Minijobber im Bürgergeld: Diese Gruppen schaffen den Sprung in Vollzeit kaum noch

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Minijobs gelten im Bürgergeld oft als „Einstieg“ zurück in den Arbeitsmarkt. Die Idee dahinter ist: Erst ein kleiner Job, dann ein sozialversicherungspflichtiger Vertrag.

Tatsächlich sind Minijobs für viele Menschen im Bürgergeld-Bezug die einzige Möglichkeit, den Kontakt zum allgemeinen Arbeitsmarkt nicht zu verlieren. Wer Angehörige pflegt oder als Alleinerziehende Kinder versorgt hat oft nur die Chance, in geringfügiger Beschäftigung zu arbeiten.

Neue Vermittlungszahlen zeigen aber, dass der Übergang vom Minijob in eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitstelle immer seltener gelingt.

Neue Zahlen zeigen: Der Sprung aus dem Minijob in reguläre Jobs bricht ein

2017 wurden noch 102.084 Bürgergeld-Bezieher, die einen Minijob hatten, in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vermittelt. Im Jahr 2025 waren es bis einschließlich September 50.831; hochgerechnet aufs Gesamtjahr wären das rund 67.775.

Auch bei Vollzeitstellen ist der Einbruch deutlich: 2017 gab es 33.953 Vermittlungen in Vollzeit, bis September 2025 nur 16.315, hochgerechnet rund 21.753.

Was diese Entwicklung für Betroffene bedeutet

Wenn der Minijob nicht mehr als Brücke funktioniert, wird er für viele zur Sackgasse. Dann bleibt man zwar „beschäftigt“, kommt aber nicht in stabile, sozialversicherte Arbeit mit Perspektive, Aufstieg und Rentenansprüchen. Für Betroffene kann das heißen: dauerhafte Unsicherheit trotz Arbeit.

Arbeitssuchende sind dann dazu verdammt, mit Minijob und Bürgergeld gerade so am Existenzminimum zu vegetieren oder sogar darunter zu fallen. Wer clever ist, nutzt zwar optimal die Freibeträge, aber dabei geht es maximal um Notgroschen und nicht um eine Lösung.

Wenn der Minijob zum System wird

Viele, wenn nicht die meisten Minijobber und Aufstocker, üben eine geringfügige Beschäftigung nicht als “erste Wahl” aus, sondern als einzige Alternative zur Erwerbslosigkeit.

Zu den beschriebenen strukturellen Lebenslagen, in denen nur ein Minijob möglich ist, kommt die Praxis vieler Arbeitgeber, geringfügige Beschäftigung zur Regel zu machen und sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen zur Ausnahme.

In der Gastronomie, aber auch in vielen Supermarktketten, Logistik und Transport, bei der Kinderbetreuung oder als Event-Personal: in vielen Bereichen setzen Arbeitgeber darauf, Jobs nur einige Stunden pro Woche und flexibel anzubieten.

Der Minijob ist dann kein Einstieg mehr in eine “echte” Beschäftigung, sondern ein eigenes System. Für Arbeitgeber ist das praktisch: Sie zahlen nur den Minijob, und für alles Übrige kommen Jobcenter oder Wohngeldstelle auf – ein fauler Trick zum Vorteil der Arbeitgeber auf Kosten der Allgemeinheit und der geringfügig Beschäftigten.

Warum Minijobs als „Dauerlösung“ problematisch sind

Minijobs sind häufig niedrig bezahlt, oft ohne Entwicklung, manchmal mit wechselnden Stunden und kaum Weiterbildung. Wer länger darin hängen bleibt, verliert wichtige Zeit, in der Qualifizierung, Bewerbungen oder eine bessere Integration in den Arbeitsmarkt möglich wären. Gleichzeitig kann ein Minijob im Alltag so viel Kraft binden, dass für den nächsten Schritt kaum Ressourcen bleiben.

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Politische Debatte: „Falsche Anreize“ oder fehlende Unterstützung?

Aus der Politik kommt Kritik in unterschiedliche Richtungen. CSU-Sozialpolitikerin Hülya Düber sieht darin ein Zeichen, dass „die Anreize im System noch nicht stimmen“ und Arbeit sich für viele zu wenig lohne.

Der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke kritisiert hingegen, dass Minijobs  sozial abgesicherte und stabile Beschäftigung verdrängen: “Sie sind kein Sprungbrett in den regulären Arbeitsmarkt, sondern eine berufliche Sackgasse für viele, besonders für Frauen.”

Er fordert: “Wir brauchen einen zukunftsfesten Arbeitsmarkt mit auskömmlichen Löhnen und sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen, die armutsfeste Renten garantieren.”

Was jetzt nötig wäre, damit Minijobs wieder Sprungbrett werden

Wenn Minijobs als Einstieg funktionieren sollen, braucht es einen klaren Plan vom ersten Tag an: Welche Qualifikation fehlt, welcher Berufsweg ist realistisch, welches Ziel wird bis wann verfolgt?

Dazu gehören passende Weiterbildung, Vermittlung in Teil- oder Vollzeit mit Perspektive und echte Unterstützung bei Kinderbetreuung, Gesundheit, Mobilität und Schulden. Ohne diese Bausteine verschiebt das Prinzip “besser ein Minijob als garkeine Erwerbsarbeit” nur das Problem.

FAQ: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Warum ist der Rückgang politisch so brisant?
Weil Minijobs im Bürgergeld zwar als Standard-Einstieg gelten, in der Realität aber zu einem unsicheren eigenen System werden.

Heißt ein Minijob automatisch bessere Chancen auf einen festen Job?
Nein, ein Minijob kann helfen, muss aber mit Qualifizierung, Vermittlungsstrategie und echten Anschlussjobs verbunden sein.

Was ist das Hauptproblem, wenn Minijobs zur Dauerlösung werden?
Es fehlt an Stabilität, sozialer Absicherung, Entwicklungsmöglichkeiten und langfristigen Rentenansprüchen.

Was können Betroffene konkret tun, um nicht im Minijob stecken zu bleiben?
Beim Jobcenter auf einen konkreten Integrationsplan drängen, Qualifizierung prüfen, gezielt auf sozialversicherungspflichtige Stellen bewerben und Hürden wie Betreuung oder Gesundheit dokumentieren und adressieren.

Fazit

Minijobs können zwar ein erster Schritt in den Arbeitsmarkt sein, aber die aktuellen Zahlen sprechen dafür, dass sie immer seltener in stabile Beschäftigung führen. Wer Bürgergeld bezieht, braucht jedoch eine realistische Perspektive auf sozialversicherungspflichtige Arbeit.

Wenn Politik und Jobcenter Minijobs weiter als Standardinstrument nutzen wollen, müssen sie dafür sorgen, dass daraus wieder ein echtes Sprungbrett wird – und kein Dauerzustand.