Ein Bündnis aus 38 Organisationen fordert die Bundesregierung in einem offenen Brief auf, geplante Verschärfungen beim Bürgergeld zurückzunehmen. Kritisiert wird, dass die Reform aus Sicht der Unterzeichnenden Vertrauen nicht stärkt und die Arbeitsmarktintegration nicht verbessert, sondern vor allem den Druck erhöht.
Inhaltsverzeichnis
Leistungskürzungen treffen Kinder
Die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier unterstützt den offenen Brief und erklärt: „Rund 1,8 Millionen Kinder und Jugendliche beziehen Leistungen nach dem SGB II. In der politischen Debatte wird völlig außer Acht gelassen, dass sie die geplanten Verschärfungen unmittelbar betreffen – obwohl sie nichts für ihre Lage können.”
Sie befürchtet eine drastische Zunahme von Kinderarmt durch das Deckeln der Wohnkosten und das Kürzen der Leistungen. Konsequenzen wären zum Beispiel weniger Möglichkeit zur gesunden Ernährung und weniger Schulmaterial.
Kritikpunkt Sanktionen: Kinder und Familien wären mitbetroffen
Die Verbände warnen, dass frühere und umfangreichere Sanktionen in Bedarfsgemeinschaften nicht „nur“ einzelne Erwachsene treffen, sondern faktisch ganze Haushalte. Weil viele Bedarfsgemeinschaften Familien mit minderjährigen Kindern sind, könne das Kindeswohl beeinträchtigt werden.
Wohnkosten: Risiko von Mietschulden und Wohnungslosigkeit
Besonders scharf kritisiert wird, dass strengere Regeln bei der Übernahme der Wohnkosten Mietrückstände wahrscheinlicher machen könnten. Dadurch steige das Risiko von Wohnungsverlust und Wohnungslosigkeit, was wiederum Familien zusätzlich destabilisieren könne.
Umzüge: Verlust von Stabilität und sozialem Umfeld
Wenn Jobcenter und Kommunen stärkere Umzugsanreize zur Kostensenkung setzen, kann das nach Ansicht der Verbände gewachsene Unterstützung im Wohnumfeld zerstören. Betroffen wären dann auch Kita, Schule und vertraute Hilfen im Nahraum, die gerade für Kinder entscheidend sind.
Adressaten des offenen Briefs und politischer Hintergrund
Der Brief richtet sich laut Berichten an Bundeskanzler Friedrich Merz, Familienministerin Karin Prien und Sozialministerin Bärbel Bas sowie an die Fraktionen der Regierungsparteien. Die Reform gilt als zentrales sozialpolitisches Vorhaben; zugleich wird öffentlich mit Zielen wie „mehr Mitwirkung“ und „Missbrauchsbekämpfung“ argumentiert.
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Was die Verbände stattdessen verlangen
Gefordert wird, dass es keine Sanktionen geben darf, die Kinder mittelbar „mitbestrafen“ oder Familien existenziell gefährden. Außerdem solle die Übernahme der tatsächlichen Wohnkosten zumindest in der Anfangszeit gesichert bleiben und der Zugang zu Betreuung und Beratung realistisch ausgestaltet werden, damit Erwerbsarbeit tatsächlich möglich wird.
FAQ: Die fünf wichtigsten Fragen und Antworten
Worum geht es in dem offenen Brief?
Es geht um die Forderung von 38 Organisationen, geplante Verschärfungen beim Bürgergeld beziehungsweise der Grundsicherung zurückzunehmen. Die Verbände befürchten Nachteile für Familien und besonders für Kinder.
Was wird an den geplanten Sanktionen kritisiert?
Kritisiert wird, dass Sanktionen in Bedarfsgemeinschaften nicht bei einer Person „stehen bleiben“, sondern ganze Haushalte treffen können. Dadurch kann die Existenzsicherung von Familien und das Kindeswohl in Mitleidenschaft gezogen werden.
Warum spielen die Wohnkosten in der Kritik eine so große Rolle?
Weil strengere Wohnkostenregeln nach Ansicht der Verbände Mietschulden wahrscheinlicher machen und damit Wohnungslosigkeit begünstigen können. Gerade für Kinder hätte ein Wohnungsverlust besonders gravierende Folgen.
An wen richtet sich der Brief konkret?
Nach den Berichten geht er an Kanzler Friedrich Merz, Familienministerin Karin Prien und Sozialministerin Bärbel Bas sowie an die Fraktionen der Regierungsparteien.
Was fordern die Verbände als Mindeststandard?
Sie verlangen, dass Kinder nicht über Leistungskürzungen „mitbestraft“ werden und dass die Wohnkostenübernahme in der Anfangsphase gesichert bleibt. Zusätzlich fordern sie passende Betreuungs- und Beratungsstrukturen, damit Erwerbsarbeit für Eltern praktisch möglich ist.
Fazit
Die Kritik der 38 Organisationen zielt auf einen Kernpunkt: Verschärfungen bei Sanktionen und Wohnkosten treffen in der Praxis häufig nicht nur einzelne Leistungsberechtigte, sondern ganze Familien. Wenn dadurch Mietschulden, Umzüge oder sogar Wohnungslosigkeit wahrscheinlicher werden, drohen gerade Kinder den Preis für eine Reform zu zahlen, die eigentlich „mehr Integration“ verspricht.




