Was dürfen Betroffene bei einem Pflegegrad 3 nicht mehr können?

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Pflegegrad 3 wird Menschen zuerkannt, deren Selbstständigkeit oder Fähigkeiten schwer beeinträchtigt sind. Viele Betroffene benötigen täglich Unterstützung bei der Körperpflege, beim Anziehen, bei der Einnahme von Medikamenten oder bei der Gestaltung ihres Tages.

Eine feste Vorschrift, nach der eine bestimmte Tätigkeit nicht mehr möglich sein darf, gibt es jedoch nicht. Ausschlaggebend ist die Gesamtbewertung aus sechs Lebensbereichen, die mindestens 47,5 und weniger als 70 gewichtete Punkte ergeben muss.

Pflegegrad 3 setzt schwere Beeinträchtigungen voraus

Nach § 15 SGB XI beginnt Pflegegrad 3 bei 47,5 gewichteten Punkten. Ab 70 Punkten wird grundsätzlich Pflegegrad 4 festgestellt.

Die Einschränkungen müssen gesundheitlich bedingt sein und voraussichtlich mindestens sechs Monate bestehen. Ob die Ursache eine körperliche Erkrankung, eine Demenz, eine psychische Erkrankung oder eine Kombination verschiedener Beschwerden ist, spielt für den Zugang grundsätzlich keine entscheidende Bedeutung.

Bewertet wird vielmehr, was die Person im gewöhnlichen Alltag noch selbst erledigen kann. Auch Anleitung, Beaufsichtigung, Erinnerungen und eine notwendige Anwesenheit aus Sicherheitsgründen können als personelle Hilfe berücksichtigt werden.

Eine einzelne verlorene Fähigkeit reicht nicht aus

Eine Person kann trotz Pflegegrad 3 noch selbstständig essen, kurze Wege gehen oder Gespräche führen.

Umgekehrt führt allein die Unfähigkeit, Treppen zu steigen, nicht automatisch zu Pflegegrad 3. Erst die gewichtete Summe sämtlicher berücksichtigter Einschränkungen entscheidet über die Einstufung.

Deshalb können zwei Menschen mit derselben Erkrankung unterschiedliche Pflegegrade erhalten. Ebenso können zwei Menschen mit Pflegegrad 3 im Alltag völlig verschiedene Hilfen benötigen.

Was „nicht mehr selbstständig“ bei der Begutachtung bedeutet

Die Begutachtungs-Richtlinien des Medizinischen Dienstes Bund unterscheiden bei vielen Tätigkeiten vier Stufen. Diese reichen von „selbstständig“ über „überwiegend selbstständig“ und „überwiegend unselbstständig“ bis zu „unselbstständig“.

Überwiegend selbstständig bedeutet, dass eine Tätigkeit im Wesentlichen allein gelingt, aber etwa Gegenstände bereitgelegt, einzelne Handgriffe übernommen oder Erinnerungen ausgesprochen werden müssen. Bei überwiegender Unselbstständigkeit kann die Person nur noch einen kleineren Anteil der Tätigkeit selbst übernehmen.

Als unselbstständig gilt sie, wenn sie sich gar nicht oder nur minimal beteiligen kann. Entscheidend ist dabei die notwendige Hilfe durch einen anderen Menschen und nicht lediglich die Nutzung eines Rollators, Duschstuhls oder sonstigen Hilfsmittels.

Diese sechs Lebensbereiche bestimmen den Pflegegrad

Die folgende Tabelle zeigt, welche Einschränkungen geprüft werden und wie stark die einzelnen Bereiche in das Ergebnis einfließen.

Begutachtungsbereich Bewertete Fähigkeiten und Gewichtung
Mobilität Geprüft werden Positionswechsel im Bett, stabiles Sitzen, Umsetzen, Fortbewegung in der Wohnung und Treppensteigen. Der Bereich fließt mit 10 Prozent ein.
Kognitive und kommunikative Fähigkeiten Bewertet werden unter anderem Orientierung, Gedächtnis, das Erkennen von Gefahren, Entscheidungen im Alltag und das Verstehen von Aufforderungen. Zusammen mit dem folgenden Bereich beträgt die Gewichtung 15 Prozent.
Verhaltensweisen und psychische Problemlagen Berücksichtigt werden beispielsweise nächtliche Unruhe, Ängste, Aggressionen, Abwehr von Pflege, Weglauftendenzen oder Antriebslosigkeit. Aus diesem und dem vorherigen Bereich zählt nur das höhere gewichtete Ergebnis.
Selbstversorgung Hier geht es um Waschen, Duschen, Anziehen, Essen, Trinken, Toilettengänge und den Umgang mit Inkontinenz. Mit 40 Prozent hat dieser Bereich das höchste Gewicht.
Krankheits- und therapiebedingte Anforderungen Bewertet wird notwendige Hilfe etwa bei Medikamenten, Injektionen, Verbänden, Arztbesuchen, Therapien oder besonderen Ernährungsanforderungen. Die Gewichtung beträgt 20 Prozent.
Gestaltung des Alltags und sozialer Kontakte Geprüft wird, ob die Person ihren Tagesablauf planen, sich beschäftigen, schlafen, Kontakte pflegen und auf Veränderungen reagieren kann. Dieser Bereich fließt mit 15 Prozent ein.

Diese Fähigkeiten sind bei Pflegegrad 3 häufig deutlich eingeschränkt

Viele Menschen mit Pflegegrad 3 können ihren Körper nicht mehr vollständig allein waschen. Sie benötigen beispielsweise Hilfe beim Duschen, beim Waschen des Rückens und Unterkörpers, beim Abtrocknen oder beim Ein- und Aussteigen aus der Dusche.

Auch das An- und Auskleiden gelingt häufig nur noch teilweise. Betroffene können möglicherweise ihre Arme selbst in ein Oberteil schieben, benötigen aber weitere Hilfe beim Anziehen, bei Verschlüssen, Strümpfen, Schuhen oder Hosen.

Beim Toilettengang kann Unterstützung beim Hinsetzen, Aufstehen, Reinigen oder Richten der Kleidung notwendig sein. Auch die Versorgung bei Harn- oder Stuhlinkontinenz wird berücksichtigt.

Probleme beim Essen erhalten im Bewertungssystem besonders viele Einzelpunkte. Das gilt etwa, wenn Speisen angereicht werden müssen, eine Person zum Essen aufgefordert werden muss oder die Nahrungsaufnahme überwacht werden muss.

Pflegegrad 3 bedeutet nicht automatisch Bettlägerigkeit

Betroffene müssen für Pflegegrad 3 weder dauerhaft im Bett liegen noch auf einen Rollstuhl angewiesen sein. Sie können durchaus innerhalb ihrer Wohnung gehen, wenn in anderen Bereichen ein erheblicher Hilfebedarf besteht.

Bei der Mobilität wird unter anderem geprüft, ob die Person allein aus dem Bett aufstehen, sich auf einen Stuhl umsetzen und eine stabile Sitzposition halten kann. Wer beim Treppensteigen wegen eines Sturzrisikos begleitet werden muss, gilt in diesem Punkt nicht mehr als vollständig selbstständig.

Muss sich die Person beim Treppensteigen an einer Pflegeperson abstützen oder festhalten, wird sie nach den Richtlinien regelmäßig als überwiegend unselbstständig bewertet. Muss sie getragen oder mit einem Hilfsmittel transportiert werden, liegt Unselbstständigkeit vor.

Auch Demenz und psychische Erkrankungen können zu Pflegegrad 3 führen

Pflegegrad 3 kann ebenso festgestellt werden, wenn eine Person körperlich noch vergleichsweise beweglich ist. Bei Demenz können Orientierungslosigkeit, fehlendes Gefahrenbewusstsein, nächtliche Unruhe und eine notwendige dauernde Anleitung viele Punkte ergeben.

Berücksichtigt wird beispielsweise, ob die Person vertraute Menschen erkennt, sich in der eigenen Wohnung zurechtfindet und alltägliche Entscheidungen treffen kann. Auch die Fähigkeit, Hunger, Schmerzen oder andere elementare Bedürfnisse mitzuteilen, gehört zur Bewertung.

Bei psychischen Erkrankungen kann ein hoher Unterstützungsbedarf durch Ängste, Antriebslosigkeit, Abwehrhandlungen oder selbstschädigendes Verhalten entstehen. Es muss sich jeweils um Verhalten handeln, das tatsächlich personelle Unterstützung erforderlich macht.

Hilfe bei Medikamenten und Behandlungen zählt ebenfalls

Viele Betroffene mit Pflegegrad 3 können ihre medizinische Versorgung nicht mehr zuverlässig allein organisieren. Angehörige oder ein Pflegedienst müssen dann Medikamente bereitstellen, an die Einnahme erinnern oder die Einnahme beaufsichtigen.

Auch Hilfe bei Insulininjektionen, Kompressionsstrümpfen, Verbänden, Sauerstoffversorgung oder Kathetern kann berücksichtigt werden. Gleiches gilt für notwendige Begleitung zu Ärzten und Therapien.

Entscheidend ist nicht allein, dass eine Behandlung verordnet wurde. Es muss feststehen, wie häufig ein anderer Mensch bei der Durchführung, Vorbereitung oder Nachsorge helfen muss.

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Haushaltsführung bringt keine unmittelbaren Punkte

Einkaufen, Kochen, Putzen, Wäschewaschen und die Erledigung finanzieller Angelegenheiten werden im Gutachten erfasst. Diese Angaben fließen jedoch nicht unmittelbar in die Berechnung des Pflegegrades ein.

Wer nur den Haushalt nicht mehr führen kann, erreicht deshalb nicht automatisch Pflegegrad 3. Die zugrunde liegenden gesundheitlichen Einschränkungen können sich allerdings zugleich in bewerteten Bereichen wie Mobilität, Selbstversorgung oder Alltagsgestaltung zeigen.

Auch außerhäusliche Aktivitäten werden zur Einschätzung der Versorgungssituation dokumentiert, aber nicht mit eigenen gewichteten Punkten berücksichtigt. Das führt bei Betroffenen und Angehörigen häufig zu Missverständnissen.

Eine typische Kombination für Pflegegrad 3

Häufig benötigen Betroffene bei mehreren Verrichtungen täglich umfangreiche Hilfe. Dazu können Unterstützung beim Duschen und Anziehen, Hilfe beim Aufstehen, die Vorbereitung der Medikamente und wiederkehrende Anleitung im Tagesablauf gehören.

Eine andere Person kann körperlich vieles selbst erledigen, benötigt wegen einer Demenz aber häufig Aufsicht, Orientierung und Unterstützung bei Entscheidungen. Beide Konstellationen können zu Pflegegrad 3 führen, sofern die gewichtete Gesamtpunktzahl ausreicht.

Der Unterschied zwischen Pflegegrad 2 und Pflegegrad 3 kann bereits an wenigen falsch bewerteten Tätigkeiten hängen. Besonders Einstufungen bei der Selbstversorgung wirken sich wegen der hohen Gewichtung erheblich aus.

Bei der Begutachtung zählt der gewöhnliche Alltag

Betroffene sollten beim Begutachtungstermin nicht nur beschreiben, was an einem besonders guten Tag noch gelingt. Geschildert werden muss, wie die Selbstständigkeit im gewöhnlichen Alltag tatsächlich aussieht.

Eine Tätigkeit gilt nicht als selbstständig, wenn sie nur unter Schmerzen, mit erheblicher Sturzgefahr oder erst nach wiederholten Aufforderungen gelingt. Auch eine notwendige Beaufsichtigung kann als Hilfe zählen, wenn sie aus nachvollziehbaren Sicherheitsgründen erforderlich ist.

Angehörige sollten festhalten, welche Unterstützung sie tatsächlich leisten. Ein Pflegetagebuch über ein bis zwei Wochen kann helfen, Häufigkeit, Anlass und Umfang der Hilfe nachvollziehbar darzustellen.

Weitere Hinweise enthält der Beitrag „Pflegeleistungen: Das fragt der Gutachter“. Wichtig ist eine sachliche und vollständige Darstellung, ohne Einschränkungen zu beschönigen oder zu übertreiben.

Diese Leistungen stehen 2026 bei Pflegegrad 3 zur Verfügung

Bei häuslicher Pflege beträgt das Pflegegeld 2026 monatlich 599 Euro. Wird ein ambulanter Pflegedienst eingesetzt, stehen Pflegesachleistungen von bis zu 1.497 Euro monatlich zur Verfügung.

Pflegegeld und Pflegesachleistungen können anteilig miteinander verbunden werden. Zusätzlich kann unter den jeweiligen Voraussetzungen ein Entlastungsbetrag von bis zu 131 Euro im Monat genutzt werden.

Die Leistungsübersicht des Bundesgesundheitsministeriums für 2026 nennt außerdem Ansprüche auf Tages- und Nachtpflege, Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege, Pflegehilfsmittel und wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. Einen weiterführenden Überblick bietet der Beitrag „Pflegegrad 2026: Einstufung, Leistungen und Antrag“.

Was tun, wenn Pflegegrad 3 abgelehnt wird?

Ergibt das Gutachten weniger als 47,5 Punkte, sollte jeder bewertete Bereich mit dem tatsächlichen Alltag verglichen werden. Fehler finden sich häufig beim Umfang der Hilfe beim Waschen, Anziehen, Toilettengang, Essen oder bei krankheitsbedingten Anforderungen.

Gegen den Bescheid der Pflegekasse kann grundsätzlich innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Widerspruch eingelegt werden. Das Gutachten sollte bei der Pflegekasse angefordert und dem Widerspruch eine konkrete Beschreibung der falsch oder unvollständig bewerteten Tätigkeiten beigefügt werden.

Ein pauschaler Satz wie „Der Pflegegrad ist zu niedrig“ hilft wenig. Wirksamer ist eine genaue Gegenüberstellung, welche Hilfe bei welcher Tätigkeit erforderlich ist, wie häufig sie anfällt und warum die Bewertung im Gutachten nicht zutrifft.

Praxisbeispiel: Mehr als nur Hilfe beim Duschen

Die 78-jährige Frau M. kann mit einem Rollator noch kurze Wege in ihrer Wohnung zurücklegen. Beim Aufstehen und Umsetzen benötigt sie jedoch Sicherung, Treppen kann sie nur mit Unterstützung bewältigen.

Ihr Ehemann hilft ihr täglich beim Waschen des Unterkörpers, beim Duschen, beim Anziehen von Hose, Strümpfen und Schuhen sowie beim Toilettengang. Zusätzlich bereitet er die Medikamente vor, zieht Kompressionsstrümpfe an und begleitet sie zu mehreren Behandlungen.

Wegen kognitiver Einschränkungen muss Frau M. außerdem an Mahlzeiten erinnert und durch den Tagesablauf geführt werden. Die gewichteten Bewertungen ergeben insgesamt 60 Punkte und damit Pflegegrad 3, obwohl sie noch selbst essen, sprechen und kurze Strecken gehen kann.

Fragen und Antworten zu Pflegegrad 3

Muss man bei Pflegegrad 3 bettlägerig sein?

Nein. Eine Person kann noch gehen und trotzdem Pflegegrad 3 erhalten, wenn sie in anderen Bereichen umfangreiche personelle Unterstützung benötigt und insgesamt mindestens 47,5 gewichtete Punkte erreicht.

Muss eine Person mit Pflegegrad 3 gefüttert werden?

Nein. Manche Betroffene können vollständig allein essen, benötigen aber erhebliche Hilfe bei der Körperpflege, Mobilität, Medikamenteneinnahme oder Alltagsgestaltung.

Reicht es für Pflegegrad 3, nicht mehr duschen zu können?

Die Unfähigkeit, allein zu duschen, reicht für sich genommen normalerweise nicht aus. Sie bringt jedoch Punkte im stark gewichteten Bereich der Selbstversorgung und kann zusammen mit weiteren Einschränkungen zur Einstufung führen.

Kann eine Person mit Demenz Pflegegrad 3 erhalten, obwohl sie noch laufen kann?

Ja. Orientierungslosigkeit, fehlendes Gefahrenbewusstsein, nächtliche Unruhe und ein hoher Bedarf an Anleitung oder Beaufsichtigung können eine schwere Beeinträchtigung begründen.

Wie viele Punkte sind für Pflegegrad 3 notwendig?

Pflegegrad 3 beginnt bei 47,5 gewichteten Punkten und endet unterhalb von 70 Punkten. Ab 70 Punkten liegt grundsätzlich Pflegegrad 4 vor.

Kann ein bestehender Pflegegrad 2 auf Pflegegrad 3 erhöht werden?

Ja. Haben die Einschränkungen und der Hilfebedarf seit der letzten Begutachtung dauerhaft zugenommen, kann bei der Pflegekasse ein Höherstufungsantrag gestellt werden.