Schwerbehinderung: Was kosten Fahrten im ICE mit einem Schwerbehindertenausweis?

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Wer mit dem ICE fährt, braucht grundsätzlich eine reguläre Fahrkarte. Ein Schwerbehindertenausweis (SBA) senkt den ICE-Preis nicht automatisch – die üblichen Tarife wie Super Sparpreis, Sparpreis oder Flexpreis gelten unverändert. Die Deutsche Bahn stellt klar: „Sie erhalten mit Ihrem Schwerbehindertenausweis keine Ermäßigung auf den Fahrpreis.“

Ausnahmefälle: Wann der ICE mit Wertmarke tatsächlich kostenlos sein kann

Die unentgeltliche Beförderung mit SBA und Wertmarke gilt bundesweit im Nahverkehr (S-Bahn, RB, RE, IRE u.a.). Im Fernverkehr (ICE/IC/EC) greift sie nur ausnahmsweise, nämlich dort, wo einzelne Fernverkehrsverbindungen ausdrücklich für Verbund- bzw. Nahverkehrstickets freigegeben sind.

Auf solchen Strecken akzeptiert die Bahn nicht nur Deutschland- und Verbundtickets, sondern räumt ausdrücklich ein: Reisende mit Schwerbehindertenausweis und Wertmarke dürfen die freigegebenen IC/ICE kostenfrei nutzen.

Welche Linien das sind (z. B. Berlin–Prenzlau, Dresden–Chemnitz, Rostock–Stralsund u.a.), veröffentlicht die DB fortlaufend; die Anerkennung ist zudem in der Reiseauskunft gekennzeichnet. Prüfen Sie also Ihre konkrete Verbindung vor Fahrtantritt.

Begleitperson und Assistenzhund: Kostenfrei – auch im ICE

Steht im Ausweis das Merkzeichen „B“ („Begleitperson erforderlich“), fährt eine Begleitperson in Deutschland kostenfrei mit – auch im Fernverkehr. In der Praxis wird dafür meist eine sogenannte Nullpreis-Fahrkarte ausgegeben; sie erhalten diese in DB-Verkaufsstellen oder über die Mobilitätsservice-Zentrale. Assistenz- und Blindenführhunde reisen ebenfalls kostenlos.

Sitzplätze, 1. Klasse und Service ohne Aufpreis

Mit Merkzeichen „B“ können bis zu zwei Sitzplätze (bzw. Stellplätze) kostenlos reserviert werden; das läuft über die DB-Reisezentren oder die Mobilitätsservice-Zentrale. Wer das seltene Merkzeichen „1.Kl.“ im Ausweis hat, darf mit einer Fahrkarte der 2. Klasse in der 1. Klasse reisen; im Nahverkehr sogar ganz ohne Fahrkarte, sofern zusätzlich eine Wertmarke vorliegt.

Ermäßigte BahnCard: Der eigentliche Preisvorteil

Einen echten Hebel beim ICE-Preis bietet die ermäßigte BahnCard. Schwerbehinderte Menschen mit einem Grad der Behinderung von mindestens 70 (oder Rentenbeziehende wegen voller Erwerbsminderung) bekommen die BahnCard 25 bzw. 50 zum reduzierten Jahrespreis.

Aktuell kostet die ermäßigte BahnCard 25 (2. Klasse) 40,90 €, die ermäßigte BahnCard 50 (2. Klasse) 122 €. Damit sinken Flexpreise um 25 % bzw. 50 %, Sparpreise um 25 %.

Wertmarke: Kostenlos im Nahverkehr – neue Beträge seit 2025

Für die unentgeltliche Beförderung im Nahverkehr ist eine Wertmarke notwendig. Seit 1. Januar 2025 kostet sie regulär 104 € pro Jahr bzw. 53 € pro Halbjahr; sie ist u. a. für Blinde/Hilflose sowie bestimmte Sozialleistungsbeziehende kostenfrei.

Mit Wertmarke fahren Sie in allen Nahverkehrszügen (RB, RE, IRE, S-Bahn u.a.) gratis; im ICE gilt dies nur auf den oben beschriebenen freigegebenen Strecken.

Fahrkarte im Zug kaufen: Sonderregel für Schwerbehindertenausweis-Inhaber

Falls Sie Ihre Fernverkehrsfahrkarte nicht vorab kaufen konnten, dürfen Sie mit Schwerbehindertenausweis oder Feststellungsbescheid ein Flexpreis-Ticket auch an Bord erwerben. Die Bezahlung erfolgt nachgelagert per Rechnung (etwa via Überweisung oder PayPal) innerhalb von 14 Tagen.

Fahrgastrechte: Entschädigung nur, wenn Sie bezahlt haben

Wer komplett kostenlos unterwegs ist (z. B. Nahverkehr mit Wertmarke), erhält bei Verspätungen keine Fahrpreiserstattung – es wurde ja kein Preis entrichtet. Sobald jedoch für die Reise eine Fahrkarte gekauft wurde, gelten die üblichen Fahrgastrechte, unabhängig davon, ob einzelne Abschnitte kostenfrei waren.

Was bedeutet das unterm Strich für den ICE-Preis?

Der ICE kostet mit Schwerbehindertenausweis im Regelfall genauso viel wie ohne – abhängig von Strecke, Auslastung und Tarif. Preislich profitieren Sie über die ermäßigte BahnCard und über die kostenfreie Mitnahme einer Begleitperson oder eines Assistenzhundes.

Ganz gratis wird der ICE nur auf wenigen, ausdrücklich freigegebenen Linien, wenn Sie zusätzlich eine gültige Wertmarke haben und die Verbindung in der Auskunft als freigegeben ausgewiesen ist.

Praktischer Fahrplan für die Buchung

Prüfen Sie zuerst in der DB-Reiseauskunft, ob Ihr ICE/IC-Abschnitt als „für Verbund/Nahverkehr freigegeben“ angezeigt wird. Ist das nicht der Fall, wählen Sie wie üblich Spar- oder Flexpreise; mit GdB ≥ 70 lohnt sich die ermäßigte BahnCard. Reisen Sie mit Begleitung und „B“-Merkzeichen, lassen Sie sich Nullpreis-Ticket und kostenlose Reservierungen im Reisezentrum oder über die MSZ ausstellen. So sichern Sie sich die verfügbaren Vorteile und vermeiden Missverständnisse beim Boarding.