Hartz IV Geständnis eines Doppelstrich Teil II

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Hartz IV-Geständnis eines Doppelstrich Teil II
Ein Leserartikel von Judith Kyselo

Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin. (Grundgesetz, Artikel 3, Absatz 2) Ich bin eine Frau, mein Mitmieter ein Mann! Demzufolge sind wir gleichberechtigt! Und in Folge dessen, fördert der Staat die Gleichberechtigung und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin. So die Theorie – die hab ich verstanden und sogar verinnerlicht! Allerdings habe ich ein Problem mit der Praxis! Es hat den Anschein (Näheres werden die nächsten Tage zeigen), daß die ARGE, in meinem Fall, höchstoffiziell Menschenhandel betreibt. :suspect: Ich werde zwar nicht verkauft, aber verschenkt! Ich bin stolz drauf, verschenkt zu werden, denn das zeigt, daß ich als Doppelstrich vielleicht doch etwas wert bin.

Wer schenkt, will anderen eine Freude bereiten. Und wer Freude bereiten will, wird nichts Unnützes verschenken. Die ARGE verschenkt mich an meinen Mitmieter! Einfach so und natürlich ohne ein Gegengeschenk zu erwarten. Wie das geht? Ist doch ganz einfach: sie macht uns widerrechtlich zu einer Bedarfsgemeinschaft. Das ist pfiffig, denn mein Mitmieter steht in Brot und Lohn und das reicht schließlich aus, mich zu finanzieren. Ich als neuzeitliche Sklavin werde ich nicht nach meinem Willen gefragt, der steht mir weder als Geschenk noch als Sklavin zu. Meinem Mitmieter wird der Wille, das Geschenk abzulehnen, abgesprochen. Soll er doch froh sein, etwas geschenkt zu bekommen. Allein ihm obliegt es, nach Annahme des Geschenkes, ob ich essen und trinken darf, ob ich ein Dach über dem Kopf habe uund ob ich zum Arzt darf – schließlich müßte er für alle Kosten aufkommen! Ich bin undankbar und somit eine renitente, unbrauchbare Sklavin, ein Geschenk das sich wehrt. Mit Händen und Füßen klammere ich mich ans Grundgesetz. Doch das nützt nichts, denn die ARGE steht über dem Grundgesetz.

Die ARGE verschenkt mich. Das nennt man Menschenhandel! Zählt das Geschenk der ARGE dann als staatlich geförderter Menschenhandel, denn immerhin ist die ARGE ein staatliches Organ und erhält durch dieses Geschenk sogar einen geldwerten Vorteil.- SIE braucht mich NICHT zu finanzieren. Ich möchte nicht finanziert werden. Weder von dem Einen noch von dem Anderen. Ich möchte – als gesunder Mensch – selbst für meinen Lebensunterhalt aufkommen. Nun aber werde ich wohl nie wieder gefragt werden, denn als Sklavin habe ich nichts zu entscheiden und erst recht nichts zu wollen. Warum bin ich auch geboren worden? Ich schäme mich, doch bitte glaubt mir, ich hatte vor 52 Jahren keine Kraft, mich zu wehren. :sorry: Im Nachhinein betrachtet, begann ich bereits 1957 mich auf den heutigen Tag vorzubereiten: ich trank und aß und wurde immer größer – und stärker. So stark, daß ich mich heute wehren kann! Ich will – als Frau – selbst über meinen Körper und meinen Geist bestimmen, will gleichberechtigt sein und freue mich wie ein kleines Kind über den Passus „…Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“

Ich bin leichtsinnig, selbst auch als Sklavin vertraue ich auf die Verfassung, denn schließlich ist hier höchstoffiziell das Leben und Wirken in Deutschland geregelt. Fußstampfend möchte ich ich meinen Protest quer durch Deutschland schreien. Das kann verdammt gefährlich für mich werden, in der Schule habe ich gelernt, daß Sklaven bereits für nichtigere Dinge umgebracht wurden. Sklaven waren ein Nichts! Betroffen nehme ich zur Kenntnis, daß mir erneut von der ARGE bestätigt wird, daß ich ein Nichts bin. Ein Nichts, daß man loswerden will – zur Not über ein Zwangsgeschenk an Andere. In stillen depressiven Anwandlungen könnte ich mich aufgeben und so eine vorbildliche neuzeitliche Sklavin sein. Doch die depressiven Anwandlungen haben keinen Platz in mir, meine Wut ist zu groß, sie füllt mich aus.

Ich bin versucht, mich in Spartakus umzubenennen. Eine Namensänderung ist schließlich in unserem Staat möglich. Doch um diesen Verwaltungsakt zu bezahlen, fehlt mir das Geld. Also bleibe ich, was ich bin: ein Doppelstrich, ein Nichts und – eine Sklavin! Ich google mir einen und werde bei Wikipedia fündig: "Sklaverei ist der Zustand, in dem Menschen als Eigentum anderer behandelt werden… In vielen Sklaven haltenden Gesellschaften bildeten Sklavenarbeit und Sklavenhandel einen wichtigen Wirtschaftsfaktor…. [i]…In vielen Sklaven haltenden Gesellschaften behielten Sklaven eine gewisse Rechtsfähigkeit und konnten z.B. die Gerichte anrufen." Hurra, ich hab die Lösung! Ich klage, sichere und schaffe damit Arbeitsplätze! Ich bin stolz auf die ARGE: sie tut ihr Bestes, auch wenn mir anfangs massive Bedenken aufkamen! (06.04.2010, Ein Leserartikel)

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