Mit der Rente einige Tausend geschenkt bekommen – So funktioniert es

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Ab dem 1. Januar 2023 können ältere Arbeitnehmer unbegrenzt zu ihrer Rente hinzuverdienen, ohne dass ihre Altersrente gekürzt wird. In einem Interview mit dem SPIEGEL erläutert der renommierte Sozialrichter Stephan Rittweger das sogenannte “Doppelverdienermodell”, das es älteren Arbeitnehmern ermöglicht, sowohl eine unbefristete Rente als auch ein Gehalt zu beziehen.

Das “Doppelverdiener-Modell”

Sozialrichter Stephan Rittweger, Vorsitzender Richter am Bayerischen Landessozialgericht in München, sagt, dass das “Doppelverdiener-Modell” eine Möglichkeit ist, noch vor dem regulären Rentenalter sowohl Arbeitsentgelt und dennoch eine ungekürzte Rente zu beziehen. Insbesondere profitieren die sogenannten Babyboomer (Jahrgänge 1960 bis 1965) von dieser Regelung.

Wie funktioniert das “Doppelverdiener-Modell”?

Der Clou des Modells liegt laut dem Juristen darin, dass Arbeitnehmer, die die erforderliche Wartezeit von 45 Berufsjahren erfüllen, zwei Jahre vor dem Regelaltersrenten-Alter in den Ruhestand treten können.

In dieser Zeitspanne erhalten sie nicht nur ihre Rente von der Deutschen Rentenversicherung, sondern können auch weiterhin regulär arbeiten und dabei Arbeitsentgelt beziehen.

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Der entscheidende Aspekt: Diese Leistungen werden weder durch Tricks noch Gesetzeslücken ermöglicht, sondern sind rechtlich sauber.

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Vorteile des Modells

Um das “Doppelverdiener-Modell” zu nutzen, müssen Arbeitnehmer eine 99,99-prozentige Teilrente bei der Deutschen Rentenversicherung beantragen.

Bei einem Beispiel von 2000 Euro brutto Rente würden sie monatlich nur 20 Cent ihrer Altersbezüge zugunsten der Teilrente verzichten, um weiterhin Arbeitsentgelt beziehen zu können.

Dabei bleiben sie voll sozialversichert und haben Anspruch auf Krankengeld sowie andere Sozialleistungen wie beispielsweise Wohngeld. Man bezieht die Rente und den Lohn. Gleichzeitig und ohne Kürzungen.

Besonders attraktiv ist das Modell für Menschen mit 45 Jahren Wartezeit, da sie ihre Rente bis zum Regelaltersrenten-Alter uneingeschränkt erhalten.

Auch Rentenversicherte mit 35 Jahren Wartezeit können das Modell nutzen, allerdings müssen sie Abschläge von 14,4 Prozent bzw. 10,8 Prozent in Kauf nehmen, wenn sie eine sog. Schwerbehindertenrente beziehen, so Rittweger. Statistisch betrachtet machen diese Gruppen etwa die Hälfte der Neuzugänge zur Altersrente aus.

Ein konkretes Rechenbeispiel

Um die finanziellen Auswirkungen zu verdeutlichen, führt Rittweger ein Beispiel an: Ein Beschäftigter mit einem Bruttoeinkommen von 5000 Euro pro Monat und 45 Jahren Berufserfahrung könnte zwei Jahre vor der Regelaltersrente eine vorgezogene, abschlagsfreie Rente von 2000 Euro erhalten.

Während dieser Zeit könnte er weiterarbeiten und sowohl das Arbeitsentgelt als auch zusätzliche Rentenpunkte ansammeln.

Laut dem Rentenversicherungsbericht 2022 nutzen bereits fast 300.000 Beschäftigte jährlich eine vorgezogene Rente abschlagsfrei. Das “Doppelverdiener-Modell” könnte somit für viele Menschen in Betracht kommen.

Jedoch betont Rittweger, dass die individuelle Gesundheit und die Bereitschaft zur Weiterarbeit natürlich wesentliche Faktoren sind und deshalb auch mit in die Überlegungen einbezogen werden sollten. Zudem stellt sich die Frage, ob tarifvertragliche oder arbeitsrechtliche Klauseln einer solchen Regelung im Wege stehen.

Wie und wo stellt man einen Antrag und wie ist das weitere Verfahren?

Die Beantragung des “Doppelverdiener-Modells” erfolgt formlos bei der Deutschen Rentenversicherung. Es reicht laut dem Experten aus, einfach zu schreiben: “Hiermit beantrage ich eine Teilrente von 99,99 Prozent”.

Das gesetzliche Rentenverfahren beginnt nach dem Antrag, allerdings kann die Bearbeitung sechs Monate dauern. Rittweger empfiehlt Geduld und betont, dass keine Meldepflichten gegenüber dem Arbeitgeber bestehen.

Rittweger erklärt zudem, dass Arbeitgeber, nachdem sie die Vorteile des Modells für sich erkannt haben, möglicherweise bereit sind, Vertragsklauseln anzupassen. Auch die Betriebsrente kann eine Rolle spielen, wobei hier Besonderheiten zu beachten sind.

Das “Doppelverdiener-Modell” bietet demnach eine gute Möglichkeit für ältere Arbeitnehmer, ihre finanzielle Situation vor dem Ruhestand zu verbessern.

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