53 Prozent der Rentner haben weniger als 1500 Euro Rente: Bundesregierung nennt die Gründe

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Mehr als jede zweite Rentnerin und jeder zweite Rentner in der betrachteten Gruppe muss mit weniger als 1500 Euro gesetzlicher Rente im Monat auskommen.Nach Angaben aus einer Antwort der Bundesregierung lag der Anteil bei 53,6 Prozent. Gemeint sind dabei Rentenzahlbeträge, also Beträge nach Abzug der Sozialbeiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung.Die Zahl sorgt immer wieder für Debatten, weil sie zeigt, wie groß der Abstand zwischen langjähriger Erwerbstätigkeit und tatsächlicher Alterssicherung ausfallen kann.
Besonders übel ist, dass die Angaben Rentnerinnen und Rentner betreffen, die lange in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert waren. Wer 40 Jahre oder länger Beiträge gezahlt hat, erwartet im Ruhestand oft mehr finanzielle Sicherheit.

Warum so viele Renten unter 1500 Euro liegen

Die Bundesregierung verweist vor allem auf die Funktionsweise der gesetzlichen Rentenversicherung. Die spätere Rente hängt nicht nur davon ab, wie lange jemand gearbeitet hat. Entscheidend ist auch, wie hoch das beitragspflichtige Einkommen während des gesamten Arbeitslebens war.

Die Deutsche Rentenversicherung berechnet die Rente über Entgeltpunkte. Wer in einem Jahr genau so viel verdient wie der Durchschnitt aller Versicherten, erhält dafür einen Entgeltpunkt. Wer darunter liegt, sammelt entsprechend weniger Ansprüche.

Deshalb können auch lange Erwerbsbiografien zu einer vergleichsweise niedrigen Rente führen. Niedrige Löhne, Teilzeit, Minijobs, Arbeitslosigkeit, längere Pflegezeiten oder unterbrochene Beschäftigung drücken die Rentenansprüche. Besonders Frauen sind häufig betroffen, weil sie häufiger wegen Kindererziehung oder Angehörigenpflege ihre Arbeitszeit reduzieren.

Die 1500-Euro-Grenze ist mehr als eine Statistik

Eine gesetzliche Rente von weniger als 1500 Euro bedeutet nicht automatisch Armut. Viele ältere Menschen haben weitere Einkünfte, etwa aus Betriebsrenten, privater Vorsorge, Vermietung, Ersparnissen oder dem Einkommen eines Partners. Dennoch zeigt die Zahl, dass die gesetzliche Rente allein für viele nicht ausreicht, um den gewohnten Lebensstandard zu halten.

Das wird besonders in Städten mit hohen Mieten sichtbar. Wer allein lebt, keine abbezahlte Immobilie besitzt und hohe Wohnkosten tragen muss, spürt eine niedrige Rente deutlich stärker. Steigende Preise für Energie, Lebensmittel und Pflegeleistungen verschärfen diese Lage zusätzlich.

Warum der Vergleich mit Pensionen schwierig ist

Häufig wird die gesetzliche Rente mit Beamtenpensionen verglichen. Auch die Bundesregierung weist auf deutliche Unterschiede zwischen beiden Rentensystemen hin. Pensionen sollen die Alterssicherung von Beamtinnen und Beamten in einem System abbilden, während die gesetzliche Rente nur ein Teil der Alterssicherung ist.

Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist das deutsche Modell traditionell auf mehrere Bausteine ausgelegt. Neben der gesetzlichen Rente sollen betriebliche Altersversorgung und private Vorsorge hinzukommen. In der Praxis haben aber viele Beschäftigte keine nennenswerte Betriebsrente und können sich private Vorsorge nur begrenzt leisten.

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Hinzu kommt ein statistisches Problem. Pensionen werden häufig als Bruttobeträge ausgewiesen, Renten der Deutschen Rentenversicherung dagegen oft als Zahlbeträge nach Sozialbeiträgen. Ein direkter Vergleich kann deshalb ein verzerrtes Bild ergeben.

Die Gründe im Überblick

Faktor Auswirkung auf die spätere Rente
Niedrige Löhne Wer dauerhaft unter dem Durchschnitt verdient, sammelt weniger Entgeltpunkte.
Teilzeit und Minijobs Geringere beitragspflichtige Einkommen führen zu niedrigeren Ansprüchen.
Erwerbsunterbrechungen Phasen ohne oder mit geringen Beiträgen mindern den Rentenaufbau.
Fehlende Zusatzvorsorge Ohne Betriebsrente oder private Vorsorge bleibt vielen nur die gesetzliche Rente.
Vorzeitiger Rentenbeginn Wer früher in Rente geht, muss häufig dauerhafte Abschläge hinnehmen.

Was die Zahl politisch bedeutet

Die Angabe von 53,6 Prozent ist nicht nur eine Momentaufnahme. Sie verweist auf ein strukturelles Problem am Arbeitsmarkt und in der Alterssicherung. Wer über Jahrzehnte wenig verdient, kann im Umlagesystem nur begrenzt hohe Rentenansprüche aufbauen.

Die Bundesregierung setzt nach eigenen Angaben auf eine Stabilisierung des Rentenniveaus. Im Rentenbericht 2025 wird beschrieben, dass das Rentenniveau nach der Modellrechnung bis 2031 bei 48 Prozent bleiben soll. Damit soll verhindert werden, dass die gesetzliche Rente im Verhältnis zu den Löhnen weiter absinkt.

Das löst jedoch nicht automatisch das Problem niedriger Renten. Wer wenig verdient hat, profitiert von einem stabilen Rentenniveau nur begrenzt. Für diese Gruppe bleiben höhere Löhne, bessere Erwerbschancen, eine breitere Betriebsrente und gezielte Zuschläge im Alter besonders wichtig.

Ein kurzer Blick in die Praxis

Eine Verkäuferin arbeitet 42 Jahre lang, viele davon in Teilzeit, weil sie Kinder betreut und später ihre Mutter gepflegt hat. Ihr Stundenlohn liegt über lange Zeit unter dem Durchschnitt, eine Betriebsrente gibt es nicht. Am Ende kommt sie trotz langer Berufstätigkeit nur auf eine gesetzliche Rente von rund 1300 bis 1400 Euro im Monat.

Ihr Nachbar war Beamter im gehobenen Dienst und erhält eine deutlich höhere Pension. Der Unterschied liegt nicht allein an der Arbeitszeit, sondern auch an den verschiedenen Systemen. Genau diese Gegenüberstellung erklärt, warum die Debatte über Renten, Pensionen und faire Alterssicherung so emotional geführt wird.

Quellen

Grundlage für die Angaben zur 1500-Euro-Grenze ist die berichtete Antwort der Bundesregierung vom 30. Mai 2025, nach der im Jahr 2023 rund 53,6 Prozent der betrachteten Rentnerinnen und Rentner weniger als 1500 Euro Rente erhielten. Weitere Einordnung liefern Berichte zur Bundestagsanfrage und zur Vergleichbarkeit von Renten und Pensionen.

Die Erläuterungen zur Rentenberechnung beruhen auf Informationen der Deutschen Rentenversicherung zur Rentenformel und zu Entgeltpunkten. Ergänzend wurde der Rentenbericht 2025 der Bundesregierung zur Entwicklung des Rentenniveaus herangezogen