Autoversicherungen werden teurer – und das trifft viele Rentner hart. Neue Verträge kosten im günstigen Segment im Schnitt 7 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Preiswelle flacht ab, bleibt aber deutlich über der Inflation.
Dr. Utz Anhalt: Mit diesem legalen Trick können Rentner bei der KFZ-Versicherung sparen
Kfz-Beiträge steigen – Vollkasko legt am stärksten zu
Die neue Wechselsaison startet mit höheren Preisen. Besonders betroffen ist die Vollkasko. Hier verlangen Versicherer im günstigen Tarifumfeld rund 8 Prozent mehr. Teilkaskos steigen um etwa 6 Prozent. Die Haftpflicht verteuert sich um rund 5 Prozent. Letztlich liegen die günstigsten Neuverträge im Schnitt 7 Prozent über dem Vorjahr. Das trifft Haushalte mit knapper Rente spürbar.
Hintergrund: Kosten treiben die Prämien nach oben
Werkstattstunden, Lacke und Ersatzteile sind teurer geworden. Das wirkt in der Vollkasko besonders stark. Versicherer verweisen zudem auf höhere Schadenaufwände durch modernere Fahrzeugtechnik.
Einige Anbieter arbeiten zwar wieder profitabel. Andere holen Defizite noch auf. Deshalb bleibt der Markt uneinheitlich. Für Sie heißt das: Die Preisspanne zwischen Tarifen ist groß.
Wichtig für Bestandskunden: Was die Zahlen bedeuten
Der genannte Index misst Neuverträge im günstigen Preissegment. Bestehende Verträge sind nicht automatisch betroffen. Dennoch dienen die Werte als Orientierung. Erhöht Ihre Versicherung den Beitrag, prüfen Sie den Bescheid.
Oft verstecken Anbieter Anhebungen in geänderten Typ- oder Regionalklassen. Sie haben dann ein Sonderkündigungsrecht. Die Frist beträgt einen Monat nach Zugang der Mitteilung.
Haftpflicht bleibt Pflicht – das schreibt das Gesetz vor
Ohne Haftpflicht dürfen Sie kein Fahrzeug im Straßenverkehr bewegen. Das regelt das Pflichtversicherungsgesetz. Wer fährt, benötigt also mindestens die Kfz-Haftpflicht.
Sie deckt Schäden, die Sie Dritten zufügen. Voll- und Teilkasko sind freiwillig. Für viele ältere Fahrzeuge reicht häufig eine Teilkasko. Das sollten Sie prüfen, wenn die Kosten drücken.
Wechselzeit nutzen: Stichtag und Sonderkündigung
Bei Verträgen mit Kalenderjahr gilt der 30. November als klassischer Stichtag. Bis dahin muss die Kündigung beim Versicherer sein. Verpasst? Eine Beitragsanpassung eröffnet trotzdem den Ausstieg.
Das Versicherungsvertragsgesetz erlaubt die außerordentliche Kündigung bei Erhöhung ohne Mehrleistung. Handeln Sie schnell: Die Monatsfrist läuft ab Zugang der Erhöhungsmitteilung.
So hoch sind die Aufschläge – kompakt im Überblick
| Sparte | Veränderung zu 2024 (günstiges Segment) |
| Haftpflicht | ca. +5 % |
| Teilkasko | ca. +6 % |
| Vollkasko | ca. +8 % |
| Schnitt günstiger Neuverträge | ca. +7 % |
Was Rentner jetzt konkret tun können
Prüfen Sie Ihren Bedarf nüchtern. Fahren Sie seltener oder nur regional? Dann kann eine geringere Jahresfahrleistung den Beitrag spürbar senken. Eine Werkstattbindung reduziert häufig die Prämie, wenn Sie damit leben können. Entfernen Sie unnötige Zusatzbausteine.
Schutzbriefe, Fahrerschutz oder Rabattschutz lohnen sich nicht in jedem Fall. Lassen Sie Zusatzfahrer streichen, wenn sie nicht fahren. Eine Garagen- oder Carport-Unterbringung bringt oft Rabatt.
Auch die Wahl der Selbstbeteiligung wirkt. Höhere Selbstbehalte in der Kasko senken die laufenden Kosten. Achten Sie jedoch auf Ihre finanzielle Reserve. Kommt ein Schaden, zahlen Sie den Eigenanteil sofort. Telematik-Tarife honorieren defensives Fahren.
Sie eignen sich nicht nur für junge Fahrer. Wer ruhig fährt, spart prozentual. Prüfen Sie, ob die App und die Datenfreigabe für Sie passen.
Besonderheiten im Alter: Zuschläge fair ausgleichen
Viele Versicherer kalkulieren Alterszuschläge ab dem späten Rentenalter. Das ist erlaubt, denn das Risiko fließt in die Tarife ein. Ihr Hebel bleibt die Schadenfreiheitsklasse.
Wer lange unfallfrei fährt, kompensiert einen Teil des Zuschlags. Wichtig: Lassen Sie ungenutzte Zweitwagen-Rabatte prüfen. Auch ein Wechsel von Voll- auf Teilkasko kann sinnvoll werden. Sprechen Sie offen mit dem Anbieter über Alternativen.
Oldtimer und Saisonkennzeichen sinnvoll nutzen
Fahren Sie ein historisches Fahrzeug mit H-Kennzeichen? Dann gelten oft günstige Spezialtarife. In Kombination mit einem Saisonkennzeichen sparen Sie zusätzlich. Das lohnt, wenn das Auto im Winter steht.
Achten Sie auf die Kilometergrenze und die Bedingungen des Versicherers. Oldtimer-Policen verlangen meist einen gepflegten Zustand und ein Alltagsfahrzeug im Haushalt.
Große Preisunterschiede – vergleichen zahlt sich aus
Selbst innerhalb der „günstigen“ Tarife liegen Angebote weit auseinander. Unterschiede von über 50 Prozent zwischen günstig und mittel sind keine Seltenheit. Vergleichsportale geben einen schnellen Marktüberblick.
Nicht alle Anbieter sind dort regulär gelistet. Fragen Sie große Direktversicherer zusätzlich direkt an. Holen Sie zwei bis drei konkrete Gegenangebote ein und verhandeln Sie mit Ihrem bisherigen Versicherer.
Schritt-für-Schritt zum günstigeren Tarif
Sichten Sie Ihre Police und die letzte Beitragsrechnung. Notieren Sie Fahrleistung, SF-Klasse, Abstellplatz, Fahrer. Rechnen Sie mehrere Varianten: ohne Zusatzbausteine, mit Werkstattbindung, mit anderem Selbstbehalt.
Prüfen Sie die Wechseltermine und Fristen. Kündigen Sie schriftlich und fristgerecht. Melden Sie den neuen Vertrag rechtzeitig bei der Zulassungsstelle, falls nötig. So vermeiden Sie Lücken im Schutz.
Mit dem„Kinder-Trick“ KFZ-Versicherung sparen – und funktioniert er wirklich?
Der rechtlich saubere, aber wenig bekannte Weg führt über die Police eines jüngeren Familienmitglieds. Lässt ein Senior sein Fahrzeug auf ein Kind oder Enkelkind versichern und überträgt zugleich seine erworbene Schadenfreiheitsklasse, sinkt die Prämie teilweise dramatisch.
Eine Auswertung der Welt am Sonntag beziffert das Sparpotenzial auf bis zu 54 Prozent.
Entscheidend ist, dass der ältere Fahrer als regelmäßiger Nutzer eingetragen wird; Fahrzeughalter muss er nicht notwendigerweise sein, sodass eine kostenpflichtige Ummeldung entfällt.
Achtung Fallstricke beim “Kinder-Übertragungstrick”
Aber der Reihe nach: Wer die Schadenfreiheitsklasse überträgt, verschenkt sie endgültig – eine Rückübertragung ist ausgeschlossen.
Zieht das Kind ins Ausland oder entscheidet sich später für ein eigenes Fahrzeug, wäre der Senior bei einer Neuanmeldung wieder Einsteiger ohne Rabatt.
Außerdem fragen manche Versicherer nach dem hauptsächlichen Fahrerprofil; weichen Angaben und Realität zu stark voneinander ab, droht Leistungskürzung im Schadenfall.
Fazit: Jetzt handeln, Fristen wahren, Bedarf prüfen
Die Preiskurve zeigt weiter nach oben, wenn auch langsamer. Wer jetzt wechselt, spart oft dreistellig im Jahr. Reduzieren Sie den Schutz auf das Nötige. Nutzen Sie Sonderkündigung und Stichtag. Vergleichen Sie breit, auch außerhalb der Portale. So halten Sie Ihre Kfz-Kosten trotz steigender Prämien im Griff.




