Kinderzuschlag oder Hartz IV?

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Kinder sind teuer. Sie brauchen Essen, Kleidung, Spielzeug, Schulsachen und wollen Freizeitaktivitäten nachgehen. Gerade Menschen mit einem geringen Monatseinkommen stellt dies vor finanzielle Probleme. Um zu verhindern, dass Familien mit einem niedrigen Einkommen aufgrund von Kindern direkt in den Hartz IV-Bezug rutschen, gibt es den Kinderzuschlag.

Anspruch auf Kinderzuschlag

Den Kinderzuschlag gibt es als Ergänzung zum Kindergeld. Einen Anspruch auf Kinderzuschlag nach dem § 6a BKGG haben Sie, wenn Sie als Elternteil oder Alleinerziehender zwar Ihren Bedarf decken können, jedoch nicht den Bedarf Ihres Kindes. Seit dem 01.06.2019 liegt der Kinderzuschlag bei höchstens 185,00 € (§ 20 Absatz 2 BKGG).

Sie haben Anspruch auf Kinderzuschlag in diesen Fällen:

  • Ihr Kind ist unverheiratet und jünger als 25 Jahre und lebt mit Ihnen zusammen
  • Sie erhalten für Ihr Kind Kindergeld
  • Als Elternpaar haben Sie ein monatliches Einkommen von 900,00 € oder als Alleinerziehende ein Einkommen von 600,00 € haben
  • Sie verdienen nicht mehr als Ihre individuelle Höchsteinkommensgrenze
  • Ihr Bedarf ist durch den Kinderzuschlag und Wohngeld gedeckt und Sie haben somit keinen Anspruch auf Hartz IV oder Sozialgeld. 

Sinn und Zweck des Kinderzuschlages ist es nämlich, dass Sie als Familien keinen Hartz IV-Antrag stellen müssen. 

Berechnung der Mindest- und Höchsteinkommensgrenze

Die Mindesteinkommensgrenze beläuft sich bei Elternpaaren auf monatlich 900,00 € und bei Alleinerziehenden auf 600,00 € pro Monat. Das Einkommen bestimmt sich nach dem Bruttoeinkommen aus Erwerbstätigkeit, Arbeitslosengeld I oder Krankengeld. Kindergeld und Wohngeld werden nicht berücksichtigt. 

Bei der Höchsteinkommensgrenze handelt es sich nicht um einen festen Wert. Dieser wird individuell ermittelt. Hierzu werden Hartz IV-Regelsätze und Wohnkosten berechnet, die Ihnen zustehen, wenn Sie sich im Hartz IV-Bezug befinden würden. 

Der Wohnkostenbedarf richtet sich je nach Familienkonstellationen nach festen Prozentsätzen. Grundlage für die prozentuale Berechnung des Wohnkostenbedarfs ist der 12. Bericht zum Existenzminimum der Bundesregierung (12. Existenzminimumbericht) vom 19.10.2018.

Alleinstehende Elternteile mit  Wohnanteil des Elternteils in % Elternpaare mit Wohnanteil der Eltern in %
1 Kind 77,10 1 Kind 83,60
2 Kindern 62,73 2 Kindern 71,83
3 Kindern 52,88 3 Kindern 62,96
4 Kindern 45,70 4 Kindern 56,04
5 Kindern 40,24 5 Kindern 50,49

Rechenbeispiel: 

Grundlage für die Berechnung: 

  • 1 Elternpaar
  • 2 Kinder
  • Mietkosten 900,00 €

Eltern: 764,00 € Regelleistungen ( 2 x 382,00 €)

Wohnkosten: 71,83 Prozent von 900,00 € = 646,47 €

Gesamtbedarf: 1.410,47 €

Nun berechnet man den Kinderzuschlag. Dies wären bei 2 Kindern 370,00 € ( 2x 185,00 €). Die Höchsteinkommensgrenze beträgt damit 1.780,47 €. Die Eltern hätten demnach nur einen Anspruch auf Kinderzuschlag, wenn ihr Einkommen den Betrag von 1.780,47 € nicht übersteigt.  Die Höchsteinkommensgrenze entfällt ab dem 01.01.2020. Sollten Sie einen Ablehnungsbescheid aufgrund der Höchsteinkommensgrenze erhalten haben, kann es sich für Sie lohnen, einen neuen Antrag zu stellen. 

Wie viel Kinderzuschlag gibt es pro Kind?

Seit dem 01.06.2019 können Sie höchstens 185,00 € pro Kind und Monat erhalten. Die Familienkasse kann Ihnen aber auch weniger zahlen. Dies ist der Fall, wenn Ihr Einkommen nach allen pauschalen Abzügen über dem sogenannten Gesamtbedarf (900,00 € bei Elternpaaren und 600,00 € bei Alleinerziehenden) liegt. Der Kinderzuschlag wird dann stufenweise reduziert.  

Was wird als Einkommen und Vermögen berücksichtigt?

Als Einkommen werden Einnahmen aus selbstständiger und nichtselbstständiger Tätigkeit berücksichtigt. Aber auch Arbeitslosengeld I, Krankengeld, Betreuungsgeld, Rente aus der Sozialversicherung und auch Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung. 

Zum Vermögen gehören Bargeld, Sparguthaben, Wertpapieren, Haus- und Grundeigentum. Dies jedoch nur wenn das Vermögen zum Lebensunterhalt genutzt werden kann. Das bedeutet für Sie, dass Sie nicht direkt Ihr Haus verkaufen müssen nur weil Sie einen Antrag auf Kinderzuschlag stellen. Von dem zu berechnenden Vermögen werden noch Freibeträge abgezogen. 150 Euro je vollendetem Lebensjahr, mindestens aber 3.100 Euro und höchstens 9.750 Euro je Elternteil und volljährigem Kind im Haushalt. Zusätzlich gibt es einen Grundfreibetrag für jedes Kind im Haushalt von 3.100 Euro und ebenso wirkt sich auch eine staatliche geförderte Altersvorsorge mindernd aus. Zudem werden Freibeträge für Anschaffungen gewährt und zwar für jedes Elternteil und für jedes Kind.

Hat Ihr Kind eigenes Einkommen oder erhält Unterhalt und Waisenrente, dann wird dieser Betrag vom höchstmöglichen Kinderzuschlag abgezogen. Jedoch nur zu 45 %. Erhält Ihr Kind also Unterhaltszahlungen von 100,00 €, werden hiervon 45 % angerechnet. Das wären dann 45,00 €. Ihr Kinderzuschlag würde dann 140,00 € betragen (185,00 € – 45,00 €).

Wie wird der Kinderzuschlag beantragt? 

Den Kinderzuschlag müssen Sie schriftlich beantragen und zwar bei Ihrer zuständigen Familienkasse. Die entsprechenden Formulare erhalten Sie bei der Familienkasse vor Ort. Sie können diese jedoch auch auf der Website der Familienkasse herunterladen. Ihr Einkommen und Vermögen müssen Sie mit Nachweisen belegen. 

Der Kinderzuschlag wird Ihnen dann für sechs Monate bewilligt und wird Ihnen mit dem normalen Kindergeld ausgezahlt. Die Auszahlung des Zuschlages erfolgt an den Elternteil, der auch das Kindergeld erhält.

Wichtig ist jedoch, dass Sie alle Veränderungen wie z. B. neues Einkommen oder Umzug in eine andere Wohnung der Familienkasse mitteilen müssen. Der Kinderzuschlag wird dann neu berechnet. 

Wer sollte den Kinderzuschlag nicht in Anspruch nehmen?

Sobald Sie den Kinderzuschlag in Anspruch nehmen, fallen sämtliche Hilfen aus dem SGB II weg. Es besteht dann kein Anspruch mehr auf zusätzliche Hilfen:

  • Schwangerschaft und Geburt
  • Übernahme der Kosten für Klassenfahrten
  • die GEZ-Befreiung
  • Mehrbedarfe für Alleinerziehende und Schwangere
  • krankheitsbedingte Zusatzkosten
  • freiwillige kommunale Leistungen (Schulausstattung) 

Ein Antrag auf Kinderzuschlag muss daher gut überlegt sein.

Quellen: 

Bundeskindergeldgesetz (BKGG)

Bericht zum Existenzminimum der Bundesregierung