Riester-Rente lohnt sich nur für Finanzhaie

Finger weg von der Riester-Rente

Riester-Rente lohnt sich nur für Finanzdienstleister

25.06.2013

Seit Einführung der Riester-Rente im Jahr 2002 setzen Millionen Menschen in unserem Land auf die staatlich geförderte private Altersvorsorge. Zahlreiche Versicherer bieten Verträge mit unterschiedlichen Produkten an, in die investiert werden kann. Banksparpläne, Versicherungen und Fondssparpläne sind darunter. Alle beinhalten eine Kapitalgarantie, die dem Riester-Sparer ein hohes Maß an Sicherheit vorgaukeln soll. De facto ist es mit dieser Sicherheit jedoch nicht weit her. Denn in vielen Fällen werden die eifrigen Sparer am Ende der Laufzeit gerade einmal den Betrag herausbekommen, den sie einmal eingezahlt haben. Und schlimmer noch: Treten die von einigen Finanzexperten proklamierten hohen Teuerungsraten ein, hat der Sparer am Ende sogar deutlich weniger als das, was er zuvor eingezahlt hat.

Wie funktioniert die Riester-Rente
Die Riester-Rente basiert im Gegensatz zur stattlichen Rente auf der sogenannten Kapitaldeckung, bei der jeder individuell für sich spart. Die Idee geht auf den ehemaligen SPD-Arbeitsminister Walter Riester zurück. Mit der Riester-Rente sollte einen Ausgleich für die Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus geschaffen werden. Kritiker spreche in diesem Zusammenhang jedoch mehr von einem „Ausverkauf der gesetzlichen Rente“.

Einen Riester-Vertrag kann jeder Arbeitnehmer abschließen, der Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt. Ebenso können Beamte, Soldaten, Richter sowie Selbstständige - vorausgesetzt Letztere sind Pflichtmitglied in der gesetzlichen Rentenversicherung - die geförderte private Altersvorsorge in Anspruch nehmen.

Der Staat unterstützt die private Altersvorsorge in Form von Zulagen und Steuervorteilen. Pro Person wird eine Grundzulage in Höhe von 154 Euro und für jedes Kind eine Kinderzulage von 185 Euro beziehungsweise 300 Euro, wenn das Kind nach 2007 geboren wurde, gewährt. Dafür muss jeder Riester-Sparer mindestens vier Prozent seines sozialversicherungspflichtigen Einkommens inklusive staatlicher Förderung einzahlen. Die Summe der maximal geförderten Einzahlungen liegt jedoch bei 2.100 Euro inklusive aller staatlichen Zulagen. Die eingezahlten Beträge sind als Sonderausgaben steuerlich absetzbar. Ist die steuerliche Ersparnis günstiger als die staatlichen Zulagen, erhält der Sparer den Differenzbetrag als Steuerersparnis.

Die Sparer haben die Möglich in unterschiedliche Produkte zu investieren. Danksparpläne, Versicherungen und Fondssparpläne stehen zur Auswahl. Alle müssen über eine Kapitalgarantie verfügen, die besagt, dass am Ende der Laufzeit mindestens der Betrag ausgezahlt wird, der zuvor eingezahlt wurde.

Wer profitiert von der Riester-Rente?
Aber genau darin liegt die Krux der Riester-Rente. Denn die staatlich bezuschusste Altersvorsorge wird als „sehr sicher“ beworben. Im Zuge des stetig absinkenden Rentenniveaus und unzähliger Berichte über Altersarmut fühlt sich der Normalbürger natürlich angesprochen von so viel „Sicherheit“. „Steuerersparnis und der Staat legt sogar noch ordentlich was drauf“, denken viele. Doch dahinter verbirgt sich ein ausgeklügeltes System, von dem vor allem die Finanzindustrie profitiert. Das Geschäft mit der Riester-Rente ist höchstprofitabel – nicht zuletzt deshalb, weil es kaum Auflagen gibt, wie mit dem Geld der Riester-Sparer verfahren werden muss. So berichtet Sahra Wagenknecht von der Linkspartei in einem Artikel in der „Jungen Welt“, dass es weder vom Gesetzgeber vorgeschriebene Mindestverzinsung der Beiträge noch ein Maximum für Abschlusskosten und Provisionen der Anbieter gebe. Zudem sei nicht generell gesetzlich geregelt, in welche Finanztitel die Beträge der Riester-Sparer investiert werden dürften. „Diese Nachlässigkeit des Gesetzgebers ist umso dreister, als es sich immerhin um ein vom Staat mit viel Geld gefördertes Projekt handelt und den Beschäftigten die elende Riesterei durch Zerstörung der gesetzlichen Rente faktisch aufgezwungen wird“, schreibt Wagenknecht.

Riester-Rente lohnt sich nur bei hoher Lebenserwartung
In ihrem Buch „Freiheit statt Kapitalismus“ weist die Politikerin der Linkspartei darauf hin, dass die Riester-Rente allein zu dem Zwecke geschaffen wurde, die anteilige Zahlung der Arbeitgeber zur Altersversorgung der Arbeitnehmer zu reduzieren und gleichzeitig die Profite der Arbeitgeber durch Senkung der Lohnosten zu erhöhen. Zudem sei in verschiedenen Studien belegt worden, dass die Renditephase einer privaten Altersvorsorge erst mit 85 Jahren beginne. „Wer 30 Jahre lang rund 100 Euro im Monat in eine Riester-Versicherung einzahlt und alle staatlichen Zulagen abgreift, der bekommt ab einem Alter von 67 Jahren je nach Anbieter eine Rente von 164 bis 189 Euro garantiert. Eine derart jämmerliche 'Rendite' hat die Umlagerente zumindestens in der Vergangenheit noch keinem Rentner geboten. Immerhin entsprechenden 181 € bei einer jährlichen Inflation von 2 Prozent nach 30 Jahren genau der Kaufkraft von heute 100 Euro. Der Rentner muss also 97 Jahre alt werden, um inflationsbereinigt wenigstens das wieder rauszuholen, was er eingezahlt hat“, kritisiert Wagenknecht. Der Großteil der staatlichen Zulagen werde durch die Kosten der Finanzanbieter aufgefressen.

Auch die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung kam im Rahmen einer Untersuchung der Riester-Rente im September vergangenen Jahres zu einem vernichtenden Urteil. „Bleiben die Reformen unverändert in Kraft, werden erhebliche Teile der Erwerbsbevölkerung in Altersarmut gleiten“, teilten die Experten des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Stiftung bei der Vorstellung einer Studie zur Rentenversicherung mit. „Die hohen Renditen, die die Versicherer in der Vergangenheit auf den Kapitalmärkten erzielten, haben sich nicht in einer entsprechend hohen Verzinsung der Einzahlungen in die Riester-Verträge niedergeschlagen", sagten die Autoren der Studie. Die „hohen offenen und versteckten Kosten der Riester-Verträge" seien ein wesentlicher Grund dafür. (ag)




Bild: Jerzy / pixelio.de

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