Mieter aufgepasst: Oft genutzter Trick spart keine Heizkosten und verursacht Schimmel in der Wohnung

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Das Wohnzimmer ist warm, das Gästezimmer bleibt kühl: Wer die Verbindungstür offen lässt, will häufig Heizkosten sparen.

Doch mit der Wärme gelangt auch Feuchtigkeit in den kälteren Raum – und der vermeintliche Spartipp kann ein Schimmelproblem begünstigen.

Wenig genutzte Zimmer müssen nicht auf Wohnzimmertemperatur gehalten werden. Sie einfach auskühlen zu lassen und nebenbei über offene Türen mitzuheizen, ist allerdings keine gute Sparstrategie.

Die offene Tür bringt auch Feuchtigkeit ins Zimmer

Das Umweltbundesamt empfiehlt, Türen zu weniger beheizten Räumen geschlossen zu halten. Denn warme Raumluft transportiert Wasserdampf, der beim Atmen, Kochen oder Duschen entsteht.

Kühlt diese Luft im Nachbarzimmer ab, steigt ihre relative Feuchtigkeit. Besonders an kalten Außenwänden und in Raumecken können dadurch Bedingungen entstehen, unter denen Schimmel wächst.

Der Zusammenhang wird leicht übersehen: Ein Zimmer kann sich nach dem Öffnen der Tür etwas wärmer anfühlen, während seine Wandoberflächen weiterhin kalt bleiben. Die übertragene Wärme ist deshalb kein verlässlicher Schutz vor Feuchtigkeitsschäden.

Wenig genutzt bedeutet nicht: Heizung dauerhaft aus

Die Verbraucherzentralen empfehlen für Wohn- und Schlafräume während der Heizperiode tagsüber mindestens etwa 16 bis 18 Grad, auch bei seltener Nutzung. In schlecht gedämmten Gebäuden kann eine höhere Temperatur erforderlich sein.

Diese Empfehlung ist eine Orientierung, keine Garantie gegen Schimmel. Wie weit sich die Temperatur sinnvoll absenken lässt, hängt auch davon ab, wie trocken der Raum ist und wie kalt seine Außenwände werden.

Ein trockenes Gästezimmer in einem gut gedämmten Haus ist daher anders zu beurteilen als ein Schlafzimmer mit zwei Außenwänden im unsanierten Altbau. Allein der Blick auf die Zahl am Heizungsregler reicht für diese Einschätzung nicht aus.

Welche Temperaturen als Orientierung dienen

Nicht jeder Raum braucht dieselbe Wärme, doch große Unterschiede verlangen Aufmerksamkeit. Die folgende Tabelle nennt Richtwerte für die Heizperiode; persönliche Bedürfnisse und der Zustand des Gebäudes können höhere Temperaturen erfordern.

Raum oder Nutzung Temperatur zur Orientierung Worauf es ankommt
Regelmäßig genutztes Wohnzimmer Etwa 20 Grad Behaglichkeit prüfen und Heizkörper freihalten.
Schlafzimmer Etwa 16 bis 18 Grad Nach dem Aufstehen lüften und Feuchtigkeit beobachten.
Selten genutztes Gäste- oder Arbeitszimmer Etwa 16 bis 18 Grad als vorsichtige Orientierung Tür zum wärmeren Nachbarraum geschlossen halten.
Raum mit sehr kalten Außenwänden Gegebenenfalls wärmer Temperatur, Feuchtigkeit und mögliche Gebäudemängel gemeinsam prüfen.

Stufe zwei bedeutet ungefähr 16 Grad

Bei üblichen Heizkörperthermostaten entspricht Stufe zwei ungefähr 16 Grad, Stufe drei etwa 20 Grad. Die tatsächliche Raumtemperatur sollte trotzdem mit einem Thermometer überprüft werden, weil Einbauort und Thermostatmodell die Regelung beeinflussen.

Auch das Sternchen am Regler wird leicht missverstanden: Es steht üblicherweise für Frostschutz bei ungefähr sechs Grad. Eine solche Einstellung ist kein geeigneter Ersatz für eine Temperatur, die Feuchtigkeitsproblemen in Wohnräumen vorbeugen soll.

Wer das Gästezimmer vor einem Besuch aufwärmen möchte, sollte die gewünschte Temperatur einstellen. Stufe fünf sorgt bei einem üblichen Thermostat nicht dafür, dass der Raum schneller warm wird, sondern legt eine höhere Zieltemperatur fest.

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Ein Hygrometer ist hilfreicher als das Bauchgefühl

Ein Thermo-Hygrometer zeigt neben der Temperatur auch die relative Luftfeuchtigkeit an. Als allgemeiner Orientierungsbereich gelten häufig 40 bis 60 Prozent, doch daraus lässt sich keine pauschale Entwarnung ableiten.

An einer kalten Wand kann die Feuchtigkeit deutlich höher sein als am Messgerät in der Raummitte. Deshalb können selbst bei einem dort unauffälligen Wert an schlecht gedämmten Außenwänden problematische Bedingungen entstehen.

Die Verbraucherzentralen raten zum Lüften, wenn die Luftfeuchtigkeit längere Zeit über 50 Prozent liegt. Beschlagene Fensterscheiben sind ebenfalls ein Anlass zu reagieren; auf sichtbares Kondenswasser muss man jedoch nicht warten, denn Schimmel kann schon vorher wachsen.

Stoßlüften statt die Feuchtigkeit weiterzureichen

Nach dem Duschen, Kochen und Schlafen sollte feuchte Luft möglichst rasch nach draußen gelangen. Das gelingt durch weit geöffnete Fenster oder eine dafür vorgesehene Lüftungsanlage.

Bei kaltem Winterwetter reichen zum Stoßlüften häufig wenige Minuten, während bei mildem Wetter mehr Zeit nötig sein kann. Währenddessen werden die Heizkörperthermostate heruntergedreht und anschließend wieder auf die gewünschte Temperatur gestellt.

Für einen kurzen Durchzug dürfen auch Innentüren geöffnet werden. Das ist etwas anderes, als einen kühlen Raum über Stunden mit warmer Wohnungsluft zu versorgen.

Dauerhaft gekippte Fenster können unnötige Wärmeverluste verursachen und angrenzende Bauteile auskühlen lassen. Wie häufig zusätzlich gelüftet werden muss, richtet sich nach Nutzung, Feuchtigkeit und vorhandener Lüftungstechnik.

Eine hohe Rechnung lässt sich nicht einfach wegfrieren

Der Druck zu sparen ist für Menschen mit kleiner Rente oder niedrigem Einkommen besonders groß. Bei einer gemeinschaftlichen Heizungsanlage wird aber ohnehin nur ein Teil der Kosten nach dem erfassten Verbrauch verteilt.

Im Regelfall sind das 50 bis 70 Prozent; der übrige Anteil wird nach Fläche oder einem anderen zulässigen Maßstab umgelegt. Ein heruntergedrehter Heizkörper lässt die Rechnung deshalb nicht im selben Verhältnis schrumpfen.

Das erklärt auch, warum trotz sparsamen Heizens eine hohe Heizkostenabrechnung entstehen kann. Wer seine Wohnung immer weiter abkühlt, löst damit nicht automatisch das Kostenproblem.

Schimmel ist nicht automatisch ein Fehler der Bewohner

Feuchtigkeitsschäden können auch durch undichte Gebäudeteile, defekte Leitungen oder andere bauliche Probleme entstehen. Wiederkehrende Flecken lassen sich deshalb nicht zuverlässig mit der pauschalen Aufforderung erledigen, mehr zu heizen.

Wer Schimmel entdeckt, sollte den Zustand dokumentieren, den Vermieter informieren und die Ursache klären lassen. Was bei der Anzeige und Beweissicherung zu beachten ist, erläutert der Beitrag über Schimmel in der Wohnung und mögliche Mietminderung.

Quellen: Umweltbundesamt: Richtig heizen und Schimmel vermeiden; Verbraucherzentrale: Heizen und Lüften; Verbraucherzentrale: Heizung optimieren; Verbraucherzentrale: Thermostat richtig einstellen; Verbraucherzentrale Energieberatung: Heizen; Verbraucherzentrale Energieberatung: Lüften; Umweltbundesamt: Schimmelursachen und Vorbeugung; § 7 Heizkostenverordnung