Wieder vier Todesopfer nach Stromabschaltung


02.11.2012

Immer häufiger können sich verarmte Haushalte die hohen Stromkosten nicht mehr leisten. Die Folge ist eine Stromabschaltung, wenn laufenden Kosten nicht mehr bezahlt werden können. Die Sozialgerichte urteilten unlängst, dass ein Darlehen für Hartz IV Bezieher aufgrund von Stromschulden seitens des Jobcenters nur dann in Frage kommt, wenn die Situation nicht „selbst verschuldet“ verursacht wurde. Strom muss von den regulären Hartz IV Regelleistungen getragen werden. Seit Jahren ist dieser Minibetrag nicht ausreichend, weil die Stromkonzerne die Kosten immer weiter in die Höhe treiben. So sind hunderttausende Haushalte akut von Stromabschaltungen bedroht.

Unfälle durch Kerzenbrand und Notstromaggregatoren
In dieser verzweifelten Lage versuchen Betroffene den fehlenden Strom nach einer Abschaltung mit Kerzen, Campingkochern oder Notstromaggregaten in den häuslichen vier Wänden auszugleichen. Dabei kommt es nicht selten zu folgenschweren Unfällen. Im August verbrannten beispielsweise vier Kinder nach einem Kerzenbrand in Saarbrücken, in Bochum erlitt ein Elternteil schwere Verbrennungen, das Kind erlitt glücklicherweise nur leichte Verletzungen nach dem Handtieren mit einem Campingkocher. In Niedersachsen starben Menschen, die aufgrund der Stromabschaltung sich mit einem Stromaggregaten beholfen hatten.

In einem aktuellen Fall in Thüringen starb ein Vater und seine drei Kinder. Der Vater der Familie hatten ebenfalls einen Notstromaggregat betrieben, weil die Stadtwerke den Strom abgeschaltet hatten. Dabei hatten sich giftige Gase in der Wohnung verteilt, woraufhin vier Menschen an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung verstarben.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gehörten zu der Familie sieben meist erwachsene Kinder. Die verstorbenen Jugendlichen waren 13, 14 und 15 Jahre alt und lebten eigentlich in einer Jugendhilfeeinrichtung. In den Herbstferien waren die Kinder bei dem Vater zu Besuch. Laut Polizeiangaben wurde der Notstromaggregat im Keller betrieben. Allerdings wurden die Abgase nicht sachgemäß abgeleitet, woraufhin sich Kohlenmonoxid in der Wohnung verteilte. Weil Kohlenmonoxid nicht bemerkt wird, konnten die Kinder und der Vater den Gefahr nicht erkennen und verstarben.

Verbot von Stromabschaltungen gefordert
Sozialverbände fordern schon lange ein „Verbot von Stromabschaltungen“, weil ein Leben ohne Strom in einer Wohnung nicht möglich ist. Auch forderte der Deutsche Mieterbund eine schnelle Lösung des Problems der Unterdeckung bei Wohngeld und Hartz IV. Doch für die Politik steht das Thema trotz dramatischer Todesfälle nicht auf der Agenda. (sb)


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Bild: Andrea Damm / pixelio.de

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