Das Pfändungsschutzkonto wird für viele Schuldner wieder zum Problem

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Das Pfändungsschutzkonto soll verschuldeten Menschen eigentlich einen verlässlichen Zugang zu ihrem unpfändbaren Einkommen sichern. Doch in der Praxis erleben viele Betroffene weiterhin erhebliche Schwierigkeiten. Konten werden nicht rechtzeitig umgestellt, Freibeträge verspätet berücksichtigt oder Guthaben trotz gesetzlichem Schutz blockiert.

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) sieht darin ein ernstes Problem. Sie fordert daher “entschlossenes Handeln der Politik, damit gesetzliche Vorgaben zum Pfändungsschutz nicht nur auf dem Papier bestehen, sondern im Alltag auch wirksam umgesetzt werden”. Anlass ist die bundesweite Aktionswoche Schuldnerberatung vom 15. bis 19. Juni 2026.

Aktionswoche macht auf Missstände aufmerksam

Die Aktionswoche steht in diesem Jahr unter dem Motto „Wie komme ich an mein Geld? Wenn das P-Konto zum Problemkonto wird“. Damit rückt die bundesweite Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände, kurz AG SBV, die anhaltenden Schwierigkeiten rund um Pfändungsschutzkonten in den Fokus. Der Verband verweist auf monatlich rund 300.000 bis 350.000 Kontopfändungen in Deutschland.

Für Menschen in finanzieller Not ist eine Kontopfändung häufig mehr als ein Verwaltungsvorgang. Sie kann bedeuten, dass plötzlich kein Zugriff mehr auf Geld für Miete, Strom, Lebensmittel oder Medikamente besteht. Genau an diesem Punkt soll das P-Konto Schutz bieten.

„Die AWO Halle-Merseburg fordert daher entschlossenes Handeln der Politik, um den gesetzlich geregelten Pfändungsschutz wirksam durchzusetzen“, sagt Franziska Thalheim, Juristin und Leiterin der Schulden- und Insolvenzberatungsstelle der AWO in Halle-Merseburg. Sie unterstützt damit die Forderungen der AG SBV nach klareren Regeln, besserer Durchsetzung und verlässlicher Beratung.

Wenn gesetzlicher Schutz im Alltag nicht ankommt

Ein Pfändungsschutzkonto schützt automatisch einen gesetzlich festgelegten monatlichen Freibetrag. Dieser Betrag soll sicherstellen, dass verschuldete Menschen trotz Pfändung ihren notwendigen Lebensunterhalt bestreiten können. Für Personen mit Unterhaltspflichten oder besonderen Lebenslagen können höhere Freibeträge gelten.

In der Praxis läuft dieser Schutz jedoch nicht immer reibungslos. Wird ein Girokonto gepfändet, frieren Banken das vorhandene Guthaben zunächst häufig ein. Betroffene müssen dann aktiv beantragen, dass ihr bestehendes Konto in ein P-Konto umgewandelt wird.

Gerade in dieser Übergangszeit entstehen für viele Menschen gravierende Probleme. Wenn die Umwandlung verspätet erfolgt oder Freibeträge nicht korrekt hinterlegt werden, kann das Geld vorübergehend unerreichbar sein. Für Haushalte, die ohnehin kaum finanzielle Reserven haben, kann schon eine Verzögerung von wenigen Tagen existenzielle Folgen haben.

„Wie komme ich an mein Geld? – diese Frage hören die Mitarbeitenden in der Schuldnerberatung regelmäßig“, sagt Franziska Thalheim. In Halle (Saale) ist die AWO Erziehungshilfe Halle (Saale) gGmbH der AWO Halle-Merseburg Trägerin der Insolvenz- und Schuldenberatungsstelle. Nach Einschätzung der Beratungspraxis zeigt sich dort immer wieder, wie stark Betroffene auf schnelle und verständliche Unterstützung angewiesen sind.

Blockiertes Guthaben kann den Alltag destabilisieren

Wenn Banken gesetzliche Regelungen nicht korrekt umsetzen, bleibt dies für Betroffene nicht folgenlos. Mietzahlungen können ausbleiben, Energieabschläge werden nicht abgebucht, Lastschriften platzen oder dringend benötigte Einkäufe müssen verschoben werden. Aus einer ohnehin angespannten finanziellen Lage kann sich dadurch sehr schnell eine akute Notsituation entwickeln.

Franziska Thalheim warnt deshalb vor den praktischen Folgen solcher Verzögerungen. „Wenn Banken gesetzliche Regelungen nicht korrekt umsetzen, kann das existenzielle Folgen haben: Mieten werden nicht bezahlt, Energieabschläge nicht abgebucht, der Lebensunterhalt ist nicht gesichert. Das P-Konto muss den Schutz bieten, den das Gesetz vorsieht“, sagt sie.

Die Kritik richtet sich nicht allein an einzelne Kreditinstitute. Vielmehr geht es um die Frage, ob gesetzliche Schutzrechte für überschuldete Menschen im Alltag verlässlich erreichbar sind. Aus Sicht der AWO Halle-Merseburg braucht es dafür klare Standards, geschultes Personal und wirksame Folgen bei Verstößen.

Rechtliche Unklarheiten belasten Betroffene zusätzlich

Neben praktischen Problemen bei Banken kritisiert die AG SBV auch rechtliche Unsicherheiten. Diese betreffen etwa den Pfändungsschutz bestimmter Sozialleistungen wie Wohngeld oder Unterhaltsvorschuss. Wenn unklar ist, welche Stelle zuständig ist oder wie einzelne Leistungen zu behandeln sind, entstehen Verzögerungen.

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Für Betroffene bedeutet das zusätzlichen Druck. Sie müssen Nachweise beschaffen, Anträge stellen, Auskünfte einholen und oft mehrfach erklären, warum sie auf das Geld angewiesen sind. Gleichzeitig laufen laufende Kosten weiter.

Auch Gerichte und Beratungsstellen werden durch unklare Abläufe zusätzlich belastet. Statt einer schnellen Klärung entstehen Verfahren, Rückfragen und Zuständigkeitsstreitigkeiten. Die AWO Halle-Merseburg fordert deshalb eindeutige gesetzliche Regelungen, die in der Praxis verständlich und zügig angewendet werden können.

Beratungsstellen brauchen verlässliche Finanzierung

Ein weiterer Schwerpunkt der Forderungen betrifft den Ausbau der Schulden- und Insolvenzberatung. Aus Sicht der AWO Halle-Merseburg können Betroffene nur dann schnell und sachgerecht unterstützt werden, wenn Beratungsstellen ausreichend ausgestattet sind. Dazu gehören gut erreichbare Angebote, qualifiziertes Personal und eine Finanzierung, die dauerhaft Planungssicherheit bietet.

Gerade beim P-Konto ist Beratung oft entscheidend. Viele Menschen wissen nicht, welche Freibeträge ihnen zustehen, welche Bescheinigungen notwendig sind oder wie sie sich gegen eine fehlerhafte Kontobehandlung wehren können. Ohne professionelle Unterstützung droht der gesetzliche Schutz ins Leere zu laufen.

Die AWO unterstützt deshalb auch die Forderung nach “einem gesetzlichen Anspruch auf Schuldnerberatung für alle Menschen, unabhängig vom Einkommen”. Das bestehende Hilfesystem müsse daher flächendeckend ausgebaut und gesichert werden. Nur so könne verhindert werden, “dass Betroffene in schwierigen Lebenslagen auf sich allein gestellt bleiben”.

Auch beim Basiskonto sieht die AG SBV Handlungsbedarf

Neben dem P-Konto rückt die AG SBV auch das Basiskonto in den Blick. Dieses soll jedem Verbraucher den Zugang zu einem Girokonto ermöglichen. Ein Girokonto ist heute Voraussetzung für viele Bereiche des Alltags, vom Empfang des Lohns oder von Sozialleistungen bis zur Zahlung von Miete und Strom.

„Ein Konto ist elementarer Bestandteil der Existenzsicherung“, betont Franziska Thalheim. Aus ihrer Sicht müssen Kreditinstitute Basiskonten aktiv anbieten und gesetzliche Ansprüche ohne unnötige Hürden umsetzen. Verstöße müssten wirksam sanktioniert werden.

Der Zugang zu einem Konto entscheidet häufig darüber, ob Menschen am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Wer kein Konto hat oder auf sein geschütztes Guthaben nicht zugreifen kann, gerät schnell in weitere Schwierigkeiten. Deshalb verlangt die AWO Halle-Merseburg klare und durchgesetzte Regeln für Giro- und Pfändungsschutzkonten.

Übersicht: Häufige Probleme beim P-Konto und mögliche Folgen

Problem Mögliche Folge für Betroffene
Verspätete Umwandlung eines Girokontos in ein P-Konto Vorübergehend kein Zugriff auf Geld für Miete, Energie, Lebensmittel oder Medikamente
Freibeträge werden nicht rechtzeitig berücksichtigt Geschütztes Einkommen bleibt blockiert, obwohl ein Anspruch auf Auszahlung besteht
Unklare Behandlung bestimmter Sozialleistungen Verzögerungen, zusätzlicher Schriftverkehr und mögliche gerichtliche Klärungen
Fehlende oder schwer erreichbare Ansprechstellen bei Banken Betroffene erhalten keine schnelle Hilfe und müssen sich an Beratungsstellen oder Behörden wenden
Unzureichende Beratungskapazitäten Menschen in finanzieller Not warten länger auf Unterstützung und riskieren weitere Zahlungsausfälle

Forderung nach verbindlichen Regeln und besserer Durchsetzung

Die AWO Halle-Merseburg fordert, dass der Staat den Schutz des P-Kontos als Instrument der sozialen Sicherung wirksam gewährleistet. Dazu gehören klare Vorgaben für Banken, leicht erreichbare Ansprechstellen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit den gesetzlichen Anforderungen vertraut sind. Ebenso wichtig seien Konsequenzen, wenn Kreditinstitute geltendes Recht nicht korrekt anwenden.

Die Debatte zeigt, dass der gesetzliche Anspruch allein nicht ausreicht. Entscheidend ist, ob Betroffene im Ernstfall tatsächlich an das Geld gelangen, das ihnen zusteht. Für viele überschuldete Menschen ist das P-Konto kein abstraktes Finanzprodukt, sondern eine Voraussetzung dafür, den Alltag trotz Pfändung bewältigen zu können.

Die Aktionswoche Schuldnerberatung macht damit auf ein Problem aufmerksam, das weit über Einzelfälle hinausgeht. Monatlich Hunderttausende Kontopfändungen zeigen, wie viele Menschen potenziell betroffen sind. Umso wichtiger ist ein System, das verständlich, schnell und zuverlässig funktioniert.

Beispiel aus der Praxis

Eine alleinerziehende Mutter erhält Sozialleistungen und Kindergeld auf ihr Girokonto. Nach einer Kontopfändung wird das Guthaben zunächst vollständig blockiert. Sie beantragt bei ihrer Bank die Umwandlung in ein P-Konto, doch die Bearbeitung verzögert sich.

In dieser Zeit kann sie ihre Miete nicht überweisen und der Abschlag für Strom wird nicht abgebucht. Erst mit Unterstützung einer Schuldnerberatungsstelle gelingt es, die notwendigen Nachweise einzureichen und den erhöhten Freibetrag geltend zu machen. Das Beispiel zeigt, wie schnell aus einem formalen Bankvorgang eine existenzielle Belastung werden kann.