Wer in Ostdeutschland Rente bezieht, bekommt im Durchschnitt mehr als jemand in Westdeutschland, obwohl die Löhne im Osten jahrzehntelang niedriger lagen. Laut Daten der Deutschen Rentenversicherung lag die durchschnittliche gesetzliche Altersrente im Gesamtbestand Ende 2023 in Ostdeutschland bei rund 1.354 Euro monatlich, in Westdeutschland bei rund 1.105 Euro.
Wer versteht, warum dieser Unterschied existiert, begreift auch, welche Rentner diesen Vorteil dauerhaft behalten und wer ihn nicht mehr haben wird.
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Rente Ost West: Was der Durchschnitt tatsächlich misst
Der Vergleich von 1.354 Euro zu 1.105 Euro basiert auf dem Gesamtbestand aller ausgezahlten Altersrenten, also auf Millionen laufender Renten, die vor Jahrzehnten begonnen haben. Dieser Bestand erzählt vor allem eine Geschichte über Erwerbsbiografien in der DDR. In der DDR war Vollzeitarbeit für Frauen die Regel, nicht die Ausnahme.
Hausarbeit und Teilzeit als Lebensentwurf existierten gesellschaftlich kaum. Das schlägt sich bis heute in den Rentenkonten nieder: Ostdeutsche Frauen haben über ihre gesamte Erwerbsbiografie hinweg deutlich mehr rentenrechtliche Zeiten angesammelt als westdeutsche Frauen.
Mehr Entgeltpunkte durch DDR-Arbeit
Das Ergebnis dieser längeren Erwerbsbiografien ist erheblich. Bei den Regelaltersrenten im Bestand liegt die durchschnittliche Rente von Frauen in Ostdeutschland nach Daten der Deutschen Rentenversicherung rund 81 Prozent über der entsprechenden Frauenrente in Westdeutschland.
Männer aus dem Osten erhalten im Bestand rund 38 Prozent mehr als westdeutsche Männer. Der Ost-Vorsprung stammt also nicht aus dem Rentensystem selbst. Er wurzelt in der Erwerbskultur der DDR, die sich in Entgeltpunkten (dem Maß, nach dem die spätere Rente berechnet wird: mehr Jahre, mehr Verdienst gleich mehr Punkte) niedergeschlagen hat.
Warum der Rente-Vorteil bei Neurenten bereits schwindet
Wer 2024 neu in Rente ging, erlebt ein anderes Bild. Westdeutsche Männer, die 2024 erstmals Rente bezogen, erhielten im Schnitt 1.355 Euro. Ostdeutsche Männer lagen mit 1.271 Euro rund 84 Euro darunter. Bei Frauen bleibt der Ost-Vorsprung noch vorhanden: Neu zugehende Ostfrauen erhielten 1.218 Euro, westdeutsche Neuzugängerinnen 929 Euro. Noch nachwirkende DDR-Vollzeitbiografien erklären diesen Abstand bei den Frauen.
Diese Zahlen zeigen, was im Bestandsdurchschnitt versteckt ist: Der scheinbare Ost-Vorsprung ist ein Effekt auslaufender Biografien. Je mehr Rentnerinnen und Rentner mit DDR-Erwerbsbiografien aus dem System ausscheiden, desto mehr nähert sich der ostdeutsche Durchschnitt dem westdeutschen an oder unterschreitet ihn.
Wer heute im Osten mit niedrigem Lohn arbeitet, hat nach dem Wegfall der Hochwertung keinen rechnerischen Ausgleich mehr. Was dieser Wegfall konkret bedeutet, entscheidet über die Rente ganzer Jahrgänge.
Die Hochwertung: Was sie war und was ihr Ende für Berufstätige bedeutet
Jahrzehntelang gab es in der gesetzlichen Rentenversicherung eine Sonderregel für Ostdeutschland: die sogenannte Hochwertung, also die rechnerische Aufwertung niedrigerer Ost-Verdienste bei der Rentenberechnung.
Wer im Osten arbeitete und weniger verdiente als der Westdurchschnitt, bekam seine Entgeltpunkte trotzdem so berechnet, als hätte er mehr verdient. Konkret: Bei gleichem Entgelt erwarb jemand im Osten bis 2024 rund vier Prozent mehr Rentenanspruch als im Westen. Das Ziel war ein sozialer Ausgleich für die fortbestehende Lohnlücke nach der Wiedervereinigung.
Zum 1. Januar 2025 ist diese Hochwertung vollständig weggefallen. Grundlage ist das Rentenüberleitungs-Abschlussgesetz von 2017, das die Angleichung in sieben Schritten ab 2018 festgelegt hatte. Wer seine Verdienste bis zum 31. Dezember 2024 hochgewertet angesammelt hat, behält diesen Vorteil dauerhaft.
Die bereits berechneten Entgeltpunkte ändern sich nicht rückwirkend. Wer aber 2025 oder danach in Ostdeutschland arbeitet, baut seine Rentenansprüche nach denselben Regeln auf wie jemand in Bayern oder Hamburg. Ohne Ausgleichsfaktor, ohne rechnerischen Zuschlag. Wer das noch nicht geprüft hat, sollte jetzt handeln.
Was das konkret für künftige Ostrentner bedeutet
Betroffen sind vor allem Menschen in Ostdeutschland, die noch 10, 15 oder 20 Jahre bis zur Rente vor sich haben und in einem strukturschwachen Bundesland mit unterdurchschnittlichem Lohn arbeiten.
Sie sammeln künftig weniger Entgeltpunkte als Beschäftigte mit vergleichbaren Zeiten bis 2024. Das niedrigere Lohnniveau im Osten, das 2026 noch immer besteht, schlägt sich jetzt direkt und unkorrigiert in der späteren Rente nieder.
Wer seine eigene Lage prüfen will, kommt an der Renteninformation nicht vorbei. Die Deutsche Rentenversicherung schickt dieses Schreiben jedes Jahr an alle Versicherten ab 27 Jahren mit mehr als fünf Beitragsjahren. Darin stehen die bisher gesammelten Entgeltpunkte und eine Prognose für die spätere Rente.
Wer dabei einen niedrigen Betrag sieht, hat drei Stellschrauben: freiwillige zusätzliche Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, Lücken in der Versicherungsbiografie prüfen lassen (Kindererziehungszeiten, Pflegezeiten, DDR-Arbeitszeiten) oder betriebliche und private Vorsorge aufbauen. Die Renteninformation ist der Ausgangspunkt für jede dieser Entscheidungen.
Das Bild nach Bundesland: Wo die Unterschiede besonders groß sind
Wer wissen will, wo die Renten in Deutschland tatsächlich auseinanderfallen, findet im Rentenatlas der Deutschen Rentenversicherung konkrete Zahlen. Der Atlas weist Renten nach Bundesländern aus, und zwar für Versicherte mit mindestens 35 Versicherungsjahren.
In dieser Gruppe lagen die Spitzenreiter 2024 im Westen: Saarland mit durchschnittlich 1.805 Euro, NRW mit 1.773 Euro. Der Grund sind jahrzehntelange Industrieberufe mit hohen Entgeltpunkten aus Bergbau und Schwerindustrie.
Am unteren Ende dieser Tabelle stehen ostdeutsche Flächenländer. Thüringen verzeichnete 1.572 Euro, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern lagen ähnlich niedrig.
Die Löhne der vergangenen Jahrzehnte sind eingefroren in den Rentenbescheiden von heute. Wer das verstanden hat, versteht auch, warum die Renteninformation für jüngere Berufstätige in Ostdeutschland kein bürokratisches Formular ist, sondern ein Frühwarnsystem.
Wer heute in Ostdeutschland arbeitet und noch keine Renteninformation geprüft hat, riskiert, die Lücke erst beim Rentenbescheid zu entdecken. Dann sind die Weichen längst gestellt.
Die Deutsche Rentenversicherung bietet unter 0800 1000 4800 kostenlose Beratung an. Dort lässt sich auch prüfen, ob freiwillige Beiträge oder nachträglich erkennbare Lücken im Versicherungsverlauf die Prognose noch verbessern können.
Häufige Fragen zur Rente Ost West
Verliert meine bereits laufende Rente den Hochwertungsvorteil?
Nein. Wer bereits Rente bezieht oder bis zum 31. Dezember 2024 Verdienste hochgewertet angesammelt hat, behält diesen Vorteil dauerhaft. Die Deutsche Rentenversicherung hat die bis Ende 2024 aufgebauten Entgeltpunkte unvermindert in das einheitliche System überführt. Eine Rückwirkung gibt es nicht.
Ich bin Mitte 40 und lebe in Sachsen. Wie wirkt sich der Wegfall der Hochwertung auf meine Rente aus?
Das hängt davon ab, wie groß die Lücke zwischen Ihrem Verdienst und dem gesamtdeutschen Durchschnittsentgelt ist. Wer weniger als diesen Wert verdient, sammelt pro Jahr weniger als einen vollen Entgeltpunkt. Bis 2024 wurde dieser Rückstand durch die Hochwertung teilweise ausgeglichen.
Seit 2025 entfällt dieser Ausgleich. Die genaue Auswirkung auf Ihre spätere Rente zeigt die Renteninformation, die die Deutsche Rentenversicherung jedes Jahr automatisch zuschickt.
Wie bekomme ich meine Renteninformation, wenn ich sie nicht erhalten habe?
Die Renteninformation geht automatisch an alle Versicherten ab 27 Jahren mit mehr als fünf Beitragsjahren. Wer sie nicht erhalten hat oder eine aktuelle Auswertung benötigt, kann sie über das Online-Portal unter meine.deutsche-rentenversicherung.de abrufen oder telefonisch unter 0800 1000 4800 anfordern. Der Anruf ist kostenlos, Montag bis Donnerstag 8 bis 19 Uhr, Freitag 8 bis 15:30 Uhr.
Quellen
Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Gesetz über den Abschluss der Rentenüberleitung (Rentenüberleitungs-Abschlussgesetz), BGBl. 2017
Deutsche Rentenversicherung: Statistiken und Kennzahlen – Die DRV-Leistungen auf einen Blick (Stand 11.02.2025)
Deutsche Rentenversicherung: FAQ Rentenangleichung Ost-West
sozialpolitik-aktuell.de: Höhe der Regelaltersrenten im Vergleich zwischen Ost- und Westdeutschland (auf Basis DRV-Statistik, Stand 2024)




