Pflege macht viele Menschen arm, und das ist die Regel, nicht die Ausnahme. Eine aktuelle Allensbach-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit zeigt: Fast jede zweite Pflegeperson erlebt Pflegearmut bei sich selbst oder im persönlichen Umfeld.
Das betrifft vor allem der Verlust des Eigenheims oder großer Teile der Ersparnisse durch Pflegekosten.
Inhaltsverzeichnis
Pflegearmut 2026: Jede zweite Pflegeperson betroffen
Laut Umfrage berichten rund 50 Prozent der Pflegepersonen, dass Pflege bei ihnen selbst oder im Umfeld zu massiven finanziellen Verlusten geführt hat. In der Gesamtbevölkerung liegt der Anteil der Betroffenen bei 31 Prozent. Der DAK-Pflegereport zeigt damit, dass finanzielle Überforderung in Familien und Nachbarschaften zum Normalfall wird.
Pflegeheim-Kosten als Armutsfalle: DAK fordert Begrenzung der Eigenanteile
DAK-Vorstandschef Andreas Storm warnt, Pflegearmut sei „sozialer Sprengstoff“, wenn Menschen Haus oder Ersparnisse verlieren. Er fordert eine umfassende Reform von Bund und Ländern – vor allem eine Lösung zur Begrenzung der „explodierenden Heimkosten“.
Ziel müsse sein, dass Pflege im Heim nicht zur Armutsfalle für Bewohner und Angehörige wird.
Pflegereform jetzt: 69 Prozent der Deutschen wollen grundlegende Änderungen
In der Sonderanalyse zum Pflegereport wurden im Februar 2026 über 2.100 Menschen zwischen 16 und 75 Jahren zu ihren Erwartungen an eine Pflegereform befragt. Zwei Drittel bewerten die aktuelle Pflegesituation als schlecht. 50 Prozent erwarten sogar eine weitere Verschlechterung. Entsprechend halten 69 Prozent eine umfassende Reform des Pflegesystems für notwendig.
Pflegegeld kürzen? Klare Absage der Bevölkerung
Trotz Reformdruck gibt es für viele eine rote Linie: Leistungskürzungen beim Pflegegeld will kaum jemand akzeptieren. 67 Prozent der Befragten finden Kürzungen beim Pflegegeld inakzeptabel.
Gleichzeitig zeigt die Umfrage, dass bestimmte Reformen grundsätzlich mehrheitsfähig wären. Dabei geht es vor allem um Änderungen in der Struktur und Finanzierung. Das Streichen zentraler Leistungen lehnt hingegen der Großteil der Befragten ab.
Pflegeversicherung 2026: Mehrheit rechnet mit höheren Beiträgen
Viele rechnen damit, dass eine Reform Geld kosten wird. 61 Prozent halten Beitragserhöhungen oder Leistungskürzungen für unvermeidlich. Die Hälfte erwartet deutlich steigende Pflegebeiträge, weitere 36 Prozent moderat steigende Beiträge. 51 Prozent halten höhere Beiträge für akzeptabel, wenn der Staat die Absicherung von Pflegebedürftigkeit komplett übernimmt.
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Pflegereform 2026: DAK fordert faire Lastenverteilung zwischen Staat, Kassen und Betroffenen
Mit Blick auf die angekündigte Reforminitiative aus dem Gesundheitsministerium fordert Storm eine Finanzierungs-Architektur, die Lasten „fair und nachhaltig“ verteilt. Gemeint ist eine gerechte Aufteilung zwischen Beitragszahlenden, Steuerzahlenden und Pflegebedürftigen.
Ohne eine als gerecht empfundene Lastenverteilung werde die Pflegereform nach Einschätzung der DAK kaum gesellschaftliche Akzeptanz finden.
FAQ: Die fünf wichtigsten Fragen zur Pflegearmut und Pflegereform
Was bedeutet „Pflegearmut“ in der Umfrage konkret?
Gemeint ist, dass Pflegebedürftigkeit oder Pflegekosten dazu führen, dass Menschen ihr Haus verkaufen müssen oder große Teile ihrer Ersparnisse verlieren.
Wie viele Menschen sind laut DAK-Umfrage betroffen?
Bei Pflegepersonen berichtet fast jede zweite Person von Pflegearmut im eigenen Umfeld oder bei sich selbst. In der Gesamtbevölkerung sind es 31 Prozent.
Warum stehen die Pflegeheim-Kosten besonders im Fokus?
Weil steigende Eigenanteile im Heim viele Haushalte finanziell überfordern und Angehörige häufig mitzahlen oder Vermögen aufbrauchen müssen.
Lehnt die Bevölkerung Einschnitte in der Pflege ab?
Nicht grundsätzlich. Jeder zweite Befragte wäre für langfristige Verbesserungen zu Einschnitten bereit – aber Kürzungen beim Pflegegeld werden deutlich abgelehnt.
Was erwarten die Menschen bei der Finanzierung der Pflegeversicherung?
Viele rechnen mit höheren Beiträgen. Eine Mehrheit fände höhere Beiträge akzeptabel, wenn der Staat die Absicherung von Pflegebedürftigkeit vollständig übernimmt.
Fazit: Pflegereform muss Pflegearmut stoppen – ohne Pflegegeld zu opfern
Der DAK-Pflegereport 2026 macht deutlich, wie stark Pflegekosten inzwischen in private Existenzen einschlagen. Wenn Pflege zur Armutsfalle wird, verliert das System Legitimität. Die Umfrage zeigt zugleich: Reformen sind mehrheitsfähig, aber Kürzungen beim Pflegegeld stoßen auf klare Ablehnung.
Entscheidend wird sein, ob eine Pflegereform die Heimkosten wirksam begrenzt und die Finanzierung so gestaltet, dass die Lasten als gerecht verteilt gelten.




