Neue Regeln beim Zuverdienst bei halber Erwerbsminderungsrente

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Eine Erwerbsminderungsrente zu beziehen bedeutet nicht, dass Sie kein Geld zusätzlich verdienen dürfen. Sie dürfen auch weiterhin arbeiten, allerdings weniger als drei Stunden pro Tag (volle Erwerbsminderung) oder weniger als sechs Stunden pro Tag (teilweise Erwerbsminderung). Wie hoch darf das Einkommen sein, ohne dass die Rente leidet?

Das Restleistungsvermögen

Bei einer Erwerbsminderung wird ein Restleistungsvermögen definiert. Da Sie bei einer Erwerbsminderung im Unterschied zu einer Erwerbsunfähigkeit immer noch arbeiten können (allerdings kein volles Leistungsvermögen haben), wird geklärt, wieviel Stunden pro Tag die mögliche Tätigkeit beträgt.

Voll erwerbsgemindert oder teilweise erwerbsgemindert?

Sind es weniger als drei Stunden pro Tag, dann gelten Sie als voll erwerbsgemindert und können die ganze Rente beziehen. Sind es weniger als sechs Stunden pro Tag, dann gelten Sie als teilweise erwerbsgemindert und beziehen die halbe Rente.

Dafür sind die Grenzen des Hinzuverdienstes bei einer halben Erwerbsminderungsrente doppelt so hoch wie bei einer vollen Erwerbsminderung.

Arbeit ist ausdrücklich vorgesehen

Bei einer teilweisen Erwerbsminderung geht der Gesetzgeber davon aus, dass Sie (in Teilzeit) arbeiten können. Die diesbezügliche Rente ist also gar nicht darauf ausgelegt, dass sie zum Leben reicht.

Wieviel dürfen Sie hinzuverdienen?

Die Grenze des Hinzuverdienstes ist seit 2024 ausgesprochen hoch. Sie können also eine stattliche Summe behalten, ohne dass Ihnen deshalb die Rente gekürzt wird. Das ist ein großer Erfolg, denn vor der Reform sah es diesbezüglich für Erwerbsgeminderte düster aus – mit mickriger Rente und niedrigen Grenzen des Hinzuverdienstes.

Seit Januar 2024 können Sie bei voller EM-Rente bis zu 18.558,75 Euro im Jahr dazu verdienen, ohne dass die Rente gefährdet ist, und bei teilweiser Erwerbsminderung sogar bis zu 37.117,50 Euro. Das sind Beträge, die die meisten Menschen, die eine Rente wegen Erwerbsminderung beziehen, sowieso nicht erreichen.

Darüber wird angerechnet

Über dem Hinzuverdienst wird Arbeitseinkommen mit der Rente verrechnet. Der überschüssige Betrag wird durch zwölf geteilt, also auf die Monate gerechnet und 40 Prozent davon werden von der Rente abgezogen.

Die Altersrente erhöht sich

Der Hinzuverdienst in einer rentenversicherungspflichtigen Tätigkeit hat einen großen Vorteil für Erwerbsgeminderte. Auch Teilzeit bedeutet Rentenbeiträge. Wenn eines Tages aus der Erwerbsminderungsrente eine Altersrente wird, ist diese durch vorherige Arbeit als Erwerbsgeminderter höher.

Die Altersrente fällt dabei umso höher aus, je näher Erwerbsgeminderte an die Grenze des Zuverdienstes kommen, denn die Beiträge richten sich nach dem Einkommen, und die Rente richtet sich nach den Beiträgen.

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Was müssen Sie beachten?

Überschreiten Sie die Grenze des Hinzuverdienstes, dann wird das lediglich auf die Rente angerechnet. Überschreiten Sie jedoch die zulässige Grenze an Arbeitsstunden, dann steht die Rente selbst auf dem Spiel.

Die Bedingung dafür, als erwerbsgemindert zu gelten, ist eine verringerte Leistungsfähigkeit, definiert als weniger als drei Stunden bei voller und weniger als sechs Stunden täglich bei teilweiser Erwerbsminderung.

Ohne verringerte Arbeitsstunden keine Erwerbsminderung

Überschreiten Sie jetzt diese tägliche Arbeitszeit, dann bedeutet das im Umkehrschluss, dass Sie nicht erwerbsgemindert sind und somit auch keinen Anspruch auf die entsprechende Rente haben. Hier müssen Sie genau aufpassen.

Es geht nicht um den Stundenlohn

Dabei geht es nicht um den Stundenlohn, sondern um die Stundenzahl. Kurz gesagt: Wenn Sie sieben Stunden pro Tag zum Mindestlohn arbeiten, dann steht Ihre Rente auf dem Spiel. Wenn Sie täglich eine Stunde zu einem Stundensatz von 120,00 Euro arbeiten, ist das überhaupt kein Problem.

Es geht um die täglichen Arbeitsstunden

Es geht dabei ausdrücklich um das tägliche Stundenmaß. Wenn Sie täglich zwei Stunden arbeiten, dies aber fünf Tage die Woche und jeden Monat im Jahr, ist das im Rahmen ihrer Rente. Arbeiten Sie nur vier Monate im Jahr, dafür aber fünf Tage die Woche acht Stunden, dann verlieren Sie den Rentenanspruch.