Rente: Wer ab 58 in Teilzeit geht, verliert so viele Rentenpunkte pro Jahr

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Viele Menschen gehen ab 58 in Teilzeit, weil sie sich Entlastung wünschen – und wundern sich Jahre später über eine spürbar niedrigere Altersrente. Das passiert selten „weil etwas schiefgelaufen ist“, sondern weil die Rentenformel konsequent ist:

Ihre Monatsrente entsteht aus den Entgeltpunkten, die Sie Jahr für Jahr aus Ihrem beitragspflichtigen Einkommen sammeln. Sinkt das Einkommen über mehrere Jahre, sinken die Entgeltpunkte – und das deckelt die spätere Rente dauerhaft.

Die RentenL

Rentenlogik in einem Satz

Ein Entgeltpunkt entspricht vereinfacht einem Jahr Arbeit mit Durchschnittsverdienst. Für 2025 liegt das (vorläufige) Durchschnittsentgelt bei 50.493 Euro brutto/Jahr; der aktuelle Rentenwert beträgt seit dem 01.07.2025: 40,79 Euro pro Entgeltpunkt und Monat. Wer deutlich unter dem Durchschnitt verdient, sammelt deutlich weniger Punkte – und jeder fehlende Punkt reduziert die Monatsrente lebenslang.

Rechenbeispiel: 7 Jahre Teilzeit – warum das schnell dreistellig wird

Reduziert jemand ab 58 von ca. 45.600 Euro/Jahr auf ca. 26.400 Euro/Jahr und bleibt sieben Jahre dabei, ergibt sich überschlägig:

  • vorher: 45.600 / 50.493 ≈ 0,90 Entgeltpunkte/Jahr
  • nachher: 26.400 / 50.493 ≈ 0,52 Entgeltpunkte/Jahr

Differenz: rund 0,38 Punkte/Jahr, über sieben Jahre etwa 2,66 Punkte. Multipliziert mit 40,79 Euro sind das grob rund 108 Euro brutto pro Monat weniger – dauerhaft.

Tabelle: Schnellcheck mit Formeln und typischen Fallwerten

Neues Jahresbrutto (Anteil vom Durchschnitt 50.493 €) Rentenwirkung (Zahlenübersicht)
100% = 50.493 € 1,00 EP/Jahr · Rentenplus pro Beitragsjahr: 40,79 €/Monat · Verlust ggü. 100% nach 7 Jahren: 0,00 €/Monat
90% = 45.444 € 0,90 EP/Jahr · Rentenplus pro Beitragsjahr: 36,71 €/Monat · Verlust ggü. 100% nach 7 Jahren: 28,55 €/Monat
80% = 40.394 € 0,80 EP/Jahr · Rentenplus pro Beitragsjahr: 32,63 €/Monat · Verlust ggü. 100% nach 7 Jahren: 57,11 €/Monat
70% = 35.345 € 0,70 EP/Jahr · Rentenplus pro Beitragsjahr: 28,55 €/Monat · Verlust ggü. 100% nach 7 Jahren: 85,66 €/Monat
60% = 30.296 € 0,60 EP/Jahr · Rentenplus pro Beitragsjahr: 24,47 €/Monat · Verlust ggü. 100% nach 7 Jahren: 114,21 €/Monat
50% = 25.247 € 0,50 EP/Jahr · Rentenplus pro Beitragsjahr: 20,40 €/Monat · Verlust ggü. 100% nach 7 Jahren: 142,77 €/Monat
40% = 20.197 € 0,40 EP/Jahr · Rentenplus pro Beitragsjahr: 16,32 €/Monat · Verlust ggü. 100% nach 7 Jahren: 171,32 €/Monat

Die typischen Fallen, die den Effekt verstärken

Teilzeit wird besonders teuer, wenn sie nicht „für sich“ steht, sondern in eine Kette führt. Ein häufiger Verlauf ist: weniger Stunden, später Jobverlust oder Umstrukturierung, dann Arbeitslosengeld I – und damit Rentenbeiträge aus einer bereits abgesenkten Basis (zusätzlich gedämpft über die 80-Prozent-Regel).

Ebenfalls typisch ist der scheinbar harmlose Minijob als Ersatz, kombiniert mit der Befreiung von der Rentenversicherungspflicht: Das wirkt im Alltag kaum spürbar, aber in der Rentenbiografie als dauerhaft geringerer Aufbau.

Und wer aus Teilzeit in längere Phasen ohne beitragspflichtige Beschäftigung rutscht, baut in dieser Zeit die Rentenhöhe nicht weiter auf wie in normalen Beitragsjahren.

Am stärksten wird das Minus, wenn Teilzeit zugleich ein Vorruhestandsplan ist. Dann kommt zum Punkteverlust durch weniger Einkommen häufig noch der Abschlag bei vorgezogenem Rentenbeginn. Genau dieses Doppelminus ist der Moment, in dem aus „Entlastung“ eine dauerhaft deutlich niedrigere Monatsrente wird.

Was Sie konkret tun können, bevor Sie reduzieren

Wenn Sie ab 58 die Stunden senken wollen, lohnt ein kurzer Dreischritt:

Erstens rechnen Sie den Effekt in Euro gegen – nicht nach Gefühl, sondern mit der obenstehenden Formel.

Zweitens denken Sie das Risiko mit, dass aus Teilzeit später eine Unterbrechung wird (Arbeitslosigkeit, längere Krankheit, finanzielle Engpässe).

Drittens prüfen Sie, ob ein anderes Modell besser passt: Altersteilzeit mit Puffer, ein sinnvoll gestalteter Midijob, oder – je nach Situation – eine Kombination aus Teilrente und Weiterarbeit, die die Planung stabiler macht als ein „harter“ Bruch.

Wer Teilzeit wegen Pflege übernimmt, sollte zusätzlich prüfen, ob Rentenbeiträge über die Pflegeversicherung möglich sind. Das schließt nicht jede Lücke, kann aber einen Teil des Punkteverlusts abfedern.

FAQ

Ist Teilzeit ab 58 immer ein Fehler?
Nein. Sie wird zur Falle, wenn sie mehrere Jahre läuft, das Einkommen deutlich sinkt und anschließend Unterbrechungen oder ein vorgezogener Rentenstart dazukommen.

Warum sind die letzten Jahre so wichtig?
Weil jeder fehlende Entgeltpunkt lebenslang wirkt – und kurz vor Rentenbeginn kaum noch Zeit bleibt, das Minus später wieder auszugleichen.

Was ist der häufigste Denkfehler?
„Ich arbeite ja weiter, also wird die Rente schon passen.“ Entscheidend ist nicht, ob Sie arbeiten, sondern wie viele Entgeltpunkte pro Jahr dabei entstehen – und ob zusätzlich Abschläge greifen.