Das soll die “Schwedenrente” deutschen Rentnern bringen

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Die Rentenkommission der Bundesregierung hat am ihre Empfehlungen vorgelegt, und eine davon trifft alle Beschäftigten direkt im Portemonnaie: ein verpflichtender Pflichtbeitrag für eine kapitalgedeckte Zusatzrente nach schwedischem Vorbild, aufwachsend bis auf 2 Prozent des Bruttolohns, je zur Hälfte von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu tragen.

Wer heute unter 50 ist, zahlt ab 2028 mehr – und bekommt ab frühestens 2040 etwas zurück. Wer kurz vor der Rente steht, zahlt den Aufbau, ohne die Früchte zu ernten.

Was die Rentenkommission empfohlen hat – und was das nicht bedeutet

Die schwarz-rote Bundesregierung hatte eine Alterssicherungskommission eingesetzt. Die Kommission hat sich nun auf rund 30 Empfehlungen geeinigt. Das konzeptionell Neue: Ein Teil der Rentenbeiträge würde nicht mehr sofort als Rente ausgezahlt, sondern am Kapitalmarkt geparkt – in einem staatlich verwalteten Fonds oder, wer aktiv wählt, in zugelassenen Privatfonds.

Entscheidend für die Einordnung: Diese Empfehlungen sind kein Gesetz. Der Bundestag müsste sie erst in ein Gesetzgebungsverfahren überführen. Wann das geschieht, ob die Koalition das Paket übernimmt und welche Teile dabei auf der Strecke bleiben, steht bis jetzt nicht fest. Was aber bereits feststeht, ist der Betrag, den dieses Modell jeden Monat kosten würde.

Wie die Kapitalrente funktionieren würde und was sie kostet

Der Vorschlag sieht laut übereinstimmenden Berichten von ZDF, Wirtschaftswoche und taz vor, dass Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam zunächst 0,5 Prozent des Bruttolohns in einen Kapitalstock einzahlen würden. Dieser Anteil würde schrittweise auf 2 Prozent steigen, je 1 Prozent für Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Bei einem Bruttolohn von 2.200 Euro wären das im Endzustand 22 Euro pro Monat, davon 11 Euro aus Ihrem Lohn. Das klingt nach wenig. Es kommt aber obendrauf: nicht anstelle des bisherigen Rentenbeitrags von 18,6 Prozent, sondern zusätzlich.

Das Geld würde automatisch in einen staatlich verwalteten Standardfonds fließen, wenn Sie keine andere Wahl treffen. Wer aktiv entscheidet, könnte aus zugelassenen Privatfonds wählen, nach dem Modell der schwedischen Prämienrente (Premiepension), wo Versicherte heute aus rund 400 zugelassenen Fonds wählen können.

In Schweden landen laut der Deutschen Rentenversicherung trotzdem rund 63 Prozent der Versicherten im Standardfonds, weil sie keine aktive Wahl treffen. Ob das klug oder fahrlässig ist, hängt davon ab, wen man fragt – und was als Nächstes an der Börse passiert.

Wer profitiert und wer die Zeche zahlt

Die Rentenkommission nennt als Zielgruppe der Kapitalrente ausdrücklich Menschen, die ab 2040 in Rente gehen. Das bedeutet: Wer heute 50 oder 55 ist und 2030 oder 2033 in Rente geht, zahlt während der Aufbauphase Beiträge in das System, bekommt aber keine Kapitalrente zurück.

Der Kapitalstock wäre dann schlicht noch zu klein, um eine nennenswerte Rente zu finanzieren. Die Logik einer kapitalgedeckten Säule erfordert Jahrzehnte der Ansparphase.

Obendrauf kommt: Das Rentenniveau wird zunächst sinken, bevor die Kapitalrente greift. Der Nachhaltigkeitsfaktor, ein Berechnungselement, das die Renten bei sinkendem Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern automatisch bremst, war jahrelang ausgesetzt und soll 2032 wieder und sogar verstärkt wirken.

Wer 2033 in Rente geht, trifft dann auf einen bremsenden Nachhaltigkeitsfaktor und eine Kapitalrente, die noch kaum Kapital angesammelt hat. Genau diese Generation zahlt den Übergang, profitiert aber kaum davon, und das sollte jeder wissen, der die Rentenkommissions-Empfehlungen als gute Nachricht liest.

Was das Schweden-Modell wirklich bringt und was viele übersehen

Die meisten verbinden mit der „Schweden-Rente” das Bild üppiger Altersbezüge durch geschickte Aktienanlagen. Die Realität ist nüchterner. Die Deutsche Rentenversicherung weist in ihrer Analyse des schwedischen Systems darauf hin, dass die kapitalgedeckte Prämienrente nach verfügbaren Daten nur einen kleinen Teil der Gesamtrente ausmachte.

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Der eigentliche Wohlstand schwedischer Rentner stammt aus der Betriebsrente: Laut Branchenangaben haben neun von zehn Schweden eine, Arbeitgeber zahlen mindestens 4,5 Prozent des Gehalts ein. Dieser Pfeiler existiert in Deutschland nicht flächendeckend.

Nur etwa jede zweite sozialversicherungspflichtig beschäftigte Person in Deutschland hat laut Bundesarbeitsministerium überhaupt einen Betriebsrentenanspruch, besonders selten Geringverdiener in kleinen Betrieben.

Wer die Kapitalrente einführt, ohne die Betriebsrente zu stärken, importiert einen Baustein aus einem System, aber nicht das System.

Und für Geringverdiener gilt zusätzlich: Ein gleicher Prozentsatz bedeutet keine gleiche Leistung. Wer 2.200 Euro verdient, zahlt 22 Euro pro Monat und bekommt nach 20 Jahren deutlich weniger Kapitalrente als jemand mit 4.000 Euro, weil das Kapital proportional zum Lohn wächst, nicht zum Bedarf.

Was das für die Gruppe bedeutet, die am meisten auf die gesetzliche Rente angewiesen ist, erklärt die FAQ unten.

Was Sie jetzt konkret tun können

Konkret handeln können Sie noch nicht, es gibt kein Gesetz. Was Sie jetzt unternehmen können: Ihre Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung anfordern. Das ist kostenlos und auf Antrag jederzeit möglich.

Die Renteninformation zeigt, wie viele Entgeltpunkte (Einheiten, mit denen die Rentenversicherung Beitragszeiten bewertet) Sie angesammelt haben und welche Rente daraus heute entstünde.

Wer Lücken sieht, kann freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zahlen. Das ist von der Reformdiskussion unabhängig und schon heute möglich. Offen bleibt, ob die Koalition die Empfehlungen übernimmt, in welchem Zeitplan, und ob Ausnahmen für bestimmte Gruppen kommen. Bis zum ersten Gesetzestext gilt das bestehende Recht — Beitragssatz 18,6 Prozent, Rentenniveau-Haltelinie bei 48 Prozent bis 2031.

Häufige Fragen zur Pflicht-Kapitalrente

Muss ich als Bürgergeld-Bezieher in die Kapitalrente einzahlen?

Bürgergeld-Beziehende zahlen heute bereits Pflichtbeiträge in die Rentenversicherung, das übernimmt das Jobcenter. Ob die neue Kapitalrente für diese Gruppe gelten würde, ist offen. Eine Pflicht ohne Beschäftigung wäre systemwidrig; ob der Staat Beiträge übernehmen oder diese Gruppe ausklammern würde, entscheidet erst der Gesetzgeber.

Kann ich aus dem Kapitalfonds austreten oder die Anlage selbst wählen?

Nach dem schwedischen Vorbild wäre die Einzahlung verpflichtend, ein Opt-out nicht vorgesehen. Die Fondsauswahl wäre hingegen freiwillig: Wer aktiv entscheidet, könnte unter zugelassenen Privatfonds wählen; wer keine Wahl trifft, landet im staatlichen Standardfonds. Ob Deutschland dieses Modell genau so übernimmt, entscheidet der Gesetzgeber.

Bekomme ich die Kapitalrente auch, wenn ich Grundsicherung im Alter beziehe?

Wer Grundsicherung im Alter (Sozialhilfe für Rentner mit zu niedriger Rente) bezieht, muss andere Renteneinkünfte grundsätzlich anrechnen lassen. Eine Kapitalrente würde das Einkommen erhöhen, bis zu dem Betrag, der über die Grundsicherung hinausgeht.

Liegt die Kapitalrente darunter, neutralisiert die Anrechnung den Effekt. Das betrifft genau die Gruppe, die am stärksten auf Stabilität angewiesen ist und am wenigsten von einer proportionalen Kapitalrente profitiert.

Quellen

Deutsche Rentenversicherung Bund: Schweden – Prämienrentensystem (rentenupdate.drv-bund.de)
Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Rentenreform 2025 und Rentenkommission
Wirtschaftswoche/dpa: Vorschlag der Rentenkommission, 21.06.2026
ZDFheute: Rentenkommission einig: Rentenalter soll steigen, Rente mit 63 weg, 20.06.2026
Bundesregierung: Rentenpaket 2025, in Kraft seit 01.01.2026