Hartz IV Empfängerin in Bayern sitzen gelassen

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Frohes Neues Jahr – Bitte um Solidarität am 08.01.2007 in München: Hartz IV-Empfängerin wird vom Paritätischen Bayern zu Weihnachten auf 5.500 Euro Investitionskosten in den Job sitzen gelassen

Die "arbeitsunwilligen" Hartz IV-Empfänger schüren in der Öffentlichkeit Vorurteile. Die arbeitswilligen Hartz IV-Empfänger werden hingegen sogar von Wohlfahrtsverbänden durch Willkür in die Verzweiflung getrieben und von der Gesellschaft sowie Gewerkschaften ausgegrenzt.

Die Geschichte: Als die Kinder das Haus in der Provinz verlassen, beschließt eine alleinerziehende Betriebswirtin und Unternehmensberaterin sowie Nordic-Walking-Trainerin den Wiedereinstieg in den Beruf. Als Controllerin, Allrounderin und Nordic-Walking-Fachfrau bewirbt sie sich in Nürnberg, 450 km von ihrem Zuhause entfernt für 2007. Vom Paritätischen wird sie für das Albert-Schweitzer-Heim, eine Nobelseniorenwohnanlage in Nürnberg Ende Oktober 2006 eingestellt. Man möchte, dass sie sofort am 01.11.2006 anfängt. Das kann die alleinerziehende Mutter wegen der Entfernung so schnell nicht einrichten. Sie schlägt den 01.02.2007 als Einstellungstermin vor und bietet ein 4-wöchiges kostenloses Praktikum vorab an, um soviel wie möglich sofort helfen zu können und den Arbeitsplatz sichern zu können. Der Arbeitgeber vereinbart mit ihr schriftlich einen Jahresvertrag ab 01.02.2007, Gehalt 865 Euro/Monat und freut sich über das kostenlose Praktikum. Die ARGE sagt hierzu noch weitere Förderung für den Arbeitgeber zu. Die Arbeitnehmerin kauft Bahncard 100 für 3.300 Euro und Notebook für 800 Euro sowie etwas neue Bekleidung und startet hoch motiviert. Über die Verhältnisse, die síe am Arbeitsplatz vorfindet, ist sie sehr irritiert bis schockiert. Sie findet Datenschutzverletzungen und Mißwirtschaft vor und regt als Controllerin an, wirtschaftlicher zu arbeiten, statt Verschwendung zu betreiben. Sie engagiert sich und bietet auch unterbrechungsfreie Fortführung nach dem Praktikum sowie Vorziehung des Vertrages an. Das wird vom Heim begrüßt und mündlich bestätigt. Bevor die Arbeitnehmerin das endgültige Zimmer in Nürnberg anmieten will, bittet sie den Arbeitgeber um die Bestätigung des vorgezogenen Arbeitsvertrages per 01.01.2007 sowie eine ungefähre Stellenbeschreibung.

Das ist dem Arbeitgeber unbequem. Die Arbeitnehmerin beschwert sich beim Vorstand. Der Vorstand als Vorgesetzter lässt sie bis heute alleine und reagiert nicht. Am 23.12.2006 erhält die Arbeitnehmerin, die ununterbrochen von der Heimleitung für ihr Wissen, Vorgehen und Engagement gelobt wurde, keinen Cent für ihre Mitarbeit herhalten hat, die unzulässige Kündigung vor Antritt zum 01.02.2007. Sie soll vom Paritätischen auf den Investitionskosten von 5.500 Euro für den Jahresvertrag sitzen gelassen werden. Für sie als HartzIV-Empfängerin bedeutet das absolute Verzweiflung zu Weihnachten.

Diese Willkür hält die hochmotivierte Arbeitnehmerin für einen neuen Höhepunkt in der Ausgrenzung nichtpriviligierter HartzIV-Empfänger, über die jeder her zieht: Jemanden einen Monat kostenlos arbeiten lassen und ihn dafür auf 5.500 Euro als Spitzen-Wohlfahrtsverband, der sich Chancengleichzeit, Menschlichkeit und Solidarität ins Leitbild schreibt, sitzen lassen. Auch die ganze Korrespondenz, die geführt werden mußte und weiterhin z.B. vor dem Arbeitsgericht von ihr zu führen ist, scheint ihr als Hartz IV-Empfängerin unzumutbar. Erschwerend hinzu kommt, dass sie wegen ihrer Eloquenz oft nicht mal als HartzIV-Empfängerin glaubwürdig auftreten kann. Dabei gilt inzwischen, auch wer Deutsch sehr gut in Wort und Schrift beherrscht und überzeugend auftreten kann wird ein HartzIV-Fall, vor allen Dingen als alleinerziehende Mutter über 45 Jahre. Nur diesem Personenkreis hilft keiner, weil man sie anders einschätzt.

Die Arbeitnehmerin fordert hiermit den Spitzenwohlfahrtsverband öffentlich heraus, sein Handeln seinem Leitbild anzupassen und ihr den vereinbarten Job oder einen anderen entsprechenden zu geben. Sie hilft gerne, seinen oftmals betriebsblinden Häusern endlich effizient arbeiten zu können, statt Selbstzweck zu sein. Ohne öffentlichen Druck scheint das wenig erfolgsversprechend.

Die Arbeitnehmerin meint zudem: Die Gesellschaft teile sich schon lange nicht mehr in Leistende und Nichtleistende. Sie teile sich in Priviligierte und Nicht-Priviligierte. Dabei haben die Priviligierten das Gefühl, es reiche nicht für alle, also müssten andere ausgebeutet, ausgegrenzt und abgewehrt werden. Für dieses Mobbing auf der einen Seite, sollen sich Arbeitslose dann noch von Fallmanagern, Nachbarn und anderen demütigen lassen und Willkür hingeben. Dazu auf Kosten sitzen gelassen werden. So geht es nicht weiter.

Auf dieser Pressekonferenz möchte die Arbeitnehmerin eine neue Gerechtigkeitsdiskussion, in einer Zeit, in der es erkennbar nicht mehr Arbeit für alle gibt, anstoßen und den Paritätischen bitten, sein Wort zu halten und ihr Arbeit zu lassen. Sie ist bereit für 865 Euro brutto = netto 670 Euro im Monat ein Jahr bei ihm zu optimieren.

Die Arbeitnehmerin führt selbst als ehrenamtlicher Vorstand einen kleinen Sportverein und kommt dabei ohne staatlichen Zuschüsse aus. Sie weiß, wovon sie spricht.

Dazu bietet sie auf ihrer Seite www.nwsa.de ihre Mitarbeit allen sozialen Institutionen sowie der freien Wirtschaft an, die sich in aller Regel jedoch schon vor Jahren reorganisiert hat. Soziale Institutionen müssen in Zeiten knappen Geldes auch endlich lernen, effizient zu arbeiten und dürfen nicht länger Selbstzweck sein, wollen sie überleben. Leitbilder müssen gelebt werden. (01.01.07, Sabine Körnig)

Pressekonferenz: Montag, den 08.01.2007, 15:00 Uhr in München, Hauptbahnhof, Hauptausgang.

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