Hartz IV: Offener Brief an Angela Merkel

Neujahrsgrüße aus der Uckermark an die Bundeskanzlerin Frau Angela Merkel. Ein offener Brief der Bürgergemeinschaft gegen Sozialabbau e.V

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel,

kennen Sie das Wort Heimat? Sie kommen aus unserer Heimat, und jetzt sind wir die vergessenen Kinder. Aber ihre Datsche in der Uckermark wird besser bewacht wie ein ganzer Stadtteil. Sie könnten sich doch einen privaten Wachdienst leisten, und wir würden eine Menge Steuergelder sparen. Wir haben in der Uckermark 16 000 Arbeitslose. Dem gegenüber stehen 400 offene freie Arbeitstellen. Das nennen Sie Aufschwung. Wir nennen das eine Katastrophe. In Angermünde wurde vor kurzen eine Suppenküche eröffnet, aber wir haben ihre Anwesenheit vermisst.

Eine Bundeskanzlerin sollte vor dem Volk stehen, und wenn diese auch noch die Armut – besonders die Kinderarmut – fördert sollte, sie sich auch der Verantwortung stellen. Viele Kinder werden in diesem Jahr ohne Winterschuhe gehen müssen, aber die großen Unternehmer müssen ja gefördert werden. Wir, die Unterschicht, sollen dankbar sein. Millionen Menschen leben in Deutschland in Armut, und Sie tragen die Hauptschuld. Sie präsentieren Deutschland im Ausland. Was präsentieren Sie, die Armut oder die Militäreinsätze?

Werden Sie in ihrer Neujahrsansprache auch die neu eröffneten Suppenküchen als Erfolg bezeichnen? Aber wir haben ja noch viel mehr Erfolge, es werden immer mehr Bürger für 1,- Euro die Stunde beschäftigt. Der größte Erfolg ist natürlich die Mehrwertsteuererhöhung, damit kann man doch schön die Höhe der Diäten aufrechterhalten.

Sicherlich können Sie sich sehr gut vorstellen, mit 311 Euro als Bedarfsgemeinschaft zu leben, schon alleine das Wort ist ein Hohn. Haben wir nun die Familien abgeschafft und die Wohnungen, wurden zu neutralen Unterkünften umstilisiert. Dadurch haben wir keine gesicherten, eigenen, privaten und sicheren Wohnungen mehr. Wir können jederzeit rausgeworfen werden.

Wissen Sie, wie es ist, wenn Weihnachten vor der Tür steht, und man ausgerechnet am 19. Dezember kein Geld mehr hat, absolut nichts? Ach Sie meinen, man habe sich verausgabt mit Weihnachtsgeschenkekauf? Seien Sie versichert, dem war nicht so. Wir haben nicht mal das Geld, um überhaupt etwas zum Essen zu kaufen wie es Weihnachten üblich ist..

Bitte kommen Sie jetzt nicht mit ihrer sozialen Fürsorge, dass in einem solchem Fall geholfen wird. Das ist eine Lüge, und das wissen Sie auch. Fragen Sie Herrn Alt und Herrn Weise, welche Anweisungen (interne DV usw.) ausgegeben wurden, schauen Sie in die Rechtssprechung, sie ist ein blanker Hohn! Siehe das Bundessozialgerichtsurteil von 23.November, das besagt, die Höhe sei verfassungsgemäß und ausreichend. Mein Vorschlag wäre, Leben Sie mit 345 Euro Regelsatz ein Jahr lang und dann entscheiden Sie?

Die Menschenwürde war unantastbar, steht jetzt auf unsere Stirn geschrieben. Sie als Bundeskanzlerin müssten den Artikel 1 im Grundgesetz aufrecht erhalten und schützen. Aber das Gegenteil ist passiert. Millionen von Menschen wurden durch die Reformen in den offenen Strafvollzug gesteckt. Gesundheit, Bildung und sogar schon Kinder sind zum Luxus geworden. Aber die Unterschicht kann sich keinen Luxus mehr leisten, denn sie kämpft ums Überleben.

Vielleicht sollten Sie bei ihrem nächsten Besuch in ihrer Datsche in der Uckermark einmal einen Spaziergang machen und mit dem Volk sprechen. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein gesundes neues Jahr und endlich auch ein paar Reformen für das Volk.

Mit freundlichen Grüßen!
Bürgergemeinschaft gegen Sozialabbau e.V.
i.A. Birgit Kühr (Angermünde)
Konrad Fitz (Schwedt/O), 13.12.06

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