Kostenloses Mittagessen für Ü65: Hildesheimer Wirt zeigt, wie Nachbarschaftshilfe aussehen kann
Miro Stankovich lud Menschen über 65 Jahren zu einem kostenlosen Mittagessen in sein Hildesheimer Bistro ein. Denn viele ältere Menschen können sich einen Restaurantbesuch kaum noch leisten.
Stankovich betreibt das Bistro Miro in der Goschenstraße in Hildesheim und bietet dort traditionelle deutsche Küche an. Für einen Nachmittag kochte er gezielt für ältere Nachbarinnen und Nachbarn – ohne ihnen für das Essen etwas zu berechnen.
Die Idee entstand aus einer Beobachtung im eigenen Viertel
Hinter der Einladung stand offenbar keine große Kampagne, sondern eine Erfahrung aus dem Alltag des Gastronomen. Stankovich hatte gesehen, dass es ältere Menschen gibt, die gern in seinem Bistro essen würden, aber kein Geld dafür haben.
Darauf reagierte er unmittelbar und öffnete sein Lokal für einen kostenlosen Mittagstisch. Die Einladung war dabei an das Alter geknüpft und nicht daran, ob jemand einen Sozialleistungsbescheid oder einen anderen Nachweis über Bedürftigkeit vorlegen konnte.
| Aspekt | Was über die Aktion bekannt ist |
|---|---|
| Aktion | Kostenloses Mittagessen an einem Nachmittag |
| Zielgruppe | Menschen über 65 Jahren, insbesondere aus der Nachbarschaft |
| Ort | Bistro Miro in der Goschenstraße in Hildesheim |
| Gedanke dahinter | Älteren Menschen einen Restaurantbesuch ermöglichen, die sich diesen sonst nicht ohne Weiteres leisten können |
Altersarmut betrifft längst einen erheblichen Teil der älteren Bevölkerung
Die Hildesheimer Aktion trifft auf eine gesellschaftliche Entwicklung, die sich auch in amtlichen Zahlen zeigt. Nach aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes waren nach den Endergebnissen von EU-SILC 2025 rund 19,5 Prozent der Menschen ab 65 Jahren in Deutschland armutsgefährdet.
Damit lebt fast jeder fünfte Mensch dieser Altersgruppe mit einem Einkommen unterhalb der statistischen Armutsgefährdungsgrenze. Das bedeutet nicht automatisch, dass diese Menschen ihre Ernährung nicht finanzieren können, zeigt jedoch, wie knapp die finanziellen Möglichkeiten vieler Senioren geworden sind.
Auch die Zahl der Menschen, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, bleibt hoch. Ende 2025 bezogen laut Statistischem Bundesamt gut 738.800 Menschen Grundsicherung im Alter.
563 Euro müssen 2026 für viele alltägliche Ausgaben reichen
Für alleinstehende Menschen in der Grundsicherung gilt 2026 weiterhin ein Regelbedarf von monatlich 563 Euro. Daraus müssen unter anderem Lebensmittel, Haushaltsstrom, Kleidung, Körperpflege, Kommunikation und zahlreiche weitere tägliche Ausgaben bezahlt werden.
Unterkunft und angemessene Heizkosten werden bei der Grundsicherung gesondert berücksichtigt. Trotzdem kann das frei verfügbare Budget schnell knapp werden, sobald beispielsweise eine Stromnachzahlung, eine neue Brille oder andere ungeplante Kosten entstehen.
Für ältere Menschen mit niedrigen Einkommen kann deshalb bereits ein Restaurantbesuch zu einer Ausgabe werden, die sie zuerst streichen. Ein kostenloses Mittagessen bedeutet in solchen Fällen nicht nur eine warme Mahlzeit, sondern ermöglicht auch einen Besuch außerhalb der eigenen Wohnung.
Private Hilfe kann Altersarmut aber nicht ausgleichen
So erfreulich die Initiative ist, sie kann die finanziellen Probleme älterer Menschen nicht dauerhaft lösen. Ein kostenloses Mittagessen schafft kurzfristige Entlastung, ersetzt aber weder eine ausreichende Rente noch Leistungen wie Grundsicherung oder Wohngeld.
Gerade deshalb sollten Rentnerinnen und Rentner mit niedrigem Einkommen prüfen, welche staatlichen Ansprüche bestehen. Neben der Grundsicherung kann je nach Einkommen und Wohnsituation auch Wohngeld für Rentner infrage kommen.
Viele Betroffene nutzen bestehende Ansprüche nicht oder informieren sich erst sehr spät. Gründe können fehlende Informationen, bürokratische Hürden oder die Sorge sein, wegen des Bezugs einer Sozialleistung stigmatisiert zu werden.
Warum unkomplizierte Hilfe bei Senioren gut ankommen kann
Die Idee aus Hildesheim zeigt einen Vorteil einfacher Angebote: Die Menschen werden nicht zuerst als Bedürftige angesprochen. Sie werden als Gäste eingeladen und können wie andere Besucher gemeinsam an einem Tisch sitzen und essen.
Für Menschen mit sehr niedrigen Renten kann dieser Unterschied erheblich sein. Armut im Alter ist häufig weniger sichtbar als andere Formen finanzieller Not, weil viele Betroffene versuchen, ihre Ausgaben still zu reduzieren.
Dann wird beispielsweise beim Essen gespart, eine Verabredung abgesagt oder auf einen Café- und Restaurantbesuch verzichtet. Dass finanzielle Schwierigkeiten nach einem langen Berufsleben auftreten können, zeigen auch immer wieder Fälle, über die Gegen-Hartz berichtet.
Eine kleine Aktion mit einer größeren Botschaft
Der Hildesheimer Mittagstisch löst das Problem niedriger Renten nicht. Er macht jedoch sichtbar, was finanzielle Einschränkungen im Alter im täglichen Leben bedeuten können: Selbst ein einfaches Essen außer Haus ist für manche Senioren längst keine Selbstverständlichkeit mehr.
Miro Stankovich hat darauf mit einer unmittelbaren Einladung reagiert. Gerade weil dafür weder Antrag noch Einkommensprüfung notwendig waren, zeigt die Aktion, wie unkompliziert Nachbarschaftshilfe aussehen kann.




