So hoch ist deine Rente nach 45 Jahren in 2026

Lesedauer 5 Minuten

Wer „45 Jahre“ hört, denkt schnell an eine feste Summe. In der gesetzlichen Rente funktioniert das so nicht. Entscheidend ist nicht allein die Zahl der Jahre, sondern wie hoch das versicherte Einkommen in diesen Jahren war und wie viele Entgeltpunkte dabei zusammengekommen sind.

2026 kommt noch ein weiterer Punkt dazu: Die Renten werden zwar regelmäßig zum 1. Juli angepasst, die exakte Anpassung für den 1. Juli 2026 steht aber typischerweise erst im Frühjahr 2026 endgültig fest. Darum lässt sich seriös am besten mit dem aktuellen Rentenwert und einem realistischen 2026-Szenario rechnen.

45 Beitragsjahre sind nicht automatisch 45 Rentenpunkte

„45 Jahre“ bedeutet in der Alltagssprache oft: 45 Jahre gearbeitet und Beiträge gezahlt. Für die Rentenhöhe ist das nur die halbe Wahrheit. In der gesetzlichen Rente wird Jahr für Jahr verglichen, ob dein Verdienst im jeweiligen Kalenderjahr unter, auf oder über dem Durchschnitt aller Versicherten lag.

Wer in einem Jahr genau den Durchschnitt verdient, erhält dafür 1 Entgeltpunkt. Wer darunter liegt, bekommt weniger; wer darüber liegt, mehr. So können nach 45 Jahren sehr unterschiedliche Punktestände herauskommen, je nachdem, ob es viele Teilzeitphasen gab, längere Zeiten mit geringerem Einkommen, längere Kindererziehungszeiten oder eine Karriere mit deutlich überdurchschnittlichem Verdienst.

So rechnet die Rentenformel – und warum sie 2026 wichtig bleibt

Die Monatsrente (brutto) ergibt sich im Wesentlichen aus den gesammelten Entgeltpunkten multipliziert mit dem aktuellen Rentenwert. Weitere Faktoren spielen zwar mit, etwa der Zugangsfaktor (z. B. Abschläge bei vorzeitigem Bezug) und der Rentenartfaktor (bei Altersrenten in der Regel 1,0), aber für die typische Frage „Was bedeutet 45 Jahre?“ ist der Zusammenhang Entgeltpunkte × Rentenwert der Dreh- und Angelpunkt.

Genau deshalb schlägt jede Rentenanpassung, also jede Veränderung des Rentenwerts, unmittelbar auf die Euro-Summe durch.

Der Rentenwert: Stand 2025 – und ein 2026-Szenario

Seit dem 1. Juli 2025 beträgt der aktuelle Rentenwert 40,79 Euro. Das ist der Betrag, den ein einzelner Entgeltpunkt pro Monat wert ist. Für 2026 kursiert auf Basis von Planungsdaten eine erwartete Rentenanpassung von 3,73 Prozent zum 1. Juli 2026; endgültig entschieden wird das erst, wenn alle erforderlichen Lohndaten vorliegen.

Rechnet man dieses 3,73-Prozent-Szenario durch, läge der Rentenwert ab 1. Juli 2026 rechnerisch bei rund 42,31 Euro. Das ist keine amtliche Festlegung, aber eine nachvollziehbare Orientierung, solange die endgültige Verordnung noch aussteht.

Was bedeutet das in Euro? Beispiele nach Entgeltpunkten

Ein verbreitetes Vergleichsbild ist die sogenannte Standardrente: 45 Jahre lang jeweils exakt den Durchschnittsverdienst, also 45 Entgeltpunkte. Daraus ergibt sich auf Basis des Rentenwerts vom 1. Juli 2025 eine Bruttorente von 1.835,55 Euro im Monat. Im 2026-Szenario mit +3,73 Prozent wären es rechnerisch 1.904,02 Euro.

Wichtig ist: Diese „Standardrente“ beschreibt einen sehr speziellen Lebenslauf. Viele Menschen liegen darunter, weil ihr Einkommen über lange Zeit unter dem Durchschnitt lag oder weil nicht durchgehend rentenversicherungspflichtig gearbeitet wurde. Andere liegen darüber, etwa bei dauerhaft überdurchschnittlichem Einkommen.

Entgeltpunkte nach 45 Jahren Monatliche Bruttorente (Beispielrechnung)
22,5 (im Schnitt etwa halber Durchschnitt) Stand 1.7.2025: 917,77 €
Szenario ab 1.7.2026 (+3,73%): 952,01 €
30,0 Stand 1.7.2025: 1.223,70 €
Szenario ab 1.7.2026 (+3,73%): 1.269,34 €
45,0 (Standardrente bei Durchschnittsverdienst) Stand 1.7.2025: 1.835,55 €
Szenario ab 1.7.2026 (+3,73%): 1.904,02 €
60,0 Stand 1.7.2025: 2.447,40 €
Szenario ab 1.7.2026 (+3,73%): 2.538,69 €
67,5 (im Schnitt etwa 1,5 Entgeltpunkte/Jahr) Stand 1.7.2025: 2.753,32 €
Szenario ab 1.7.2026 (+3,73%): 2.856,02 €

Brutto ist nicht Netto: Abzüge 2026 für Kranken- und Pflegeversicherung

Von der Bruttorente gehen in der Regel Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab, sofern eine Mitgliedschaft in der Krankenversicherung der Rentnerinnen und Rentner vorliegt. Beim Krankenversicherungsbeitrag gilt der allgemeine Beitragssatz von 14,6 Prozent, wobei Rentnerinnen und Rentner davon grundsätzlich 7,3 Prozent tragen; hinzu kommt der halbe kassenindividuelle Zusatzbeitrag.

Für 2026 ist der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz auf 2,9 Prozent festgelegt, sodass als grobe Orientierung zusätzlich 1,45 Prozentpunkte auf der Rentenseite landen können.

Bei der Pflegeversicherung liegt der Beitragssatz 2026 bei 3,6 Prozent, für Kinderlose bei 4,2 Prozent; bei mehreren Kindern gibt es Abschläge, solange die jeweiligen Kinder das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Diese Pflegebeiträge werden bei Renten in der Praxis vollständig von der Rente einbehalten.

Was heißt das als Beispiel? Bei einer Standardrente von 1.835,55 Euro brutto (Stand 1.7.2025) ergibt sich unter der Annahme des durchschnittlichen Zusatzbeitrags von 2,9 Prozent und bei einem Pflegebeitragssatz von 3,6 Prozent rechnerisch eine Rente von rund 1.608,86 Euro „netto vor Steuer“.

Für Kinderlose läge diese Beispielrechnung bei rund 1.597,85 Euro „netto vor Steuer“. Steigt die Bruttorente im 2026-Szenario auf 1.904,02 Euro, lägen die entsprechenden Beispielwerte bei etwa 1.668,87 Euro beziehungsweise 1.657,45 Euro „netto vor Steuer“. In der Realität können Abweichungen entstehen, weil der Zusatzbeitrag je nach Krankenkasse über oder unter dem Durchschnitt liegen kann.

Steuern 2026: Warum die persönliche Netto-Rente stark schwanken kann

Nach den Regeln der nachgelagerten Besteuerung wird nicht die komplette Rente sofort zu 100 Prozent steuerpflichtig, sondern der steuerpflichtige Anteil hängt vom Jahr des Rentenbeginns ab.

Für Neurentnerinnen und Neurentner des Jahres 2026 beträgt der Besteuerungsanteil 84 Prozent; entsprechend bleiben 16 Prozent als individueller Rentenfreibetrag steuerfrei, wobei dieser Freibetrag in Euro im Rentenbeginnjahr festgeschrieben wird.

Ob tatsächlich Einkommensteuer anfällt, hängt dann von allen Einkünften zusammen ab, nicht nur von der gesetzlichen Rente.

Für 2026 steigt außerdem der steuerliche Grundfreibetrag auf 12.348 Euro. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass eine Jahresrente bis zu dieser Grenze immer komplett steuerfrei bleibt, weil das „zu versteuernde Einkommen“ durch weitere Faktoren beeinflusst wird, unter anderem durch weitere Einkünfte, Werbungskostenpauschalen, Sonderausgaben und die konkrete Zusammensetzung der Einkünfte.

Wer neben der gesetzlichen Rente noch Betriebsrenten, Mieteinnahmen oder Kapitaleinkünfte hat, kommt schneller in den steuerpflichtigen Bereich als jemand, der ausschließlich die gesetzliche Rente bezieht.

45 Jahre und früher in Rente: Was 2026 bei der „Rente für besonders langjährig Versicherte“ gilt

Viele verbinden „45 Jahre“ mit der Möglichkeit, vor der Regelaltersgrenze ohne Abschläge in Rente zu gehen. Das ist grundsätzlich die Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Der abschlagsfreie Start hängt vom Geburtsjahr ab. Für Versicherte ab Jahrgang 1964 liegt der abschlagsfreie Beginn bei 65 Jahren.

Für frühere Jahrgänge gibt es Übergangsregelungen mit einem schrittweisen Anstieg. Eine vorzeitige Inanspruchnahme dieser abschlagsfreien Variante mit Abschlägen ist nicht vorgesehen; wer früher gehen will, landet typischerweise in anderen Rentenarten und muss dann Abschläge einkalkulieren.

Warum die eigene Rentenauskunft oft anders aussieht als Beispielrechnungen

Beispielrechnungen mit 45 Entgeltpunkten wirken klar, bilden aber nur einen idealisierten Verlauf ab. In der Praxis drücken Teilzeitphasen, längere Ausbildungs- und Studienzeiten ohne Beitragszahlung, Zeiten der Selbstständigkeit ohne Pflichtbeiträge oder längere Phasen mit niedrigen Verdiensten die Entgeltpunkte.

Umgekehrt erhöhen Phasen mit deutlich überdurchschnittlichem Einkommen, zusätzliche freiwillige Beiträge oder rentenrechtliche Zeiten wie Kindererziehung die spätere Monatsrente. Auch die Beitragsbemessungsgrenze setzt nach oben eine Grenze, wie viele Entgeltpunkte in einem einzelnen Jahr maximal aufgebaut werden können. Wer sehr gut verdient, bekommt zwar mehr Punkte als der Durchschnitt, aber nicht unbegrenzt.

Wie du 2026 zu einer belastbaren Zahl kommst

Wenn es nicht um grobe Orientierungswerte, sondern um die persönliche Summe geht, führt kein Weg an den Unterlagen der Rentenversicherung vorbei. Die Renteninformation zeigt, was bisher an Entgeltpunkten erreicht wurde und welche Rente sich daraus ergeben kann.

Kurz vor dem Rentenbeginn ist die detaillierte Rentenauskunft die bessere Grundlage, weil sie Zeiten und Bewertungen genauer abbildet. Zusätzlich gibt es Online-Rechner, mit denen sich Szenarien durchspielen lassen, etwa wenn du abschätzen willst, was ein weiteres Arbeitsjahr, eine Teilzeitphase oder ein späterer Rentenbeginn an der Monatsrente verändert.

Fazit

„So hoch ist deine Rente nach 45 Jahren in 2026“ lässt sich als seriöse Aussage nur in Form von Spannen und nachvollziehbaren Annahmen beantworten. Mit 45 Entgeltpunkten liegt die Bruttorente beim Rentenwert vom 1. Juli 2025 bei 1.835,55 Euro im Monat; ein plausibles 2026-Szenario (+3,73 Prozent zum 1. Juli 2026) ergäbe rund 1.904,02 Euro.

Was davon tatsächlich auf dem Konto bleibt, hängt wesentlich von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen, vom Zusatzbeitrag der Krankenkasse und von der steuerlichen Situation ab. Wer seine echte Zahl wissen will, sollte vor allem auf die eigenen Entgeltpunkte schauen, denn sie entscheiden am Ende über die Rentenhöhe.

Quellen

Deutsche Rentenversicherung: Rentenanpassung 2025 und aktueller Rentenwert (40,79 Euro ab 1. Juli 2025), Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Einordnung der Rentenanpassung 2025 und Beispiel zur Standardrente bei 45 Beitragsjahren.