Schweden-Rente in Deutschland kommt später aber Arbeitnehmer sollen mehr einzahlen

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Die Bundesregierung verschiebt einen wichtigen Teil ihrer Rentenreform. Die geplante gesetzliche Kapitalrente nach schwedischem Vorbild soll erst 2027 gesetzlich ausgearbeitet werden. Für Beschäftigte könnte sie zusätzliche Rentenbeiträge bedeuten.

Bei einem monatlichen Bruttogehalt von 3.000 Euro wären nach vollständiger Einführung 360 Euro im Jahr zusätzlich fällig. Der Arbeitgeber müsste denselben Betrag einzahlen. Noch handelt es sich allerdings um einen Reformvorschlag und nicht um eine beschlossene Beitragserhöhung.

Bundesregierung verschiebt die neue Kapitalrente

Eigentlich wollte Bundeskanzler Friedrich Merz die große Rentenreform noch vor Weihnachten vollständig ins Kabinett bringen. Nun wird das Vorhaben aufgeteilt.

Nach einem Bericht des Handelsblatts sollen die rentenrechtlichen Regelungen noch in diesem Jahr als ausformulierter Gesetzentwurf vorgelegt werden. Für die Kapitalrente will die Bundesregierung zunächst nur Eckpunkte festlegen.

Die gesetzliche Umsetzung ist damit auf 2027 verschoben. Auch innerhalb der Koalition wird über diesen Zeitplan gestritten.

Der CDU-Abgeordnete Pascal Reddig kritisierte die Verzögerung. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Dagmar Schmidt verteidigte dagegen eine sorgfältige Ausarbeitung der neuen Altersvorsorge.

Beschäftigte sollen bis zu zwei Prozent zusätzlich einzahlen

Die Alterssicherungskommission hatte im Juni 2026 vorgeschlagen, die gesetzliche Rentenversicherung um eine kapitalgedeckte Komponente zu ergänzen.

Dafür sollen insgesamt zwei Prozent des beitragspflichtigen Bruttoeinkommens zusätzlich eingezahlt werden. Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollen die Kosten jeweils zur Hälfte tragen.

Der bisherige Rentenbeitrag beträgt 18,6 Prozent. Die neuen Beiträge würden nach dem Kommissionsmodell hinzukommen, statt einen Teil der bestehenden Rentenbeiträge zu ersetzen.

Damit müssten Beschäftigte während ihres Erwerbslebens mehr Geld für ihre Altersvorsorge aufbringen. Im Gegenzug sollen sie später eine zusätzliche lebenslange Rentenleistung erhalten.

So viel würde die Schweden-Rente monatlich kosten

Bei vollständiger Einführung würde der zusätzliche Arbeitnehmerbeitrag ein Prozent des Bruttoeinkommens betragen.

Wer monatlich 2.000 Euro brutto verdient, müsste nach diesem Modell 20 Euro zusätzlich einzahlen. Bei 3.000 Euro wären es 30 Euro und bei 4.000 Euro entsprechend 40 Euro.

Für Beschäftigte mit 3.000 Euro Monatsgehalt ergibt sich daraus ein jährlicher Eigenbeitrag von 360 Euro. Zusammen mit dem Arbeitgeberanteil würden jährlich 720 Euro für die zusätzliche Altersvorsorge angespart.

Die Kommission empfiehlt jedoch einen schrittweisen Einstieg. Der Gesamtbeitrag soll zunächst 0,5 Prozent betragen und anschließend jährlich um weitere 0,5 Prozentpunkte steigen.

Bei 3.000 Euro Bruttogehalt läge der anfängliche Arbeitnehmeranteil deshalb nur bei 7,50 Euro monatlich. Die volle Belastung von 30 Euro wäre erst nach Abschluss der Einführungsphase erreicht.

Wie stark das monatliche Nettogehalt tatsächlich sinken würde, hängt auch von der steuerlichen Behandlung ab. Diese Einzelheiten sind bislang nicht abschließend geregelt.

Warum die Beiträge nicht an heutige Rentner fließen

Anders als bei der bisherigen gesetzlichen Rentenversicherung sollen die zusätzlichen Beiträge am Kapitalmarkt angelegt werden.

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Mit den Erträgen soll später die umlagefinanzierte Altersrente ergänzt werden. Eine bestimmte Rendite ist dabei nicht garantiert.

Die Kommission orientiert sich an der schwedischen Prämienrente. Das dortige System verbindet die gesetzliche Umlagerente bereits seit vielen Jahren mit einer kapitalgedeckten Altersvorsorge.

Einen ausführlichen Überblick über die ursprünglichen Pläne bietet unser Beitrag Rente wie in Schweden soll kommen – Neue Zwei-Prozent-Beiträge für Beschäftigte.

Wer bald in Rente geht, profitiert möglicherweise kaum

Für Beschäftigte kurz vor dem Renteneintritt ist die geplante Kapitalrente besonders relevant. Sie hätten nur wenige Jahre Zeit, um zusätzliches Kapital anzusparen.

Deshalb schlägt die Alterssicherungskommission einen steuerfinanzierten Übergangsfaktor für Rentenzugänge ab 2032 vor. Er soll das Rentenniveau während der Aufbauphase absichern.

Jüngere Beschäftigte könnten dagegen über Jahrzehnte von Kapitalerträgen profitieren. Gleichzeitig müssten sie die zusätzlichen Beiträge über einen längeren Zeitraum finanzieren.

Entscheidend bleibt, welche Regelungen die Bundesregierung tatsächlich in einen Gesetzentwurf übernimmt. Die Kommission empfiehlt einen Start möglichst 2028, doch auch dieser Termin ist noch nicht verbindlich.

Für Beschäftigte ändert sich vorerst nichts

Weder die zusätzlichen zwei Prozent noch der vorgesehene Einführungszeitplan sind bislang geltendes Recht.

Beschäftigte müssen deshalb derzeit keine neuen Beiträge zur Kapitalrente zahlen oder einen Antrag stellen.

Auch das deutsche Renteneintrittsalter wird durch die Verschiebung der Kapitalrente nicht verändert. Die neue Kapitalrente und mögliche Änderungen der Altersgrenzen sind unterschiedliche Bestandteile der Rentenreform.

Erst das weitere Gesetzgebungsverfahren wird zeigen, wann die zusätzlichen Beiträge erhoben werden und welche Rentenleistungen daraus entstehen.

Häufige Fragen zur Schweden-Rente

Muss ich ab 2027 monatlich 30 Euro mehr zahlen?

Nein. Die gesetzliche Kapitalrente ist noch nicht beschlossen. Zudem sieht der bisherige Vorschlag eine schrittweise Einführung vor.

Sind die 360 Euro ein fester Jahresbeitrag?

Nein. Dieser Betrag ergibt sich aus einem Beispiel mit 3.000 Euro monatlichem Bruttogehalt und einem Arbeitnehmerbeitrag von einem Prozent. Bei anderen Einkommen verändert sich die Höhe.

Bekommen heutige Rentner eine zusätzliche Schweden-Rente?

Aus der neuen Kapitalrente entsteht für heutige Rentner zunächst kein zusätzlicher Zahlungsanspruch. Das Modell richtet sich vor allem an Menschen, die künftig Beiträge einzahlen und Kapital ansparen.

Quellen

Deutschlandfunk, Kapitalrente aufs neue Jahr verschoben, 5. November 2026

Alterssicherungskommission, Empfehlungen zur Rentenreform vom Juni 2026, insbesondere Empfehlung 28 auf Seite 60