Angst vor Altersarmut: 80 Prozent der Deutschen sagen, die Rente reicht nicht aus

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Viele Menschen blicken mit Sorge auf ihre spätere Rente. Die gesetzliche Rente gilt zwar weiterhin als wichtigste Säule der Alterssicherung. Doch immer mehr Beschäftigte zweifeln daran, dass sie im Alter ihren Lebensstandard halten können.

Besonders alarmierend ist: Viele wissen, dass die Rente später knapp werden könnte, können aber trotzdem nicht ausreichend privat vorsorgen.

Mehrheit fürchtet Rentenlücke im Alter

Nach einer repräsentativen Umfrage des Instituts Civey im Auftrag des Sozialverbands Deutschland gehen mehr als 80 Prozent der Befragten davon aus, dass die gesetzliche Rente nicht ausreichen wird, um den heutigen Lebensstandard im Alter zu halten.

Die Sorge betrifft nicht nur Menschen kurz vor der Rente. Auch jüngere Beschäftigte beschäftigen sich immer früher mit der Frage, wie sie im Alter über die Runden kommen sollen.

Viele können nicht privat fürs Alter vorsorgen

Noch brisanter ist ein zweiter Befund: Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, finanziell nicht ausreichend privat fürs Alter vorsorgen zu können. Mieten, Heizkosten, Strom, Lebensmittel, Mobilität, Versicherungen, Kinderbetreuung und Pflegebelastungen fressen das Einkommen auf. Wer heute kaum über die Runden kommt, kann nicht gleichzeitig mehrere Hundert Euro monatlich fürs Alter zurücklegen.

Wer wenig verdient, kann keine private Altersvorsorge betreiben

Private Altersvorsorge wird häufig so dargestellt, als sei sie vor allem eine Frage der Disziplin.  Wer aber wenig verdient, hat oft gar keinen Spielraum für zusätzliche Vorsorge. Das Einkommen wird für laufende Ausgaben gebraucht: Miete, Energie, Lebensmittel, Fahrkosten, Kinder, Versicherungen, Medikamente oder Pflege von Angehörigen.

Besonders betroffen sind Beschäftigte in Niedriglohnbranchen, Teilzeitkräfte, Alleinerziehende, Menschen mit Minijobs, befristet Beschäftigte und Personen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien.

Sie haben häufig gleich zwei Probleme: Sie erwerben wegen niedriger Beiträge geringere gesetzliche Rentenansprüche und können gleichzeitig kaum privat vorsorgen.

Private Altersvorsorge setzt also Einkommen voraus. Wer die gesetzliche Rente schwächt und gleichzeitig auf private Vorsorge verweist, muss erklären, wovon Menschen mit kleinen Einkommen diese Vorsorge bezahlen sollen.

Private Altersvorsorge ist für viele keine Lösung

Private Vorsorge kann sinnvoll sein, wenn ausreichend Einkommen vorhanden ist. Wer aber  im Einzelhandel, in der Pflege, in der Gastronomie, in Kitas, in der Reinigung, im Tourismus, in der Landwirtschaft oder in anderen schlecht bezahlten Berufen arbeitet, hat häufig kaum Spielraum für zusätzliche Vorsorge.

Niedrige Löhne führen zu niedrigen Renten

Die spätere Rentenhöhe hängt unmittelbar vom Einkommen während des Arbeitslebens ab. Wer dauerhaft unterdurchschnittlich verdient, bekommt später auch eine unterdurchschnittliche Rente.

Das macht die Rentenfrage zu einer Lohnfrage. Altersarmut entsteht nicht erst beim Rentenantrag. Sie beginnt oft schon im Erwerbsleben: mit Niedriglohn, Teilzeit, Minijobs, befristeter Beschäftigung, Arbeitslosigkeit, gesundheitlichen Einschränkungen oder unterbrochenen Erwerbsbiografien.

Besonders gefährdet sind Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet haben, aber nie gut verdient haben. Trotz Arbeit reicht die Rente nicht zum Leben.

Frauen besonders von Altersarmut bedroht

Frauen sind deutlich häufiger von niedrigen Renten betroffen als Männer. Gründe dafür sind Teilzeit, Kindererziehung, Pflege von Angehörigen, Erwerbsunterbrechungen und Beschäftigung in schlechter bezahlten Berufen.

Die Folge ist eine deutliche Rentenlücke zwischen Männern und Frauen. Für viele Frauen bedeutet das im Alter finanzielle Abhängigkeit, Verzicht oder den Gang zum Sozialamt.

Alleinerziehende haben ein besonders hohes Risiko

Besonders schwierig ist die Lage für Alleinerziehende. Sie müssen Erwerbsarbeit, Kinderbetreuung, Haushalt und finanzielle Verantwortung allein stemmen. Häufig bleibt nur Teilzeitbeschäftigung, weil Betreuungslücken oder Schulzeiten eine Vollzeittätigkeit erschweren.

Wer jahrelang in Teilzeit arbeitet, sammelt weniger Rentenansprüche. Gleichzeitig ist private Vorsorge kaum möglich, weil das Einkommen für den Alltag gebraucht wird.

Beispiel Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein zeigt die Rentenprobleme besonders deutlich. Die durchschnittliche Rentenleistung lag dort im Jahr 2024 bei 18.509 Euro pro Jahr und Person. Das entspricht rund 1.542 Euro im Monat.

Bundesweit lag der Durchschnitt bei 19.211 Euro jährlich, also rund 1.601 Euro monatlich. Schleswig-Holstein liegt damit unter dem Bundesdurchschnitt.

Der Unterschied wirkt auf den ersten Blick nicht riesig. Doch für Menschen mit niedrigen Einkommen zählt jeder Euro. Schon 50 oder 60 Euro weniger im Monat können darüber entscheiden, ob eine Stromnachzahlung, eine neue Brille, höhere Gesundheitskosten oder eine Mieterhöhung noch bezahlt werden können.

Regionale Unterschiede verschärfen das Rentenproblem

Auch innerhalb Schleswig-Holsteins gibt es deutliche Unterschiede. Im Süden des Landes fallen die Renten höher aus, weil die Nähe zur wirtschaftsstarken Metropolregion Hamburg mehr gut bezahlte Beschäftigung und stabilere Erwerbsbiografien begünstigt.

In nördlichen und ländlicheren Regionen sind dagegen Tourismus, Landwirtschaft, Gastronomie, Dienstleistungen und saisonale Beschäftigung stärker vertreten. Diese Branchen sind gesellschaftlich wichtig, bringen aber häufig niedrigere Löhne – und später niedrigere Renten.

Bundesländer-Vergleich: Wo Renten höher und niedriger ausfallen

Bei durchschnittlichen gesetzlichen Altersrenten nach mindestens 35 Versicherungsjahren liegt Schleswig-Holstein etwa im Mittelfeld. Höhere Werte erreichen unter anderem das Saarland, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Hessen und Hamburg.

Schwächer schneiden in bestimmten Rentenvergleichen mehrere ostdeutsche Flächenländer und einige norddeutsche Länder ab. Allerdings kommt es immer darauf an, welche Rentenart und welche Personengruppe betrachtet wird.

Grundsicherung im Alter wird für immer mehr Menschen zur Realität

Wenn die Rente nicht reicht, bleibt vielen Menschen nur die Grundsicherung im Alter. Diese Leistung soll das Existenzminimum sichern. Sie ist aber kein Ersatz für eine auskömmliche Rente.

Der Bezug von Grundsicherung ist für viele ältere Menschen mit Scham verbunden. Viele empfinden es als demütigend, nach einem langen Arbeitsleben Hilfe beim Sozialamt beantragen zu müssen.

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Manche verzichten sogar auf Leistungen, obwohl sie Anspruch hätten. Verdeckte Altersarmut bedeutet: Menschen leben unterhalb des Existenzminimums, weil sie keine Unterstützung beantragen.

Warum Altersarmut mehr ist als zu wenig Geld

Altersarmut bedeutet auch eingeschränkte Teilhabe. Wer im Alter zu wenig Geld hat, spart an Lebensmitteln, Heizung, Medikamenten, Mobilität, Kleidung, sozialen Kontakten und Freizeit. Viele ältere Menschen ziehen sich zurück, weil sie sich gesellschaftliche Teilhabe nicht mehr leisten können.

Armut im Alter macht krank und einsam. Sie belastet die Gesundheit und nimmt Menschen Würde.

Gesetzliche Rente bleibt wichtigste Säule der Alterssicherung

Der Sozialverband Deutschland betont deshalb, dass die gesetzliche Rente gestärkt werden muss. Private Vorsorge kann die gesetzliche Rente nicht ersetzen.

Die gesetzliche Rentenversicherung erreicht Millionen Beschäftigte, ist solidarisch organisiert und sichert nicht nur Altersrenten, sondern auch Erwerbsminderungsrenten, Hinterbliebenenrenten und Rehabilitationsleistungen.

Wer die gesetzliche Rente nur noch als Basisabsicherung beschreibt, schwächt das Vertrauen in ein System, auf das die meisten Menschen angewiesen sind.

SoVD fordert Rentenversicherung für alle Erwerbstätigen

Eine zentrale Forderung des SoVD ist eine Erwerbstätigenversicherung. In diese sollen alle einzahlen – also nicht nur Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, sondern auch Beamtinnen, Beamte und Selbstständige.

Eine solche Reform würde die Einnahmebasis verbreitern und die gesetzliche Rentenversicherung auf mehr Schultern verteilen.

Zudem müsste das Rentenniveau stabilisiert und perspektivisch angehoben werden. Denn eine Rente knapp oberhalb des Existenzminimums reicht nicht aus, um Altersarmut wirksam zu verhindern.

Höhere Löhne sind die beste Rentenpolitik gegen Altersarmut

Wer Altersarmut verhindern will, muss bereits im Erwerbsleben ansetzen. Gute Löhne, Tarifbindung, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und weniger prekäre Arbeit sind entscheidend.

Denn jeder Euro mehr Lohn erhöht nicht nur das aktuelle Einkommen, sondern auch die späteren Rentenansprüche. Rentenpolitik ist deshalb immer auch Arbeitsmarktpolitik.

Besonders wichtig ist, Berufe in Pflege, Erziehung, Einzelhandel, Reinigung, Gastronomie und sozialen Dienstleistungen besser zu bezahlen. Wer gesellschaftlich notwendige Arbeit leistet, darf im Alter nicht arm sein.

Rentenkonto prüfen: Diese Zeiten können wichtig sein

Beschäftigte sollten regelmäßig ihre Renteninformation prüfen. Fehlende Zeiten können später zu niedrigeren Renten führen.

Wichtig sind insbesondere Ausbildungszeiten, Kindererziehungszeiten, Pflegezeiten, Zeiten der Arbeitslosigkeit, Krankheitszeiten und Minijobs. Wer Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt hat, sollte prüfen lassen, ob diese Zeiten korrekt im Rentenkonto erfasst wurden.

Eine Kontenklärung bei der Deutschen Rentenversicherung kann helfen, Lücken rechtzeitig zu schließen.

Wenn die Rente nicht reicht: Ansprüche prüfen lassen

Wer bereits im Rentenalter ist und mit der Rente nicht auskommt, sollte mögliche ergänzende Leistungen prüfen lassen. Dazu gehören Grundsicherung im Alter, Wohngeld, Grundrente und weitere Hilfen.

FAQ: Altersarmut und niedrige Renten

Warum reicht die Rente für viele Menschen nicht zum Leben?
Weil niedrige Löhne, Teilzeit, Minijobs, Erwerbsunterbrechungen, Arbeitslosigkeit und Pflegezeiten zu geringeren Rentenansprüchen führen. Wer im Erwerbsleben wenig verdient, bekommt später meist auch eine niedrige Rente.

Können alle Menschen privat fürs Alter vorsorgen?
Nein. Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, finanziell nicht ausreichend privat vorsorgen zu können. Viele Einkommen reichen gerade für die laufenden Lebenshaltungskosten.

Warum können Menschen mit niedrigen Einkommen kaum private Altersvorsorge betreiben?
Weil private Altersvorsorge zusätzliches Geld voraussetzt. Wer sein Einkommen für Miete, Energie, Lebensmittel, Fahrkosten, Kinder oder Pflege braucht, kann nicht dauerhaft Geld in Rentenverträge, ETFs oder andere Vorsorgeformen einzahlen.

Ist private Altersvorsorge trotzdem sinnvoll?
Sie kann sinnvoll sein, wenn genügend Geld vorhanden ist und das Produkt zur Lebenssituation passt. Sie kann die gesetzliche Rente aber nicht ersetzen, weil viele Menschen sie sich nicht leisten können.

Wer ist besonders von Altersarmut betroffen?
Besonders betroffen sind Frauen, Alleinerziehende, Menschen mit niedrigen Löhnen, Langzeitarbeitslose, Erwerbsgeminderte, Teilzeitbeschäftigte, Minijobberinnen und Minijobber sowie Menschen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien.

Was ist Grundsicherung im Alter?
Grundsicherung im Alter ist eine Sozialleistung für Menschen, deren Einkommen und Vermögen nicht ausreichen, um den notwendigen Lebensunterhalt zu decken. Sie soll das Existenzminimum sichern.

Fazit: Altersarmut ist ein politisches Versagen

Die Angst vor Altersarmut wächst, weil viele Menschen die Rentenlücke sehen, aber keine Möglichkeit haben, sie zu schließen. Wer heute kaum genug Geld für Miete, Energie, Lebensmittel und Familie hat, kann nicht zusätzlich ausreichend privat vorsorgen.

Niedrige Renten entstehen durch niedrige Löhne, unsichere Beschäftigung, Teilzeit, Sorgearbeit und Erwerbsunterbrechungen. Besonders Frauen, Alleinerziehende und Beschäftigte in schlecht bezahlten Berufen tragen ein hohes Risiko.

Wo Löhne niedrig sind, sind später auch die Renten niedrig. Wo Beschäftigte keine Rücklagen bilden können, bleibt private Altersvorsorge ein leeres Versprechen. Wer Altersarmut verhindern will, muss die gesetzliche Rente stärken, gute Löhne sichern, Sorgearbeit besser anerkennen und die Finanzierung der Rentenversicherung auf mehr Schultern verteilen.

Private Vorsorge kann ergänzen. Aber sie darf nicht zur Voraussetzung dafür werden, im Alter würdig leben zu können.