Am Ende des Jahres überweist die Krankenkasse eine Prämie – im Idealfall bis zu 600 Euro. In der gesetzlichen Krankenversicherung ist so etwas tatsächlich möglich. Allerdings ist „Prämie“ nicht gleich „Bonus“, und „bis zu 600 Euro“ bedeutet fast immer: Es gibt Bedingungen, Bindungsfristen und ein Risiko, das viele Werbeaussagen nur am Rand erwähnen. Wer sich damit beschäftigt, kann sparen – wer die Details übersieht, kann am Ende draufzahlen.
Warum ausgerechnet 600 Euro immer wieder auftauchen
Die Zahl ist kein Zufall. In Wahltarifen mit Prämienzahlung oder Selbstbehalt gibt es gesetzliche Grenzen dafür, wie hoch eine Prämie ausfallen darf. In der Praxis findet sich deshalb häufig eine Obergrenze von 600 Euro pro Jahr – und genau damit werben einige Kassen sehr offensiv. Das ist aber eine Maximalgröße, nicht automatisch der Betrag, der „sicher“ ausgezahlt wird.
Alle Gesetzliche Krankenkasse, die einen Bonus 2026 anbieten
| Krankenkasse | Geldbonus (Kurzangabe) |
|---|---|
| AOK Baden-Württemberg | bis 225 € / Jahr; Maßnahmen: 17 |
| AOK Bayern | bis 150 € / Jahr; Maßnahmen: 10 |
| AOK Bremen/Bremerhaven | bis 160 € / Jahr; Maßnahmen: 14 |
| AOK Hessen | bis 300 € / Jahr; Maßnahmen: 16 |
| AOK Niedersachsen | bis 100 € / Jahr; Maßnahmen: 10 |
| AOK Nordost | bis 320 € / Jahr; Maßnahmen: 9 |
| AOK NordWest | bis 200 € / Jahr; Maßnahmen: 10 |
| AOK PLUS | bis 300 € / Jahr; Maßnahmen: 27 |
| AOK Rheinland/Hamburg | bis 320 € / Jahr; Maßnahmen: 18 |
| AOK Rheinland-Pfalz/Saarland | bis 395 € / Jahr; Maßnahmen: 27 |
| AOK Sachsen-Anhalt | bis 180 € / Jahr; Maßnahmen: 17 |
| Audi BKK | bis 120 € / Jahr; Maßnahmen: 12 |
| BAHN-BKK | bis 240 € / Jahr; Maßnahmen: 8 |
| BARMER | bis 100 € / Jahr; Maßnahmen: k. A. |
| BERGISCHE KRANKENKASSE | bis 130 € / Jahr; Maßnahmen: 4 |
| BIG direkt gesund | bis 310 € / Jahr; Maßnahmen: 12 |
| Bertelsmann BKK | bis 100 € / Jahr; Maßnahmen: 10 |
| BKK24 | bis 160 € / Jahr; Maßnahmen: 9 |
| BKK Akzo Nobel Bayern | bis 75 € / Jahr; Maßnahmen: 6 |
| BKK Diakonie | bis 150 € / Jahr; Maßnahmen: 15 |
| BKK DürkoppAdler | bis 220 € / Jahr; Maßnahmen: 22 |
| BKK EUREGIO | bis 100 € / Jahr; Maßnahmen: k. A. |
| BKK exklusiv | bis 150 € / Jahr; Maßnahmen: 18 |
| BKK Faber-Castell & Partner | bis 100 € / Jahr; Maßnahmen: 3 |
| BKK firmus | bis 75 € / Jahr; Maßnahmen: 12 |
| BKK Freudenberg | bis 200 € / Jahr; Maßnahmen: 2 |
| BKK GILDEMEISTER SEIDENSTICKER | bis 150 € / Jahr; Maßnahmen: 11 |
| BKK HERKULES | bis 400 € / Jahr; Maßnahmen: 40 |
| BKK Linde | bis 200 € / Jahr; Maßnahmen: 24 |
| BKK PFAFF | bis 100 € / Jahr; Maßnahmen: 5 |
| BKK Pfalz | bis 240 € / Jahr; Maßnahmen: 12 |
| BKK ProVita | bis 200 € / Jahr; Maßnahmen: 5 |
| BKK Public | bis 120 € / Jahr; Maßnahmen: 19 |
| BKK SBH | bis 200 € / Jahr; Maßnahmen: 10 |
| BKK Scheufelen | bis 185 € / Jahr; Maßnahmen: 10 |
| BKK Technoform | bis 150 € / Jahr; Maßnahmen: 8 |
| BKK VDN | bis 400 € / Jahr; Maßnahmen: 10 |
| BKK VerbundPlus | bis 50 € / Jahr; Maßnahmen: 8 |
| BKK Werra-Meissner | bis 50 € / Jahr; Maßnahmen: k. A. |
| BKK Wirtschaft & Finanzen | bis 220 € / Jahr; Maßnahmen: 12 |
| bkk melitta hmr | bis 130 € / Jahr; Maßnahmen: 13 |
| Continentale Betriebskrankenkasse | bis 190 € / Jahr; Maßnahmen: 19 |
| DAK-Gesundheit | bis 210 € / Jahr; Maßnahmen: 4 |
| energie-BKK | bis 170 € / Jahr; Maßnahmen: 12 |
| HEK – Hanseatische Krankenkasse | bis 225 € / Jahr; Maßnahmen: 6 |
| Heimat Krankenkasse | bis 185 € / Jahr; Maßnahmen: 13 |
| hkk Krankenkasse | bis 150 € / Jahr; Maßnahmen: 13 |
| IKK – Die Innovationskasse | bis 350 € / Jahr; Maßnahmen: 2 |
| IKK Brandenburg und Berlin | bis 275 € / Jahr; Maßnahmen: 13 |
| IKK classic | bis 200 € / Jahr; Maßnahmen: 8 |
| IKK gesund plus | bis 210 € / Jahr; Maßnahmen: 13 |
| IKK Südwest | bis 60 € / Jahr; Maßnahmen: 6 |
| KKH Kaufmännische Krankenkasse | bis 60 € / Jahr; Maßnahmen: 6 |
| KNAPPSCHAFT | bis 120 € / Jahr; Maßnahmen: 7 |
| mhplus Krankenkasse | bis 290 € / Jahr; Maßnahmen: 19 |
| mkk – meine krankenkasse | bis 70 € / Jahr; Maßnahmen: 4 |
| Mobil Krankenkasse | bis 300 € / Jahr; Maßnahmen: 4 |
| novitas bkk | bis 490 € / Jahr; Maßnahmen: 17 |
| Pronova BKK | bis 400 € / Jahr; Maßnahmen: 13 |
| R+V Betriebskrankenkasse | bis 160 € / Jahr; Maßnahmen: 16 |
| Salus BKK | bis 130 € / Jahr; Maßnahmen: 3 |
| SBK | bis 250 € / Jahr; Maßnahmen: 19 |
| SECURVITA Krankenkasse | bis 300 € / Jahr; Maßnahmen: 14 |
| SKD BKK | bis 50 € / Jahr; Maßnahmen: k. A. |
| Techniker Krankenkasse (TK) | bis 160 € / Jahr; Maßnahmen: 16 |
| TUI BKK | bis 120 € / Jahr; Maßnahmen: 19 |
| VIACTIV Krankenkasse | bis 110 € / Jahr; Maßnahmen: 4 |
| vivida bkk | bis 300 € / Jahr; Maßnahmen: 2 |
| WMF BKK | bis 75 € / Jahr; Maßnahmen: 6 |
| ZF BKK | bis 140 € / Jahr; Maßnahmen: 14 |
Bonusprogramm oder Wahltarif: Zwei völlig unterschiedliche Wege zur Auszahlung
Viele Menschen denken bei „Geld von der Krankenkasse“ an Bonusprogramme: Vorsorge wahrnehmen, Sport treiben, Impfungen, Gesundheitskurse – dafür gibt es Punkte oder Geld. Diese Programme sind relativ niedrigschwellig, der finanzielle Effekt ist jedoch meist begrenzt.
Bei der Techniker Krankenkasse liegt der direkte jährliche Vorteil im Bonusprogramm beispielsweise deutlich unter 600 Euro, selbst wenn man die Dividenden-Variante nutzt. Ähnlich ist es bei der BARMER, die mit ihrem Bonusprogramm je nach Einlösung eher im Bereich von wenigen hundert Euro pro Jahr bleibt.
Die „bis zu 600 Euro“ beziehen sich in der Regel auf etwas anderes: auf Wahltarife. Dort geht es nicht um gesundes Verhalten, sondern um einen Vertrag, bei dem Versicherte im Gegenzug für eine Prämie mehr Kosten selbst tragen oder auf bestimmte Erstattungen verzichten müssen. Genau deshalb sind diese Tarife eher ein Finanzprodukt als ein Fitness-Anreiz.
So funktionieren Wahltarife mit Prämie: Geld zurück – aber nur bei wenig Arztkosten
Bei diesen Tarifen verpflichtet man sich, einen Teil der Behandlungskosten selbst zu übernehmen oder nur ausgewählte Leistungen wie Vorsorge in Anspruch zu nehmen. Wer ein Jahr lang (oder über eine mehrjährige Laufzeit) kaum Leistungen verursacht, bekommt eine Prämie.
Wer hingegen häufiger zum Arzt muss, Rezepte braucht oder ins Krankenhaus kommt, verliert die Prämie ganz oder teilweise – und zahlt zusätzlich Eigenanteile bis zu einer festgelegten Grenze.
Wichtig ist auch der Zeitpunkt: „Am Ende des Jahres“ heißt oft nicht, dass das Geld am 31. Dezember kommt. Viele Abrechnungen trudeln verspätet ein. Manche Kassen weisen ausdrücklich darauf hin, dass die letzte Rechnungslage erst im Folgejahr vollständig ist – und die Auszahlung sich deshalb nach hinten schieben kann.
Welche Krankenkassen Tarife mit „bis zu 600 Euro“ anbieten – und was daran hängt
Auf dem Markt finden sich mehrere konkrete Angebote, die mit der 600-Euro-Marke arbeiten, allerdings mit sehr unterschiedlichen Bedingungen.
Bei der DAK-Gesundheit gibt es beispielsweise einen Cashback-Tarif, der ausdrücklich „bis zu 600 Euro Prämie pro Jahr“ in Aussicht stellt. Der Zugang ist an bestimmte Einkommensgrenzen gekoppelt, zudem gibt es eine mehrjährige Mindestbindung und eine geregelte mögliche Nachzahlung beziehungsweise einen Selbstbehalt, falls doch Kosten entstehen.
Auch die HEK – Hanseatische Krankenkasse beschreibt Wahltarife, die bei sehr geringer Leistungsinanspruchnahme eine Beitragsrückzahlung bis zu 600 Euro ermöglichen.
Die Logik ist vergleichbar: Wer kaum Leistungen nutzt, wird belohnt; wer Leistungen benötigt, muss je nach Tarif mit Eigenanteilen rechnen.
Ein weiterer Anbieter ist die VIACTIV Krankenkasse mit einem Geld-zurück-orientierten Tarif, der die Rückzahlung an ein leistungsarmes Jahr knüpft und zugleich darauf hinweist, dass Abrechnungen teils erst spät eingehen können – was die Auszahlung verzögert.
Auch die IKK classic kommuniziert Wahltarife, bei denen Versicherte „bis zu 600 Euro jährlich“ sparen können. Entscheidend ist, ob man in der jeweiligen Tarifvariante einen Selbstbehalt akzeptiert und wie hoch die festgelegten Grenzen sind.
Daneben gibt es regionale und kassenindividuelle Varianten bei AOK-Systemen: Hier ist besonders wichtig, genau hinzuschauen, ob von 600 Euro pro Jahr die Rede ist oder von Summen über mehrere Jahre.
Bei der AOK finden sich Regeln, bei denen sich Auszahlungsgrenzen auf mehrjährige Zeiträume beziehen können – was in der Wahrnehmung schnell wie ein „Jahresbonus“ klingt, es aber nicht zwingend ist.
Tabelle: Was die Krankenkassen für die Prämie fordern
| Krankenkasse (Kurzname) | Bonus (Höhe & Bedingungen – Kurzüberblick) |
|---|---|
| TK | Pro Aktivität i. d. R. einmal pro Teilnahmejahr: 1.000 Punkte (= 10 € Auszahlung) oder 20 € als „Gesundheitsdividende“ (zweckgebunden für Gesundheitsleistungen). Bedingungen: Bonusfähige Maßnahmen (z. B. Vorsorge, Impfungen, Sport/Fitness, Kurse) nachweisen; teils Sonderregelungen/Bonuserhöhungen bei bestimmten Programmen. |
| BARMER | Auszahlung ab der 1. Aktivität (z. B. 10 €); Sammeln möglich bis zu 200 € pro Jahr („Top-Geldprämie“). Bedingungen: Gesundheitsaktivitäten digital einreichen (typisch per App/Fotonachweis); Bonus hängt von den nachgewiesenen Aktivitäten/Punkten ab. |
| DAK | 1 Bonuspunkt = 1 €; Einlösung als Geldprämie ohne Mindest- oder Höchstwert (laut DAK-Info). Bedingungen: Bonuspunkte durch Maßnahmen sammeln; alternativ Zuschuss-Optionen möglich (für bestimmte Gesundheitsleistungen teils mit zusätzlichem Aufschlag). |
| hkk | „Sofortbonus“ (Bargeld) oder „Gesundheitszuschuss“ (höher, zweckgebunden). Für Erwachsene: Aktivbonus max. jährlich 90 € (Sofortbonus) bzw. 112,50 € (Gesundheitszuschuss). Extra: Erhöhter Zuschuss für Fitness-Tracker bis 280 € (einmalig, wenn definierte Anzahl Vorsorge-/Aktiv-Aktivitäten erfüllt). Bedingungen: Aktivitäten im bonusaktiv-Pass/App nachweisen; je Aktivität feste Beträge; Maxima/Teilnahmevorgaben beachten. |
| KKH | Zwei Kategorien: Aktiv-Bonus und Vorsorge-Bonus. Aktiv-Bonus (Erwachsene): 2 anrechenbare Maßnahmen, max. 30 € Geldprämie oder 60 € Gesundheitsbudget; Basismaßnahme erforderlich (z. B. Sport/Präventionskurs), plus zweite Basis- oder Zusatzmaßnahme. Vorsorge-Bonus: 1. Maßnahme 10 € / 20 € Budget, 2. Maßnahme 10 € / 20 € Budget, jede weitere 5 € / 10 € Budget. Bedingungen: Nachweise per Bonusbogen/analog oder digital; Einreichfristen je Bonusjahr beachten. |
| SBK | Bis zu 250 € im Jahr oder mehr; je Gesundheitsaktivität bis zu 20 €. Extra: 10.000-Schritte-Challenge mit 20 € Bonus (bis zu 2× pro Jahr, je nach Programmstand). Bedingungen: Teilnahme/Einreichung typischerweise digital (Meine SBK/App) mit Nachweisen. |
| HEK | Bonus „Vorsorgeplus“: im 1. Teilnahmejahr bis zu 300 € möglich; ab dem 2. Bonusjahr bis zu 144 € (laut HEK-Info). Bedingungen: Kombination aus Vorsorge (z. B. Zahnvorsorge/Krebsvorsorge je Altersgruppe) + sportlicher Aktivität (z. B. Fitnessstudio/Sportverein) + „Passivmaßnahme“ (z. B. Nichtraucherstatus/BMI oder Messwert im Normbereich). |
| AOK Niedersachsen | AOK Aktiv-Bonus (digital): 1 Punkt = 1 € Prämie (Auszahlung per Überweisung nach Freigabe). Bedingungen: Teilnahme über die „Meine AOK“-App; pro Maßnahme typischerweise Punkte (z. B. 10 Punkte) mit Begrenzungen je Bereich (z. B. max. 5 Impfungen/Impfkomplexe pro Kalenderjahr; Präventionskurse max. 2/Jahr). Keine gleichzeitige Teilnahme mit bestimmten anderen AOK-Bonus/Wahltarifen (laut Regelwerk). |
| IKK classic | Geldbonus je Maßnahme (z. B. für „regelmäßige Aktivitäten“ oft 25 €). Alternativ: Zuschuss-Variante – Bonus wird je nach Maßnahme deutlich erhöht (z. B. 75 statt 25 €) und es gibt laut Teilnahmebedingungen keinen festen Maximalbetrag; Erstattung jedoch max. bis zu den tatsächlich nachgewiesenen Kosten. Bedingungen: Bonusfähige Maßnahmen im Kalenderjahr nachweisen; bei Zuschuss zusätzlich Belege/Rechnungen einreichen (typisch 1× jährlich). |
Für wen lohnt sich das wirklich – und für wen eher nicht
Solche Tarife rechnen sich vor allem für Menschen, die sehr selten medizinische Leistungen in Anspruch nehmen, gut planen können und ein finanzielles Polster haben. Wer typischerweise nur Vorsorge nutzt und ansonsten kaum Rezepte oder Arzttermine hat, kann über die Jahre tatsächlich Geld zurückholen.
Schwierig wird es für alle, deren Gesundheitskosten schwer vorhersehbar sind. Chronische Erkrankungen, laufende Therapien, häufige Facharztbesuche, regelmäßige Arzneimittel, geplante Operationen oder auch nur eine Phase mit vielen Infekten können den finanziellen Vorteil schnell aufzehren. Dann ist die Prämie weg – und zusätzlich kommt der Selbstbehalt.
Auch Familien sollten nüchtern rechnen. Je nach Tarif zählen bestimmte Kosten von mitversicherten Angehörigen nicht mit oder werden anders bewertet, aber das ist nicht einheitlich geregelt. Wer Kinder hat, weiß zudem: Arztbesuche lassen sich nicht zuverlässig „einplanen“. Gerade dann kann ein Tarif, der nur bei minimaler Leistungsnutzung attraktiv ist, unpassend sein.
Die größten Missverständnisse: Was in der Werbung gut klingt, aber häufig anders wirkt
Ein typisches Missverständnis lautet: „Ich verzichte einfach auf Arztbesuche und bekomme sicher 600 Euro.“ In der Praxis gibt es fast immer eine Gegenleistung, die erst sichtbar wird, wenn man krank wird. Dann gilt: Man ist zwar weiterhin versichert, aber man muss eben einen Teil der Kosten selbst tragen – bis zur vereinbarten Grenze.
Ein weiteres Missverständnis betrifft die Laufzeit. Viele Tarife binden Versicherte länger, als man spontan vermutet. Wer im zweiten Jahr merkt, dass es nicht passt, kommt nicht immer sofort wieder heraus, und ein Kassenwechsel kann erschwert sein.
Und schließlich ist „am Ende des Jahres“ oft eine Vereinfachung. Je nachdem, wie schnell Leistungserbringer abrechnen, kann die endgültige Bewertung, ob wirklich „keine relevanten Leistungen“ angefallen sind, erst deutlich später feststehen.
Kurzes Praxisbeispiel (Geldbonus in der Realität)
Sebastian ist bei der Techniker Krankenkasse versichert und möchte sich für 2026 einen Geldbonus auszahlen lassen. Er sammelt im Laufe des Jahres Nachweise für typische Bonus-Aktivitäten:
- Zahnvorsorge beim Zahnarzt (Stempel/Bestätigung)
- Grippeschutzimpfung beim Hausarzt (Eintrag im Impfpass oder Bescheinigung)
- Mitgliedschaft im Sportverein bzw. regelmäßiges Training (Bestätigung vom Verein/Fitnessstudio)
- Gesundheitskurs (z. B. Rückenfit – Teilnahmebescheinigung)
Am Jahresende lädt Sebastian die Nachweise in der App der Kasse hoch (oder nutzt den Bonusbogen). Die TK bewertet die Aktivitäten in ihrem Bonusprogramm über Punkte. Wenn er genug Punkte erreicht (z. B. 1.000 Punkte), kann er die Punkte als Geldprämie (z. B. 10 €) auszahlen lassen – alternativ wäre oft auch eine höhere zweckgebundene Gesundheitsleistung möglich (je nach Kasse/Programm).
Ergebnis: Sebastian hat nichts extra „gekauft“, sondern nur Dinge genutzt, die er ohnehin gemacht hat (Vorsorge, Impfung, Bewegung) – und bekommt dafür am Ende des Bonusjahres eine kleine Geldprämie überwiesen.
So gehen sie vor, bevor sie unterschreiben
Wer mit dem Gedanken spielt, sollte nicht mit dem Maximalbetrag rechnen, sondern mit einem realistischen Szenario: Wie hoch waren die eigenen Arzt- und Arzneimittelkosten in den vergangenen zwei bis drei Jahren, und wie wahrscheinlich sind Veränderungen? Danach lohnt ein Blick in die Tarifbedingungen: Welche Leistungen sind „unschädlich“ (Vorsorge ist häufig ausgenommen), welche Kosten mindern die Prämie sofort, wie hoch ist der Selbstbehalt im schlechtesten Fall und wie lange läuft die Bindung?
Praktisch ist außerdem, sich nicht von ähnlichen Begriffen verwirren zu lassen. Bonusprogramme sind in der Regel risikoarm, aber begrenzt. Wahltarife sind potenziell lukrativ, aber mit spürbarem Risiko verbunden.
Einordnung: Sparchance ja – aber kein Gratisgeld
Prämien bis 600 Euro sind in der gesetzlichen Krankenversicherung möglich, doch sie sind fast nie „einfach so“ zu bekommen.
Häufig handelt es sich um Wahltarife, die sich nur dann lohnen, wenn Versicherte im jeweiligen Zeitraum sehr wenige Leistungen benötigen. Wer gesund ist, gut verdient, selten zum Arzt muss und die Bindung akzeptiert, kann profitieren. Wer hingegen unsichere Gesundheitskosten hat oder Flexibilität braucht, fährt oft besser mit einem klassischen Tarif und – wenn gewünscht – einem normalen Bonusprogramm.




