Rentenerhöhung 2027: So viel mehr Rente kann es geben

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Wenn in Deutschland über Renten gesprochen wird, geht es fast immer um zwei Fragen: Ab wann ist die Altersrente möglich – und wie hoch fällt die monatliche Zahlung aus. Beides wird in der öffentlichen Debatte oft miteinander vermischt, obwohl es zwei unterschiedliche Stellschrauben sind.

Das Eintrittsalter hängt vor allem vom Geburtsjahr und von der jeweiligen Rentenart ab. Die Höhe der Rente dagegen wird im laufenden Rentenbezug jedes Jahr neu angepasst, ohne dass dafür weitere Beitragsjahre hinzukommen müssen. Genau an dieser Stelle setzt die Diskussion über die Rentenerhöhung 2027 an.

Auslöser sind Vorausberechnungen im Rentenversicherungsbericht 2025 der Bundesregierung. Solche Berichte enthalten keine Versprechen, sondern Rechenläufe, die zeigen sollen, wie sich Rentenfinanzen und Rentenwerte unter bestimmten Annahmen entwickeln könnten.

Sie bieten damit Orientierung, aber keine Garantie. Trotzdem lohnt der Blick, weil sich aus den Zahlen ableiten lässt, in welcher Größenordnung sich die Rentenanpassung 2027 bewegen könnte – und wo die Unsicherheiten liegen.

Was der Rentenwert bedeutet

Der aktuelle Rentenwert ist eine Art Umrechnungskurs zwischen Lebensarbeitsleistung und Monatsrente. Wer im Berufsleben Entgeltpunkte gesammelt hat, bekommt diese Punkte im Ruhestand mit dem Rentenwert „in Euro übersetzt“. Vereinfacht gilt: Entgeltpunkte multipliziert mit aktuellem Rentenwert ergeben die Bruttorente pro Monat.

Hinzu kommen in der echten Rentenformel noch Faktoren, etwa für den Rentenartfaktor oder Abschläge bei vorzeitigem Rentenbeginn, doch für das Verständnis der jährlichen Rentenerhöhung ist die vereinfachte Rechnung ausreichend.

Damit wird auch klar, warum Renten „automatisch“ steigen können, obwohl niemand mehr arbeitet oder neue Entgeltpunkte sammelt: Sobald der Rentenwert zum 1. Juli eines Jahres erhöht wird, erhöht sich die laufende Rente im selben Verhältnis. Wer viele Entgeltpunkte hat, merkt einen Euro-Anstieg pro Punkt entsprechend stärker als jemand mit wenigen Punkten – bei gleichem prozentualem Plus.

Rentenwert 2025 und die erwartete Entwicklung bis 2027

Zum 1. Juli 2025 ist der aktuelle Rentenwert auf 40,79 Euro festgesetzt worden. Für 2026 rechnet der Rentenversicherungsbericht 2025 in seinen Modellannahmen mit einem Rentenwert von 42,31 Euro. Diese Zahl ist wichtig, weil sie bereits die Größenordnung der erwarteten Anpassung 2026 widerspiegelt und zugleich den Startpunkt für die Überlegungen zu 2027 bildet.

Für 2027 zeigt der Bericht eine Spanne, die vom wirtschaftlichen Verlauf abhängt. In der Tabelle „Aktuelle Rentenwerte in Euro und Anpassungssätze“ wird für 2027 je nach Lohnvariante ein Rentenwert zwischen rund 43,78 Euro und 44,75 Euro ausgewiesen. Dabei ist entscheidend: In der mittleren Lohnvariante liegt der Wert bei 44,32 Euro.

Das ist mehr als die 43,78 Euro, die in manchen Zusammenfassungen fälschlich auch als „mittlere“ Annahme genannt werden. In der Logik des Berichts ist die mittlere Variante eine eigene Wertereihe und nicht identisch mit der unteren Variante.

So könnte die Rente bis 2030 steigen

Jahr Prognose (mittlere Lohnvariante, mittlere Beschäftigung): Rentenwert je Entgeltpunkt in Euro (Veränderung zum Vorjahr)
2026 42,31 € (3,73 %)
2027 44,32 € (4,75 %)
2028 45,38 € (2,39 %)
2029 46,63 € (2,75 %)
2030 47,95 € (2,83 %)

Warum es mehrere Varianten gibt und was sie tatsächlich aussagen

Die Modellrechnungen arbeiten mit verschiedenen Annahmen zur Lohn- und Beschäftigungsentwicklung. Dahinter steckt ein pragmatischer Gedanke: Renten hängen stark an der Lohnsumme und damit daran, wie viele Menschen arbeiten und wie gut sie verdienen. Weil niemand die Wirtschaft exakt vorhersagen kann, werden Varianten gerechnet, die eher ungünstige, eher durchschnittliche oder eher günstige Entwicklungen abbilden.

Dabei wirken die Unterschiede in den kommenden Jahren nicht überall gleich stark. Der Rentenversicherungsbericht 2025 erläutert, dass in der Phase, in der das Mindestsicherungsniveau beim Rentenniveau greift, die Ergebnisse vor allem mit den Lohnannahmen schwanken, während unterschiedliche Beschäftigungsannahmen vergleichsweise wenig verändern.

Das bedeutet: Die Spannbreite bis 2027 entsteht in erster Linie aus der Frage, wie kräftig die Löhne steigen, weniger aus kleinen Verschiebungen am Arbeitsmarkt.

Was „3,5 Prozent“ oder „rund vier bis fünf Prozent“ im Portemonnaie bedeuten kann

Oft werden Rentenerhöhungen als Prozentzahl diskutiert. Für den Alltag ist aber die Euro-Wirkung pro Entgeltpunkt entscheidend. Zwischen 2025 (40,79 Euro) und der mittleren Annahme für 2027 (44,32 Euro) läge der Zuwachs bei 3,53 Euro pro Entgeltpunkt und Monat.

Wer beispielsweise 40 Entgeltpunkte im Rentenkonto hat, käme damit rechnerisch auf rund 141 Euro mehr Bruttorente im Monat gegenüber dem Niveau von 2025, wenn man nur den Rentenwert-Vergleich ansetzt. Bei 45 Entgeltpunkten wären es rund 159 Euro. In der oberen Lohnvariante würde der Abstand noch größer ausfallen, in der unteren entsprechend kleiner.

Allerdings ist das nur die Brutto-Seite. In der Realität gehen davon noch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab, und je nach Gesamteinkommen kann auch Steuer fällig werden. Außerdem entscheidet nicht nur die Rentenanpassung, sondern auch die Preisentwicklung darüber, ob sich Rentnerinnen und Rentner am Ende tatsächlich mehr leisten können.

Eine Rentenerhöhung kann die Kaufkraft stabilisieren, sie kann aber auch von Inflation aufgezehrt werden, wenn Preise schneller steigen als Renten.

Wann die Rentenerhöhung 2027 wirklich feststeht

Ein häufiger Irrtum entsteht durch den Zeitablauf. Die Rentenanpassung wird zwar jedes Jahr zum 1. Juli wirksam, festgelegt wird sie aber erst nach Abschluss der maßgeblichen Daten und in einem formellen Verfahren, üblicherweise per Verordnung. Für die Rentenerhöhung 2026 sind daher Frühjahr 2026 und der Stichtag 1. Juli 2026 entscheidend. Für die Rentenerhöhung 2027 ist der maßgebliche Zeitpunkt entsprechend das Jahr 2027; wirksam würde sie am 1. Juli 2027, und verbindlich wird sie erst, wenn die offiziellen Berechnungen abgeschlossen und beschlossen sind.

Das ist der Punkt, an dem Modellrechnungen ihren Charakter zeigen: Sie sollen ein Bild möglicher Entwicklungen liefern, aber sie ersetzen nicht die tatsächliche Berechnung auf Basis der später real vorliegenden Lohn- und Beitragsdaten.

Rente und Rentenbeginn: Zwei Themen, die auseinandergehalten werden müssen

Die Frage „Wann kann ich in Rente?“ wird in der Berichterstattung rund um Rentenerhöhungen oft mittransportiert, obwohl sie mit dem Rentenwert nur indirekt zusammenhängt. Der Rentenwert verändert die Höhe der Zahlung, nicht den Zeitpunkt des Rentenbeginns.

Der Rentenbeginn richtet sich nach der Regelaltersgrenze und nach besonderen Altersrenten, etwa für langjährig oder besonders langjährig Versicherte, jeweils mit eigenen Voraussetzungen und möglichen Abschlägen.

Gerade bei der Einordnung von Rentenprognosen ist das wichtig: Wer später in Rente geht, sammelt meist mehr Entgeltpunkte und vermeidet Abschläge, was die Monatsrente deutlich stärker beeinflussen kann als eine einzelne jährliche Anpassung. Umgekehrt kann ein vorgezogener Rentenbeginn zu dauerhaften Abschlägen führen, die auch spätere Erhöhungen nur teilweise ausgleichen.

Warum Renten trotz Demografie weiter steigen können – und wo die Grenzen liegen

Dass Renten in Modellrechnungen auch über viele Jahre steigen, hat eine naheliegende Ursache: Steigende Löhne erhöhen langfristig die Bemessungsgrundlagen. Gleichzeitig zeigt der Rentenversicherungsbericht 2025, dass das System in den kommenden Jahren stärker gefordert sein wird, weil geburtenstarke Jahrgänge in Rente gehen und die Ausgaben wachsen.

Der Bericht rechnet dennoch mit einem zunächst stabilen Beitragssatz bis 2027 und skizziert erst danach steigende Beitragssätze in späteren Jahren, abhängig von den Annahmen.

Dann kommt hinzu, dass der Gesetzgeber mit dem Rentenpaket 2025 die Haltelinie beim Rentenniveau verlängern will, wodurch das Sicherungsniveau vor Steuern bis 2031 bei 48 Prozent gehalten werden soll. Das stabilisiert in der Modellwelt den Rentenwert, bedeutet aber zugleich zusätzliche Finanzierungsbedarfe, die der Bericht ebenfalls beschreibt.

Für Rentnerinnen und Rentner ist das eine gute Nachricht in dem Sinne, dass im System Mechanismen wirken, die ein Abrutschen verhindern sollen. Für Beitragszahler und Steuerzahler ist es zugleich eine Frage der Lastenverteilung, weil Stabilisierung finanziert werden muss.

Was Ruheständlerinnen und Ruheständler aus der Prognose mitnehmen sollten

Aus heutiger Sicht spricht vieles dafür, dass 2027 erneut eine Rentenanpassung nach oben möglich ist. Die Modellrechnungen im Rentenversicherungsbericht 2025 bewegen sich, je nach wirtschaftlicher Lage, in einer Spanne, die pro Entgeltpunkt spürbare Euro-Beträge ausmachen kann.

Wichtig ist aber zu betonen, dass es sich um Annahmen handelt und nicht um einen Beschluss. Wer seine finanzielle Planung daran ausrichtet, sollte das Plus eher als mögliche Entwicklung betrachten und nicht als fest einkalkulierte Zusage.

Am Ende zählt die verbindliche Anpassung, die für den 1. Juli 2027 gilt, und die erst im Jahr 2027 feststehen wird. Bis dahin bleibt die Prognose ein nützlicher Kompass, aber kein verbindlicher Bescheid.

Quelle:

Rentenversicherungsbericht 2025, Übersicht B 2.2 „Aktuelle Rentenwerte in Euro und Anpassungssätze in Prozent (in Klammern) … von 2025 bis 2039“.