Deutschland hat derzeit 93 gesetzliche Krankenkassen. Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) möchte dies stark reduzieren. Zahlen kursieren von höchstens 20 Kassen, oder sogar noch weniger. Was würde das für Versicherte bedeuten?
Eine beschlossene Sache ist diese Idee bisher nicht. Eine Expertenkommission soll erst Ende 2026 Vorschläge für Strukturreformen vorlegen.
Statt 93 sollen höchstens 20 Krankenkassen
Der GKV-Spitzenverband nennt Ende August 2026 insgesamt 93 gesetzliche Krankenkassen: AOK, Betriebskrankenkasse, Innungskrankenkassen, Ersatzkassen sowie Knappschaft und Landwirtschaftliche Krankenkasse.
Linnemann sprach bereits im April 2026 von nur zehn Krankenkassen und dachte laut über eine Mindestgröße von 200.000 bis 250.000 Mitgliedern. Jetzt ist er Gesundheitsminister und nennt als Ziel höchstens 20 Kassen.
Gänzlich unklar ist, wie eine solche Reduzierung in der Praxis aussehen soll. Durch höhere Mindestgrößen könnten zum Beispiel einzelne bisherige Kassen fusionieren.
Warum will Linnemann Krankenkassen abschaffen?
Linnemann geht es, seinen Aussagen zufolge, um Verwaltungskosten. Eigens organisierte Kassen haben eigene Vorstände, IT-Systeme, Verwaltungen, Geschäftsstellen und Vertragsstrukturen. Fusionen würden manche Doppelstrukturen auflösen.
Im Gesamtbudget der gesetzlichen Krankenkassen ist Verwaltung jedoch ein kleinerer Posten. 2025 waren es 13,44 Milliarden von 352,66 Milliarden, also rund 3,81 Prozent.
Den Löwenanteil der Ausgaben machen die medizinischen Leistungen aus, also vor allem Krankenhäuser, Arzneimittel und ambulante Versorgungen. Selbst wenn sich durch eine kleinere Anzahl der Kassen die Verwaltungskosten kürzen ließen, bliebe das Finanzproblem ungelöst.
Weniger Kassen bedeuten nicht unbedingt weniger Kosten
Dabei ist außerdem fragwürdig, ob die Zwangsfusionen überhaupt Kosten sparen. Zumindest am Anfang verursachen sie Mehraufwand und damit Mehrkosten. Das Zusammenführen von IT-Systemen, das Anpassen von Verträgen und Versichertendaten ist eine große Herausforderung.
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Gefährdet die Fusion ihre Kassenleistung?
Grundsätzlich bleiben Sie durch eine Fusion nicht ohne Krankenversicherung, Ihre Leistungen bleiben unberührt und hängen nicht von der bundesweiten Anzahl der Kassen ab. Bei einer Fusion bleibt ihre Mitgliedschaft erhalten.
Allerdings können sich Zusatzleistungen ändern, denn bei den freiwilligen Satzungsleistungen bestehen Unterschiede zwischen den einzelnen Kassen, und eine Fusion vereinheitlicht diese verschiedenen Programme. Betroffen sind dann zum Beispiel die jeweiligen Zuschüsse zur professionellen Zahnreinigung, Osteopathie, Bonusprogramme, Wahltarife oder zusätzliche Vorsorgeangebote.
Es kann bei einer Fusion passieren, dass sich daran nichts ändert. Es kann für Sie individuell Nachteile, aber auch Vorteile bringen. Sie sollten nach einer Fusion Zusatzleistungen und Wahltarife neu prüfen.
Was passiert mit dem Zusatzbeitrag?
Der Zusatzbeitrag wird von jeder Krankenkasse individuell festgelegt. Durch eine Fusion kann sich dieser ändern, erhöhen oder niedriger werden. Erhöht sich dieser Zusatzbeitrag durch eine Fusion, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht und können zu einer anderen Krankenkasse wechseln. Weniger Krankenkassen bedeuten weniger Wahlmöglichkeiten.
Sinken die Krankenkassenbeiträge?
Die Verwaltungskosten, die sich möglicherweise durch Fusionen langfristig senken, stellen nur einen kleinen Teil der Ausgaben der Krankenkasse. Es ist unwahrscheinlich, dass ein potenzielles Einsparen bei diesem geringen Posten die Beiträge mindert.
FAQ: Reduzierung der Krankenkassen
Sind die 20 Krankenkassen bereits beschlossene Sache?
Nein. Es handelt sich bislang um ein Ziel von Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann. Die zuständige Kommission soll Ende 2026 Vorschläge vorlegen.
Muss ich bei einer Fusion meine Krankenkasse wechseln?
Nicht automatisch. Bei einer Fusion geht die Mitgliedschaft grundsätzlich auf die neu entstandene Krankenkasse über. Erhöht sich dabei der Zusatzbeitrag, kann ein Sonderkündigungsrecht entstehen.
Werden Beiträge bei nur noch 20 Krankenkassen günstiger?
Das ist offen. Weniger Verwaltungen könnten Kosten sparen. Die Verwaltung macht aber nur einen kleinen Teil der gesamten GKV-Ausgaben aus.
Quellen
Bundesministerium für Gesundheit, Interview mit Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann vom 23. August 2026
Bundesministerium für Gesundheit, Informationen zu Wahl, Wechsel und Fusion von Krankenkassen
GKV-Spitzenverband, Krankenkassenliste, Stand Ende August 2026
Verband der Ersatzkassen, Daten zum Gesundheitswesen: Zahl der Krankenkassen und Verwaltungskosten
Verbraucherzentrale, Zusatzbeitrag der Krankenkasse: Sonderkündigung und Wechsel, Stand 19. August 2026




