Helena Fürst: Vorführen von Hartz IV Betroffenen

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Quote ist alles: Helena Fürst, die "Anwältin der Armen"

23.07.2012

Der Boulevardsender RTL startet eine neue Sendestaffel der ehemaligen Sozialfahnderin Helena Fürst. Konnten die Fernsehzuschauer noch vor einigen Jahren quasi live miterleben, wie Hartz IV Beziehern Sozialbetrug unterstellt wurde, hat sich das Format nunmehr geändert. Nun tritt Frau Fürst als selbsternannte Anwältin auf, die unter dem Vorwand sich für die Gerechtigkeit von Hartz IV Betroffenen einzusetzen, den Zuschauern einen voyeuristischen Blick in das Leben von verarmten Haushalten gibt.

Quote mit dem Leben von Menschen in Not
In gleich sechs neuen Folgen sollen Hartz IV Bezieher vorgeführt werden. In der PR-Agenturmeldungen heißt es, es sollen Menschen gezeigt werden, „die mit ihrer Situation heillos überfordert sind". Es ginge darum, dass Hartz IV und Sozialhilfe Bezieher, „neue Perspektiven bekommen“. Die sogenannte „Anwältin der Armen“ zeigt, was es zu holen gibt und wie der „Kampf gegen Behörden“ geführt wird.

Bereits bei der zweiten Staffel hatte die Produktionsfirma „Soli-TV“ Arbeitslosen-Beratungsstellen in ganz Deutschland auf der Suche nach Protagonisten kontaktiert. Sie fragten gezielt nach Betroffenen, die „Ärger mit Behördenwillkür“ haben.

Damals rechtswidrige Hausbesuche heute "Anwältin der Armen"
Wie wandelbar Formate sind, zeigt das Beispiel Helena Fürst. Noch vor ein paar Jahren wurde sie mit ihrem Kollegen dabei gefilmt, wie sie in der Realityshow "Gnadenlos gerecht, Sozialfahnder ermitteln" als Jobcenter Mitarbeiterin rechtswidrige Hausbesuche unternahm, um vermeintliche Sozialbetrügerei aufzudecken. „Mit dieser Sendung hat sie und Sat.1 rechtswidrige Hausbesuche und Behördenermittlungen gegen Hartz IV Empfänger salonfähig gemacht. Dass sie jetzt als Anwältin der Armen auftritt, kann man nur noch als zynisch bezeichnen.“ kritisierte Harald Thome folgerichtig. Weil die Serie „Sozialfahnder ermitteln“ unter Dauerbeschuss der Kritik stand, wurde sie dann recht bald eingestellt. Nun soll aus dem Leid von Hartz IV Betroffenen erneut Profit geschlagen werden.

Sebastian Bertram von der Redaktion gegen-hartz.de: „Wir können Betroffene nur warnen vor der Serie. Wer Hilfe benötigt sollte sich an eine unabhängige Sozialberatungsstelle wenden, einen Rechtsanwalt für Sozialrecht einschalten oder sich in kritischen Hartz IV Foren informieren“. Viele Protagonisten sind sich im Vorfeld nicht im Klaren darüber, dass sie ihr privates Leben einem Millionenpublikum zur Schau stellen, so Bertram. Ist die Folge im Kasten, stehen sie mit den Problemen wieder allein da und sind nicht selten dem Gespöt der Zuschauer ausgesetzt. (wm)

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