Uni Marburg: Rettung kritischer Wissenschaftler

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Über 900 Unterschriften gegen weitere Stellenkürzungen im Bereich der kritischen Wissenschaft

Ob am Institut für Politikwissenschaft in Marburg die letzte Stelle in der Tradition des Marxisten Wolfgang Abendroth gestrichen wird, entscheidet sich möglicherweise am Donnerstag, den 4. Oktober. Die angekündigte Streichung der Stelle im Bereich Internationale Politische Ökonomie mit Schwerpunkt Europäische Integration am Institut für Politikwissenschaft in Marburg hatte scharfe Proteste von Studierenden, WissenschaftlerInnen und Gewerkschaften hervorgerufen.

Über 900 Unterschriften in zwei Wochen sind das vorläufige Ergebnis eines Aufrufs „Gegen weitere Stellenstreichungen im Bereich der kritischen Wissenschaft“. Der Aufruf ist eine Reaktion von Studierenden und wissenschaftlichen MitarbeiterInnen auf Entwicklungen am Institut für Politikwissenschaft in Marburg. Das Präsidium der Universität hatte zuvor angeordnet die letzte Stelle am Institut, die noch in der Tradition des Marxisten Wolfgang Abendroth steht, zu streichen. Unter den Unterzeichnenden finden sich zahlreiche GewerkschafterInnen sowie WissenschaftlerInnen aus dem In- und Ausland.

„Die hohe Resonanz auf die Unterschriftenkampagne zeigt, welche Bedeutung die Forschungsperspektive Abendroths noch heute besitzt. Mit dem Wegfall der Professur geht nicht nur diese Forschungsperspektive verloren. Auch der Bereich Internationale Politische Ökonomie und der Forschungsbereich Europäische Integration können nun am Institut nicht mehr abgedeckt werden“, erklärt Simone Klar, Studentin am Institut für Politikwissenschaft. Der Fortbestand der Forschungsgruppe Europäische Integration (FEI) am Institut für Politikwissenschaft ist durch die Stellenstreichung gefährdet. Die kritische Europaforschung der FEI trug
seit Beginn der 90er Jahre entscheidend zur Attraktivität der Politikwissenschaft in Marburg bei. Zur Aufgabenbereich der Stelle, die nun gestrichen werden soll, gehörte auch die Betreuung der Forschungsgruppe.

Am 4. Oktober verhandelt das Institut für Politikwissenschaft mit dem Präsidium der Universität über die Zukunft der Professur. „Wir hoffen natürlich, dass das Präsidium sich doch noch umstimmen lässt. Schließlich geht es bei der Entscheidung nicht nur um die gestrichene Professur, sondern auch um die Frage, inwieweit in Deutschland kritische Wissenschaft überhaupt noch Zukunft hat. Im Ausland, insbesondere in den angelsächsischen Ländern, sieht das im Übrigen anders aus. Kritische Wissenschaft nimmt dort einen selbstverständlichen Platz ein. Die Stellenstreichungen im Bereich der kritischen Wissenschaft in Deutschland betrachten ausländische WissenschaftlerInnen oft mit Sorge“, erläutert Nikolai Huke, Referent für Hochschulpolitik des AStA Marburg.

Die „Initiative zur Rettung kritischer Wissenschaft in Marburg“, die die Proteste koordiniert, hat nun eine Broschüre zur Kampagne herausgegeben. Die Broschüre enthält neben Stellungnahmen prominenter UnterstützerInnen des Aufrufs kurze Hintergrundtexte zur „Abendrothschule“ und zu Stellenstreichungen im Bereich der kritischen Wissenschaft an anderen Universitäten. (02.10.07)

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