Wer heute auf die Entwicklung der gesetzlichen Rente blickt, stößt schnell auf eine schwierige Frage: Welche Jahrgänge stehen im Vergleich besonders schlecht da? Eine einfache Antwort gibt es nicht, denn die spätere Rente hängt von Beitragsjahren, Einkommen, Kindererziehungszeiten, Arbeitslosigkeit, Teilzeitphasen und möglichen Abschlägen ab. Dennoch lässt sich statistisch erkennen, welche Jahrgänge in besonders ungünstige Rentenjahre gefallen sind.
Als Anhaltspunkt dient dabei nicht allein die durchschnittliche Rentenzahlung, sondern vor allem das sogenannte Rentenniveau. Es beschreibt, wie eine standardisierte gesetzliche Rente im Verhältnis zum durchschnittlichen Einkommen steht. Nach Daten, die unter anderem von der Deutschen Rentenversicherung veröffentlicht werden, lagen die schwächsten Werte der vergangenen Jahre besonders in der Mitte der 2010er-Jahre.
Warum ausgerechnet bestimmte Jahrgänge betroffen sind
Besonders niedrige Werte beim Rentenniveau wurden fĂĽr die Jahre 2014, 2015, 2016 und 2018 genannt. Der niedrigste Wert lag demnach 2015 bei 47,7 Prozent. In den Jahren 2014, 2016 und 2018 lag das Niveau jeweils bei 48,1 Prozent.
Damit geraten vor allem jene Menschen in den Blick, die in diesen Jahren ihre reguläre Altersgrenze erreichten. Nach der stufenweisen Anhebung des Renteneintrittsalters waren das vor allem die Geburtsjahrgänge der späten 1940er- und frühen 1950er-Jahre. Besonders häufig genannt werden die Jahrgänge 1949, 1950, 1951, 1952 und 1953.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Person aus diesen Jahrgängen automatisch eine besonders niedrige Rente bekommt. Wer lange gearbeitet, gut verdient und wenige Erwerbsunterbrechungen hatte, kann auch in diesen Jahrgängen eine solide gesetzliche Rente beziehen. Umgekehrt können jüngere oder ältere Versicherte bei lückenhaften Erwerbsbiografien ebenfalls nur geringe Ansprüche erreichen.
Die Jahrgänge mit statistisch ungünstiger Ausgangslage
Die folgende Übersicht zeigt, welche Geburtsjahrgänge besonders mit den Jahren zusammenfallen, in denen das Rentenniveau niedrig war. Sie ist als Orientierung zu verstehen, nicht als Aussage über die einzelne Rentenhöhe.
| Geburtsjahrgang | Einordnung |
|---|---|
| 1949 | Ein Teil dieses Jahrgangs erreichte die Regelaltersgrenze 2014 und 2015, also in Jahren mit sehr niedrigem Rentenniveau. |
| 1950 | Dieser Jahrgang fiel besonders stark in das Jahr 2015 sowie teilweise in 2016 und gilt deshalb statistisch als besonders betroffen. |
| 1951 | Viele Versicherte dieses Jahrgangs erreichten die reguläre Altersgrenze 2016 oder 2017; 2016 lag das Rentenniveau niedrig. |
| 1952 | Der Jahrgang war teilweise mit den Jahren 2017 und 2018 verbunden; 2018 wurde erneut ein niedriger Wert erreicht. |
| 1953 | Ein Teil dieses Jahrgangs erreichte die Altersgrenze 2018 oder 2019 und war damit ebenfalls von einem schwachen Vergleichsjahr berĂĽhrt. |
Was das Rentenniveau wirklich aussagt
Das Rentenniveau ist kein individueller Kontoauszug. Es zeigt nicht, wie viel Geld eine konkrete Rentnerin oder ein konkreter Rentner monatlich erhält. Vielmehr vergleicht es eine rechnerische Standardrente mit dem durchschnittlichen Einkommen von Beschäftigten.
Diese Standardrente unterstellt 45 Beitragsjahre mit einem Einkommen in Höhe des jeweiligen Durchschnittsverdienstes. Wer weniger Jahre gearbeitet, lange in Teilzeit verdient oder nur geringe Löhne erhalten hat, kommt oft deutlich darunter. Wer überdurchschnittlich verdient oder zusätzliche Altersvorsorge aufgebaut hat, steht besser da.
Gerade deshalb ist die Aussage „Diese Jahrgänge bekommen am wenigsten“ mit Vorsicht zu lesen. Statistisch sind vor allem die Jahrgänge rund um 1950 benachteiligt, weil sie in eine Phase mit niedrigem Rentenniveau fielen. Die persönliche Rentenhöhe kann davon aber erheblich abweichen.
Frauen sind häufiger von niedrigen Renten betroffen
Bei niedrigen Renten spielt nicht nur der Geburtsjahrgang eine Bedeutung, sondern auch die Erwerbsbiografie. Besonders Frauen aus älteren Jahrgängen haben oft kürzere Beitragszeiten, längere Familienphasen und häufigere Teilzeitbeschäftigung vorzuweisen. Dadurch fallen ihre gesetzlichen Renten im Durchschnitt niedriger aus als die vieler Männer.
Hinzu kommt, dass frühere Jahrgänge in einer Arbeitswelt tätig waren, in der Unterbrechungen wegen Kindererziehung oder Pflege seltener durch spätere Vollzeitarbeit ausgeglichen wurden. Auch Minijobs, gering entlohnte Beschäftigung und fehlende betriebliche Altersvorsorge verschärfen die Lage. Deshalb ist Altersarmut bei Frauen weiterhin ein besonders ernstes Thema.
Warum die Babyboomer nicht automatisch schlechter stehen
Häufig wird angenommen, dass vor allem die Babyboomer die schlechtesten Renten bekommen. Das stimmt so nicht. Viele Angehörige der geburtenstarken Jahrgänge haben lange Erwerbszeiten, höhere Löhne und teilweise zusätzliche Vorsorgeansprüche aufgebaut.
Allerdings stehen sie vor anderen Problemen. Die Jahrgänge ab Ende der 1950er- und Anfang der 1960er-Jahre müssen mit einer höheren Regelaltersgrenze planen. Wer früher gehen will, muss je nach Rentenart mit Abschlägen rechnen.
Für alle ab 1964 Geborenen gilt nach geltender Rechtslage grundsätzlich die Regelaltersgrenze von 67 Jahren. Die Anhebung der Altersgrenze erfolgt seit Jahren schrittweise. Dadurch verschiebt sich die Frage niedriger Renten zunehmend von einzelnen Jahrgängen hin zu Erwerbsverläufen, Löhnen und Vorsorgeverhalten.
Geringe Rente heiĂźt nicht immer geringe AlterseinkĂĽnfte
Eine niedrige gesetzliche Rente bedeutet nicht zwingend, dass das gesamte Einkommen im Alter niedrig ist. Manche Menschen erhalten zusätzlich eine Betriebsrente, private Rentenzahlungen, Mieteinnahmen oder Einkommen des Partners. Andere haben zwar eine kleine gesetzliche Rente, aber Vermögen oder Wohneigentum.
Trotzdem bleibt die gesetzliche Rente für viele Menschen die wichtigste Einnahmequelle im Alter. Wer dort nur geringe Ansprüche hat und keine nennenswerten Zusatzquellen besitzt, kann schnell in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Besonders betroffen sind Menschen mit niedrigen Löhnen, langen Erwerbslücken oder einem frühen Rentenbeginn mit Abschlägen.
Was Betroffene prĂĽfen sollten
Wer zu den genannten Jahrgängen gehört und nur eine niedrige Rente erhält, sollte prüfen, ob alle Zeiten korrekt erfasst wurden. Dazu zählen Kindererziehungszeiten, Pflegezeiten, Ausbildungszeiten, Arbeitslosigkeit und Zeiten mit Krankengeld. Fehler im Versicherungskonto können die monatliche Rente spürbar senken.
Auch ein möglicher Anspruch auf Grundrente kann wichtig sein. Sie richtet sich an Menschen mit langen Versicherungszeiten und unterdurchschnittlichem Einkommen. Zusätzlich kann bei sehr geringem Einkommen im Alter ein Anspruch auf Grundsicherung bestehen.
Für jüngere Jahrgänge ist die Lehre aus der Statistik klar: Niedrige Renten entstehen meist nicht plötzlich am Ende des Berufslebens. Sie sind oft das Ergebnis vieler Jahre mit niedrigen Beiträgen. Wer noch Zeit bis zum Ruhestand hat, sollte deshalb regelmäßig die Renteninformation prüfen und zusätzliche Vorsorge einplanen.
Kurzes Beispiel aus der Praxis
Eine Frau des Jahrgangs 1950 arbeitete viele Jahre in Teilzeit, weil sie Kinder erzog und später Angehörige pflegte. Mit 65 Jahren und vier Monaten erreichte sie ihre reguläre Altersgrenze in einer Zeit, in der das Rentenniveau besonders niedrig war. Ihre gesetzliche Rente fiel deshalb nicht nur wegen des Jahrgangs, sondern vor allem wegen der niedrigen Beitragsjahre gering aus.
Ein früherer Kollege desselben Jahrgangs erhielt dagegen deutlich mehr. Er arbeitete 45 Jahre in Vollzeit, verdiente meist über dem Durchschnitt und hatte zusätzlich eine Betriebsrente. Das Beispiel zeigt: Der Jahrgang kann eine ungünstige statistische Ausgangslage beschreiben, entscheidet aber nicht allein über die tatsächliche Rente.
Häufige Fragen zu niedrigen Renten nach Jahrgängen
Welche Jahrgänge bekommen statistisch besonders niedrige Renten?
Besonders häufig genannt werden die Geburtsjahrgänge rund um 1949 bis 1953. Diese Jahrgänge erreichten ihre reguläre Altersgrenze teilweise in Jahren, in denen das Rentenniveau besonders niedrig war. Vor allem die Jahrgänge 1949 und 1950 fallen dabei auf, weil sie nahe am Tiefpunkt des Jahres 2015 lagen.
Bedeutet ein bestimmter Jahrgang automatisch eine niedrige Rente?
Nein. Der Jahrgang allein entscheidet nicht über die tatsächliche Rentenhöhe. Entscheidend sind vor allem Beitragsjahre, Einkommen, Teilzeitphasen, Kindererziehungszeiten, Arbeitslosigkeit und mögliche Abschläge. Menschen desselben Jahrgangs können deshalb sehr unterschiedliche Renten erhalten.
Warum waren die Renten für einige Jahrgänge besonders ungünstig?
Einige Jahrgänge gingen in Jahren in Rente, in denen das Rentenniveau vergleichsweise niedrig war. Das betrifft vor allem die Mitte der 2010er-Jahre. Der niedrigste Wert wurde 2015 erreicht, weshalb Versicherte rund um den Jahrgang 1950 statistisch besonders betroffen sein können.
Sind Frauen häufiger von niedrigen Renten betroffen?
Ja, Frauen aus älteren Jahrgängen sind häufiger betroffen. Viele hatten längere Familienphasen, arbeiteten häufiger in Teilzeit oder unterbrachen ihre Erwerbstätigkeit wegen Kindererziehung und Pflege. Dadurch wurden über das Berufsleben hinweg oft weniger Rentenbeiträge gezahlt.
Was können Betroffene bei einer niedrigen Rente tun?
Betroffene sollten prüfen, ob alle Zeiten im Versicherungskonto korrekt erfasst sind. Dazu gehören Kindererziehungszeiten, Pflegezeiten, Ausbildungszeiten, Arbeitslosigkeit und Krankengeldzeiten. Außerdem können Ansprüche auf Grundrente oder Grundsicherung im Alter geprüft werden.
Fazit
Die niedrigsten Renten lassen sich nicht pauschal einem einzigen Geburtsjahr zuschreiben. Statistisch besonders ungünstig stehen jedoch die Jahrgänge rund um 1949 bis 1953 da, weil sie teilweise in Jahren mit besonders niedrigem Rentenniveau regulär in den Ruhestand gingen. Am stärksten fällt dabei der Blick auf die Jahrgänge 1949 und 1950, die besonders nah am Tiefpunkt des Jahres 2015 liegen.
Für die einzelne Person bleibt aber entscheidend, wie viele Beitragsjahre zusammenkommen und wie hoch das Einkommen während des Erwerbslebens war. Niedrige Renten sind deshalb weniger ein reines Jahrgangsproblem als ein Spiegel der gesamten Erwerbsbiografie. Wer betroffen ist, sollte sein Versicherungskonto prüfen und mögliche ergänzende Ansprüche nicht ungenutzt lassen.
Quellen
Grundlagen und Statistiken stammen unter anderem aus Veröffentlichungen der Deutschen Rentenversicherung, dem Rentenatlas der Deutschen Rentenversicherung sowie Informationen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zur Altersgrenze.




