Rente: Fataler Rechenfehler kostet Rentnern hunderte Euro

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Das Rentensystem ist kompliziert, und gerade bei der vorzeitigen Altersrente mit Abschlägen kommt es schnell zu Fehlern in der Berechnung. Diese wirken sich dann nicht nur einmalig aus, sondern dauerhaft, und sie lassen sich nicht im Nachhinein korrigieren.

Der Rentenexperte Peter Knöppel warnt: „Vielen Versicherten passiert bei der Planung und Vorbereitung zum Start in den Ruhestand ein folgenschwerer Fehler, den sie meist erst ab Beginn der Rente bemerken. Es ist ein Rechenfehler, der die Rente dauerhaft schmälert, und das um bis zu 416 Euro im Monat. Wer diesen Denkfehler macht, zahlt im Ruhestand einen hohen Preis.“

Die vorzeitige Altersrente für langjährig Versicherte

Die vorzeitige Altersrente für langjährig Versicherte ermöglicht es denjenigen, die 35 Jahre Wartezeit bei der Rentenversicherung nachweisen, bis zu vier Jahre früher in Ruhestand zu gehen. Dafür müssen Sie allerdings Abschläge leisten, und diese betragen 0,3 Prozent pro Monat. Bei maximal möglichen 48 Kalendermonaten sind das also 14,4 Prozent, die Sie jeden Monat weniger an Rente erhalten.

Hier erläutert Knöppel einen häufigen Rechenfehler bei der Planung der eigenen Rente. Und dieser liegt an der Fehlkalkulation der 14,4 Prozent anhand der Rentenhöhe.

Ein teures Missverständnis

Tausende rechnen hier, laut Knöppel, falsch, weil sie den voraussichtlichen Wert der Rente bei der Regelaltersgrenze von bald 67 Jahren zur Grundlage der Berechnung nehmen. Der Rentenanwalt erläutert: „Dies ist aber falsch. Der richtige Basiswert für die Berechnung des Abschlages ist die Höhe der Rente, die bei Beginn des 63. Lebensjahres vorliegt und davon werden die 14,4 % abgezogen.“

Früher in Rente bedeutet weniger Beiträge

Wer mit der Altersrente für langjährig Versicherte vier Jahre früher in Rente geht, leistet nicht nur die vollen Abschläge, sondern zahlt auch vier Jahre weniger Beiträge in die Rentenversicherung ein. Bereits ohne Abschläge fällt die vorzeitige Rente also deutlich niedriger aus als die Altersrente zur Regelaltersgrenze.

Wer sich also für eine vorzeitige Rente mit Abschlägen entscheidet und erwartet, die voraussichtliche Rente zur Regelaltersgrenze zu bekommen und davon dann die Abschläge abzieht, erlebt eine böse Überraschung.

Ein Rechenbeispiel

Knöppel denkt als Beispiel jemand aus dem Jahrgang 1964, der regulär 2031 mit 67 Jahren in Rente gehen würde, diese aber als langjährig Versicherter mit 14,4 Prozent Abschlag auf das Jahr 2027 mit 63 Jahren vorziehen möchte.

In Knöppels Beispiel liegt seine Rente laut Rentenauskunft zum 67. Lebensjahr nach 47 Jahren Arbeit und einem Rentenpunkt pro Jahr bei 1.917,13 Euro (bei einem Rentenwert von 40,79 Euro).

Fälschlich nimmt der Betroffene jetzt diese 1.917,13 Euro zur Grundlage, zieht von ihnen 14,4 Prozent ab und kommt im Ergebnis auf 1.641,06 Euro. Diese hat er im Kopf als monatliche Rente, wenn er vier Jahre früher in den Ruhestand geht. Doch die Rechnung ist falsch.

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Vier Jahre weniger Beiträge

Er hätte bei einem Rentenpunkt pro Jahr nämlich vier Rentenpunkte abziehen müssen, die ihm bei der um vier Jahre vorgezogenen Rente fehlen. In Wirklichkeit hätte er nicht 47 Entgeltpunkte, sondern nur 43.

Ohne Abschläge würde seine vorzeitige Rente 1.753,97 Euro betragen. Die 14,4 Prozent müsste er von dieser Summe abziehen. Seine vorzeitige Rente mit Abschlägen würde also bei 1.501,40 Euro liegen.
Er hätte also in Wirklichkeit 139,64 Euro weniger, als er angenommen hatte.

Im Vergleich zur Regelaltersrente, wenn er also bis 67 regulär gearbeitet hätte, würde er sogar rund 416,00 Euro weniger pro Monat bekommen, zeigt Knöppel.

Der Fehler ist nicht revidierbar

Hochproblematisch ist für Betroffene, die sich auf diese Art verrechnet haben, dass sie den Fehler nicht korrigieren können. Wer sich für eine Rentenform entschieden hat, kann dies nicht rückgängig machen.

Wenn Sie also erst bei der Überweisung Ihrer ersten Rente entdecken, dass Sie die Einbußen falsch kalkulierten, dann ist es zu spät. Sie müssen dann für den Rest Ihres Lebens mit weniger Geld pro Monat auskommen, als Sie erwartet hatten.

Was können Sie tun?

Knöppel rät, die letzten Jahre vor der Rente strategisch zu planen, sich also mit professioneller Beratung ausrechnen zu lassen, welche Vorteile und welche Nachteile welches Rentenmodell für Sie bietet.

Verbunden mit der jährlich erhöhten Regelaltersgrenze zum Renteneintritt denken mehr Arbeitnehmer darüber nach, vorzeitig in den Ruhestand einzutreten und dafür Abschläge in Kauf zu nehmen. Bei vielen lässt die Leistung im Alter nach. Sie denken, es sei besser, etwas weniger Geld zu haben und sich dafür nicht mehr zu einer Arbeit quälen zu müssen, die sie nicht mehr so erfüllen wie in jungen Jahren.

Doch bei einer Rente, die ohnehin kaum zum Leben reicht, gehen die Einschnitte durch die Abschläge an die Substanz. Vielen ist nicht bewusst, dass es auch andere Möglichkeiten als die vorzeitige Rente mit Abschlägen gibt, um den Übergang zu gestalten.

So könnten Sie zum Beispiel in Altersteilzeit gehen, und sogar in einem Minijob würden Sie nach wie vor Beiträge in die Rentenkasse einzahlen. Planen Sie also Ihre Rente frühzeitig und lassen Sie sich von Fachleuten beraten, die Ihnen auch Rechenfehler wie die im Beispiel genannten zeigen können.