierung nennt als Beispiel eine berufstätige Familie mit zwei Kindern und einem zu versteuernden Gesamteinkommen von 60.000 Euro. Ab 2028 soll diese gegenüber dem heutigen Stand um mehr als 600 Euro jährlich entlastet werden können. Steuererklärung kann sich trotzdem weiterhin lohnen Der höhere Pauschbetrag macht eine Steuererklärung nicht überflüssig. Wer beruflich mehr als 1.430 Euro ausgibt, kann nach wie vor seine tatsächlichen Werbungskosten geltend machen, sofern die jeweiligen steuerrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Das kann beispielsweise bei einem längeren Arbeitsweg, einer beruflich veranlassten doppelten Haushaltsführung, größeren Arbeitsmitteln oder Fortbildungskosten schnell der Fall sein. In solchen Fällen zählt nicht der Pauschbetrag, sondern die nachgewiesene höhere Summe. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums könnten allerdings rund 1,3 Millionen Steuerpflichtige durch die geplante Erhöhung künftig auf Angaben in der Anlage N verzichten, weil ihre tatsächlichen Aufwendungen unter dem neuen Pauschbetrag liegen. Berufliche Ausgaben werden zusammengerechnet Beschäftigte sollten ihre beruflichen Ausgaben über das Jahr hinweg zusammenrechnen. Fahrtkosten, Arbeitsmittel und Fortbildungen müssen den Pauschbetrag nicht jeweils einzeln überschreiten; entscheidend ist ihre anerkannte Gesamtsumme. Wer damit über den künftig vorgesehenen 1.430 Euro liegt, kann durch die Angabe der höheren Werbungskosten in der Steuererklärung zusätzlich Steuern sparen. Gewerkschaftsbeiträge können zusätzlich berücksichtigt werden Für Gewerkschaftsmitglieder ist außerdem eine bereits geltende Besonderheit interessant. Gewerkschaftsbeiträge werden nach der aktuellen Regelung zusätzlich zum allgemeinen Arbeitnehmer-Pauschbetrag berücksichtigt und verbrauchen diesen nicht. Damit können Beschäftigte beispielsweise den Pauschbetrag erhalten und daneben ihre entsprechenden Gewerkschaftsbeiträge steuerlich berücksichtigen. Weitere Änderungen, die Arbeitnehmer bereits 2026 betreffen, erläutert der Gegen-Hartz-Beitrag „Das ändert sich für uns alle im Portmonee ab 2026“. Gewerkschaftsmitglieder sollten ihre gezahlten Beiträge in der Steuererklärung gesondert angeben und den Beitragsnachweis aufbewahren. Wer beispielsweise 240 Euro Jahresbeitrag zahlt, kann diesen Betrag seit 2026 zusätzlich zum Arbeitnehmer-Pauschbetrag abziehen – auch wenn die übrigen beruflichen Ausgaben unter der Pauschale bleiben. Die 240 Euro sind dabei ein zusätzlicher Steuerabzug und keine Erstattung in gleicher Höhe. Wer keine Einkommensteuer zahlt, hat vom Pauschbetrag wenig Die angekündigte Entlastung erreicht allerdings nicht jeden Beschäftigten im gleichen Umfang. Wer wegen eines sehr niedrigen steuerpflichtigen Einkommens ohnehin keine Einkommensteuer bezahlt, erhält durch einen höheren Werbungskosten-Pauschbetrag keine zusätzliche Auszahlung. Auch bei ausschließlich pauschal besteuerten Minijobs funktioniert die Entlastung nicht auf dieselbe Weise wie bei regulär lohnversteuerten Beschäftigungen. Entscheidend ist deshalb immer die individuelle steuerliche Situation. Die Reform enthält nicht nur Entlastungen Das Steuerpaket besteht zudem nicht ausschließlich aus Vergünstigungen. So soll die Steuerermäßigung für bestimmte Handwerkerleistungen von 20 auf 15 Prozent sinken und der maximal berücksichtigte Steuerbetrag von 1.200 auf 900 Euro reduziert werden. Außerdem soll sich die einheitliche Pauschsteuer bei Minijobs verändern. Solche Maßnahmen dienen nach den Regierungsplänen unter anderem der Finanzierung des Entlastungspakets. Für die Bewertung eines einzelnen Haushalts reicht es deshalb nicht aus, lediglich den höheren Arbeitnehmer-Pauschbetrag zu betrachten. Je nach Lebenssituation können andere Änderungen einen Teil der Steuerentlastung wieder verringern. Die 1.430 Euro sind noch nicht endgültig beschlossen Beschäftigte sollten die neuen Beträge bislang noch nicht als endgültig geltendes Steuerrecht betrachten. Am 2. September 2026 hat das Bundeskabinett zunächst den Regierungsentwurf beschlossen; das Gesetzgebungsverfahren ist damit noch nicht abgeschlossen. Im weiteren Verfahren können sich einzelne Regelungen noch verändern. Erst wenn das Gesetzgebungsverfahren beendet und das Gesetz verkündet ist, besteht Planungssicherheit über die endgültigen Beträge für 2027. Der aktuelle Stand ist dennoch für Arbeitnehmer interessant, weil mehrere Änderungen gleichzeitig auf eine steuerliche Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen ausgerichtet sind. Der höhere Arbeitnehmer-Pauschbetrag ist dabei nur ein Teil des geplanten Pakets. Bundestag hat die Reform bereits erstmals beraten Das Gesetzgebungsverfahren ist inzwischen über den Kabinettsbeschluss hinaus: Der Bundestag hat den Entwurf am 8. Oktober 2026 in erster Lesung beraten und zur weiteren Prüfung an die Ausschüsse überwiesen. Damit sind die vorgesehenen Beträge weiterhin keine endgültig beschlossene Rechtslage. Für die persönliche Finanzplanung sollten Beschäftigte die erwartete Entlastung deshalb zunächst als vorläufig betrachten.

News

Betriebsrente auf einen Schlag? Dann zahlen Sie 10 Jahre an die Krankenkasse

Beitragsbild von: Betriebsrente auf einen Schlag? Dann zahlen Sie 10 Jahre an die Krankenkasse

30. Oktober 2026

Betriebsrente auf einen Schlag? Krankenkasse kann zehn Jahre Beiträge verlangen Die Betriebsrente auf einmal auszahlen lassen, das Haus renovieren und schuldenfrei in den Ruhestand gehen: Das klingt nach einem sauberen Abschluss des Arbeitslebens. Doch während das Geld längst ausgegeben sein kann, verlangt die Krankenkasse unter Umständen noch jahrelang Beiträge. Bei einer beitragspflichtigen Kapitalauszahlung wird die Summe rechnerisch auf 120 Monate verteilt. Damit kann eine einzige Überweisung zehn Jahre lang zusätzliche Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge auslösen. Allerdings trifft diese Belastung nicht jeden gleichermaßen. Ob und wie viel zu zahlen ist, hängt unter anderem vom Versicherungsstatus, der Auszahlungshöhe und möglichen beitragsfreien Vertragsanteilen ab. Einmal überwiesen, 120 Monate angerechnet Die Grundlage steht in § 229 Absatz 1 SGB V: Bei einer entsprechenden Kapitalleistung gilt ein Hundertzwanzigstel als monatlicher Versorgungsbezug, längstens für 120 Monate. Aus einer Auszahlung von 72.000 Euro werden für die Beitragsberechnung deshalb monatlich 600 Euro. Diese 600 Euro erhält der Betroffene nicht zusätzlich auf sein Konto. Die Krankenkasse behandelt sie lediglich als rechnerische monatliche Einnahme aus der bereits ausgezahlten Betriebsrente. Wer das Kapital sofort für eine größere Anschaffung verwendet, muss die späteren Beiträge aus anderen Mitteln finanzieren. Der Verbrauch des Geldes beseitigt diese Berechnungsgrundlage grundsätzlich nicht. 2026 bleiben 197,75 Euro monatlich in der Krankenversicherung frei Für gesetzlich Pflichtversicherte gilt bei Betriebsrenten 2026 ein monatlicher Krankenversicherungsfreibetrag von 197,75 Euro. Nur der darüberliegende Teil wird mit Krankenversicherungsbeiträgen belastet, wie auch die Techniker Krankenkasse erläutert. Bei einem monatlichen Rechenbetrag von 600 Euro verbleiben somit 402,25 Euro als Grundlage für den Krankenversicherungsbeitrag. Bei mehreren Betriebsrenten steht der Freibetrag insgesamt nur einmal zur Verfügung. Eine alleinige Kapitalauszahlung von 23.730 Euro entspricht genau 197,75 Euro im Monat. Für Pflichtversicherte bleiben daraus nach den Werten für 2026 Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge aus, wenn keine weiteren bei der Grenzprüfung zu berücksichtigenden Einnahmen hinzukommen. Diese Summe ist keine allgemeine Freigrenze für jede Betriebsrentenauszahlung und kein Steuerfreibetrag. Weitere Versorgungsbezüge und beitragsrechtlich zu berücksichtigendes Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit können das Ergebnis verändern. Die Pflegeversicherung rechnet strenger In der Pflegeversicherung gilt für Pflichtversicherte eine Freigrenze statt eines Freibetrags. Wird die Grenze von 197,75 Euro monatlich überschritten, ist grundsätzlich der gesamte entsprechende Versorgungsbezug pflegeversicherungspflichtig. Bei den rechnerischen 600 Euro werden deshalb für die Pflegeversicherung nicht nur 402,25 Euro angesetzt, sondern die vollen 600 Euro. Die Knappschaft erklärt diese unterschiedliche Behandlung ausdrücklich. Wie deutlich der Unterschied ausfällt, zeigt bereits eine Auszahlung von 24.000 Euro. Ihr monatlicher Rechenbetrag beträgt 200 Euro: In der Krankenversicherung sind davon 2,25 Euro beitragspflichtig, in der Pflegeversicherung dagegen 200 Euro. Tabelle: Welche Beträge die Kasse 2026 berücksichtigt Die folgende Tabelle gilt für Pflichtversicherte mit einer vollständig als Betriebsrente einzuordnenden Kapitalleistung, ohne weitere für die Grenzprüfung relevante Einnahmen. Der Krankenversicherungsfreibetrag steht vollständig zur Verfügung; eine Begrenzung durch die Beitragsbemessungsgrenze wird nicht berücksichtigt. Kapitalauszahlung Monatlicher Rechenbetrag Beitragspflichtiger Betrag Krankenversicherung Beitragspflichtiger Betrag Pflegeversicherung 20.000 Euro 166,67 Euro 0 Euro 0 Euro 23.730 Euro 197,75 Euro 0 Euro 0 Euro 24.000 Euro 200,00 Euro 2,25 Euro 200,00 Euro 72.000 Euro 600,00 Euro 402,25 Euro 600,00 Euro 120.000 Euro 1.000,00 Euro 802,25 Euro 1.000,00 Euro Die Tabelle zeigt die Berechnungsgrundlagen, nicht die zu zahlenden Beiträge. Diese ergeben sich erst aus dem jeweiligen Krankenversicherungsbeitrag einschließlich Zusatzbeitrag und dem persönlichen Pflegeversicherungsbeitrag. Die Beiträge tragen Betriebsrentner grundsätzlich allein Auf beitragspflichtige Betriebsrenten entfällt der allgemeine Krankenversicherungsbeitrag von 14,6 Prozent zuzüglich des Zusatzbeitrags der jeweiligen Kasse. Anders als bei der gesetzlichen Rente tragen Betriebsrentner diese Beiträge grundsätzlich allein. In der Pflegeversicherung gilt derzeit beispielsweise für Eltern mit einem Kind ein Beitragssatz von 3,6 Prozent. Für Kinderlose beträgt er regelmäßig 4,2 Prozent; gesetzliche Ausnahmen und Abschläge für mehrere jüngere Kinder sind zu beachten, wie die Übersicht des Bundesgesundheitsministeriums zeigt. Die Beitragsbemessungsgrenze begrenzt die insgesamt berücksichtigten Einnahmen 2026 auf 5.812,50 Euro monatlich. Wer diese Grenze bereits mit anderen vorrangig zu berücksichtigenden Einnahmen erreicht, zahlt aus der Kapitalleistung gegebenenfalls keine zusätzlichen Beiträge. Außerdem können sich Freibeträge und Beitragssätze während der zehn Jahre ändern. Eine Rechnung mit den Werten von 2026 ist deshalb keine verbindliche Gesamtrechnung für den gesamten Zeitraum. Freiwillig Versicherte bekommen den Freibetrag nicht Wer freiwillig gesetzlich versichert ist, profitiert weder vom Betriebsrentenfreibetrag noch von der entsprechenden Freigrenze. Die Kapitalleistung wird grundsätzlich ebenfalls auf 120 Monate verteilt, aber ohne diese Entlastung berücksichtigt. Bei freiwillig Versicherten können zudem weitere Einnahmen die Beitragsberechnung beeinflussen. Weshalb der Versicherungsstatus im Ruhestand so viel ausmachen kann, erläutert unser Beitrag zur Krankenversicherung der Rentner und den Unterschieden zur freiwilligen Versicherung. Bei privat Krankenversicherten löst die Auszahlung dagegen keine einkommensabhängigen Beiträge nach dieser GKV-Regel aus. Ihre privaten Versicherungsbeiträge folgen anderen Berechnungsregeln. Privat weitergezahlte Vertragsanteile genau prüfen Bei Pflichtversicherten können Teile einer früheren betrieblichen Versicherung von der Beitragspflicht ausgenommen sein. Das betrifft insbesondere Leistungen aus Beiträgen, die nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses ohne Arbeitgeberfinanzierung gezahlt wurden, während der Versicherte selbst alleiniger Versicherungsnehmer war. Nur die Beiträge aus eigener Tasche zu bezahlen, genügt dafür nicht automatisch. Der Versicherer sollte nachvollziehbar aufschlüsseln, welcher Teil der Auszahlung auf die betriebliche und welcher auf die entsprechend privat fortgeführte Phase entfällt. Eine weitere gesetzliche Ausnahme betrifft Leistungen aus riestergefördertem Altersvorsorgevermögen. Gerade bei älteren oder zwischenzeitlich geänderten Verträgen lohnt sich daher eine Prüfung der tatsächlichen Vertragsgestaltung. Vor der Auszahlung zählt die Rechnung nach allen Abzügen Wer zwischen monatlicher Rente und Kapitalauszahlung wählen kann, sollte sich vor der Entscheidung eine Beitragsberechnung seiner Krankenkasse geben lassen. Eine laufende Betriebsrente kann ebenfalls beitragspflichtig sein und unterliegt nicht der auf die Kapitalleistung bezogenen Begrenzung auf 120 Monate. Auch mögliche Steuern gehören in den Vergleich, denn die Beitragsrechnung sagt noch nicht, wie viel von der Auszahlung tatsächlich verfügbar bleibt. Mehr dazu lesen Sie in unseren Beiträgen zum Auszahlungszeitpunkt der Betriebsrente und zur unterschiedlichen Besteuerung von Betriebsrenten. Liegt der Beitragsbescheid vor, sollten insbesondere der angesetzte Kapitalbetrag und mögliche private Vertragsanteile stimmen. Gegen einen fehlerhaften Bescheid ist grundsätzlich innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Widerspruch möglich; die Frist regelt § 84 SGG. Praxisbeispiel: Von 72.000 Euro bleiben monatliche Verpflichtungen Die fiktive Rentnerin Martina erhält 72.000 Euro aus ihrer betrieblichen Direktversicherung und möchte damit ihr Haus renovieren. Sie ist gesetzlich pflichtversichert, hat ein erwachsenes Kind und keine weiteren Versorgungsbezüge; ihre gesamten beitragspflichtigen Einnahmen bleiben unter der Beitragsbemessungsgrenze. Die Kasse setzt monatlich 600 Euro an, davon nach dem Freibetrag 402,25 Euro für die Krankenversicherung. Bei einem angenommenen Zusatzbeitrag von 3,0 Prozent ergeben sich zusammen mit dem allgemeinen Beitragssatz rund 70,80 Euro Krankenversicherungsbeitrag und bei 3,6 Prozent weitere 21,60 Euro Pflegeversicherungsbeitrag. Martina muss damit zunächst rund 92,40 Euro monatlich zusätzlich einplanen. Blieben alle Rechengrößen 120 Monate unverändert, wären das rund 11.088 Euro; mögliche Steuern sind darin nicht enthalten. Für die Renovierung kann sie deshalb nicht bedenkenlos die gesamte Auszahlung verplanen. Eine Reserve verhindert, dass die späteren Beiträge allein ihr laufendes Rentenbudget belasten. Sieben Fragen und Antworten zur Betriebsrente als Einmalzahlung Warum verlangt die Krankenkasse nach einer Einmalzahlung weiter Beiträge? Eine beitragspflichtige Kapitalleistung wird nach § 229 SGB V rechnerisch auf bis zu 120 Monate verteilt. Monatlich gilt ein Hundertzwanzigstel als Versorgungsbezug, obwohl das Geld bereits vollständig ausgezahlt wurde. Werden nur die Zinsen oder die gesamte Auszahlung berücksichtigt? Grundsätzlich zählt die gesamte als beitragspflichtige Betriebsrente einzuordnende Kapitalleistung. Nachgewiesene, gesetzlich ausgenommene Vertragsanteile dürfen dabei nicht einfach mitgerechnet werden. Bleiben Auszahlungen bis 23.730 Euro beitragsfrei? Nach den Werten für 2026 kann das für Pflichtversicherte zutreffen, wenn die Auszahlung allein zu berücksichtigen ist. Weitere Versorgungsbezüge oder entsprechendes selbstständiges Arbeitseinkommen können die Grenzprüfung verändern. Gilt der Freibetrag auch für die Pflegeversicherung? Nein, dort gilt für Pflichtversicherte eine Freigrenze. Wird sie überschritten, fallen grundsätzlich Beiträge auf den gesamten entsprechenden Betrag an. Bekomme ich bei mehreren Betriebsrenten mehrere Freibeträge? Nein, der Krankenversicherungsfreibetrag steht insgesamt nur einmal zur Verfügung. Die Krankenkasse muss laufende Betriebsrenten und rechnerische Monatsbeträge aus Kapitalleistungen gemeinsam berücksichtigen. Entfallen die Beiträge, sobald das ausgezahlte Geld verbraucht ist? Grundsätzlich nein, der Verbrauch des Kapitals beendet die gesetzliche Verteilung auf 120 Monate nicht. Deshalb sollten spätere Beiträge schon bei der Verwendung der Auszahlung eingeplant werden. Erhalten freiwillig gesetzlich Versicherte dieselbe Entlastung? Nein, für sie gelten weder der Betriebsrentenfreibetrag noch die entsprechende Freigrenze. Die konkrete Belastung richtet sich nach ihren beitragspflichtigen Einnahmen und der Beitragsbemessungsgrenze.

Aktuelle Urteile zum Bürgergeld, Grundsicherung, Sozialhilfe und Rente

Grundsicherung: Familie forderte 100.000 Euro vom Jobcenter für Renovierung - Gericht hat dazu eine direkte Meinung

Beitragsbild von: Grundsicherung: Familie forderte 100.000 Euro vom Jobcenter für Renovierung - Gericht hat dazu eine direkte Meinung

30. Oktober 2026

Eine Familie verlangte vom Jobcenter rund 100.000 Euro für Reparaturen, Renovierungsarbeiten und neue Einrichtungsgegenstände. Das Landessozialgericht Baden-Württemberg lehnte die Forderung ab. Für viele Mängel war nach dem Mietvertrag der Vermieter zuständig. Wer Grundsicherungsgeld bezieht, kann notwendige Kosten rund um die Wohnung nicht automatisch auf das Jobcenter übertragen. Das gilt auch dann, wenn Türen, Fenster, Heizung oder Einbauküche alt und stark abgenutzt sind. Das Landessozialgericht Baden-Württemberg bestätigte die ablehnende Entscheidung des Sozialgerichts Heilbronn. Der Wunsch, eine Wohnung zu renovieren oder alte Möbel zu ersetzen, begründet allein noch keinen Anspruch gegen das Jobcenter. Wichtig ist: Die Entscheidung bedeutet nicht, dass das Jobcenter Renovierungskosten immer ablehnen darf. Entscheidend sind der Mietvertrag, die Ursache des Bedarfs und die Bewohnbarkeit der Wohnung. Seit dem 1. Juli 2026 heißt die zuvor als Bürgergeld bezeichnete Geldleistung offiziell „Grundsicherungsgeld“. Die Regeln über Unterkunftskosten und Wohnungserstausstattung stehen weiterhin in den §§ 22 und 24 SGB II. Familie verlangte rund 100.000 Euro vom Jobcenter Nach Darstellung der Familie waren Möbel, Einbauküche und weitere Teile der Wohnung teilweise mehr als 40 Jahre alt. Durch den langjährigen Gebrauch seien zahlreiche Gegenstände nicht mehr ordnungsgemäß nutzbar. Die Familie sah darin unzumutbare und menschenunwürdige Wohnverhältnisse. Sie verlangte deshalb Leistungen für umfangreiche Reparaturen, Renovierungsarbeiten und den Ersatz verschiedener Einrichtungsgegenstände. Das Sozialgericht Heilbronn und anschließend das LSG Baden-Württemberg folgten dieser Argumentation nicht. Die Gerichte unterschieden zwischen Reparaturen an der Mietwohnung, einer echten Erstausstattung und einer gewöhnlichen Ersatzbeschaffung. Verlangter Bedarf Was das Jobcenter prüft Reparatur oder Renovierung einer Mietwohnung Ist der Mieter rechtlich zur Zahlung verpflichtet oder wäre die Wohnung ohne die Arbeiten unbewohnbar? Notwendige Möbel und Haushaltsgeräte Fehlt erstmals eine grundlegende Ausstattung nach § 24 Abs. 3 SGB II? Ersatz alter oder verschlissener Gegenstände Liegt normaler Verschleiß oder ein außergewöhnliches Ereignis vor? Warum der Vermieter für viele Reparaturen zuständig war Nach der vom Gericht zugrunde gelegten Vertragslage war die Familie lediglich zu sogenannten Schönheitsreparaturen verpflichtet. Dazu gehörten Tapezieren, Anstreichen und das Versiegeln von Parkettböden nach einem Fristenplan. Die Instandhaltung der Wohnung in einem vertragsgemäßen Zustand oblag dagegen dem Vermieter. Dies entspricht dem gesetzlichen Grundsatz aus § 535 Abs. 1 Satz 2 BGB. Der Vermieter muss die Wohnung während der Mietzeit in einem Zustand erhalten, der den vereinbarten Gebrauch ermöglicht. Das Jobcenter muss nicht an seiner Stelle die erforderlichen Reparaturen finanzieren. Die Forderungen der Familie betrafen unter anderem Türen, Türrahmen, Jalousien, Steckdosen, Lichtschalter und Thermostate. Hinzu kamen Bodenfliesen, Armaturen, eine Duschkabine, eine Toilette, Waschbecken und Teile der Heizung. Auch die Reparatur der Balkontür, die Abdichtung oder der Austausch von Fenstern sowie die Überprüfung von Kabelanschlüssen waren beantragt worden. Diese Arbeiten gingen weit über gewöhnliche Schönheitsreparaturen hinaus. Reparaturen selbst beauftragen: Wann der Vermieter zahlen muss Wer einen Handwerker eigenständig beauftragt, kann die Kosten nicht automatisch vom Vermieter zurückverlangen. Eine Erstattung kommt infrage, wenn der Vermieter mit der Mängelbeseitigung in Verzug ist oder eine sofortige Reparatur zur Erhaltung beziehungsweise Wiederherstellung der Mietsache notwendig ist. Betroffene sollten den Schaden deshalb nachweisbar melden und grundsätzlich eine angemessene Reparaturfrist setzen. Bei dringenden Schäden sollten sie zusätzlich dokumentieren, weshalb ein Abwarten nicht möglich war. Wann das Jobcenter Renovierungskosten übernehmen kann Notwendige Renovierungs- oder Reparaturkosten einer Mietwohnung können als Kosten der Unterkunft nach § 22 Abs. 1 SGB II anerkannt werden. Dafür reicht es aber nicht, dass eine Wohnung schöner oder moderner werden soll. Eine Übernahme kann infrage kommen, wenn die Arbeiten objektiv notwendig sind, um die Wohnung bewohnbar zu halten. Das gilt auch, wenn der Mieter aufgrund einer wirksamen Vereinbarung tatsächlich zur Ausführung oder Bezahlung verpflichtet ist. Der Vermieter muss eine solche Verpflichtung zumindest nachvollziehbar geltend machen. Offensichtlich unbegründete Forderungen des Vermieters muss das Jobcenter nicht bezahlen. Eine weitere Möglichkeit besteht, wenn die Wohnung ohne die Arbeiten unbewohnbar wäre oder in Kürze unbewohnbar werden würde. Dann muss geprüft werden, ob die Bewohnbarkeit noch rechtzeitig durch den Vermieter oder auf einem anderen Weg gesichert werden kann. Bezahlt werden können nur notwendige Erhaltungsmaßnahmen. Die Verbesserung des bisherigen Wohnstandards gehört nicht dazu. Für Wohneigentümer gelten eigene Regeln Für selbst bewohntes Wohneigentum enthält § 22 Abs. 2 SGB II eine eigene Vorschrift. Danach können unabweisbare Aufwendungen für Instandhaltung und Reparatur innerhalb bestimmter Grenzen als Unterkunftsbedarf anerkannt werden. Diese Regelung lässt sich nicht ohne Weiteres auf Mietwohnungen übertragen. Dort ist zunächst zu prüfen, ob der Vermieter aufgrund des Mietvertrags und des Bürgerlichen Gesetzbuchs für die Arbeiten aufkommen muss. Warum die Renovierung keine Erstausstattung war Eine Erstausstattung nach § 24 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 SGB II umfasst notwendige wohnraumbezogene Gegenstände. Sie soll eine einfache Haushaltsführung sowie Essen, Schlafen und Aufenthalt in der Wohnung ermöglichen. Die Vorschrift finanziert dagegen nicht die bauliche Herrichtung einer Mietwohnung. Reparaturen an Fenstern, Türen, Sanitäranlagen oder der Heizung werden nicht dadurch zur Erstausstattung, dass die betreffenden Teile alt oder defekt sind. Auch das Alter einer Wohnung ist kein ausreichender Grund. Es muss geprüft werden, ob überhaupt ein erstmaliger Ausstattungsbedarf oder eine vergleichbare besondere Situation entstanden ist. Kein Zuschuss für Fernseher, Deko und Wäschetrockner Im konkreten Fall lehnte das Gericht auch Leistungen für einen Fernseher, Deko-Accessoires und einen Schminktisch mit Sitzgelegenheit ab. Bilder, Teppiche und ein Wäschetrockner wurden ebenfalls nicht als notwendige Erstausstattung anerkannt. Diese Gegenstände dienen nach der Rechtsprechung nicht unmittelbar den grundlegenden Bedürfnissen Essen, Schlafen und Aufenthalt. Ein Fernseher kann zwar aus dem Regelbedarf oder gegebenenfalls über ein Darlehen finanziert werden, gehört aber nicht zur zuschussfähigen Wohnungserstausstattung. Auch die beantragte Mikrowelle sowie die Instandsetzung oder der Ersatz der vorhandenen Einbauküche mit Herd wurden abgelehnt. Dabei kommt es jedoch auf die Umstände des Einzelfalls an. Das Gericht entschied nicht, dass eine notwendige Kochmöglichkeit niemals übernommen werden kann. Zieht ein Leistungsberechtigter in eine Wohnung ohne jede Kochmöglichkeit, kann eine erforderliche Grundausstattung anders beurteilt werden. Im verhandelten Fall war eine Ausstattung bereits vorhanden. Verlangt wurde deren Reparatur oder Ersatz nach jahrzehntelanger Nutzung. Warum 40 Jahre alte Möbel keinen neuen Zuschuss auslösen Auch sehr alte oder verschlissene Möbel begründen nicht automatisch einen Anspruch auf eine neue Erstausstattung. Waren die erforderlichen Gegenstände zunächst vorhanden, handelt es sich bei ihrem späteren Austausch normalerweise um eine Ersatzbeschaffung. Der Regelbedarf enthält einen Anteil für Möbel, Haushaltsgeräte und deren Instandhaltung. Nach der gesetzlichen Berechnung sollen Leistungsberechtigte daraus Rücklagen für spätere Ersatzkäufe bilden. In der Praxis reicht dieser Betrag häufig nicht aus, um beispielsweise kurzfristig einen Kühlschrank, ein Bett oder eine Waschmaschine zu ersetzen. Daraus entsteht aber nicht automatisch ein Anspruch auf einen Zuschuss. Kann ein unaufschiebbarer Bedarf nicht aus eigenen Mitteln bezahlt werden, kommt ein Darlehen nach § 24 Abs. 1 SGB II infrage. Das Darlehen muss später durch monatliche Aufrechnung mit den laufenden Leistungen zurückgezahlt werden. Wann eine erneute Erstausstattung möglich ist Eine erneute Erstausstattung kann trotz früher vorhandener Möbel bewilligt werden. Dafür muss der neue Bedarf durch ein zeitlich abgrenzbares außergewöhnliches Ereignis entstanden sein. Als Beispiele kommen ein Wohnungsbrand oder ein schwerer Wasserschaden infrage. In solchen Situationen gehen Möbel und Haushaltsgegenstände plötzlich unter, ohne dass Betroffene dafür ansparen konnten. Ein ungewöhnlicher Bedarf kann auch krankheitsbedingt entstehen. Das Bundessozialgericht befasste sich beispielsweise mit einem Fall, in dem Möbel aufgrund einer paranoiden Schizophrenie entsorgt worden waren (BSG, Urteil vom 16. Februar 2022, B 8 SO 14/20 R). Eine gewöhnliche Alterung über Jahrzehnte ist dagegen kein plötzliches Ereignis. Der beschleunigte Verschleiß durch einen besonders intensiven Gebrauch reicht ebenfalls nicht ohne Weiteres aus. Allein der Wunsch nach einer Renovierung genügt nicht Für das LSG war nicht erkennbar, dass die Familie die verlangten Reparaturkosten selbst tragen musste. Der Mietvertrag wies die Instandhaltung vielmehr dem Vermieter zu. Auch eine drohende Unbewohnbarkeit war nach den Feststellungen des Gerichts nicht ausreichend belegt. Damit fehlte ein eigener Unterkunftsbedarf, den das Jobcenter hätte übernehmen müssen. Die Familie konnte die umfangreichen Arbeiten nicht als Wohnungserstausstattung einordnen. Ebenso wenig führte die lange Nutzungsdauer der Möbel zu einem neuen Zuschussanspruch. Praxisbeispiel: Defektes Waschbecken in der Mietwohnung Ein Bezieher von Grundsicherungsgeld stellt fest, dass sein altes Waschbecken einen Riss hat und Wasser austritt. Er beantragt sofort beim Jobcenter Geld für ein neues Waschbecken und den Einbau. Nach dem Mietvertrag ist der Vermieter für die Instandhaltung des Badezimmers zuständig. Das Jobcenter darf den Antrag daher zunächst ablehnen und den Mieter auf seinen Anspruch gegen den Vermieter verweisen. Der Mieter sollte den Schaden fotografieren und den Vermieter schriftlich zur Reparatur auffordern. Reagiert dieser nicht und wird das Badezimmer unbenutzbar, sollte der Mieter die Schreiben, Fotos und Kostenvoranschläge beim Jobcenter einreichen. Was Betroffene vor einem Antrag tun sollten Notwendige Arbeiten oder Anschaffungen sollten vor einer Bestellung schriftlich beantragt werden. Eine bereits erteilte Bestellung oder ein abgeschlossener Handwerkervertrag kann die Durchsetzung erschweren. Zum Antrag gehören der vollständige Mietvertrag, Fotos der Schäden und eine genaue Beschreibung der Wohnsituation. Schreiben des Vermieters, Reparaturaufforderungen und Kostenvoranschläge sollten ebenfalls eingereicht werden. Betroffene müssen erklären, warum eine Maßnahme nicht aufgeschoben werden kann. Bei einer Erstausstattung sollte jeder fehlende Gegenstand einzeln benannt und begründet werden. Lehnt das Jobcenter den Antrag ab, kann gegen den Bescheid normalerweise innerhalb eines Monats Widerspruch eingelegt werden. Muss das Jobcenter Renovierungskosten immer ablehnen? Nein. Eine Übernahme kann möglich sein, wenn der Mieter wirksam zur Durchführung verpflichtet ist oder die Wohnung ohne die Arbeiten nicht bewohnbar wäre. Muss der Vermieter defekte Fenster und Heizungen reparieren? Grundsätzlich muss der Vermieter die Wohnung in einem vertragsgemäßen Zustand erhalten. Bei selbst verursachten Schäden oder besonderen Vertragsvereinbarungen kann die Beurteilung anders ausfallen. Reicht das hohe Alter von Möbeln für eine neue Erstausstattung? Nein. Alter und gewöhnlicher Verschleiß führen grundsätzlich nur zu einem Ersatzbedarf, der aus dem Regelbedarf zu finanzieren ist. Welche Entscheidung liegt dem Fall zugrunde? Grundlage ist der Beschluss des LSG Baden-Württemberg vom 19. Januar 2026, Az. L 12 AS 2751/25. Die Vorinstanz war das Sozialgericht Heilbronn, Az. S 2 AS 244/25.