Rentenerhöhung 2026: Jetzt doch noch mehr Rente als gedacht

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Die Aussicht auf steigende Renten im Jahr 2026 sorgt bei vielen Ruheständlerinnen und Ruheständlern für Erleichterung. Nachdem der erste Rentenversicherungsbericht zunächst von einer Erhöhung um rund 3,37 Prozent ausgegangen war, deuten neue Zahlen nun auf ein deutlich größeres Plus hin.

Inzwischen spricht sogar der Präsident der Deutschen Rentenversicherung von einer höheren Anpassung. Die aktuell genannte Prognose: etwa 3,73 Prozent.

Doch was steckt hinter dieser neuen Einschätzung? Wie kommen solche Berechnungen zustande, und was bedeutet das konkret für die monatliche Rentenzahlung – brutto wie netto? Ein Überblick über die Hintergründe, Zahlen und Konsequenzen.

Wie die Renten in Deutschland angepasst werden

Die gesetzliche Rente folgt in Deutschland keinem willkürlichen Beschluss, sondern einem festgelegten Berechnungsweg, der sich vor allem an der Lohnentwicklung orientiert.

Wichtig hierfür ist das sogenannte Rentenniveau. Es beschreibt, welchen Anteil des aktuellen Durchschnittslohns eine Person erhält, die 45 Jahre lang durchgehend mit einem durchschnittlichen Einkommen gearbeitet und Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat. Derzeit ist gesetzlich abgesichert, dass diese Person mindestens 48 Prozent eines aktuellen Durchschnittslohns als Rente bekommt.

Aus dieser Verknüpfung ergibt sich ein Grundprinzip: Steigen die Löhne, steigen mit etwas zeitlichem Abstand auch die Renten. Entwickeln sich die Einkommen der Beschäftigten günstiger als erwartet, schlägt sich das früher oder später auch in den Rentenzahlungen nieder – genau das ist nun für 2026 der Fall.

Lohnentwicklung und Kassenlage: Warum die Prognose nach oben korrigiert wurde

Die erste Prognose von rund 3,37 Prozent für 2026 stützte sich auf damalige Annahmen zur Lohnentwicklung und zur finanziellen Situation der Rentenversicherung. Seither haben sich die Daten weiterentwickelt, und neue Berechnungen führen zu einem anderen Bild.

Zum einen sind die Löhne im Jahr 2025 stärker gestiegen, als noch vor einigen Wochen angenommen wurde. Tarifabschlüsse, Nachholeffekte aus den Vorjahren und eine insgesamt robuste Entwicklung am Arbeitsmarkt sorgen dafür, dass die Summe der beitragspflichtigen Einkommen zulegt.

Das erhöht die Einnahmen der Rentenkasse und damit den Spielraum für eine kräftigere Rentenanpassung.

Zum anderen bewertet die Deutsche Rentenversicherung in ihrem aktuellen Bericht die finanzielle Lage des Systems etwas positiver. Rücklagen, Beitragseinnahmen und mittelfristige Projektionen fallen günstiger aus, als zwischenzeitlich befürchtet. Das Ergebnis ist eine überarbeitete Prognose für die Rentenerhöhung 2026, die nun bei rund 3,73 Prozent liegt – also spürbar höher als die ursprünglichen 3,37 Prozent.

Rückblick: Die Rentenerhöhung 2025 im Verhältnis zur Inflation
Um die Bedeutung der neuen Prognose zu verstehen, lohnt sich auch ein Rückblick auf das Jahr 2025. Bereits damals fiel die Rentenanpassung mit 3,74 Prozent kräftig aus. Bemerkenswert: Diese Erhöhung lag über der damaligen Inflationsrate.

Genau dieser Punkt sorgt regelmäßig für Diskussionen. Kritiker befürchten, dass die Renten langfristig zu stark steigen könnten und die Belastungen für die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler zu hoch werden. Andere verweisen darauf, dass Rentnerinnen und Rentner gerade in den Jahren hoher Inflation oft das Nachsehen haben, weil sich Preissteigerungen nicht immer sofort und vollständig in den Rentenanpassungen widerspiegeln.

Ein Blick auf die längere Entwicklung zeigt: Über Jahrzehnte hinweg haben sich die Renten in Deutschland meist ungefähr im Gleichschritt mit der Preisentwicklung bewegt, teilweise sogar etwas darüber. Die aktuelle Prognose für 2026 fügt sich in dieses Bild ein – erneut deutet vieles darauf hin, dass die Renten stärker steigen als die Verbraucherpreise.

Die neue Prognose für 2026: 3,73 Prozent plus

Nach den aktuellen Berechnungen liegt die erwartete Rentenerhöhung für Juli 2026 nun bei rund 3,7 Prozent, genauer bei 3,73 Prozent. Damit würde die Anhebung erneut über der derzeit offiziell gemessenen Inflationsrate von 2,3 Prozent liegen.

Für die Praxis bedeutet das spürbare Zuwächse:
Aus einer Bruttorente von 1.000 Euro werden etwa 1.037 Euro. Wer bislang 1.500 Euro erhält, kann mit rund 1.555 Euro rechnen.

Pro 100 Euro Bruttorente ergibt sich ein Plus von ungefähr 3,70 Euro. Parallel dazu erhöht sich der aktuelle Rentenwert, also der Betrag, der pro Entgeltpunkt gezahlt wird. Er soll von derzeit 40,79 Euro auf etwa 42,30 Euro ab Juli 2026 steigen.

Der Rentenwert ist vor allem für diejenigen wichtig, die noch im Erwerbsleben stehen oder gerade in Rente gehen. Er entscheidet darüber, wie viel eine bestimmte Zahl von Entgeltpunkten tatsächlich in Euro wert ist. Je höher der Rentenwert, desto mehr Rente gibt es pro angesammeltem Punkt.

Tabelle: So könnte die Rentenerhöhung die Altersrente erhöhen

Bisherige Bruttorente Neue Bruttorente ab Juli 2026 (≈ +3,73 %)
500,00 € 518,65 €
750,00 € 777,98 €
1.000,00 € 1.037,30 €
1.200,00 € 1.244,76 €
1.500,00 € 1.555,95 €
1.800,00 € 1.867,14 €
2.000,00 € 2.074,60 €
2.500,00 € 2.593,25 €

Brutto ist nicht netto: Warum Abzüge die Wirkung dämpfen

So erfreulich die Zahlen zunächst wirken: Die genannten Beträge beziehen sich immer auf die Bruttorente. Von diesem Betrag gehen noch verschiedene Abzüge ab, bevor die Rente tatsächlich auf dem Konto landet.

In der Regel sind das Beiträge zur Krankenversicherung und zur Pflegeversicherung. Für viele Rentnerinnen und Rentner kommt zusätzlich eine Steuerbelastung hinzu. Je nach persönlicher Situation, anderen Einkünften und dem individuellen Rentenbeginn kann der steuerpflichtige Anteil der Rente unterschiedlich hoch sein.

Entscheidend ist daher, dass die nominelle Erhöhung von 3,73 Prozent netto oft etwas geringer ausfällt. Wer seine tatsächliche Entlastung oder Mehrbelastung einschätzen möchte, muss die eigenen Abzüge mit in die Rechnung einbeziehen. Gerade für Menschen mit knappen Budgets ist es wichtig, die Nettoeffekte realistisch zu betrachten.

Wenn die Rentenerhöhung zur Steuerpflicht führt

Ein Punkt, der leicht übersehen wird, kann für Betroffene unangenehme Folgen haben: Eine Rentenerhöhung kann dazu führen, dass bisher steuerfreie Rentnerinnen und Rentner erstmals in die Steuerpflicht rutschen.

Wer bislang mit seiner Gesamtrente knapp unter dem steuerlichen Grundfreibetrag lag, kann durch die Erhöhung diesen Schwellenwert überschreiten. Das bedeutet konkret: Es kann zum ersten Mal eine Einkommensteuererklärung erforderlich werden.

Viele Rentner sind davon überrascht, weil sie ihre Rente als „versteuert“ oder „abgegolten“ empfinden – tatsächlich gelten aber die allgemeinen Regeln des Einkommensteuergesetzes.

Besonders problematisch ist, dass das Finanzamt sich häufig erst mit zeitlicher Verzögerung meldet.

Oft werden dann gleich mehrere Jahre rückwirkend geprüft. Kommt es dabei zu einer Nachzahlung, kann diese Summe schnell höher ausfallen, als Betroffene erwartet hätten. Für Menschen mit geringen Rücklagen kann das eine spürbare Belastung sein.

Deshalb gilt: Wer durch die Rentenerhöhung in die Nähe des Grundfreibetrags gelangt oder diesen voraussichtlich überschreiten wird, sollte frühzeitig prüfen, ob eine Steuererklärung notwendig ist.

Gegebenenfalls kann es sinnvoll sein, sich beraten zu lassen – etwa bei Lohnsteuerhilfevereinen, Steuerberaterinnen und Steuerberatern oder Beratungsstellen der Rentenversicherung.

Realer Gewinn oder nur Ausgleich?

Ob eine Rentenerhöhung als Vorteil im Alltag spürbar wird, hängt nicht nur von der Prozentsatz selbst ab, sondern auch von der Preisentwicklung. Liegt die Rentenanpassung dauerhaft über der Inflation, steigt die Kaufkraft der Rentnerinnen und Rentner. Liegt sie darunter, reicht die Erhöhung oft nur dazu, steigende Preise teilweise auszugleichen.

Mit der prognostizierten Rentenanpassung von 3,73 Prozent bei einer aktuell gemessenen Inflationsrate von 2,3 Prozent ergibt sich rein rechnerisch ein realer Zuwachs.

Das heißt: Im Durchschnitt sollten Rentnerinnen und Rentner sich mehr leisten können als zuvor – vorausgesetzt, die Inflation zieht nicht in den kommenden Monaten wieder deutlich an.

Allerdings wirken Preissteigerungen nicht bei allen gleich. Wer einen großen Anteil seiner Ausgaben für Miete, Energie oder Lebensmittel ausgibt, spürt diese Entwicklungen anders als jemand, der mehr Spielraum für Konsum, Reisen oder Freizeitaktivitäten hat. Hinzu kommen regionale Unterschiede und individuelle Lebenssituationen.

Fazit

Die Aussicht auf eine Rentenerhöhung von rund 3,73 Prozent ab Juli 2026 ist eine erfreuliche Nachricht für viele Rentnerinnen und Rentner. Im Zusammenhang mit einer derzeit moderaten Inflationsrate besteht eine realistische Chance auf einen tatsächlichen Kaufkraftzuwachs.

Dennoch ist Vorsicht geboten: Die genannten Werte beziehen sich auf Bruttobeträge. Abzüge für Kranken- und Pflegeversicherung sowie mögliche Steuerzahlungen können die Wirkung abschwächen. Besonders diejenigen, die bisher knapp unter dem steuerlichen Grundfreibetrag lagen, sollten genau prüfen, ob sie künftig zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind und ob sich daraus mögliche Nachzahlungen ergeben könnten.