Rente in Deutschland: Diese Jahrgänge bekommen am meisten Geld

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Die höchsten durchschnittlichen gesetzlichen Altersrenten liegen derzeit bei den Rentnerkohorten rund um den Übergang ins Regelalter. In den Bestandsdaten der Deutschen Rentenversicherung zum Stichtag 31.12.2024 erreicht die Gruppe der 65-Jährigen den höchsten durchschnittlichen Rentenzahlbetrag.

Das entspricht – als Stichtagsnäherung – grob den Geburtsjahrgängen um 1959 (je nach Geburtsmonat kann die Zuordnung um ein Jahr verschoben sein).

Die höchsten Durchschnittswerte liegen bei 65 – nicht bei den ältesten Rentnern

Die Auswertung zeigt einen deutlichen Sprung von 63 auf 64/65 Jahre und anschließend wieder sinkende Durchschnittswerte mit höherem Alter. Besonders aussagekräftig sind die großen Alterskohorten, weil sie den Rentenbestand in der Breite prägen.

Alter am 31.12.2024 (≈ Jahrgang) Ø Rentenzahlbetrag pro Monat
63 (≈ 1961) 1.118,34€
64 (≈ 1960) 1.451,19€
65 (≈ 1959) 1.489,59€
66 (≈ 1958) 1.223,77€
67 (≈ 1957) 1.190,23€
68 (≈ 1956) 1.179,55€
69 (≈ 1955) 1.162,17€
70 (≈ 1954) 1.146,23€
71 (≈ 1953) 1.142,07€
72 (≈ 1952) 1.140,08€

Konkreter Vergleich: Die 65-Jährigen liegen im Durchschnitt um 38,40 € (2,65 %) über den 64-Jährigen, aber bereits um 265,82 € (21,72 %) über den 66-Jährigen.

Gegenüber den 69-Jährigen beträgt der Abstand 327,42 € (28,17 %), gegenüber den 72-Jährigen 349,51 € (30,66 %). Der besonders auffällige Sprung sitzt zwischen 63 und 64: +332,85 € bzw. +29,76 %.

Warum gerade diese Kohorten vorn liegen

Der Befund ist weniger eine „Generationenshow“ als das Ergebnis mehrerer Mechaniken, die in dieser Alterszone zusammenlaufen.

Erstens entscheidet bei der gesetzlichen Rente nicht das Etikett „Babyboomer“, sondern die Summe der Entgeltpunkte – und die entstehen hauptsächlich aus beitragspflichtigem Einkommen über viele Jahre. Späte 1950er und frühe 1960er hatten in vielen Fällen lange Versicherungszeiten und profitierten über Jahrzehnte von höheren (nominalen) Löhnen als deutlich ältere Jahrgänge, was im Durchschnitt höhere Entgeltpunktstände begünstigt.

Zweitens wirkt in den Bestandsdaten ein starker Zusammensetzungseffekt: Wer mit 63 im Rentenbezug ist, ist häufig nicht „einfach nur zwei Jahre früher“, sondern gehört überdurchschnittlich oft zu Gruppen mit Abschlägen oder Biografien, die im Durchschnitt weniger Entgeltpunkte erzeugen (beispielsweise wegen unterbrochener Erwerbsverläufe).

Umgekehrt sind die Kohorten um 64/65 in der Breite näher am Regelübergang, sodass sich dort häufiger vollere Erwerbsbiografien im Bestand bündeln, während sich die statistische Zusammensetzung schon ein Jahr später wieder sichtbar verschiebt.

Drittens spiegeln sehr alte Rentnerkohorten eine andere Lohn- und Beschäftigungsrealität. Auch bei langen Erwerbsbiografien drücken niedrigere historische Lohnniveaus das lebensdurchschnittliche Entgeltpunkteniveau, und genau das zeigt sich in den deutlich niedrigeren Durchschnittswerten ab Mitte/Ende 60 aufwärts.

Durchschnittsrente und Ausgaben: Was sich seit 2000 verändert hat

Parallel zur Kohortenfrage ist der Blick auf die Zeitreihe wichtig, weil er zeigt, warum Rentenpolitik nicht nur über „wer bekommt am meisten“ geführt wird, sondern über Systemgrößen.

Kennzahl (Altersrentenbestand) Wert
Durchschnittliche Monatsrente 2000 698€
Durchschnittliche Monatsrente 2022 1.054€
Durchschnittliche Monatsrente 2023 1.102€
Ausgaben für Altersrenten 2000 136,136 Mrd. €
Ausgaben für Altersrenten 2022 253,692 Mrd. €
Ausgaben für Altersrenten 2023 268,980 Mrd. €

Die Zahlen zeigen zwei Entwicklungen zugleich: höhere durchschnittliche Zahlbeträge im Bestand und stark gewachsene Ausgaben. Für die Einordnung ist dabei entscheidend, dass steigende Durchschnittswerte nicht automatisch „Wohlstand im Alter“ bedeuten, weil sie keine Aussage über Wohnkosten, Preisentwicklung oder die Streuung zwischen niedrigen und hohen Renten treffen.

Was die Auswertung leistet – und was nicht

Die Tabelle beantwortet eine konkrete Frage: Welche Alters- bzw. Jahrgangsnähe hat im Rentenbestand derzeit die höchsten durchschnittlichen Zahlbeträge? Sie ersetzt aber keine Verteilungsanalyse.

Nicht abgebildet sind etwa private Vorsorge, Betriebsrenten oder Beamtenpensionen; ebenso wenig zeigt die Übersicht, wie groß die Unterschiede nach Geschlecht oder Region sind, obwohl gerade diese Strukturmerkmale die Rentenrealität stark prägen.

Außerdem handelt es sich um Bestandswerte am Stichtag, nicht um reine „Neuzugänge“ eines Jahres – das ist für die Interpretation wichtig, weil sich die Zusammensetzung je Altersjahr merklich unterscheiden kann.

Fazit

Im Rentenbestand zum Jahresende 2024 konzentrieren sich die höchsten durchschnittlichen gesetzlichen Altersrenten bei den Kohorten rund um 64/65 Jahre, mit einem klaren Peak bei den 65-Jährigen.

Der Befund ist datengetrieben und lässt sich mit konkreten Abständen belegen; er erklärt sich primär aus Entgeltpunktlogik, Lohnhistorie und der Zusammensetzung der Rentnergruppen nach Rentenzugang und Biografie.

Wer daraus eine Schlagzeile macht, sollte sie präzise formulieren: Nicht „die Ältesten“ bekommen am meisten, sondern derzeit die Jahrgangsnähe um 1959/1960, gemessen an den durchschnittlichen Zahlbeträgen im Altersrentenbestand.