Schwerbehinderung: Wann wird ein Grad der Behinderung von 50 erteilt?

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Der Grad der Behinderung (GdB) ist ein wichtiger Indikator, der die Schwere einer Behinderung auf einer Skala von 20 bis 100 in 10er-Schritten misst. Wann wird ein GdB von 50 erteilt? Auf was müssen Betroffene achten? Diese und weitere Fragen beantworten wir in diesem Artikel.

GdB ist keine Prozentangabe

Der GdB ist keine Prozentangabe und addiert sich nicht einfach, wenn mehrere Behinderungen vorliegen. Stattdessen wird die Gesamtauswirkung auf die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben bewertet.

Dies bedeutet, dass der GdB von 50 nicht darauf hinweist, dass eine Person zu 50 Prozent behindert ist, sondern dass die Behinderung einen signifikanten Einfluss auf das tägliche Leben und die gesellschaftliche Teilhabe hat.

Der GdB berücksichtigt nicht nur die Art der Behinderung oder Erkrankung, sondern auch deren Auswirkungen auf das tägliche Leben.

Daher kann der GdB bei Personen mit der gleichen Erkrankung unterschiedlich sein. Dies macht es notwendig, individuelle Bewertungen durchzuführen, um den jeweiligen Grad der Behinderung festzustellen.

Welche Diagnosen führen zu einem GdB von 50?

Ein GdB von 50 wird häufig bei chronischen oder schweren Erkrankungen festgestellt. Solche Erkrankungen erfordern oft regelmäßige medizinische Behandlung und haben erhebliche Auswirkungen auf das tägliche Leben. Zu den Behinderungen, die einem GdB von 50 entsprechen, gehören:

  • Herz-Erkrankungen: Diese können durch verschiedene Herzprobleme, einschließlich Herzinsuffizienz oder schweren Herzrhythmusstörungen, verursacht werden.
  • Versteifung von Hüft- oder Kniegelenken: Eine erhebliche Beeinträchtigung der Mobilität.
  • Massive Entstellung des Gesichts oder Verlust der Nase: Solche sichtbaren Beeinträchtigungen können zu erheblichen psychischen und sozialen Herausforderungen führen.
  • Schwere Migräne: Lang anhaltende und stark belastende Migräneanfälle, die das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen.
  • Schwere Depressionen: Schwierigkeiten bei der sozialen Anpassung und im täglichen Leben.
  • Verlust einer Hand: Beeinträchtigung der Fähigkeit, tägliche Aufgaben zu erledigen.
  • Vollständige Harninkontinenz: Erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität.
  • Tinnitus mit schweren psychischen Problemen: Beeinträchtigungen im sozialen Leben und bei alltäglichen Aktivitäten.
  • Endoprothesen im Kniegelenk auf beiden Seiten: Beeinträchtigung der Mobilität und der Fähigkeit, normal zu gehen.
  • Schwer einstellbarer Diabetes Mellitus Typ 1: Erfordert kontinuierliche medizinische Überwachung und Anpassungen.
  • Schwere Endometriose: Chronische Schmerzen und Beeinträchtigungen im täglichen Leben.
  • Erhebliche Gleichgewichtsstörungen: Notwendigkeit von Gehhilfen und Risiko von Stürzen.
  • Schwere Migräne mit starken Begleiterscheinungen: Erhebliche Einschränkungen im täglichen Leben und im Berufsleben.

Welche Vorteile bringt ein GdB von 50?

Personen mit einem GdB von 50 oder höher gelten als schwerbehindert und haben Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis. Dieser Ausweis bietet verschiedene Vergünstigungen und Vorteile:

  • Früherer Renteneintritt: Schwerbehinderte können früher in Rente gehen, ohne Abschläge in Kauf nehmen zu müssen.
  • Besonderer Kündigungsschutz: Arbeitgeber müssen vor einer Kündigung das Integrationsamt konsultieren.
  • Reduzierung der Einkommenssteuer: Eine Steuervergünstigung in Höhe von 1.140 Euro pro Jahr.
  • Zusatzurlaub: Fünf zusätzliche Urlaubstage pro Jahr bei einer 5-Tage-Woche.
  • Ermäßigung von Eintrittspreisen: Verschiedene Institutionen bieten Ermäßigungen an, z. B. Museen und Theater.

Zusätzlich gibt es je nach Merkzeichen im Schwerbehindertenausweis weitere spezifische Vorteile. Merkzeichen informieren über besondere Funktionsstörungen und ermöglichen die Inanspruchnahme besonderer Rechte, wie z. B. bei Gehbehinderungen (G), Blindheit (Bl) oder Gehörlosigkeit (GL).

Wie beantrage ich einen Schwerbehindertenausweis?

Um einen Schwerbehindertenausweis zu erhalten, muss ein Antrag bei der zuständigen Kommune gestellt werden. Folgende Schritte sind dabei zu beachten:

  1. Antragsformulare ausfüllen: Diese sind bei der Kommune oder online erhältlich.
  2. Medizinische Unterlagen beifügen: Notwendige Dokumente wie Arztberichte und Gutachten.
  3. Weitere beeinträchtigende Umstände angeben: Alle relevanten Informationen, die den Gesundheitszustand betreffen.
  4. Versorgungsamt entscheidet: Innerhalb von drei bis sieben Wochen wird der Antrag geprüft.
  5. Ausstellung des Schwerbehindertenausweises: Bei positivem Bescheid wird der Ausweis ausgestellt.

Wichtig: Änderungen im Gesundheitszustand sollten dem Versorgungsamt mitgeteilt werden, um den GdB gegebenenfalls neu zu bewerten.

Allerdings sollte dabei immer beachtet werden, dass der GdB auch bei einer erneuten Überprüfung herabgestuft werden kann! Näheres dazu haben wir auch hier geschrieben: Schwerbehinderung: Plötzlich von 50 auf 20 GdB herabgestuft