Der tote Kevin in Bremen und der Sozialabbau

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Der Sozialabbau und der tragischen Tod eines Kindes in Bremen
Sozialarbeiter des Jugendamtes Bremen machten einen grausigen Fund, als sie den kleinen Kevin aus der Wohnung seines drogenabhängigen Vaters holen wollten. Offenbar verhungerte der 2 jährige Kevin und wurde dann zur Aufbewahrung in einer Kühltruhe gepackt. Diese Meldung zierte alle aktuellen Print- und Fernsehmedien; die Öffentlichkeit zeigt sich schockiert über diesen grausigen Fund. Zurecht.

Auffällig ist, dass sich Kevin bereits schon einmal in einer Jugendhilfemaßnahme befand. Doch das war bereits 2005- nach einiger Zeit wurde Kevin wieder an den Vater zurück gegeben, obwohl bereits bekannt war, dass der Vater Schwerst- Drogenaghängig ist.

Einige gesellschaftliche Tatsachen werden jedoch in den aller meisten Mainstream- Medien von BILD bis Spiegel verschwiegen; Die realen finanziellen Kürzungen in den Jugendämtern.

Die Arbeitsweisen der Jugendämter- Sparen bis zum Schluss als "neue Pädagogik"
Bei jeder Jugendhilfe- Maßnahme werden entsprechend Sachbearbeiter bestimmt, die zusammen mit dem Jugendhilfe- Träger einen Hilfe- Plan aufstellen. Obwohl in den meisten Fällen eine Rückkehrperspektive aussichtslos ist, wird als erstes Ziel eine Rückkehr- Perspektive benannt. Denn bevor überhaupt eine stationäre Maßnahme genehmigt wird, werden zahlreiche Maßnahmen vorweg gestellt. Diese reichen von der Familienberatung bis zur sozialpädagogischen Tagesgruppe und Hort. Maßnahmen die deutlich günstiger sind, als eine stationäre Unterbringung: Und dies ist das Ziel der Jugendämter vor Ort; eine Kostensenkung auf Kosten der Kinder- und Jugendlichen. Und wenn schon ein stationäre Maßnahme bewilligt wird, dann zumeist mit deutlicher zeitlicher Einschränkung.

Kosten vs. Jugendhilfe
In Zeiten von Hartz IV gibt es leider immer mehr Familien, die durch Jobverlust in die Falle von Alkohol- Missbrauch und Letagie rutschen. Aus der Letagie und des "gesellschaftlichen Wertverlust" wird nun eine depressive (Ver-) Stimmung. Dies wirkt sich fundermental auch auf die Kinder aus. Verwahrlosungen, ungenügende Versorgung sind in Zeiten von Sozialabbau an der Tagesordnung. Die zu betreuenden Familen steigen immens und somit steigen ganz unweigerlich auch die Kosten der Jugendämter. Somit folgt, dass nach neuen Lösungen gesucht wird. Lösungen die darauf abzielen, Kosten einzusparen. So müssen Einrichtungen schließen, die zu vor eine hochwertige pädagogische Betreuung gewährleistet haben, aber nicht mehr mit den niederigen Jugendhilfe- Sätzen mithalten konnten. Viele weitere, auch kirchliche Einrichtungen leiden unter diesem Druck und befürchten schon jetzt ihr Aus. Neue, vorallem private Einrichtungen überschwemmen den Markt- mit dem Ziel: weniger Kosten, weniger fachliche Betreuung. Denn eine reguläre stationäre Heimunterbringung kostet der Stadt bis zu 360 Euro, je nach Setting des Trägers.

Und die Mitarbeiter in den Jugend- und Sozialämter, so interne Verlautbarungen, erhalten Prämien dafür, wenn eine "Rückkehrperspektive in das Elternhaus" so schnell wie möglich von statten geht. Bei solchen Prämien- Verlosungen kann es erlaubt sein zu fragen, geht es hier noch um das Wohl des Kindes?

100.000 Kinder eklatant vernachlässigt
Gleichwohl es liegt nicht an den Gesetzen. Vielerorts regiert in den Jugendämtern der Rotstift. Dennoch ist zu beobachten, dass Teile der Politik nun aufgewacht sind, denn die Zahl der extrem vernachlässigten Kinder wird auf etwa 100.000 geschätzt, so jedenfalls nach einer Auskunft des Kinderschutz- Bund in Deutschland. Eine Zahl die endlich aufschrecken sollte. Wenn sich nichts ändern, dann wird es noch viele weitere Todesfälle wie Kevin geben- zum Aufwachen ist es zumindestens in einem Fall schon zu spät. Ein Tod, bei dem der Sozialabbau zumindestens eine Mitschuld hat. sm, 14.10.06

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