Zwei Menüs für Rentner für nur 9,90 Euro: “Hätte nicht gedacht, dass das so erfolgreich ist”

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Ein Restaurantbesuch, der für weniger als zehn Euro eine Suppe, ein Hauptgericht und einen Salat umfasst, ist inzwischen eine Seltenheit. Ein österreichischer Wirt zeigt jedoch, dass ein solches Angebot möglich ist und offenbar einen Bedarf trifft, der weit über die Gastronomie hinausweist.

Das Wirtshaus Zenkl im österreichischen Wildenstein bietet sogenannte „Stempler- und Rentnermenüs“ für 9,90 Euro an. Was zunächst als Angebot für die ruhigeren Wintermonate gedacht war, entwickelte sich nach Angaben des Wirts zu einem unerwarteten Erfolg.

Rentner bekommen ein komplettes Menü für 9,90 Euro

Der Gastronom Rudolf Tomaschitz-Türk führte das Angebot im Januar ein. Jeweils donnerstags und freitags stehen zwei preiswerte Gerichte zur Auswahl.

Für 9,90 Euro erhalten die Gäste eine Suppe, ein Hauptgericht und einen Salat. Unter den angebotenen Speisen befanden sich beispielsweise Zanderfilet mit Petersilienkartoffeln und Gemüse sowie Reisfleisch.

Bemerkenswert ist dabei, dass das günstige Essen trotz der Bezeichnung nicht ausschließlich Rentnerinnen und Rentnern vorbehalten ist. Nach Angaben des Wirts dürfen grundsätzlich alle Gäste die Menüs bestellen.

Angebot Details
Preis 9,90 Euro für Suppe, Hauptgericht und Salat
Tage Donnerstag und Freitag
Auswahl Zwei günstige Menüs
Berechtigte Angebot gilt grundsätzlich für alle Gäste
Ursprüngliche Planung Überbrückung der ruhigeren Zeit bis zum Frühling

Nachfrage überrascht selbst den Gastwirt

Ursprünglich sollte die Aktion vor allem dazu beitragen, die schwächeren Monate in der Gastronomie zu überbrücken. Der Erfolg fiel jedoch deutlich größer aus als erwartet.

Gegenüber der österreichischen „Kronen Zeitung“ erklärte der Wirt, man habe nicht damit gerechnet, dass das Angebot so gut angenommen werde.

Das Beispiel zeigt, dass günstige Preise nicht zwangsläufig ausschließlich als soziale Unterstützung verstanden werden müssen. Für einen Gastronomiebetrieb können sie zugleich zusätzliche Gäste in Zeiten bringen, in denen Tische ansonsten möglicherweise leer bleiben.

Gerade an bestimmten Wochentagen oder zu frühen Tageszeiten können solche Modelle deshalb wirtschaftlich interessant sein. Voraussetzung ist allerdings, dass Einkaufspreise, Personalaufwand und Auslastung eine entsprechende Kalkulation erlauben.

Warum solche Angebote bei Rentnern auf großes Interesse stoßen

Viele ältere Menschen müssen ihre monatlichen Ausgaben genau planen. Nach aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes waren 19,5 Prozent der Menschen ab 65 Jahren in Deutschland nach den Ergebnissen von EU-SILC 2025 armutsgefährdet. Bei Frauen ab 65 Jahren lag die Quote sogar bei 21,3 Prozent.

Armutsgefährdung bedeutet dabei nicht automatisch, dass Betroffene ihre Grundversorgung nicht mehr sicherstellen können. Sie zeigt jedoch, dass das verfügbare Einkommen deutlich unter dem mittleren Einkommen der Bevölkerung liegt und finanzielle Spielräume entsprechend kleiner werden.

Gerade Ausgaben für Restaurantbesuche, Freizeit oder Ausflüge können dann schnell zurückgestellt werden. Lebensmittel, Miete, Energie, Versicherungen und Gesundheitskosten haben im Haushaltsbudget Vorrang.

Ein Mittagessen außerhalb der eigenen Wohnung wird dadurch vom alltäglichen Vergnügen zu einer Ausgabe, die geplant werden muss. Ein Komplettpreis von 9,90 Euro kann für Menschen mit kleiner Rente deshalb einen erheblichen Unterschied machen.

Mehr als 770.000 ältere Menschen beziehen Grundsicherung

Wie angespannt die finanzielle Situation eines Teils der älteren Bevölkerung ist, zeigen auch die Zahlen zur Grundsicherung. Im März 2026 erhielten in Deutschland 771.275 Menschen, die die entsprechende Altersgrenze erreicht oder überschritten hatten, Grundsicherung im Alter.

Ende Dezember 2025 waren es noch rund 764.000 Menschen gewesen. Gegenüber Dezember 2024 war die Zahl der älteren Grundsicherungsbezieher um 3,4 Prozent gestiegen und hatte damit einen neuen Höchststand erreicht.

Betroffene Rentnerinnen und Rentner können ihre Altersbezüge unter bestimmten Voraussetzungen mit Grundsicherung im Alter aufstocken. Die tatsächliche Höhe hängt unter anderem vom vorhandenen Einkommen, anerkannten Wohnkosten, Vermögen und möglichen Freibeträgen ab.

Die steigende Zahl der Leistungsbezieher erklärt zugleich, weshalb preisgünstige Angebote für ältere Menschen zunehmend Aufmerksamkeit bekommen. Zehn oder zwanzig Euro Preisunterschied können für Haushalte mit sehr kleinem Budget bereits spürbar sein.

Vergünstigungen für Rentner werden interessanter

Das österreichische Beispiel ist kein gesetzliches Sozialprogramm, sondern eine freiwillige Entscheidung eines Gastwirts. Dennoch gibt es auch in Deutschland zahlreiche Unternehmen, Kommunen und Einrichtungen, die spezielle Seniorentarife anbieten.

Preisnachlässe finden sich beispielsweise bei Kulturangeboten, öffentlichen Einrichtungen, Freizeitangeboten oder regionalen Verkehrstarifen. Welche Bedingungen gelten, unterscheidet sich allerdings erheblich.

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Eine Übersicht über mögliche Vergünstigungen für Rentner und Senioren zeigt, dass sich eine Nachfrage häufig lohnt. Teilweise genügt ein bestimmtes Lebensalter, teilweise muss der Rentenausweis oder ein anderer Nachweis vorgelegt werden.

Gerade Menschen mit kleiner Rente sollten deshalb nicht davon ausgehen, dass automatisch überall der reguläre Preis gilt. Lokale Angebote werden häufig nur vor Ort oder auf den Internetseiten der jeweiligen Anbieter bekannt gemacht.

Niedrige Rente: Staatliche Hilfen sollten ebenfalls geprüft werden

Ein günstiges Mittagessen kann den Alltag erleichtern, ersetzt aber selbstverständlich keine ausreichende Alterssicherung. Wer dauerhaft Schwierigkeiten hat, Miete, Lebensmittel, Energie und andere notwendige Ausgaben zu bezahlen, sollte mögliche Sozialleistungen prüfen.

Neben der Grundsicherung kann für manche Rentnerinnen und Rentner beispielsweise Wohngeld infrage kommen. Welche Leistung günstiger beziehungsweise überhaupt möglich ist, hängt von Einkommen, Wohnkosten und persönlicher Situation ab.

Gegen-Hartz hat dazu ausführlich erklärt, wann bei einer niedrigen Rente Grundsicherung oder Wohngeld infrage kommen können. Eine pauschale Antwort gibt es nicht, weil die Berechnung vom jeweiligen Haushalt abhängt.

Darüber hinaus existieren weitere Hilfen. Einen Überblick bieten die Zuschüsse und Unterstützungen, die Rentner 2026 prüfen können. Dazu können abhängig vom Einzelfall unter anderem Wohngeld und verschiedene Zuschüsse gehören.

Auch die Kosten für Lebensmittel werden zum Problem

Besonders deutlich wird die finanzielle Belastung bei Menschen, die bereits Grundsicherung beziehen. Hier müssen zahlreiche alltägliche Ausgaben aus einem begrenzten monatlichen Betrag bestritten werden.

Wie eng das werden kann, zeigt der Fall einer 72-jährigen Grundsicherungsempfängerin, über den Gegen-Hartz berichtet hat. Die Rentnerin kauft nach eigener Darstellung ab einem bestimmten Zeitpunkt im Monat keine neuen Lebensmittel mehr und greift stattdessen auf ihre Vorräte zurück. Mehr über den Alltag mit Grundsicherung im Alter erfahren Sie hier.

Für Menschen, die aus medizinischen Gründen nachweisbar auf eine teurere Ernährung angewiesen sind, kann unter bestimmten Voraussetzungen zusätzlich ein Mehrbedarf infrage kommen. Gegen-Hartz erläutert ausführlich, wann Rentner mit Grundsicherung einen Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung beantragen können.

Ein allgemeiner Zuschuss für teure Lebensmittel ist das allerdings nicht. Es müssen die sozialrechtlichen und medizinischen Voraussetzungen des jeweiligen Einzelfalls erfüllt sein.

Das Rentnermenü kann auch für Gastronomen interessant sein

Auf den ersten Blick wirkt ein Menü für 9,90 Euro vor allem wie ein Entgegenkommen gegenüber Menschen mit wenig Geld. Doch auch für Restaurants kann ein preisgünstiges Angebot wirtschaftliche Vorteile haben.

Wenn während bestimmter Zeiten nur wenige Gäste kommen, verursacht ein Restaurant trotzdem laufende Kosten. Zusätzliche Gäste können deshalb interessant sein, selbst wenn die Gewinnspanne pro Essen geringer ausfällt als bei regulären Gerichten.

Außerdem können feste Menüs die Kalkulation vereinfachen. Wenn nur zwei Gerichte angeboten werden, lassen sich Einkauf, Vorbereitung und Portionsgrößen besser planen als bei einer umfangreichen Speisekarte.

Ob ein Preis von 9,90 Euro dauerhaft wirtschaftlich ist, lässt sich allerdings nicht auf jedes Restaurant übertragen. Standort, Personalkosten, Einkaufspreise, Portionsgrößen und Auslastung unterscheiden sich erheblich.

Das Beispiel könnte auch in Deutschland Schule machen

Ob vergleichbare Rentnermenüs häufiger in deutschen Restaurants angeboten werden, entscheiden die jeweiligen Betreiber selbst. Einen gesetzlichen Anspruch auf verbilligte Restaurantgerichte allein wegen des Rentenbezugs gibt es nicht.

Das österreichische Beispiel zeigt jedoch, dass günstige Angebote auf Nachfrage treffen können. Besonders interessant könnten Modelle für Mittagszeiten oder Wochentage sein, an denen Restaurants ohnehin freie Kapazitäten haben.

Auch Kommunen, soziale Einrichtungen, Kantinen oder Mehrgenerationenhäuser können ähnliche Konzepte entwickeln. Dabei muss es nicht immer ausdrücklich um ein „Rentnermenü“ gehen.

Ein günstiger Mittagstisch für alle kann ebenfalls Menschen mit kleiner Rente erreichen. Gleichzeitig verhindert ein offenes Angebot, dass finanzielle Bedürftigkeit öffentlich sichtbar gemacht werden muss.