Zum Jahreswechsel bekommen zahlreiche Haushalte ein neues Sammelsystem für Verpackungsabfälle: Mehrere Städte und Landkreise führen ab Januar 2027 die Gelbe Tonne ein. Wer daraus eine bundesweit einheitliche neue Tonnenpflicht ableitet, liegt allerdings falsch.
Für Verbraucher kommt es darauf an, was am eigenen Wohnort gilt. Unterschiede gibt es bei den Abholterminen, beim Ende der Sacksammlung und sogar bei der Frage, ob eine Tonne abgelehnt werden kann.
Die Umstellung kommt vor Ort – mit unterschiedlichen Regeln
In München ersetzt die Gelbe Tonne künftig die Sammelcontainer für Leichtverpackungen an den Wertstoffinseln, während die Glascontainer bestehen bleiben. Der Abfallwirtschaftsbetrieb München bestätigt die flächendeckende Einführung ab 2027.
Anderswo verschwindet vor allem der Gelbe Sack aus der regulären Sammlung. Im Landkreis Regensburg entfällt dagegen mit dem neuen Holsystem die bisherige Abgabe von Leichtverpackungen an den Wertstoffhöfen.
Die folgende Übersicht zeigt sechs angekündigte Umstellungen. Sie ist keine vollständige Liste aller Änderungen in Deutschland.
| Stadt oder Landkreis | Beginn | Was Haushalte beachten müssen |
|---|---|---|
| München | Januar 2027 | Gelbe Tonne statt Leichtverpackungscontainern; Leerung alle zwei Wochen, Nutzung freiwillig. |
| Brandenburg an der Havel | 1. Januar 2027 | Gelbe Säcke werden abgelöst; je nach Wohngebiet sind wöchentliche, zweiwöchentliche oder vierwöchentliche Leerungen vorgesehen. |
| Vorpommern-Greifswald | 1. Januar 2027 | Leerung alle 14 Tage; Gelbe Säcke werden übergangsweise noch bis spätestens 31. März 2027 eingesammelt. |
| Kreis Steinburg | 1. Januar 2027 | Gelbe Tonne ersetzt den Gelben Sack; Leerung alle vier Wochen. |
| Landkreis Regensburg | Januar 2027 | Abholung alle vier Wochen am Grundstück; Leichtverpackungen werden dann nicht mehr an den Wertstoffhöfen gesammelt. |
| St. Ingbert | 1. Januar 2027 | Gelbe Tonne ersetzt den Gelben Sack; bis Ende 2026 bleibt die bisherige Sacksammlung bestehen. |
Gerade bei längeren Abständen zwischen den Leerungen lohnt sich ein Blick auf das bereitgestellte Behältervolumen. Reicht es dauerhaft nicht aus, sollten Eigentümer oder Hausverwaltung den zuständigen Entsorger ansprechen.
Die normale Leerung verursacht keine zusätzliche Müllgebühr
Die reguläre Bereitstellung und Leerung der Gelben Tonne werden über die dualen Systeme finanziert. Nach deren Informationen zur Finanzierung tragen Hersteller die Kosten über ihre Systembeteiligung; Verbraucher bezahlen die Verpackungsentsorgung damit indirekt beim Einkauf mit.
Für die normale Nutzung fällt in den genannten Umstellungsgebieten deshalb keine zusätzliche kommunale Müllgebühr an. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Gebühren für Restmüll oder andere kommunale Entsorgungsleistungen dauerhaft unverändert bleiben.
Auch eine automatische Ersparnis beim Restmüll ist nicht garantiert. Ob weniger Restmüll künftig Gebühren spart, lässt sich nur anhand der örtlichen Gebührenregelung und der benötigten Behältergröße beurteilen.
Eine gelieferte Tonne darf nicht überall sofort befüllt werden
Viele Behälter werden bereits im Herbst 2026 verteilt, obwohl die Leerung erst 2027 beginnt. In St. Ingbert sollen Haushalte ausdrücklich bis einschließlich 31. Dezember 2026 weiter Gelbe Säcke verwenden und die neuen Tonnen erst ab Januar befüllen.
Auch in Vorpommern-Greifswald läuft die bisherige Sacksammlung bis zum Jahresende weiter. Die dort zusätzlich vorgesehene Übergangsphase bis spätestens Ende März 2027 darf jedoch nicht auf andere Regionen übertragen werden.
Für die Erstausstattung ist in den aufgeführten Gebieten grundsätzlich keine eigene Bestellung erforderlich. Mieter sollten mit der Hausverwaltung klären, wo der gemeinsame Behälter steht und wer ihn zur Abholung bereitstellt.
In München ist die Gelbe Tonne freiwillig
Eine Besonderheit erklärt der Münchner AWM in seinen Fragen und Antworten: Die Gelbe Tonne ist dort keine Pflichttonne. Wer sie nicht wünscht, kann sie vom beauftragten Unternehmen wieder abholen lassen; für eine spätere erneute Auslieferung können Kosten entstehen.
Fehlt der Stellplatz, nennt der AWM die gemeinsame Nutzung mit Nachbarn als Möglichkeit. Ein solches Modell sollte vorab mit den Beteiligten und dem Entsorger abgestimmt werden.
Die Gelbe Tonne ist keine Tonne für sämtlichen Plastikmüll
Der Wechsel des Behälters erweitert nicht automatisch die erlaubten Abfälle. Nach den Trennhinweisen der dualen Systeme gehören in die gewöhnliche Gelbe Tonne gebrauchte, restentleerte Verpackungen, die nicht aus Papier, Pappe, Karton oder Glas bestehen.
Dazu zählen etwa Joghurtbecher, Konservendosen, Verpackungsfolien und Getränkekartons. Glasverpackungen und Papierverpackungen werden weiterhin getrennt gesammelt; Essensreste, Windeln, Batterien und Elektrogeräte gehören ebenfalls nicht hinein.
Auch eine kaputte Plastikschüssel oder ein Spielzeugauto werden nicht allein durch ihr Material zum Verpackungsabfall. Eine Ausnahme können örtliche Wertstofftonnen mit erweiterten Sammelregeln sein.
Verpackungen müssen leer sein, aber nicht ausgespült werden. Abtrennbare Deckel und andere Bestandteile sollten getrennt werden; eine Papierbanderole gehört ins Altpapier, Becher und Aluminiumdeckel jeweils einzeln in die Gelbe Tonne.
Falsch befüllt: Dann kann die Tonne stehen bleiben
Bei erheblichen Fehlwürfen kann der Entsorger die Leerung verweigern und zum Nachsortieren auffordern. Welche weiteren Schritte folgen, richtet sich nach den örtlichen Bedingungen.
Der Münchner AWM beschreibt beispielsweise einen Hinweisaufkleber und bei unterbliebener Nachsortierung den möglichen Abzug der Tonne. Alternativ können Eigentümer oder Hausverwaltung eine kostenpflichtige Nachsortierung beauftragen.
Die kostenlose Verpackungssammlung schützt damit nicht vor jeder Zusatzrechnung. Ein pauschales neues Bußgeld für alle Haushalte ab 2027 lässt sich aus diesen örtlichen Umstellungen aber nicht ableiten.
Was Mieter bei zusätzlichen Kosten prüfen sollten
Taucht in der Betriebskostenabrechnung eine neue Position zur Gelben Tonne auf, sollte die Hausverwaltung erklären, welche Leistung tatsächlich berechnet wurde. Eine regulär kostenlose Leerung und ein zusätzlich beauftragter Dienst sind unterschiedliche Sachverhalte.
Zusatzkosten sind allerdings nicht automatisch unzulässig: Der Bundesgerichtshof hat die Umlage regelmäßiger Kontrollen und Nachsortierungen von Restmüllbehältern grundsätzlich anerkannt, Urteil vom 5. Oktober 2022, VIII ZR 117/21. Daraus folgt keine pauschale Erlaubnis für jede Forderung rund um eine Gelbe Tonne.
Entscheidend sind unter anderem die tatsächlich entstandenen Kosten, die mietvertragliche Vereinbarung und der Grundsatz der Wirtschaftlichkeit. Nach § 556 BGB können Mieter Einsicht in die Abrechnungsbelege verlangen; der Vermieter darf sie auch elektronisch bereitstellen.
Welche Unterlagen dabei helfen, erläutert gegen-hartz.de im Beitrag „Hohe Nebenkosten: Diese Belege muss der Vermieter offenlegen“. Auch ein veränderter Anteil an den Hauskosten verdient Aufmerksamkeit, wie der Beitrag zur Änderung des Verteilerschlüssels bei Nebenkosten zeigt.
Praxisbeispiel: Die neue Tonne steht da, die Abfuhr kommt später
In einem fiktiven Beispiel erhält ein Rentnerpaar aus Greifswald im November 2026 eine Gelbe Tonne und möchte sie sofort benutzen. Ein Blick in die örtlichen Hinweise zeigt jedoch, dass die reguläre Leerung erst im Januar 2027 beginnt.
Das Paar sammelt deshalb bis Jahresende weiter über Gelbe Säcke und richtet sich anschließend nach dem neuen Abfallkalender. So vermeidet es, dass der Behälter schon Wochen vor der ersten Leerung voll ist.
7 Fragen und Antworten zur Gelben Tonne 2027
Wird die Gelbe Tonne 2027 überall in Deutschland neu eingeführt?
Nein, die beschriebenen Änderungen betreffen einzelne Städte und Landkreise. Ob am eigenen Wohnort etwas wechselt, steht in den Mitteilungen des örtlichen Entsorgungsträgers oder des beauftragten Unternehmens.
Muss ich die neue Tonne selbst bestellen?
In den hier genannten Umstellungsgebieten erfolgt die Erstausstattung der Grundstücke grundsätzlich automatisch. In Mehrfamilienhäusern kann ein Behälter von mehreren Haushalten gemeinsam genutzt werden.
Kostet die Gelbe Tonne eine zusätzliche Jahresgebühr?
Für die reguläre Bereitstellung und Leerung entstehen in den genannten Gebieten keine zusätzlichen kommunalen Gebühren. Gesonderte Leistungen wie eine beauftragte Nachsortierung können dagegen kostenpflichtig sein.
Darf ich 2027 noch Gelbe Säcke zur Abholung bereitstellen?
Das hängt vom Wohnort ab: In Brandenburg an der Havel endet die Nutzung zur Verpackungssammlung mit dem Jahreswechsel. Vorpommern-Greifswald sieht dagegen eine Übergangssammlung bis spätestens 31. März 2027 vor.
Was mache ich, wenn keine Tonne geliefert wird?
Prüfen Sie zunächst den örtlichen Verteilungszeitraum und wenden Sie sich anschließend an den zuständigen Entsorger, als Mieter gegebenenfalls über die Hausverwaltung. In Vorpommern-Greifswald sollen Haushalte fehlende Behälter melden, wenn sie bis zum 30. November 2026 keine erhalten haben.
Müssen Joghurtbecher vor dem Wegwerfen ausgespült werden?
Nein, restentleerte beziehungsweise löffelreine Verpackungen reichen aus. Abtrennbare Bestandteile sollten getrennt und größere Lebensmittelreste gesondert entsorgt werden.
Darf der Vermieter Zusatzkosten einfach auf alle Mieter verteilen?
Eine neue Tonne allein begründet noch keinen Zahlungsanspruch. Für tatsächlich entstandene Zusatzleistungen müssen die Voraussetzungen einer zulässigen Umlage vorliegen; Mieter können die zugrunde liegenden Belege und die Berechnung ihres Anteils prüfen.
Stand: 1. November 2026. Für konkrete Abfuhrtermine und örtliche Ausnahmen gelten die aktuellen Informationen des zuständigen Entsorgers.




