Zeitarbeit bringt keine Arbeit, dafür Hartz IV

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Studie der Bertelsmann Stiftung: Zeitarbeit verschafft keine Festanstellung!

(27.04.2010) Immer wieder wird den Menschen vorgebetet: Die Zeitarbeit verschafft eine "Flexibilisierung" am Arbeitsmarkt und schafft Arbeit. Doch den Betroffenen bleibt vor und nach der Zeitarbeit oft nur Hartz IV. Ausgerechnet die Bertelsmann Stiftung hat nun eine Studie veröffentlicht, die belegt, dass Leiharbeit in Deutschland den Menschen zum größten Teil keine Festanstellung bringt.

Die Zeitarbeit hat sich in Deutschland in den Jahren 2000 bis 2007 verdoppelt. Im Verlauf der weltweiten Wirtschaftskrise ist die Zeitarbeit allerdings wieder zurück gegangen. Im Juli 2009 wurden 550.000 Menschen aus der Zeitarbeit entlassen. Vielen blieb dann nur noch der Weg zum Hartz IV-Amt. Laut Studie wird erwartet, dass die Zeitarbeitsbranche wieder sprunghaft anwachsen wird, wenn sich die Wirtschaft von der Krise erholt hat. Unternehmen werden als erstes wieder Zeitarbeiter bei den Leiharbeitsfirmen buchen, denn bei der nächsten wirtschaftlichen Flaute oder bei Auftragseinbußen kann man sich schneller wieder von den Zeitarbeitern verabschieden. Laut Wirtschaftsstudie wird die "Zeitarbeit als erste wieder anziehen", wenn sich die "Geschäftsaussichten verbessern".

Der Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung kritisiert: Die Zeitarbeit baue nur selten eine Brücke zur regulären Beschäftigung. Im Gegenteil: Die Leiharbeit in den Unternehmen habe sich zu einem "eigenständigen, dauerhaften Beschäftigungssegment" entwickelt. "Hoffnungen auf einen raschen Übergang in reguläre Erwerbstätigkeit konnten bislang nicht erfüllt werden". Wie auch, denn die Zeitarbeit ist deshalb so erfolgreich, weil Unternehmen Arbeitnehmerrechte, die Jahrzehnte erkämpft wurden, geschickt umgehen können. In vielen Branchen hat man einfach kein Interesse daran, Menschen dauerhaft einzustellen.

Neben der Leiharbeit, werden immer mehr Menschen befristet beschäftigt. Allein 15 Prozent aller Arbeitnehmer verfügen nur über eine befristete Anstellung (Zeitvertrag). Im weltweiten Vergleich liegt Deutschland damit im "oberen Mittelfeld". Besonders viele Arbeitnehmer werden in öffentlichen Verwaltungstellen nur noch mit Zeitarbeitsverträgen abgespeist. Etwa zwei Drittel aller Neueinstellungen werden befristet vergeben. Ein Viertel der Zeitverträge in öffentlichen Verwaltungen werden später entfristet. Im produzierenden Gewerbe werden immerhin 59 Prozent und bei produktionsbezogenen Dienstleistungen 40 Prozent der Arbeitnehmer entfristet und erhalten einen regulären Arbeitsvertrag. Alle anderen müssen sich wieder um eine neue Arbeit bemühen und Arbeitslosengeld beantragen. Vermittelt werden dann wieder viele Erwerbslose in die Zeitarbeit, die wie berichtet, kaum eine reguläre Beschäftigung in Aussicht stellt. Danach folgt dann wieder der Weg zum Amt. (sm)

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