290 Kilometer pro Arbeitstag und fast drei Stunden im Auto. Der 45-jährige Kenny Plaetevoet aus Belgien nimmt diesen Arbeitsweg seit 22 Jahren auf sich und erhält dafür nach eigenen Angaben rund 700 Euro monatlich.
Ob dieser Betrag seine gesamten Fahrtkosten deckt, lässt sich aus den veröffentlichten Angaben nicht berechnen. Eine Beispielrechnung zeigt aber, wie wenig nach dem Tanken für Reparaturen, Versicherung und den Wertverlust des Autos übrig bleiben kann.
Haus und Familie halten ihn am Wohnort
Plaetevoet wohnt in Veurne und arbeitet nachts bei DHL Aviation in Steenokkerzeel. Nach einem Bericht von FOCUS online, der sich auf die belgische Zeitung „Het Laatste Nieuws“ stützt, legt er für Hin- und Rückfahrt zusammen etwa 290 Kilometer pro Arbeitstag zurück.
Ein Umzug kommt für ihn inzwischen nicht infrage, weil er an seinem Wohnort ein Haus und eine Familie hat. Durch seine nächtlichen Fahrten entgeht er zumindest meist dem dichtesten Berufsverkehr.
Für den Arbeitsweg erhält er dem Bericht zufolge elf Cent je Kilometer und kommt damit auf rund 700 Euro monatlich. Angesichts seiner Fahrzeugkosten betrachtet er diese Zahlung jedoch nicht als Gewinn.
Vom Fahrtgeld kann nach dem Tanken wenig bleiben
Welche Kosten bei einer solchen Strecke entstehen können, zeigt eine eigene Modellrechnung. Sie verwendet frei gewählte Annahmen und beschreibt ausdrücklich nicht die tatsächlichen Ausgaben des belgischen Beschäftigten.
Angenommen werden 20 Arbeitstage im Monat, täglich 290 gefahrene Kilometer und ein Dieselverbrauch von sechs Litern je 100 Kilometer. Der angenommene Kraftstoffpreis beträgt 1,70 Euro je Liter.
| Rechenposten | Betrag beziehungsweise Umfang |
|---|---|
| Gefahrene Kilometer im Monat | 5.800 Kilometer |
| Dieselverbrauch im Monat | 348 Liter |
| Kraftstoffkosten | 591,60 Euro |
| Angenommene Fahrtkostenzahlung | 700,00 Euro |
| Verbleibender Betrag vor weiteren Autokosten | 108,40 Euro |
Die angenommenen 700 Euro werden hier als fester Vergleichsbetrag verwendet. Eine kilometergenaue Vergütung von elf Cent würde bei 5.800 Kilometern dagegen 638 Euro ergeben.
Im Beispiel mit 700 Euro bleiben nach dem Tanken 108,40 Euro für sämtliche weiteren Fahrzeugkosten. Dazu gehören Wartung, Reifen, Reparaturen, Versicherung, Kfz-Steuer und Wertverlust.
Übersteigen diese weiteren Kosten den Restbetrag, deckt das Fahrtgeld die gesamten Autokosten nicht. Ob und in welchem Umfang das bei Plaetevoet zutrifft, bleibt ohne vollständige Kostenaufstellung offen.
In Deutschland ist die Pendlerpauschale keine Fahrtkostenerstattung
Die im belgischen Fall berichtete Kilometervergütung lässt sich nicht mit der deutschen Entfernungspauschale gleichsetzen. Diese mindert die steuerpflichtigen Einkünfte und wird nicht in gleicher Höhe ausgezahlt.
Seit dem 1. Januar 2026 können Beschäftigte grundsätzlich 38 Cent je vollem Kilometer der einfachen Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte als Werbungskosten ansetzen. Hin- und Rückweg werden dabei nicht zusammengerechnet.
Wer täglich 290 Kilometer zurücklegt, würde bei gleich langen Strecken grundsätzlich mit 145 Entfernungskilometern rechnen. Maßgeblich ist die kürzeste Straßenverbindung, wobei eine regelmäßig genutzte, offensichtlich verkehrsgünstigere Strecke berücksichtigt werden kann.
12.122 Euro Werbungskosten bedeuten nicht 12.122 Euro zurück
Ein deutscher Vergleichsfall verdeutlicht den Unterschied. Ein Beschäftigter fährt mit seinem eigenen Auto an 220 Tagen im Jahr zu einer 145 Kilometer entfernten ersten Tätigkeitsstätte und erhält keine anzurechnenden Fahrtkostenzuschüsse.
145 Kilometer mal 220 Tage mal 0,38 Euro ergeben eine Entfernungspauschale von 12.122 Euro im Jahr. Die sonst grundsätzlich geltende Höchstgrenze von 4.500 Euro steht diesem Betrag bei Nutzung des eigenen Autos nicht entgegen.
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Das Finanzamt erstattet diese 12.122 Euro allerdings nicht als Fahrtkosten. Der Betrag wird bei der Ermittlung der steuerpflichtigen Einkünfte berücksichtigt.
Beschäftigten steht ohnehin grundsätzlich ein Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.230 Euro zu. Ohne weitere Werbungskosten würde die Entfernungspauschale im Beispiel diesen Betrag um 10.892 Euro übersteigen.
Wie viel Einkommensteuer dadurch entfällt, hängt von der persönlichen Steuersituation ab. Eine feste monatliche Zahlung von 700 Euro lässt sich aus der Entfernungspauschale deshalb nicht ableiten.
Für Beschäftigte mit ergänzender Grundsicherung gelten andere Regeln
Wer arbeitet und ergänzend Leistungen vom Jobcenter erhält, muss zusätzlich auf die sozialrechtliche Einkommensberechnung achten. Die steuerliche Entfernungspauschale lässt sich darauf nicht unverändert übertragen.
Welche Ausgaben berücksichtigt werden können, erläutert unser Beitrag zu den Fahrtkosten für Beschäftigte mit ergänzendem Bürgergeld. Entscheidend ist auch dort, welche Voraussetzungen im Einzelfall erfüllt sind.
Auch 60 Stunden Fahrzeit im Monat haben ihren Preis
Bei angenommenen drei Stunden täglich und 20 Arbeitstagen kommen im Monat 60 Stunden allein für den Arbeitsweg zusammen. Diese Zeit fehlt für Familie, Erholung und andere Verpflichtungen.
Wer einen weit entfernten Arbeitsplatz annimmt, sollte deshalb das verfügbare Einkommen nach Fahrtkosten vergleichen. Ein höheres Gehalt oder ein Fahrtkostenzuschuss allein zeigt noch nicht, ob sich der Wechsel finanziell lohnt.
FAQ zu Fahrtgeld und Pendlerpauschale
Zahlt der belgische Pendler trotz 700 Euro Fahrtgeld drauf?
Das lässt sich aus den veröffentlichten Angaben nicht sicher feststellen, weil eine vollständige Kostenaufstellung fehlt. Die Modellrechnung zeigt lediglich, dass bei langen Strecken schon die Kraftstoffkosten einen großen Teil des Fahrtgeldes aufbrauchen können.
Zählen bei der Pendlerpauschale Hin- und Rückfahrt?
Grundsätzlich zählt die einfache Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte. Bei insgesamt 290 Kilometern für Hin- und Rückfahrt wären das bei gleich langen Strecken 145 Kilometer.
Erstattet das Finanzamt die errechnete Entfernungspauschale vollständig?
Nein, die Entfernungspauschale wird als Werbungskosten berücksichtigt und mindert die steuerpflichtigen Einkünfte. Die tatsächliche Steuerersparnis hängt unter anderem vom Einkommen und den übrigen Werbungskosten ab.
Quellen
Fallangaben nach dem von FOCUS online wiedergegebenen Bericht von „Het Laatste Nieuws“.
Bundesfinanzministerium, steuerliche Änderungen 2026
§ 9 Einkommensteuergesetz, Werbungskosten und Entfernungspauschale
§ 9a Einkommensteuergesetz, Arbeitnehmer-Pauschbetrag
Eigene Modellrechnungen mit ausdrücklich genannten Annahmen.




