Pflege-System unter Druck: Studie offenbart große Angst

Lesedauer 3 Minuten

Das Vertrauen in das deutsche Pflegesystem ist niedrig. Das zeigt eine aktuelle Studie des Sozialverbands VdK auf Basis einer repräsentativen YouGov-Befragung. Nur rund jeder Dritte geht demnach davon aus, im Pflegefall im Alter ausreichend versorgt zu werden. Mehr als die Hälfte der Befragten bezweifelt genau das.

Die Erhebung macht damit vor allem eines sichtbar: Viele Menschen blicken mit großer Unsicherheit auf die Frage, ob sie im Pflegefall auf eine verlässliche Versorgung zählen können.

Nur wenige rechnen mit ausreichender Pflege im Alter

Nach der VdK-Studie halten lediglich 30 Prozent der Menschen in Deutschland eine ausreichende Versorgung im Alter für wahrscheinlich. 55 Prozent gehen eher davon aus, dass ihre Pflege im Bedarfsfall nicht gesichert wäre. Ein weiterer Teil der Befragten zeigte sich unentschlossen.

Das ist politisch relevant. Denn wenn eine Mehrheit nicht überzeugt ist, im Pflegefall angemessen versorgt zu werden, verweist das zumindest auf ein erhebliches Vertrauensproblem im bestehenden System.

Klare Erwartung: Der Staat soll Verantwortung übernehmen

Besonders deutlich fällt das Ergebnis bei der Verantwortungsfrage aus. Laut der VdK-Erhebung sehen 82 Prozent den Staat in einer großen oder sehr großen Pflicht, sicherzustellen, dass Menschen die notwendige Pflege erhalten.

Zwar nennen viele Befragte auch die eigene Vorsorge sowie Familie und Angehörige als wichtige Faktoren. Die Studie legt jedoch nahe, dass die große Mehrheit am Ende eine starke staatliche Absicherung erwartet und Pflege nicht vor allem als private Aufgabe verstanden wissen will.

VdK kritisiert Debatten über Einschnitte bei Pflegeleistungen

Vor diesem Hintergrund kritisiert der VdK politische Reformansätze, die aus Sicht des Verbands auf Leistungseinschränkungen hinauslaufen. Besonders sensibel ist dabei die häusliche Pflege.

Das ist deshalb bedeutsam, weil ein großer Teil der Pflege in Deutschland im häuslichen Umfeld geleistet wird. Werden Leistungen dort geschwächt, dürfte das die Sorgen vieler Betroffener und Angehöriger weiter verstärken.

Pflege soll kommunale Pflichtaufgabe werden

Als Konsequenz fordert der VdK einen grundlegenden Kurswechsel. Pflege soll nach Vorstellung des Verbands zur Pflichtaufgabe der Kommunen werden. Städte und Gemeinden seien näher an den konkreten Problemen vor Ort und könnten Versorgungsstrukturen gezielter entwickeln.

Newsletter zu Bürgergeld, Rente, Schwerbehinderung & Co.

Newsletter

100 % spam-frei • jederzeit abbestellbar

Der Verband verbindet damit die Hoffnung auf verlässlichere Angebote, weniger Versorgungslücken und mehr wohnortnahe Unterstützung. Statt Leistungen zu beschneiden, müsse die Pflegeinfrastruktur insgesamt gestärkt werden.

Was hinter der Studie steckt

Bei der Erhebung handelt es sich um eine vom VdK beauftragte repräsentative YouGov-Studie. Befragt wurden Anfang Februar 2026 insgesamt 2204 Erwachsene in Deutschland. Die Ergebnisse wurden nach verschiedenen Merkmalen gewichtet und sollen repräsentativ für die Wohnbevölkerung ab 18 Jahren sein.

Häufige Fragen zur VdK-Studie zur Pflege

Was zeigt die VdK-Studie zur Pflege am deutlichsten?
Vor allem, dass viele Menschen nur wenig Vertrauen in eine verlässliche Pflege im Alter haben. Nur rund 30 Prozent halten eine ausreichende Versorgung im Pflegefall für wahrscheinlich, während eine Mehrheit daran zweifelt.

Wen sehen die Befragten in der Hauptverantwortung für Pflege?
Vor allem den Staat. Laut der Studie schreiben 82 Prozent ihm eine große oder sehr große Verantwortung zu, wenn es darum geht, die notwendige Pflege sicherzustellen.

Welche Rolle spielen Familie und eigene Vorsorge laut Studie?
Beides wird ebenfalls als wichtig angesehen. Viele Befragte sehen auch den Einzelnen und Angehörige in der Mitverantwortung. Dennoch erwarten die meisten am Ende eine starke staatliche Absicherung.

Warum kritisiert der VdK die aktuelle Pflegepolitik?
Der Verband wendet sich gegen Reformideen, die aus seiner Sicht zu Kürzungen oder Leistungseinschränkungen führen könnten. Besonders kritisch bewertet er Einschnitte bei der häuslichen Pflege.

Was fordert der VdK stattdessen konkret?
Der VdK will Pflege als kommunale Pflichtaufgabe stärken. Städte und Gemeinden sollen mehr Verantwortung und bessere Möglichkeiten erhalten, damit vor Ort verlässliche und passende Pflegeangebote entstehen.

Fazit

Die VdK-Studie zeigt vor allem ein deutliches Vertrauensproblem: Viele Menschen in Deutschland glauben nicht mehr sicher daran, im Alter im Pflegefall ausreichend versorgt zu werden. Zugleich ist die Erwartung an den Staat eindeutig. Für die Politik ist das ein klares Signal, dass die Debatte über die Zukunft der Pflege nicht an den Sorgen der Bevölkerung vorbeigehen darf.