87-Jährige Rentnerin soll aus nach 70 Jahren aus der Wohnung zwangsgeräumt werden

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70 Jahre lebte Maricarmen Abascal in ihrer Wohnung in Madrid. Mit 87 Jahren musste sie ihr Zuhause nach einer Zwangsräumung verlassen.

Ihr Schicksal trieb Zehntausende auf die Straße – und wirft eine Frage auf, die auch in Deutschland viele Menschen umtreibt: Wer schützt Mieter, wenn ihr vertrautes Zuhause für sie unbezahlbar wird?

Hohe Mieten und Wohnungsnot sind auch hierzulande brennende Themen und prägten in Berlin den Wahlkampf zur Abgeordnetenhauswahl 2026. Dabei geht es um weit mehr als Quadratmeterpreise: Wer seine Wohnung verliert, riskiert auch den Verlust von Nachbarschaft, Unterstützung und Selbstständigkeit.

Nach 70 Jahren verliert Maricarmen ihr Zuhause

1956 zog Maricarmen mit ihren Eltern in die Wohnung im Madrider Stadtteil Retiro. Später übernahm sie den Mietvertrag. Nach dem Verkauf des Gebäudes an ein Immobilienunternehmen entstand ein Streit über dessen Fortbestand. Die neuen Eigentümer setzten sich vor Gericht durch.

Am 23. September 2026 endete der Konflikt nach mehreren gescheiterten Räumungsversuchen mit der Räumung. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa brachten Einsatzkräfte die in ihrer Mobilität eingeschränkte Rentnerin aus der Wohnung; anschließend kam sie in ein Krankenhaus.

Die Bilder machten sichtbar, was hinter dem nüchternen Begriff Zwangsräumung steht: Ein Mensch verliert den Ort, an dem er fast sein ganzes Leben verbracht hat.

Zehntausende protestieren gegen Verdrängung

Am folgenden Samstag demonstrierten in Madrid Zehntausende für bezahlbare Wohnungen und stärkere Mieterrechte. Wie viele Menschen teilnahmen, bleibt umstritten: Die Behörden nannten rund 25.000, die Veranstalter 300.000.

Unter dem Motto „Keine weitere Maricarmen“ richtete sich der Protest gegen eine Wohnungsordnung, in der selbst ein jahrzehntelanges Mietverhältnis keine Sicherheit mehr verspricht.

Die Protestierenden forderten besseren Schutz vor Räumungen, ein Einfrieren der Mieten und strengere Regeln für Zeitmietverträge. Ihr Ärger richtete sich sowohl gegen die linke Zentralregierung als auch gegen konservativ geführte Regionalregierungen.

Die Verantwortung für bezahlbares Wohnen lässt sich aus Sicht der Demonstranten nicht zwischen politischen Ebenen hin- und herschieben.

Berlin: Die Mietfrage bestimmte den Wahlkampf

Auch in Berlin stand die Wohnungsfrage im Zentrum des Wahlkampfs. ZDFheute bezeichnete den Wohnungsmarkt in seiner Wahlanalyse vom 21. September 2026 als Topthema. Schon der Vergleich der Wahlprogramme des rbb hatte Wohnen als wichtigstes Thema für die Berlinerinnen und Berliner herausgestellt.

Die Linke warb für ein öffentliches Bauprogramm, eine Behörde gegen illegale Mieten und die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne. Die SPD setzte auf eine „Mietenpolizei“ gegen Mietwucher. Die CDU stellte schnelleren Wohnungsbau und Mieterschutz heraus.

Für Menschen mit kleinen Renten oder niedrigen Löhnen entscheidet sich der Nutzen solcher Programme an einer konkreten Frage: Können sie eine Wohnung bezahlen, und können sie darin bleiben, wenn sich ihre Lebensumstände ändern?

Mietexplosion: Der Preissprung wirkt weiter

Die Berliner Zahlen zeigen, warum die Wohnungsfrage so drängt. Laut Investitionsbank Berlin lag die mittlere Angebotsmiete 2025 bei 15,78 Euro netto kalt je Quadratmeter. In vielen Innenstadtlagen erreichten die Angebote 20 Euro und mehr.

Zwischen 2022 und 2024 war die mittlere Angebotsmiete bereits um 4,20 Euro je Quadratmeter gestiegen.

2025 stieg dieser Wert gegenüber dem Vorjahr zwar nur noch um 0,3 Prozent. Die Angebotsmieten stagnierten damit auf einem Niveau, das viele Wohnungssuchende finanziell überfordert.

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Wenn selbst die kleinere Wohnung zu teuer wird

Der Abstand zwischen älteren Verträgen und teuren Wohnungsangeboten entsteht führt zusätzlich dazu, dass vorhandener Wohnraum nicht effizient genutzt wird: Ein Umzug kann in Berlin die monatlichen Ausgaben stark erhöhen, obwohl die neue Wohnung kleiner ist.

Für ältere Menschen kommt hinzu, dass eine günstigere Wohnung wenig hilft, wenn Treppen, fehlende Aufzüge oder große Entfernungen zu Angehörigen den Alltag erschweren.

Betroffene, die mit weniger Risiken in eine kleinere Wohnung ziehen würden, bleiben in der alten, weil es sicherer ist.

Deutschland: Auch die Nebenkosten erhöhen den Druck

Nach dem Betriebskostenspiegel des Deutschen Mieterbundes zahlten Mieter in Deutschland im Abrechnungsjahr 2024 durchschnittlich 2,67 Euro je Quadratmeter und Monat an Betriebskosten. Das waren mehr als sechs Prozent mehr als im Vorjahr.

Selbst eine unveränderte Kaltmiete schafft keine Sicherheit, wenn Heizung und andere Betriebskosten steigen. Die deutsche Debatte über bezahlbares Wohnen muss beide Teile der Rechnung berücksichtigen.

Welche Rechte Mieter in Deutschland haben

Der spanische Fall lässt sich rechtlich nicht einfach auf Deutschland übertragen. Hier gilt grundsätzlich: „Kauf bricht nicht Miete“. Nach § 566 BGB übernimmt der Käufer die Rechte und Pflichten aus dem bestehenden Mietverhältnis.

Ein Verkauf allein beendet nicht Ihren Mietvertrag nicht.

Gegen eine ordentliche Kündigung kann ein Härtewiderspruch nach § 574 BGB helfen. Das Gesetz nennt ausdrücklich den Fall, dass sich angemessener Ersatzwohnraum zu zumutbaren Bedingungen nicht beschaffen lässt. Liegt ein Grund für eine außerordentliche fristlose Kündigung vor, greift dieser Schutz nicht.

Wenn Sie eine Kündigung erhalten, sollten Sie diese frühzeitig beim Mieterverein oder anwaltlich prüfen lassen. Dokumentieren Sie zugleich Ihre Wohnungssuche und konkrete Hindernisse, etwa gesundheitlich bedingte Anforderungen an eine Ersatzwohnung.

Ein Härtewiderspruch garantiert keinen Verbleib, kann aber entscheidend dafür sein, dass Ihre persönliche Situation rechtlich berücksichtigt wird.

FAQ: Wohnungsnot und Mieterschutz

Warum löste Maricarmens Räumung so große Proteste aus?

Die 87-Jährige verlor nach rund 70 Jahren ihr Zuhause. Ihr Fall bündelt die Angst vieler Menschen, dass hohe Wohnkosten und Verdrängung auch vor besonders verletzlichen Mietern nicht haltmachen.

Sind die Berliner Mieten zuletzt weiter explodiert?

Die mittlere Angebotsmiete stieg 2025 nur um 0,3 Prozent. Sie blieb nach starken Anstiegen der Vorjahre jedoch auf hohem Niveau; Angebotsmieten sind außerdem von Bestandsmieten zu unterscheiden.

Müssen Sie ausziehen, wenn Ihr Vermieter das Haus verkauft?

Ein Verkauf allein beendet das Mietverhältnis in Deutschland nicht. Kommt eine Kündigung hinzu, sollten Sie deren Wirksamkeit und mögliche Härtegründe individuell prüfen lassen.

Quellen

Bundesministerium der Justiz / Bundesamt für Justiz: § 566 BGB und § 574 BGB
Deutscher Mieterbund: Betriebskostenspiegel für Deutschland, 18.12.2025
dpa / Südkurier: Von Mieten bis Müll: Was man zur Berlin-Wahl wissen muss
dpa / t-online: Ärger über Wohnungsnot setzt Spaniens Regierung unter Druck, 27.09.2026
Investitionsbank Berlin: IBB Wohnungsmarktbericht 2025
rbb: Wahlprogramm-Check: Mieten und Wohnen, 03.08.2026
Tagesschau: Großdemonstration nach Zwangsräumung bei 87-Jähriger, 27.09.2026
ZDFheute: Miete Topthema in Berlin, 21.09.2026

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