Bereits 2007 hatte der Bundestag unter einer Koalition aus CDU/CSU und SPD (Kabinett Merkel I) die stufenweise Anhebung des Rentenalters von 65 auf 67 Jahre beschlossen.
Doch das Defizit der Rentenkasse wรคchst und Wirtschaftsministerin Reiche (CDU) fordert eine weitere Erhรถhung des Renteneintrittsalter. Auch einige รkonomen halten das fรผr erforderlich.
Noch gibt es groรen Widerstand innerhalb der Union und SPD, doch den gab es bei der Anhebung des Rentenalters auf 67 anfรคnglich auch. Letztlich stimmten Union und SPD dann doch dafรผr.
Kommt die Rente mit 70 wieder?
Ja, es gab sie bereits, die Rente mit 70. Als Reichskanzler Otto von Bismarck am 22. Juni 1889 fรผr das Deutsche Reich erstmals eine gesetzliche Invaliditรคts- und Altersversicherung einfรผhrte und damit das Sozialversicherungssystem in Deutschland begrรผndete, galt in der Rentenversicherung eine Altersgrenze von 70 Jahren.
Allerdings war die Lebenserwartung in der arbeitenden Bevรถlkerung damals mit 45 bis 50 Jahren deutlich geringer, sodass kaum jemand in den Genuss dieser staatlichen Altersrente kam.
Versicherungsfremde Leistungen werden aus der Rentenkasse genommen
Seit Jahren plรผndert der Staat die Rentenkasse in Milliardenhรถhe. Gemeint sind damit die โversicherungsfremden Leistungenโ, so bezeichnet sie die Rentenversicherung.
Zwar schieรt der Bund jedes Jahr Milliarden an Steuermitteln zu, belastet aber die Rentenversicherung ungleich mehr mit versicherungsfremden Leistungen.
So hat laut Rentenversicherung die Bundesregierung allein im Jahr 2020 insgesamt 37 Milliarden Euro mehr fรผr versicherungsfremden Leistungen aus der Rentenversicherung zweckentfremdet, als an Zuschรผssen eingezahlt.
Was alles versicherungsfremde Leistungen sind, ist nicht gesetzlich geregelt, was der Bundesrechnungshof wiederholt kritisiert hat. Und das aus gutem Grund, denn solange es keine gesetzliche Regelung gibt, kann die Bundesregierung nach Gutdรผnken entscheiden, welche versicherungsfremden Leistungen sie als solche ansieht und bezuschusst und welche nicht.
Leidtragende dieser Rechtslรผcke sind am Ende die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die immer lรคnger arbeiten mรผssen, bis sie Anspruch auf eine Altersrente haben, und die als spรคtere Rentnerinnen und Rentner auch noch ein geringeres Rentenniveau befรผrchten mรผssen.
Wann kommt die Rente mit 70?
Ausgehend von der bereits erfolgten Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre wรคre es am einfachsten, die schrittweise Erhรถhung einfach fortzusetzen, bis man bei einem Rentenalter von 70 Jahren angekommen ist. Alle die 1982 und danach geboren wurden, mรผssen in diesem Fall damit rechnen, bis zu ihrem 70. Lebensjahr zu arbeiten.
Was bedeutet Rente mit 70 fรผr die Betroffenen?
Arbeitsmediziner haben schon lange festgestellt, dass sich eine hรถhere Lebensarbeitszeit generell negativ auf die Lebenserwartung auswirkt. Forscher haben auch herausgefunden, dass eine hohe Arbeitsbelastung zu deutlich geringerer Lebenserwartung fรผhrt, wรคhrend bei Menschen in hรถheren Einkommenspositionen stattdessen die Lebenserwartung steigt. Letztere sind allerdings kaum in der staatlichen Rentenversicherung zu finden.
Die Erhรถhung des Rentenalters auf 67 Jahre wird also zwangslรคufig zu einer schleichenden Verringerung der Lebenserwartung bei den Betroffenen fรผhren, die sich mit der Erhรถhung des Rentenalters auf 70 Jahre weiter verringern wird. Das steht auรer Frage.
Bereits heute versterben jedes Jahr ca. 200.000 Versicherte vor dem 65. Lebensjahr aufgrund hoher Arbeitsbelastung, das sind ca. 20% aller Neurentner. Dieser Anteil wird mit Erhรถhung des Rentenalters deutlich zunehmen.
Aus รถkonomischer Sicht muss man also nur das Rentenalter weit genug erhรถhen, um wie zu Zeiten Otto von Bismarck eine Rentenversicherung zu haben, in die viele einzahlen, aber aus der kaum jemand Leistungen erhรคlt. Bis man irgendwann gar keine Rentenversicherung mehr benรถtigt.



