Die gesetzliche Rente ist für viele Menschen in Deutschland längst keine auskömmliche Absicherung mehr. Zwar bleibt sie für die meisten Ruheständlerinnen und Ruheständler die wichtigste Einkommensquelle im Alter, doch in zahlreichen Fällen reicht sie allein nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard zu halten.
Besonders problematisch wird die Lage dort, wo nicht nur die individuelle Erwerbsbiografie Lücken aufweist, sondern auch das allgemeine Rentenniveau in einer bestimmten Zeit außergewöhnlich niedrig ausfällt. Dann trifft eine ohnehin angespannte Situation auf ungünstige gesetzliche Rahmenbedingungen.
Immer wieder wird deshalb gefragt, welche Jahrgänge im Rentensystem besonders benachteiligt sind. Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht. Die Höhe der späteren Altersbezüge hängt nicht nur vom Geburtsjahr ab, sondern vor allem davon, wie lange jemand gearbeitet, wie viel verdient und in welchem Umfang Beiträge in die Rentenkasse eingezahlt hat.
Dennoch lässt sich statistisch erkennen, dass einige Geburtsjahrgänge unter besonders ungünstigen Voraussetzungen in den Ruhestand eingetreten sind. Wer Ende der 1940er-Jahre oder Anfang der 1950er-Jahre geboren wurde, gehört nach dieser Annäherung zu den Gruppen, die im Verhältnis zum damaligen Einkommen besonders niedrige Renten erhielten.
Inhaltsverzeichnis
Warum sich benachteiligte Jahrgänge nur näherungsweise bestimmen lassen
Bei der Frage nach „schlechten Rentenjahrgängen“ liegt eine Schwierigkeit auf der Hand: Menschen desselben Geburtsjahres haben oft völlig unterschiedliche Erwerbsbiografien.
Während die eine Person 45 Jahre lang ohne größere Unterbrechungen in Vollzeit beschäftigt war, hat die andere wegen Kindererziehung, Arbeitslosigkeit, Teilzeit oder Krankheit deutlich weniger Beitragsjahre gesammelt. Auch regionale Unterschiede, der Wandel des Arbeitsmarktes und die Einkommensentwicklung spielen eine Rolle.
Deshalb lässt sich nicht seriös behaupten, ein bestimmter Jahrgang bekomme pauschal eine niedrige Rente. Innerhalb desselben Geburtsjahrgangs können die monatlichen Zahlbeträge weit auseinanderliegen.
Wer nur auf Durchschnittsrenten schaut, erhält daher schnell ein schiefes Bild. Aussagekräftiger ist ein anderer Maßstab: das Rentenniveau.
Es zeigt nicht die individuelle Rente einer einzelnen Person, sondern das Verhältnis einer standardisierten Rente zum durchschnittlichen Arbeitseinkommen. Auf dieser Grundlage lässt sich besser erkennen, in welchen Jahren die gesetzliche Rente im Vergleich zu den Erwerbseinkommen besonders wenig wert war.
| Jahrgang | Warum dieser Jahrgang bei der Rente statistisch schlechter dasteht |
|---|---|
| 1948 | Dieser Jahrgang erreichte die Regelaltersgrenze überwiegend im Zeitraum 2013/2014 und fiel damit in das Jahr 2014, in dem das Rentenniveau mit 48,1 Prozent besonders niedrig war. |
| 1949 | Der Jahrgang 1949 war besonders betroffen, weil viele Versicherte 2014/2015 regulär in Rente gingen. Im Jahr 2015 lag das Rentenniveau mit 47,7 Prozent so niedrig wie nie in dieser Betrachtung. |
| 1950 | Viele Angehörige dieses Jahrgangs erreichten die Regelaltersgrenze im Zeitraum 2015/2016. Das Jahr 2016 gehörte mit einem Rentenniveau von 48,1 Prozent ebenfalls zu den schwächsten Jahren. |
| 1952 | Dieser Jahrgang fiel mit dem regulären Renteneintritt in den Zeitraum 2017/2018. Das Jahr 2018 wies mit 48,1 Prozent erneut ein besonders niedriges Rentenniveau auf. |
| Ende der 1940er- und Anfang der 1950er-Jahre | Diese Geburtsjahrgänge gelten insgesamt als statistisch benachteiligt, weil sie in Jahren mit besonders niedrigem Rentenniveau in die reguläre Altersrente eingetreten sind. Das bedeutet nicht automatisch eine niedrige individuelle Rente, zeigt aber eine ungünstige Ausgangslage im Verhältnis zum damaligen Durchschnittseinkommen. |
Was das Rentenniveau tatsächlich aussagt
Das Rentenniveau beschreibt das Verhältnis zwischen einer sogenannten Standardrente und dem durchschnittlichen Einkommen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Als Standardrente gilt dabei die Rente einer Person, die 45 Jahre lang Beiträge auf Basis eines durchschnittlichen Verdienstes gezahlt hat. Es geht also nicht um einen typischen Einzelfall, sondern um einen rechnerischen Vergleichswert.
Gerade dieser Vergleich ist wichtig. Eine absolute Rentenhöhe sagt noch nicht viel darüber aus, wie stark sie tatsächlich trägt. Eine Monatsrente von 1.200 Euro hatte vor vielen Jahren eine andere Kaufkraft als heute.
Wer lediglich nominale Rentenbeträge gegenüberstellt, blendet das Verhältnis zu Löhnen und Lebenshaltungskosten weitgehend aus. Das Rentenniveau ist deshalb ein besseres Instrument, wenn es darum geht, belastbare Aussagen über die relative Stärke oder Schwäche der gesetzlichen Rente in bestimmten Jahren zu treffen.
Die auffällig niedrigen Werte lagen vor allem in den 2010er-Jahren. Besonders schwach war das Rentenniveau im Jahr 2015 mit 47,7 Prozent.
Ebenfalls sehr niedrig lag es 2014, 2016 und 2018 mit jeweils 48,1 Prozent. In diesen Jahren war die Standardrente im Verhältnis zum durchschnittlichen Einkommen so niedrig wie in keinem anderen Zeitraum dieser Betrachtung.
Die Jahre mit besonders niedrigem Rentenniveau
Dass gerade diese Jahre herausstechen, ist von erheblicher Bedeutung. Denn sie markieren Zeitpunkte, in denen Menschen beim regulären Renteneintritt auf ein im Verhältnis schwaches Sicherungsniveau trafen. Für viele Betroffene bedeutete das: Die gesetzliche Rente fiel gemessen an der allgemeinen Lohnentwicklung vergleichsweise dürftig aus.
Dabei darf nicht übersehen werden, dass das Rentenniveau nur eine statistische Größe ist. Es macht keine Aussage darüber, ob die individuelle Lebenssituation im Alter abgesichert war oder nicht.
Wer zusätzlich Betriebsrenten, privates Vermögen oder andere Einkünfte hatte, konnte die Schwächen der gesetzlichen Rente möglicherweise ausgleichen. Für Menschen ohne nennenswerte Zusatzvorsorge dagegen wogen solche Jahre besonders schwer. Gerade dort, wo die gesetzliche Rente nahezu allein für den Lebensunterhalt zuständig war, konnten die Folgen deutlich spürbar werden.
Wie sich aus schwachen Rentenjahren die betroffenen Geburtsjahrgänge ableiten lassen
Um herauszufinden, welche Geburtsjahrgänge von diesen ungünstigen Rentenjahren betroffen waren, muss der Blick auf die Regelaltersgrenze gerichtet werden. Sie legt fest, ab welchem Alter eine Altersrente ohne Abschläge bezogen werden kann. Diese Altersgrenze ist jedoch nicht für alle Jahrgänge identisch.
Für Versicherte, die vor dem 1. Januar 1947 geboren wurden, lag die Regelaltersgrenze noch bei 65 Jahren. Für die Jahrgänge ab 1947 wurde sie schrittweise angehoben. Wer 1947 geboren wurde, erreichte die abschlagsfreie Regelaltersrente mit 65 Jahren und einem Monat.
Für spätere Jahrgänge erhöhte sich die Grenze Monat für Monat weiter. Für den Jahrgang 1958 lag sie bereits bei 66 Jahren. Für die Geburtsjahrgänge 1964 und jünger gilt schließlich die Regelaltersgrenze von 67 Jahren.
Aus dieser gestaffelten Anhebung lässt sich zurückrechnen, welche Geburtsjahrgänge in den Jahren mit besonders niedrigem Rentenniveau regulär in Rente gingen.
So fällt das niedrige Rentenniveau des Jahres 2014 in etwa auf Personen des Jahrgangs 1948. Das Jahr 2015 betrifft den Jahrgang 1949. Das schwache Niveau von 2016 lässt sich dem Jahrgang 1950 zuordnen. Das niedrige Rentenniveau von 2018 fällt auf den Jahrgang 1952.
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Diese Jahrgänge traf es statistisch besonders stark
Aus dieser Berechnung ergibt sich ein auffälliges Bild. Besonders ungünstig war die Lage demnach für Menschen, die Ende der 1940er-Jahre und zu Beginn der 1950er-Jahre geboren wurden. Statistisch gesehen fielen sie in jene Jahre, in denen die gesetzliche Standardrente im Verhältnis zu den durchschnittlichen Erwerbseinkommen besonders schwach ausfiel.
Das heißt nicht, dass jede 1948 oder 1950 geborene Person automatisch eine sehr niedrige Altersrente erhält.
Es bedeutet vielmehr, dass diese Jahrgänge beim regulären Renteneintritt auf ein Rentensystem trafen, das im Verhältnis zu den damaligen Einkommen weniger großzügig war als in anderen Jahren. In der Gesamtschau spricht vieles dafür, dass diese Generationen unter erschwerten Bedingungen in den Ruhestand gestartet sind.
Gerade dies ist auch deshalb wichtig, weil sie eine verbreitete Annahme relativiert: Nicht allein jüngere Generationen stehen unter Druck, sondern auch manche heutige Rentnergeneration hat bereits unter schwächeren Rahmenbedingungen gelitten. Die Diskussion über Gerechtigkeit im Rentensystem betrifft also nicht nur die Zukunft, sondern auch Menschen, die schon heute Altersbezüge erhalten.
Warum das Geburtsjahr allein über die Rentenhöhe wenig verrät
Trotz dieser statistischen Einordnung bleibt es wichtig, vorschnelle Schlüsse zu vermeiden. Das Geburtsjahr ist kein verlässlicher Indikator für die konkrete Höhe der Rente auf dem Konto. Zwei Menschen desselben Jahrgangs können im Alter sehr unterschiedlich abgesichert sein.
Das liegt daran, dass die gesetzliche Rente von mehreren Einflussgrößen geprägt wird, die im individuellen Lebensverlauf zusammenwirken.
Entscheidend ist vor allem die Dauer der Beitragszahlung. Wer viele Jahre rentenversicherungspflichtig beschäftigt war, sammelt mehr Entgeltpunkte und verbessert damit die spätere Rente.
Ebenso wichtig ist die Höhe des Einkommens. Wer über Jahrzehnte hinweg deutlich unter dem Durchschnitt verdient hat, erhält am Ende spürbar weniger als jemand mit durchschnittlichem oder überdurchschnittlichem Verdienst. Hinzu kommen Zeiten, in denen gar nicht oder nur eingeschränkt eingezahlt wurde. Dazu zählen etwa Phasen der Arbeitslosigkeit, längere Krankheiten oder Jahre in Teilzeit.
Auch der Zeitpunkt des Rentenbeginns spielt eine erhebliche Rolle. Wer vor der Regelaltersgrenze in den Ruhestand geht, muss in vielen Fällen Abschläge hinnehmen. Diese Kürzungen wirken dauerhaft. Selbst in einem Jahrgang, der statistisch ohnehin auf ein schwaches Rentenniveau trifft, kann der individuelle Rentenbetrag daher noch einmal deutlich sinken, wenn die Rente vorzeitig beginnt.
Besonders Frauen und Menschen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien tragen ein höheres Risiko
Die Schwächen bestimmter Rentenjahrgänge wirken sich nicht auf alle Betroffenen im gleichen Maß aus. Besonders verletzlich sind häufig Menschen, deren Erwerbsleben von Unterbrechungen geprägt war.
Dazu gehören viele Frauen, die wegen Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen über Jahre hinweg nur eingeschränkt oder gar nicht erwerbstätig waren. Auch Personen mit längeren Phasen niedriger Löhne, Teilzeitarbeit oder Minijobs sind im Alter oft schlechter abgesichert.
Wer in einem Jahrgang mit ungünstigem Rentenniveau geboren wurde und zugleich über eine brüchige Erwerbsbiografie verfügt, spürt die Schwächen des Systems meist stärker als Personen mit durchgehender Vollzeitbeschäftigung und stabilen Einkommen. In solchen Fällen wird aus einer statistischen Benachteiligung schnell ein handfestes Armutsrisiko im Alter.
Hinzu kommt, dass die gesetzliche Rente für viele Menschen ursprünglich nie als alleinige Wohlstandssicherung gedacht war. Sie sollte den Lebensunterhalt im Alter mittragen, nicht zwingend vollständig abdecken. Doch für große Teile der Bevölkerung ist sie faktisch die wichtigste oder einzige dauerhafte Einnahmequelle im Ruhestand. Gerade deshalb wiegt ein niedriges Rentenniveau besonders schwer.
Was die Entwicklung über die Rentenpolitik der vergangenen Jahre verrät
Die niedrigen Werte in den 2010er-Jahren sind kein Zufall, sondern Ausdruck langfristiger rentenpolitischer Entwicklungen. Seit Jahren wird darüber gestritten, wie viel Leistungsfähigkeit das gesetzliche Rentensystem noch bieten soll und wie stark die Lasten zwischen Beschäftigten, Arbeitgebern und dem Staat verteilt werden müssen. Reformen vergangener Jahrzehnte zielten häufig darauf ab, die Finanzierbarkeit des Systems zu sichern.
Die Folge war jedoch auch, dass das Niveau der gesetzlichen Rente unter Druck geriet.
Für die Betroffenen bedeutet das eine nüchterne Realität: Selbst jahrzehntelange Arbeit garantiert nicht automatisch eine Rente, die den gewohnten Lebensstandard im Alter aufrechterhält.
Besonders scharf zeigt sich dieses Problem bei jenen Jahrgängen, die genau in Phasen mit schwachem Rentenniveau in den Ruhestand wechselten. Dort verdichtet sich, was die Rentendebatte seit Jahren begleitet: die wachsende Kluft zwischen Lebensleistung und finanzieller Absicherung im Alter.
Fazit: Ende der 1940er- und Anfang der 1950er-Jahre Geborene gehören zu den schwächeren Rentenjahrgängen
Wer wissen will, welche Geburtsjahrgänge statistisch besonders niedrige Renten erhalten, muss weniger auf die individuelle Durchschnittsrente als auf das Rentenniveau schauen. Diese Betrachtung zeigt, dass die Jahre 2014, 2015, 2016 und 2018 besonders schwach ausfielen. Rechnet man von dort über die jeweilige Regelaltersgrenze zurück, trifft dies vor allem die Geburtsjahrgänge 1948, 1949, 1950 und 1952.
Damit spricht vieles dafür, dass Menschen, die Ende der 1940er-Jahre und Anfang der 1950er-Jahre geboren wurden, im Durchschnitt unter ungünstigen rentenpolitischen Bedingungen in den Ruhestand gegangen sind.
Dennoch bleibt die persönliche Rentenhöhe stets das Ergebnis des individuellen Erwerbslebens. Das Geburtsjahr liefert also nur eine Annäherung, keine Gewissheit.
Gerade darin liegt die eigentliche Aussage dieser Betrachtung: Nicht jeder Betroffene erhält automatisch eine niedrige Rente, aber bestimmte Jahrgänge trafen auf ein System, das im Verhältnis zu den damaligen Einkommen besonders wenig bot.
Für viele Rentnerinnen und Rentner war und ist das ein ernstes Problem, weil die gesetzliche Rente in ihrem Alltag nicht mehr Sicherheit, sondern häufig nur noch die Grenze zur finanziellen Belastung markiert.




