Hallo Rentner: Kaum bekannte Tonspur macht Fernsehen mit Knopfdruck deutlicher und verständlicher

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Wer beim Fernsehen Dialoge kaum noch versteht, dreht häufig zuerst die Lautstärke höher. Doch gerade bei Filmen, Serien und Dokumentationen hilft das oft wenig, weil Musik, Effekte und Hintergrundgeräusche gleichzeitig lauter werden.

ARD und ZDF bieten dafür eine wenig bekannte zusätzliche Tonspur an. Sie heißt „Klare Sprache“ und soll das gesprochene Wort gegenüber Musik und Umgebungsgeräuschen deutlicher hervorheben. Besonders für ältere Zuschauerinnen und Zuschauer kann sich ein Blick in die Toneinstellungen des Fernsehers deshalb lohnen.

Warum lauter nicht automatisch verständlicher bedeutet

Bei modernen Fernsehproduktionen besteht der Ton längst nicht mehr nur aus Dialogen. Musik, Straßenlärm, Naturgeräusche, Spezialeffekte und weitere Klangbestandteile werden miteinander gemischt und sollen beispielsweise Spannung oder Atmosphäre erzeugen.

Genau diese Mischung kann jedoch dazu führen, dass Sprache schlechter hervorsticht. Wer Schwierigkeiten hat, einzelne Wörter herauszuhören, erhöht dann häufig die Lautstärke, macht damit aber auch alle störenden Begleitgeräusche lauter.

Die Tonspur „Klare Sprache“ setzt an einem anderen Punkt an. Sprache wird stärker hervorgehoben, während Musik und andere Geräusche akustisch zurückgenommen werden. Das ZDF beschreibt das Angebot ausdrücklich als Möglichkeit, die Sprachverständlichkeit zu verbessern.

So funktioniert die Tonspur „Klare Sprache“

Hinter der Funktion steckt eine automatische Bearbeitung des Fernsehtons. Ein Verfahren mit künstlicher Intelligenz trennt gesprochene Sprache von Musik und sonstigen Geräuschen, reduziert die Begleittöne und setzt anschließend eine angepasste Tonmischung zusammen.

Dabei wird die ursprüngliche Sendung nicht verändert. Zuschauer wählen lediglich eine zusätzliche Tonspur aus, ähnlich wie sie bei manchen Sendungen zwischen verschiedenen Sprachen oder Audiodeskription wählen können.

Das Verfahren arbeitet bei der Fernsehausstrahlung in Echtzeit. Nach Angaben von ZDF und ARD reicht grundsätzlich die Auswahl der entsprechenden Tonspur am Fernseher oder Receiver aus.

Gerade für Rentner kann die Einstellung interessant sein

Mit zunehmendem Alter fällt es manchen Menschen schwerer, Sprache aus einer Geräuschkulisse herauszuhören. Beim Fernsehen zeigt sich das häufig zuerst bei Spielfilmen und Serien, weil Dialoge dort mit Musik und Effekten kombiniert werden.

„Klare Sprache“ kann in solchen Situationen helfen, ohne dass der Fernseher insgesamt wesentlich lauter eingestellt werden muss. Das kann auch für Haushalte angenehm sein, in denen eine Person den Fernsehton ständig erhöhen möchte, während die andere ihn bereits als unangenehm laut empfindet.

Die Funktion ist allerdings kein medizinisches Hilfsmittel und ersetzt kein Hörgerät. Wer auch im persönlichen Gespräch oder in anderen Alltagssituationen dauerhaft Schwierigkeiten beim Verstehen hat, sollte dies unabhängig von der Fernseheinstellung abklären lassen.

Wo gibt es „Klare Sprache“?

Das Angebot ist vor allem bei den öffentlich-rechtlichen Sendern zu finden. Nach Angaben von ARD und ZDF steht die sprachoptimierte Tonspur bei zahlreichen HD-Programmen zur Verfügung.

Beim ZDF wird „Klare Sprache“ unter anderem für ZDF, ZDFinfo, ZDFneo, 3sat und KiKA angeboten. Auch die ARD stellt die Tonspur bei ihren HD-Angeboten bereit.

Damit kann die Einstellung beispielsweise auch bei vielen regionalen Programmen interessant sein. Dazu gehören Programme wie WDR, NDR, MDR, BR oder rbb, sofern die entsprechende HD-Ausstrahlung und Tonspur beim jeweiligen Empfangsweg verfügbar sind.

Empfang oder Angebot Was bei „Klare Sprache“ zu beachten ist
ARD-HD-Programme Die sprachoptimierte Tonspur wird bei den HD-Angeboten bereitgestellt.
ZDF, ZDFinfo, ZDFneo, 3sat und KiKA „Klare Sprache“ wird als zusätzliche Tonoption angeboten.
Satellitenfernsehen Die zusätzliche Tonspur kann über das Audiomenü des Fernsehers oder Receivers gewählt werden.
Kabelfernsehen und IPTV Die Verfügbarkeit kann auch davon abhängen, ob der jeweilige Anbieter das zusätzliche Audiosignal weiterleitet.
DVB-T2 Die Tonspur kann verfügbar sein; bei regionalen Programmen sind Unterschiede möglich.
Streaming Bei Livestreams kann die Tonspur über die Sprach- beziehungsweise Audioauswahl des Players verfügbar sein.

So finden Sie die versteckte Tonspur auf Ihrem Fernseher

Eine einheitliche Taste mit der Aufschrift „Klare Sprache“ gibt es leider nicht. Genau deshalb kennen viele Zuschauer die Funktion nicht, obwohl ihr Fernseher sie möglicherweise längst wiedergeben kann.

Je nach Hersteller befindet sich die Auswahl beispielsweise unter „Audio“, „Ton“, „Audiosprache“, „Wiedergabesprache“, „Spracheinstellungen“ oder „Optionen“. Bei manchen Fernbedienungen gibt es dafür eine eigene Audio- oder Sprachentaste.

Das ZDF weist darauf hin, dass sogar die Bezeichnung der zusätzlichen Spur unterschiedlich aussehen kann. Möglich sind beispielsweise Angaben wie „Klare Sprache“, aber auch technische Kürzel wie „qks“ oder teilweise „deu“.

Wer mehrere deutsche Tonspuren angezeigt bekommt, kann sie daher probeweise nacheinander auswählen. Der Unterschied ist bei Sendungen mit viel Hintergrundmusik oder starken Geräuschen häufig besonders leicht wahrzunehmen.

Eine einfache Suche mit der Fernbedienung reicht häufig aus

Während eine Sendung von ARD oder ZDF läuft, kann zunächst das Options- oder Einstellungsmenü des Fernsehers geöffnet werden. Dort sollte nach einer Auswahl für Ton, Audio oder Sprache gesucht werden.

Wer einen externen Receiver nutzt, muss die Einstellung möglicherweise nicht am Fernseher, sondern direkt am Receiver ändern. Entscheidend ist das Gerät, das die verschiedenen Tonspuren des Fernsehsignals auswählt.

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Bei neueren Fernsehern kann zusätzlich eine Taste mit einem Zahnrad, drei Punkten oder dem Hinweis „Optionen“ zum Ziel führen. Da Hersteller ihre Menüs unterschiedlich aufbauen, kann bei Unsicherheit auch die Bedienungsanleitung des Geräts helfen.

Auch beim Streaming kann „Klare Sprache“ verfügbar sein

Das Angebot beschränkt sich nicht auf klassisches Fernsehen über Satellit oder Kabel. Beim ZDF steht die Tonspur auch in den Livestreams zur Verfügung und kann dort über die Spracheinstellungen des Videoplayers ausgewählt werden.

Das gilt nach Angaben des Senders unter anderem für das Streaming über die ZDF-Webangebote sowie für die entsprechenden Apps auf Android und iOS. Bei Smart-TV-Apps wird das Angebot nach und nach erweitert.

Bei ARD-Angeboten kann „Klare Sprache“ ebenfalls über digitale Funktionen erreichbar sein. Wer HbbTV verwendet, kann die Auswahl beispielsweise über die ARD-Startleiste aufrufen.

Die Einstellung kostet grundsätzlich nichts zusätzlich

Für die Auswahl der Tonspur „Klare Sprache“ muss grundsätzlich kein besonderes Zusatzpaket gebucht werden. Sie wird als zusätzliche Audiooption innerhalb der entsprechenden öffentlich-rechtlichen Programme angeboten.

Ob sie tatsächlich angezeigt wird, hängt jedoch vom Sender, Empfangsweg, Gerät und teilweise vom weiterleitenden Anbieter ab. Fehlt die Option bei einer bestimmten Sendung, bedeutet das daher nicht automatisch, dass der Fernseher ungeeignet ist.

Ein Test mit mehreren öffentlich-rechtlichen HD-Sendern kann sinnvoll sein. Gerade bei älteren Empfangsgeräten lohnt sich außerdem ein Blick in die Anleitung oder in die verfügbaren Audioeinstellungen.

Hörprobleme können auch beim Schwerbehindertenrecht Bedeutung haben

Wer nicht nur beim Fernsehen, sondern dauerhaft erheblich schlechter hört, sollte die technische Fernsehhilfe von sozialrechtlichen Fragen unterscheiden. Eine stärkere Hörbeeinträchtigung kann unter bestimmten Voraussetzungen bei der Feststellung eines Grades der Behinderung berücksichtigt werden.

Wie Hörverluste bei der GdB-Bewertung eingeordnet werden können, erläutert Gegen-Hartz ausführlich im Beitrag „Schwerbehinderung: So bestimmen Sie Ihren GdB bei Hörverlust“. Dabei kommt es auf das Ausmaß der funktionellen Einschränkungen an.

Ein Schwerbehindertenausweis wird grundsätzlich ab einem festgestellten GdB von 50 ausgestellt. Einen ausführlichen Überblick über Voraussetzungen und mögliche Nachteilsausgleiche bietet Gegen-Hartz unter „Schwerbehinderung – Ausweis, Vorteile und Rechte im Überblick“.

Bei starker Hörbehinderung kann auch der Rundfunkbeitrag interessant werden

Eine Hörbeeinträchtigung führt nicht automatisch zu einer Ermäßigung des Rundfunkbeitrags. Unter besonderen Voraussetzungen können jedoch hörgeschädigte Menschen das Merkzeichen „RF“ erhalten.

Gegen-Hartz erläutert die Voraussetzungen und die Auswirkungen ausführlich im Beitrag „Schwerbehinderung: So zahlen Sie keinen Rundfunkbeitrag“. Das Merkzeichen „RF“ bedeutet dabei grundsätzlich eine Ermäßigung und nicht automatisch eine vollständige Befreiung.

Auch für Rentner mit geringem Einkommen kommen unabhängig vom Hörvermögen unter bestimmten Bedingungen Befreiungsmöglichkeiten infrage. Weitere Informationen dazu finden sich bei Gegen-Hartz im Beitrag „Rente: Rentner müssen vielfach den Rundfunkbeitrag nicht bezahlen“.

Warum Rentner die Einstellung einmal ausprobieren sollten

Viele Fernseher verfügen über zahlreiche Funktionen, die nach der erstmaligen Einrichtung kaum genutzt werden. „Klare Sprache“ gehört zu den Einstellungen, die im Alltag einen spürbaren Unterschied machen können, obwohl sie tief im Audiomenü versteckt ist.

Vor allem wer häufig sagt, Schauspieler würden undeutlich sprechen oder Musik sei im Vergleich zu den Dialogen zu laut, sollte die Tonspur testen. Statt den gesamten Fernseher lauter zu stellen, wird die Tonmischung zugunsten der gesprochenen Sprache verändert.

Nicht bei jedem Programm, Gerät und Empfangsweg wird die Option identisch angezeigt. Ist sie vorhanden, lässt sie sich jedoch gewöhnlich innerhalb weniger Schritte mit der Fernbedienung aktivieren.

Beispiel aus der Praxis

Der 74-jährige Herr Schneider versteht die Nachrichten problemlos, hat bei Krimis aber zunehmend Schwierigkeiten. Sobald Musik einsetzt oder mehrere Geräusche gleichzeitig zu hören sind, stellt er seinen Fernseher lauter, was seine Frau wiederum als unangenehm empfindet.

Während eines ZDF-Programms öffnet er über die Fernbedienung die Audioeinstellungen und entdeckt neben der normalen deutschen Tonspur eine weitere Auswahl. Nach dem Umschalten treten die Dialoge deutlicher hervor, während Musik und Hintergrundgeräusche weniger dominant wirken.

Die Lautstärke kann anschließend wieder etwas reduziert werden. Das Beispiel ist fiktiv, zeigt aber, weshalb die Funktion gerade in Haushalten hilfreich sein kann, in denen sich die Bewohner über die richtige Fernsehlautstärke nicht einig sind.