64.000 Euro Gehalt, dann nur noch 389 Euro Sozialhilfe: Ist das in Deutschland möglich?

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Ein gutes Gehalt schützt nicht vor dem sozialen Absturz, wenn der Job endet und man auf Sozialhilfe angewiesen ist. Der Brite Alex Tuck verdiente als Kommunikationschef rund 55.000 Pfund oder 64.000 Euro im Jahr. Nach seiner Kündigung erhielt er drei Monatsgehälter Abfindung. Rücklagen hatte er nicht, und wenige Monate später war das Geld verbraucht.

Der britische „Telegraph“ berichtet, dass Alex inzwischen rund 340 Pfund, umgerechnet etwa 389 Euro, Universal Credit (Sozialhilfe) im Monat erhält. Ist ein solcher finanzieller Fall auch in Deutschland möglich?

389 Euro sind kein allgemeiner britischer Regelsatz

Universal Credit ist keine einheitliche Pauschale. Die Höhe richtet sich nach Alter, Partnerschaft, Kindern, Wohnkosten, Einkommen, Vermögen und gesundheitlichen Einschränkungen. Zum Grundbetrag können weitere Bestandteile kommen; zugleich sind Abzüge möglich.

Die 340 Pfund bilden daher Alex’ individuellen Zahlbetrag ab. Ohne seinen vollständigen Bescheid bleibt offen, ob Wohnkosten enthalten sind oder andere Leistungen, Einkommen beziehungsweise Schulden angerechnet werden.

Deutschland schützt zunächst das frühere Einkommen

Wer in Deutschland seinen Job verliert und die Versicherungszeiten erfüllt, erhält zunächst Arbeitslosengeld. Dafür müssen Betroffene innerhalb der maßgeblichen Rahmenfrist grundsätzlich mindestens zwölf Monate versicherungspflichtig gewesen sein. Die Leistung beträgt in der Regel 60 Prozent des pauschalierten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent.

Ein Arbeitnehmer mit zuvor hohem Gehalt fällt deshalb gewöhnlich nicht sofort auf Grundsicherungsniveau. Das Arbeitslosengeld ist jedoch begrenzt und wird nur befristet gezahlt. Jüngere Beschäftigte erhalten meist höchstens zwölf Monate; bei Älteren kann der Anspruch länger bestehen.

Ohne Arbeitslosengeld kann die Grundsicherung sofort folgen

Fehlt der Anspruch auf Arbeitslosengeld, kann ein Betroffener bereits ab dem ersten Monat ohne Beschäftigung auf die Grundsicherung für Arbeitsuchende angewiesen sein. Das betrifft etwa Menschen, die nicht lange genug versicherungspflichtig waren, deren Anspruch erschöpft ist oder die dem Arbeitsmarkt nicht im erforderlichen Umfang zur Verfügung stehen.

Die Leistung wird nicht automatisch ausgezahlt. Betroffene müssen beim Jobcenter einen Antrag stellen. Dieser wirkt bei Leistungen zum Lebensunterhalt grundsätzlich auf den ersten Tag des Antragsmonats zurück.

Alleinstehende erhalten 2026 einen Regelbedarf von 563 Euro monatlich. Hinzukommen können angemessene Kosten für Unterkunft und Heizung sowie Mehrbedarfe. Das Jobcenter prüft Einkommen und verwertbares Vermögen der Bedarfsgemeinschaft.

Ein gut verdienender Partner oder ausreichende Rücklagen können den Anspruch ausschließen. Das frühere Gehalt zählt dann nicht mehr

Hier ähneln sich Deutschland und Großbritannien. Universal Credit und die deutsche Grundsicherung sollen das Existenzminimum sichern, nicht den früheren Lebensstandard. Ob jemand zuvor 25.000 oder 100.000 Euro im Jahr verdiente, erhöht den Grundbedarf nicht.

Hohe Fixkosten werden dadurch schnell zum Problem. Kredite, Unterhalt, Versicherungen und teure Mietverträge laufen weiter, obwohl die staatliche Leistung nur anerkannte Bedarfe deckt.

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Ohne Arbeitslosengeld und Rücklagen kann auch ein Gutverdiener innerhalb weniger Wochen auf das Existenzminimum fallen.

Wohnkosten erschweren den Vergleich

Der deutsche Regelbedarf von 563 Euro ist nicht die gesamte mögliche Leistung. Das Jobcenter übernimmt grundsätzlich zusätzlich angemessene Wohn- und Heizkosten. Die Gesamtleistung kann daher deutlich höher liegen.

Auch Universal Credit kann einen Wohnkostenbestandteil enthalten. Dessen Höhe hängt unter anderem von Wohnort, Haushaltsgröße und anerkannter Miete ab. Aus dem Focus-Bericht lässt sich deshalb nicht ableiten, dass Alex von 389 Euro auch seine gesamte Miete bezahlen muss.

Großbritannien schützt Spitzenverdiener schwächer

Der größte Unterschied liegt in der ersten Phase der Arbeitslosigkeit. Das deutsche Arbeitslosengeld knüpft an das frühere versicherungspflichtige Einkommen an und bremst den Absturz zumindest vorübergehend.

Großbritannien kennt zwar die beitragsabhängige New Style Jobseeker’s Allowance. Sie ersetzt ein hohes Einkommen aber nur begrenzt; das bedürftigkeitsabhängige Universal Credit bleibt auf den aktuellen Haushaltsbedarf ausgerichtet. Fachkräfte können deshalb schneller auf eine niedrige Leistung zurückfallen.

Partner und Vermögen zählen in beiden Ländern

Beide Systeme betrachten den gesamten Haushalt. Einkommen des Partners, Rücklagen und weitere Mittel können den Anspruch mindern oder ausschließen. Arbeitslosigkeit allein genügt daher weder in Deutschland noch in Großbritannien für Grundsicherung.

Alex berichtet, dass ihn seine Partnerin und seine Eltern unterstützen. Auch private Hilfen können je nach Form und Regelwerk leistungsrechtlich relevant werden.

Zuverdienst wird unterschiedlich angerechnet

Alex kritisiert laut FOCUS Online die britische Taper Rate. Von jedem zusätzlich verdienten Pfund sinkt Universal Credit grundsätzlich um 55 Pence. Arbeit erhöht das verfügbare Einkommen, aber ein erheblicher Teil wird verrechnet.

Auch Deutschland rechnet Erwerbseinkommen an. Hier gelten gestaffelte Freibeträge statt einer durchgehenden Abzugsquote. In beiden Ländern bleibt ein Vorteil durch Arbeit bestehen, fällt aber deutlich geringer aus als der Bruttoverdienst.

Schwieriger Arbeitsmarkt verschärft das Risiko

Im Januar 2026 waren in Deutschland rund 3,085 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Die Zahl der registrierten offenen Stellen sank auf etwa 598.000. Auch der schnelle Wiedereinstieg wird schwieriger.

Wer eine Kündigung erhält, sollte sich unverzüglich arbeitsuchend melden, den Anspruch auf Arbeitslosengeld prüfen und alle Fixkosten erfassen. Besonders riskant sind Aufhebungsverträge und freiwillige Kündigungen, weil eine Sperrzeit entstehen kann.

Quelle

The Telegraph: Bericht über Alex Tuck.