Gelbe Dreiecke für Obdachlose

In Marseille werden Obdachlose mit gelbem Dreieck stigmatisiert

11.12.2014

In Marseille müssen Obdachlose seit dem 3. Dezember einen speziellen Ausweis in Form eines gelben Dreiecks gut sichtbar tragen. Auf den Karten sind unter anderem Informationen über Erkrankungen vermerkt. Französische Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Ausweise scharf, wie das Internetportal „netzfrauen.org“ berichtet.

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Obdachlose werden durch das gelbe Dreieck noch stärker diskriminiert
Ein neues Projekt in Marseille sorgt für reichlich Zündstoff. Die Behörden haben spezielle Obdachlosenausweise anfertigen lassen, die die Betroffenen gut sichtbar an ihrer Jacke oder ihrem Rücksack tragen müssen. Auf den Karten sind persönliche Angaben sowie Informationen zum Gesundheitszustand vermerkt. Damit soll es Helfern schneller und unkomplizierter möglich sein, die Obdachlosen im Notfall zu versorgen. Die Idee scheint zwar auf den ersten Blick sinnvoll, jedoch stigmatisiert insbesondere das auffällige Erscheinungsbild der Ausweise – ein gelbes Dreieck – die Betroffenen, die sofort als Obdachlose „geoutet“ werden. Das habe Diskriminierung und noch mehr Isolation zur Folge, so die französische Menschenrechtsliga LDH laut „netzfrauen.org“. Zudem erinnere das Dreieck an die Judenverfolgung im Zweiten Weltkrieg, kritisieren verschiedene Organisationen in der Zeitung „Le Monde“.

„Die Stigmatisierung ist unerträglich. Können Sie sich die Reaktionen der Menschen vorstellen, wenn sie im Bus fahren und eine Karte tragen, auf der angegeben ist, dass sie an Schizophrenie leiden oder an Aids erkrankt sind?“, zitiert das Portal einen Obdachlosen.

In Frankreich leben viele Obdachlose trotz Job auf der Straße, weil ihr Einkommen nicht für eine Wohnung reicht. Das zeigt eine Studie des französischen Statistikamts Insee, in der die Beschäftigungslage französischsprachiger Obdachloser untersucht wurde. Demnach geht jeder vierte Obdachlose einer Arbeit nach. Die Hälfte dieser Obdachlosen sind Frauen, die als Putz- oder Haushaltshilfen oder in der Kinderbetreuung beschäftigt sind. (ag)

Bild: Viktor Schwabenland / pixelio.de

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