Seit Jahrzehnten steht Richard Bargel als Bluesmusiker auf der Bühne. Doch trotz seiner langen Karriere bekommt der Kölner nach eigenen Angaben gerade einmal knapp 400 Euro Rente im Monat.
Mit 75 Jahren tritt er deshalb weiterhin auf, weil er die Musik liebt, aber auch, weil er das Geld braucht. Sein Beispiel zeigt, dass selbst jahrzehntelange Arbeit und beruflicher Erfolg nicht unbedingt vor finanziellen Sorgen im Alter schützen.
Eine lange Karriere, eine geringe Rentenzahlung
Bargel spricht offen über seine finanzielle Lage. „Ich bekomme knapp 400 Euro Rente, davon kann kein Mensch leben“, erklärte der Musiker.
Bargel begann seine Karriere als Bluesmusiker 1970 und erhielt mehrfach den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Trotzdem kann er nach eigener Aussage nicht aufhören zu arbeiten.
Er kritisiert, dass Künstler ungern über ihre Gagen sprechen und die Auftrittsmöglichkeiten für Blues geschrumpft seien. Hinter dem öffentlichen Erfolg steht damit eine Frage, die weit über den Kulturbetrieb hinausreicht: Was bleibt im Alter von jahrzehntelanger Arbeit?
Warum ein langes Arbeitsleben keine auskömmliche Rente garantiert
Die gesetzliche Rente richtet sich nach den versicherten Einkommen und den daraus erworbenen Entgeltpunkten. Berufliches Ansehen, Auszeichnungen oder die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden schlagen sich nicht direkt im Rentenanspruch nieder.
Wer wenig beitragspflichtiges Einkommen erzielt, baut geringe Ansprüche auf. Auch Zeiten ohne Rentenbeiträge können die spätere Absicherung schwächen.
Welche Umstände Bargels Rentenhöhe im Einzelnen erklären, geht aus dem Bericht nicht hervor. Sein Versicherungsverlauf, mögliche weitere Alterseinkünfte und sein Vermögen sind dort nicht offengelegt.
Künstlersozialversicherung garantiert keine hohe Rente
Selbstständige Künstler und Publizisten können über die Künstlersozialversicherung abgesichert sein. Dabei tragen Versicherte etwa die Hälfte ihrer Sozialversicherungsbeiträge; die übrige Finanzierung erfolgt über die Künstlersozialabgabe und einen Bundeszuschuss.
Das erleichtert den Zugang zur Absicherung, ersetzt aber kein ausreichendes versichertes Einkommen. Niedrige Gewinne können zu geringen Rentenansprüchen führen.
Teilzeit: Weniger Einkommen wirkt bis in den Ruhestand
Für Beschäftigte besteht ein ähnliches Problem, wenn sie über längere Zeit wenig verdienen. Bei einer sozialversicherungspflichtigen Teilzeitbeschäftigung zählt für die Rentenhöhe das beitragspflichtige Einkommen.
Sinkt bei gleichem Stundenlohn die Arbeitszeit, sinken meist auch die jährlich erworbenen Rentenpunkte. Wie sich das über mehrere Jahre auswirken kann, erläutert auch unser Beitrag über Teilzeit und fehlende Rentenpunkte.
Ein Jahr in Höhe des Durchschnittsentgelts bringt einen Entgeltpunkt. Bei der Hälfte dieses Verdienstes entsteht ein halber Punkt – auch wenn die Beschäftigung das ganze Jahr besteht.
Kleine Rente: Welche Unterstützung infrage kommt
Wenn Ihre Einkünfte im Alter nicht reichen, sollten Sie ergänzende Leistungen prüfen. Eine niedrige Rente allein entscheidet noch nicht über einen Anspruch, weil auch weitere Einkünfte, Vermögen und die Lebenssituation zählen.
| Leistung | Was Sie dazu wissen sollten |
|---|---|
| Grundrentenzuschlag | Er setzt mindestens 33 Jahre mit Grundrentenzeiten und weitere Voraussetzungen voraus. Die Rentenversicherung prüft den Anspruch ohne gesonderten Antrag. |
| Grundsicherung im Alter | Nach Erreichen der Regelaltersgrenze kann sie einen ungedeckten Lebensunterhalt absichern. Das Sozialamt prüft auf Antrag den Bedarf sowie anrechenbares Einkommen und Vermögen. |
| Wohngeld | Ein Zuschuss zu den Wohnkosten kann bei geringem Einkommen infrage kommen. Wer Grundsicherung mit berücksichtigten Unterkunftskosten erhält, ist grundsätzlich vom Wohngeld ausgeschlossen. |
Welche Hilfe zu Ihrer Lage passt, hängt von einer konkreten Berechnung ab. Unser Beitrag Grundsicherung oder Wohngeld bei kleiner Rente erläutert die Unterschiede.
Grundrente ist keine garantierte Mindestrente
Der Grundrentenzuschlag hebt nicht jede kleine Rente auf einen Mindestbetrag an. Neben Versicherungszeiten beeinflussen die früheren Verdienste und die Einkommensprüfung den Anspruch.
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Sehr geringe versicherte Verdienste können zwar für die Mindestdauer von 33 Jahren mitzählen, bleiben aber beim Zuschlag unberücksichtigt. Das betrifft Zeiten mit weniger als 30 Prozent des jeweiligen Durchschnittsverdienstes.
Wer Grundsicherung im Alter benötigt, muss dagegen selbst einen Antrag stellen. Bei erfüllten Voraussetzungen beginnt die Leistung mit dem ersten Tag des Antragsmonats.
Prüfen Sie Ihr Rentenkonto frühzeitig
Prüfen Sie Ihren Versicherungsverlauf und lassen Sie fehlende Beschäftigungszeiten oder andere anrechenbare Zeiten durch eine Kontenklärung ergänzen.
Eine Kontenklärung ersetzt keine fehlenden Beiträge, kann aber verhindern, dass vorhandene Ansprüche unberücksichtigt bleiben. Wer seine Arbeitszeit reduziert, sollte sich die Folgen für die voraussichtliche Rente berechnen lassen.
Fiktives Beispiel: Fritz, 28, aus Lüdenscheid
Fritz ist 28 Jahre alt, lebt in Lüdenscheid und arbeitet in Teilzeit. Für dieses vereinfachte Rechenbeispiel verdient er jährlich genau die Hälfte des Durchschnittsentgelts und erwirbt damit 0,5 Entgeltpunkte pro Jahr.
Bleibt dieses Verhältnis zehn Jahre lang gleich, sammelt Fritz in diesem Zeitraum fünf Rentenpunkte. Bei einem Verdienst in Höhe des Durchschnittsentgelts wären es zehn Punkte.
Die Differenz von fünf Punkten entspricht beim Rentenwert von 42,52 Euro einer monatlichen Bruttoaltersrente von 212,60 Euro, gerechnet ohne Zu- oder Abschläge. Das ist ein Vergleich mit heutigen Rechenwerten und keine Vorhersage seiner späteren Auszahlung.
Fritz lässt sich beraten, bevor er seine Teilzeit festschreibt. Dabei kann er abwägen, ob mehr Arbeitsstunden möglich sind und welche Absicherung sein Einkommen erlaubt.
Sechs Fragen und Antworten zur kleinen Rente
Wie viel Rente erhält Richard Bargel?
Nach seinen im Bericht wiedergegebenen Angaben erhält er knapp 400 Euro monatlich. Eine vollständige Übersicht seiner finanziellen Verhältnisse liegt damit nicht vor.
Warum kann trotz langer Berufstätigkeit eine kleine Rente entstehen?
Die Rentenhöhe hängt wesentlich vom versicherten Einkommen und den erworbenen Entgeltpunkten ab. Viele Arbeitsjahre mit niedrigen Beiträgen ergeben deshalb nicht zwingend eine ausreichende Altersversorgung.
Führt Teilzeit immer zu weniger Rente?
Entscheidend ist das beitragspflichtige Einkommen. Verdienen Sie durch Teilzeit weniger als bei einer vergleichbaren Vollzeitbeschäftigung, erwerben Sie aus dieser Beschäftigung grundsätzlich weniger Rentenpunkte.
Erhält jeder mit einer kleinen Rente einen Grundrentenzuschlag?
Nein, dafür müssen mindestens 33 Jahre mit Grundrentenzeiten und weitere Voraussetzungen vorliegen. Eine geringe Rentenzahlung genügt nicht.
Wo beantrage ich Grundsicherung im Alter?
Wenden Sie sich an Ihr örtliches Sozialamt. Es prüft Ihren Bedarf sowie das zu berücksichtigende Einkommen und Vermögen.
Was kann ich bereits in jungen Jahren tun?
Prüfen Sie Ihren Versicherungsverlauf und lassen Sie die Folgen längerer Phasen mit geringem Verdienst berechnen. So können Sie Ihre Arbeitszeit und Ihre finanziellen Möglichkeiten auf einer verlässlicheren Grundlage planen.
Quellen
Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Fragen und Antworten zur Künstlersozialversicherung.
Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Grundrente und Grundrenten-Freibeträge.
Deutsche Rentenversicherung: Einfach, schnell und sicher: Kontenklärung online, 6. Juli 2026.
Deutsche Rentenversicherung: Die Grundsicherung für Bedürftige.
Deutsche Rentenversicherung: Rentenschätzer: Rentenformel und aktueller Rentenwert.




