Hartz IV: Jugendliche aufgepasst!

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Als Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 25 Jahren gehören Sie bei Bezug von Alg II zu einer besonders diskriminierten Hartz IV Gruppe. Wenn Sie nach Vollendung des 15. Lebensjahrs nicht mehr in die Schule gehen oder keine Berufsausbildung machen, gelten Sie ab Antragstellung für die Arbeitsagentur (Arbeitsamt) als sofort vermittelbar. Wenn Sie Geldleistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes dringend benötigen und bedürftig sind, müssen Sie zuerst und sofort (!) jede Arbeit, jede Ausbildung, jede ausbildungsähnliche Maßnahme bzw. jedwede Arbeitsgelegenheit annehmen, die Ihnen die Agentur anbietet – außer Sie sind körperlich, geistig oder seelisch dazu nicht fähig. Sie haben kein Recht auf eine Berufsausbildung!

Vielmehr soll das Sofortvermittlungsgebot Sie dazu zwingen auch den allerletzten Job anzunehmen – und wenn er noch so perspektivlos ist! Zur Vermeidung einer Sperrzeit müssen Sie eine Eingliederungsvereinbarung treffen. Wenn Jugendliche/junge Erwachsene irgendein "Angebot" der Arbeitsagentur ohne wichtigen Grund ablehnen, wird für sie die Regelleistung sofort für drei Monate völlig gesperrt! In dieser Zeit müssen, außer in begründeten Ausnahmefällen, nur noch Sachleistungen (z.B. Lebensmittelgutscheine) erbracht sowie Unterkunfts- und Heizkosten an den Vermieter gezahlt werden.

Eigeninitiative lohnt sich!
• Bevor Sie zum Amt gehen, klären Sie für sich, ob Sie eine (und wenn ja welche?) Berufsausbildung machen wollen. Erkundigen Sie sich im Vorfeld, ob die Arbeitsagentur eine Berufsausbildung für Sie fördert.

• Verlangen Sie vom Fallmanager eine Eingliederungsmaßnahme,"Berufsberatung" bzw. berufsvorbereitende Maßnahmen nach dem Arbeitsförderungsrecht (SGB III).

• Klären Sie für sich vor dem Besuch der Arbeitsagentur, welche Arbeit Ihr Gesundheitszustand zulässt bzw. nicht. (Besorgen Sie sich ggf. ärztliche Atteste.)

• Informieren Sie sich über Arbeitsbedingungen und Arbeitsschutz, denn nur legale Arbeitsverhältnisse sind zumutbar!

• Eine unakzeptable Beschäftigung dürfen Sie nicht verweigern! Aber Widerspruch ist möglich! Suchen Sie sofort
eine unabhängige Beratungsstelle auf, die Ihnen Rat und Hilfe dabei gibt.

Unterhaltszwang
• Solange Sie keine abgeschlossene Ausbildung haben und unter 25 Jahren sind oder/und im Haushalt der Eltern wohnen, sind diese für Sie unterhaltspflichtig. Solange die Eltern für Sie aufkommen, haben Sie i.d.R. keinen Alg II-Anspruch.

• Beziehen Ihre Eltern aber Alg II, kann die Arbeitsagentur Sie nach Vollendung der Schulpfl icht (mit 15 Jahren) zur Arbeit heranziehen. Sie müssen dann eventuell aus ihrem Arbeitseinkommen mit für den Unterhalt Ihrer Eltern sorgen. Aber Achtung: Reicht Ihr Einkommen für ihren eigenen Lebensunterhalt einschließlich Unterkunftsanteil der gemeinsam Wohnung
mit den Eltern, dürfen sie nicht zur Bedarfsgemeinschaft dazugezählt werden. Als Mitglied der Haushaltsgemeinschaft
dürfen sie einen höheren Teil ihres Einkommens für sich behalten

• Leben Sie mit Ihrer PartnerIn in „wilder Ehe“ zusammen, vermutet die Arbeitsagentur bei Ihnen eine „Bedarfsgemeinschaft“.
Dann gelten Sie gegenseitig als unterhaltspflichtig. Das heißt: Einkommen und Vermögen des anderen werden in die Bedürftigkeitsprüfung für Alg II einbezogen.

Noch zwei Tipps:
• Suchen Sie sich möglichst eine eigene Wohnung bzw. ein WG-Zimmer mit separatem Untermietvertrag!
• Als SchülerIn können Sie als eigenes Einkommen Schüler-BaFöG beantragen, wenn Sie nicht bei Ihren Eltern wohnen.

Gibt´s Ärger mit dem Amt: Sofort eine unabhängige Beratungsstelle aufsuchen!
– Aktuelle Gesetzes Änderungen vorbehalten –

Siehe auch: Hartz 4 Kürzung Jugendlicher Verfassungswidrig?

Hartz IV abschaffen?

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